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„Konstanzer Modell“ verbessert Arzneimittel-Sicherheit
2 Minuten
Stimmt die Kommunikation zwischen Klinikum, niedergelassenen Ärzten und Apothekern nicht, kann es nach einer Arzneimittelumstellung zu Wissens- und Versorgungslücken oder gar Fehlmedikationen führen. Das Konstanzer Modell soll diese Gefahr deutlich eindämmen.
Bei einem Krankenhausaufenthalt kommt es bei vielen Patienten zu Veränderungen der ursprünglich vom Hausarzt verordneten Medikation. Nach der Entlassung sind aus therapeutischen Gründen oft weitere Umstellungen der Medikamente durch den weiterbehandelnden Hausarzt notwendig. Allerdings kommt es dabei auf Grund von Wissens- und Versorgungslücken häufig auch zu unbeabsichtigten, therapeutisch nicht notwendigen Medikationsumstellungen, die gefährlich für den Patienten sein können.
Daher hat Prof. Dr. Thilo Bertsche vom Institut für Pharmazie der Universität Leipzig in Kooperation mit dem Klinikum Konstanz und der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg das Konstanzer Modell entwickelt, das diese Gefahr deutlich eindämmen soll. Es wurde jetzt am Klinikum Konstanz in einer Studie mit 200 Patienten untersucht. Die Ergebnisse hat Bertsche jetzt in der aktuellen Ausgabe des Deutschen Ärzteblatts veröffentlicht.
Jeder zweite Klinik-Patient von potenziell gefährdenden Umstellungen betroffen
“In der vorliegenden Studie fanden wir zunächst heraus, dass mindestens jeder zweite Patient im Rahmen der Routineversorgung von potenziell gefährdenden Medikationsumstellungen betroffen war. Daher bestand bei ihnen die Gefahr, dass die therapeutischen Zielsetzungen nach der Entlassung nicht erreicht werden”, sagt Bertsche.
Weiterhin habe es bei knapp einem Drittel der Patienten, die nach der Entlassung neuverordnete Arzneimittel benötigten, eine Versorgungslücke gegeben. Neben Kommunikationsdefiziten an den Schnittstellen der Versorgung seien unterschiedliche ärztliche Zuständigkeiten sowie der grundsätzlich unterschiedliche Arzneimittelmarkt des Krankenhauses im Vergleich zum ambulanten Sektor Gründe für therapeutisch nicht beabsichtigte Medikationsumstellungen.
Modulares Schnittstellenkonzept als wirksame Präventionsstrategie
“Das im Rahmen des Konstanzer Modells entwickelte modulare Schnittstellenkonzept erwies sich als wirksame Präventionsstrategie”, berichtet Bertsche weiter. Es sei beispielsweise gelungen, den Anteil der Patienten mit potenziell gefährdenden Medikationsumstellungen um 39 Prozent, von Patienten mit Versorgungslücken um zehn Prozent sowie bei besonderen Risikoarzneimitteln in der Medikation nach der Klinikentlassung um 21 Prozent zu reduzieren.
Die Autoren führen den Erfolg des Konzeptes darauf zurück, dass die Kommunikation zwischen Klinikum, niedergelassenen Ärzten und Apothekern deutlich verbessert wurde. Dies gelang unter anderem durch einen Entlassungsmedikationsplan. Dieser führte neben den ursprünglich angewendeten Medikamenten die die nach Entlassung fortzuführende Arznei auf. Somit sind Medikationsumstellungen für den Patienten und Hausarzt auf einen Blick zu erkennen.
Zudem wurden die Patienten bei Bedarf persönlich von einem Stationsapotheker beraten. In das Konzept wurden auch Softwarelösungen im Krankenhausinformationssystem einbezogen. Es bietet damit auch tragfähige Lösungen zur Umsetzung des aktuell eingeführten eHealth-Gesetzes.
„Konstanzer Modell“ ist auch auf andere Kliniken übertragbar
Als Stärken des Projektes haben die Autoren zum einen die funktionierende interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Apothekern hervor, zum anderen auch den modular konzipierten Ansatz, der es erlaubt habe, bedarfsgerecht auf die individuellen Bedürfnisse der Patienten zu reagieren.
Nach Ansicht der Leiterin der Studie, Claudia Greißing vom Institut für Pharmazie der Universität Leipzig und der Apotheke des Klinikums Konstanz, lassen sich durch das Konstanzer Modell und die darin unter anderem vorgesehene Einbindung des Apothekers die Risiken für den Patienten spürbar senken. “Viele Elemente des Modells werden nun in den Behandlungsalltag am Klinikum Konstanz übernommen”, sagt sie. Sie sind nach den Worten Bertsches auch auf andere Kliniken übertragbar.
Quelle: Pressemitteilung der Universität Leipzig
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schubidu postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes-Technik vor 2 Tagen, 13 Stunden
Hallo zusammen,
ich möchte im Herbst auf eine Patchpump umsteigen, daher würde mich interessieren, ob jemand mit der Nano touchcare Erfahrungen machen konnte. Lieben Dank für Rückmeldungen im Voraus! -
stephanie-haack postete ein Update vor 3 Wochen, 3 Tagen
Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂
Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/
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tako111 postete ein Update vor 3 Wochen, 3 Tagen
Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.
Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.
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katrin-kraatz antwortete vor 3 Wochen, 3 Tagen
Für die Augenproblematik konnte bisher keine Kausalität gezeigt werden. Hier sind weitere Studien zu erwarten, deren Ergebnisse abzuwarten sind. Außerdem ist es ein sehr seltenes Ereignis. Details sind zum Beispiel zu finden im Deutschen Ärzteblatt unter https://www.aerzteblatt.de/themen/augenheilkunde/therapie-mit-glp-1-rezeptor-agonisten-okulaere-komplikationen-sind-selten-aber-visusbedrohend-e345aa92-a4f7-4f40-8146-b2967b577504.
Wir bemühen uns, mit unseren Beiträgen ausgewogen über die Ausgaben des Diabetes-Ankers hinweg alle Menschen mit Diabetes zu informieren – mal mehr über den einen, mal mehr über den anderen Typ und auch weitere Diabetestypen. Medikamente finden ebenfalls über die Ausgaben hinweg ausgewogen ihren Raum im Heft.
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Hey, ja ich nutze aktuell das Medtrum Nano System also CGM + Patchpumpe. Zuvor hatte ich das Omnipod Dash (war schon sehr gut) aber das Medtrum System ist eine ganz andere Welt (im positiven) der Automodus läuft und hält die Werte größtenteils stabil. Auch die Auto Bolus Abgabe (nur auswählen Frühstück, mittag, Abendessen oder snack) Damit brauchst du bei bis bis zu 90g Kolenhydrate nicht mehr den Bolusrechner verwenden, kannst du aber bei Bedarf trotzdem jederzeit. Es hat mein Leben verändert, auch dass du wenn du möchtest eine Schnittstelle (smartphone eine App für Cgm+Pumpe) funktioniert einwandfrei. Das einzige wo man aufpassen muss, man sollte den Sensor gelegentlich kalibrieren. Der Dexcom g7 war ohne kalibrieren etwas genauer, aber die Vorteile vom Medtrum überwiegen. Ich kann’s nur empfehlen. Viel Erfolg beim Einstieg! Melde dich gerne falls du noch konkrete Fragen hast. Erfahrung in der Praxis hab icb schon einige Monate hinter mir.
@calvin240: Super, dass du geantwortet hast. Ich hatte vor einiger Zeit die gleiche Frage. Auch ich werde diese Pumpe ab Herbst nutzen. Bin aber absoluter Pumpenneuling. Darf ich dich bei Bedarf anschreiben? Viele Grüße aus der schönen Rhön!
@uho1: klar kannst du gerne machen. Wenn du Allgemein Pumpenneuling bist (jeder hat andere Anforderungen) aber aus meiner Sicht ist eine Patchpumpe also auch das Medtrum Nano die innovativste Behandlungsmöglichkeit.
Liebe Grüße