- Begleit-Erkrankungen
Hohes Risiko senken: Fettstoffwechselstörungen bei Diabetes gegensteuern
4 Minuten

Arterienverkalkung (Arteriosklerose) führt bei vielen Menschen zu Herzinfarkt oder Schlaganfall. Einer der Faktoren, die zur Arterienverkalkung führen, sind Fettstoffwechselstörungen. Vor allem kombiniert mit Diabetes können sie gefährlich sein. Wir sagen, wie Sie dieses Risiko senken können.
Fettstoffwechselstörungen sind maßgeblich beteiligt am Entstehen von Arteriosklerose – damit von Herzinfarkt, Schlaganfall und Schaufensterkrankheit (schlecht durchblutete Beine). Ein Großteil der Typ-2-Diabetiker sind betroffen:
Infarkt-Risiko bei Diabetes
Ihr Infarkt-Risiko ist 2- bis 3-fach höher als das der Allgemeinbevölkerung; auch Patienten mit leichter bis schwerer Niereninsuffizienz (Einschränkung der Nierenfunktion) und zusätzlich erhöhtem LDL-Cholesterin gehören zur Gruppe der Hochrisikopatienten für einen Herzinfarkt; dieses Risiko lässt sich drastisch senken durch Fettsenker (Statine).
Darüber hinaus wurde in einer Studie in Colorado (USA) bei Typ-1-Diabetikern Folgendes gefunden: 47 Prozent hatten eine Fettstoffwechselstörung – nur die Hälfte der Betroffenen wusste etwas davon; und nur ⅓ der Betroffenen wurde behandelt, 15 Prozent lassen ihre Blutwerte regelmäßig kontrollieren. Dies ist auch unter einem weiteren Gesichtspunkt bemerkenswert:
Risiko für die Augen
Es gibt Hinweise aus verschiedenen Studien, dass erhöhte Blutfette bei Typ-1-Diabetikern verantwortlich sind für ein deutlich erhöhtes Risiko für ein Makulaödem (Wasseransammlung im gelben Fleck der Netzhaut). Dies ist verbunden mit einer erhöhten Erblindungsgefahr.
Typ-2-Diabetiker haben zwar im Mittel nicht viel höhere Werte des schlechten Cholesterins, des LDL-Cholesterins, als die Allgemeinbevölkerung; jedoch liegt das LDL-Cholesterin hier in einer besonders aggressiven Form bezüglich der Gefäße vor: Die besonders kleinen und sehr dicht gepackten LDL-Partikel können sehr viel leichter in die Gefäßwand eindringen und so die Entwicklung einer Arteriosklerose sehr beschleunigen. Daneben sind die Triglyzeride (Neutralfette) erhöht, und das gute, das HDL-Cholesterin, ist erniedrigt.
Es gibt lebensstilbedingte Veränderungen der Blutfettkonzentrationen: So haben in den westlichen Industrienationen schon ca. 80 Prozent der über 50-Jährigen arteriosklerotische Veränderungen in den Herzkranzarterien (Koronarien). Und es gibt altersbedingte Veränderungen: So haben das Ungeborene (Fetus) im Mutterleib und auch das Neugeborene nur ein Plasma-LDL-Cholesterin von ca. 50 mg/dl.
Bauchfett muss weg!
Diabetiker mit einer Fettstoffwechselstörung sollten als Basismaßnahme regelmäßig Ausdauersport treiben: z. B. 3-mal pro Woche 30 Minuten schnelles Gehen, Nordic Walking, Schwimmen, Cross- oder Ergometertraining; oder vielleicht 20 bis 30 Minuten täglich?
Es gibt in der Sportmedizin verschiedene Formen des Fettstoffwechsel-Trainings: z. B. sehr intensives Training mit maximalem Fettumsatz, Training morgens nüchtern etc. Womöglich sind gerade bei übergewichtigen Menschen wenige lange Trainingseinheiten effektiver als häufigere intensive Trainingseinheiten.
Entscheidend ist, dass am Ende der Woche mehr Energie (Kalorien) verbraucht als zugeführt wurde – eine negative Energie-Bilanz also. Nur so wird langfristig langsam Fett (Bauchfett) abgebaut. Der Bauchumfang sollte bei Männern 102 cm und bei Frauen 88 cm nicht übersteigen. Das LDL-Cholesterin lässt sich so deutlich senken, das HDL-Cholesterin aber nur mäßig erhöhen.
Stellenwert der Ernährung
Die Menge und die Zusammensetzung unserer Nahrung hat den größten Einfluss auf die Höhe der Blutfette – vor allem das Muster der Fettsäuren in der Nahrung, die Menge an aufgenommenem Cholesterin. Auch die Menge und Art der Kohlenhydrate (gut ist ballaststoffreiche Kost!), Fett und Alkohol sind von Bedeutung!
Durch eine nur geringe Umstellung der Ernährung in Richtung mehr vegetarisch kann das LDL-Cholesterin im Blut um 10 bis 15 Prozent gesenkt werden – und damit das Herzinfarkt-Risiko um 20 bis 30 Prozent! Bei rein vegetarischer Ernährung ist eine Senkung des LDL-Cholesterins um bis zu 30 Prozent möglich (< 100 mg/dl); dies entspricht der Wirkung eines Fettsenkers.
Die Blutkonzentrationen von Lipoprotein a schwanken beim Menschen zwischen 0,5 mg/dl und > 400 mg/dl, wobei die Konzentrationen des einzelnen Menschen meist sehr konstant sind. Sie lassen sich, da sie wohl genetisch bedingt sind, kaum senken; einzelne Studien belegen eine gewisse Senkung durch diätetische Maßnahmen und Sport.
Medikamente: Statine …
Statine (CSE-Hemmer) hemmen die Cholesterin-Synthese in der Leber; eine Senkung des Cholesterins um 30 bis 40 Prozent ist dosisabhängig möglich – jedoch führt eine Verdopplung der Statin-Dosis maximal zu einer Senkung um ca. 6 Prozent des Ausgangswertes.
Statine verringern eindeutig über eine Senkung des LDL-Cholesterins das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Schaufensterkrankheit. Mögliche, manchmal starke Nebenwirkungen stehen dem gegenüber: Muskelschmerzen wie Muskelkater sollten stutzig machen – sogar ein Muskelzerfall (Rhabdomyolyse) mit Schädigung der Nieren ist möglich; und die Leberwerte sollten ebenfalls regelmäßig überprüft werden.
… aber Risiko checken!
Die Einnahme eines Statins sollte von Ihrem Risiko für einen Herzinfarkt, Schlaganfall etc. abhängig gemacht werden: Zur Risikobeurteilung kann Ihr Arzt bestimmte Risiko-Kombinationen heranziehen (Scores wie Framingham und Procam) – diese berücksichtigen z. B. das Alter, das Geschlecht, die Blutfette, den Blutdruck, Diabetes etc.
Nach der aktuellen, gemeinsam von der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie und der Europäischen Arteriosklerose-Gesellschaft erstellten Leitlinie sollten Typ-1- und Typ-2-Diabetiker mit Folgeerkrankungen grundsätzlich einen LDL-Cholesterin-Wert unter 70 mg/dl haben; dies gilt auch für Patienten mit einer Mikroalbuminurie (kleinste Mengen von Eiweiß im Urin).
Fibrate: Fettsäuren abbauen
Fibrate steigern den Abbau von Fettsäuren in der Leber, senken so hauptsächlich die Triglyzeride (Neutralfette) und erhöhen in geringem Maß auch das gute HDL-Cholesterin. Außerdem zeigte sich in manchen Studien ein deutlicher Rückgang der Erkrankung an Netzhautschäden (Retinopathie), ebenso ließ sich die Amputationsrate deutlich senken (ca. 50 Prozent).
Die Kombination von Statinen und Fibraten kann zum Muskelzerfall führen. Deshalb ist es wichtig, dies mit seinem Arzt zu besprechen und zum Beispiel auf neu aufgetretenen Muskelkater zu achten! Statine und Fibrate sollten unbedingt zeitversetzt eingenommen werden: z. B. Statin morgens, Fibrat abends! Noch ein Hinweis: Im Alltag ist Alkohol der wichtigste Erhöher der Triglyzeride!
Positive Nikotinsäure
Die Nikotinsäure senkt das LDL-Cholesterin und die Triglyzeride und erhöht das HDL-Cholesterin in geringem Umfang – hat insgesamt also eine positive Wirkung. Leider macht es eine Hautrötung (Flush), die manchmal als unangenehm empfunden wird. Ein Medikament, das diese Nebenwirkung mindern sollte (Handelsname: Tredaptive), darf wegen starker Nebenwirkungen ganz aktuell nicht mehr verordnet werden. Sprechen Sie unbedingt mit Ihrem Arzt!
Ezetrol hemmt Cholesterin
Der Wirkstoff Ezetrol hemmt die Aufnahme von Cholesterin im Darm, dadurch sinken die Blutfettwerte. Es ist ein “guter Partner” von Statinen – beide ergänzen sich in ihrer Wirkung.
Ein Fazit
Fettstoffwechselstörungen treten in nicht unerheblichem Maß schon bei Kindern und Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes auf – und nicht nur bei adipösen Typ-2-Diabetikern in höherem Alter. Eine rechtzeitige Diagnose und konsequente, oft lebenslange Therapie sind dringend geboten angesichts der oft dramatischen Folgen.
Die Bestimmung der Blutfette muss, wie viele aktuelle Studien zeigen, nicht unbedingt nüchtern erfolgen – es sei denn, die Triglyzeride stehen im Vordergrund. Dann ist eine Nüchtern-Kontrolle sinnvoll, möglichst nach mehrtägiger Alkoholkarenz. Und: Unumgänglich ist eine Umstellung des Lebensstils mit mehr Aktivität, ohne Rauchen – oft in Kombination mit Medikamenten.
Ernährungs-Empfehlungen (Auswahl)
- mehr ungesättigte Fettsäuren, z. B. Omega-3-Fettsäuren in Raps-, Walnuss-, Leinöl, grünem Blattgemüse, fettem Seefisch wie Makrele, Hering, Lachs, Thunfisch
- weniger tierische Fette, z. B. weniger fette Wurst und fettes Fleisch, Eier, Sahne, Süßigkeiten
- mehr lösliche Ballaststoffe, z. B. Pektin, Guar, Frischobst, Gemüse
- den Anteil pflanzlicher Nahrungsmittel gegenüber dem tierischen Anteil erhöhen
- mehr Vollkornprodukte, z. B. Vollkornbrot, Haferkleie, Vollkornnudeln etc.
- nur moderater Alkoholkonsum
- weniger schnell blutzuckersteigernde Zucker (besonders in Getränken)
Dr. med. Gerhard-W. Schmeisl (Bad Kissingen) ist Internist sowie Facharzt für Diabetologie, Angiologie und Sozialmedizin und hat jahrzehntelange praktische Erfahrung in der Behandlung und Schulung von Menschen mit Diabetes in Praxis und Klinik. Er schreibt in der Diabetes-Anker-Rubrik „Medizin verstehen“ (vormals Diabetes-Kurs) über die Diabetes-Therapie und alles, was sonst noch mit dem Diabetes zusammenhängt.
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2013; 62 (4) Seite 40-43
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jseiffert postete ein Update vor 1 Tag, 13 Stunden
Hallo zusammen,
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thomas55 postete ein Update vor 1 Monat, 3 Wochen
Hallo Philipa,
beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
Viel Erfolg
Thomas





