Meine Zuckerschnüfflerin

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Meine Zuckerschnüfflerin

Darf ich vorstellen?

Unsere Hündin Loona begleitet mich schon seit meinem sechsten Lebensjahr. Damals hielt sie uns noch als kleines Fellknäuel, das du besser nicht aus den Augen lassen solltest, auf Trab. Heute ist sie zwar etwas behäbiger und manchmal eine kleine Diva, die lautstark auf sich aufmerksam machen kann, aber eine Gemeinsamkeit haben wir seit jeher: die Liebe zum Essen. Auf der Suche nach etwas Essbarem streunt sie nach der Mahlzeit ihrer Herrchen und Frauchen oft durch die Wohnung. Es könnte eigentlich kein Staubsauger der Welt effizienter arbeiten als Loona, wenn da nicht ihr stetiger Haarverlust wäre.

Quelle: privat

Nächtlicher Besuch

Trotzdem hat sich ihr Verhalten mir gegenüber geändert. Als Kind habe ich damals in meinem Elternhaus immer mit offener Zimmertür geschlafen, da das Licht, das durch den Spalt fiel, mir beim Einschlafen half. Dabei wurde ich nachts von Loona eigentlich gar nicht besucht beziehungsweise bekam nichts von ihr mit. Doch ab einem gewissen Zeitpunkt hat sie sich auf einmal auch für mich interessiert, als ich schlief. Auch die Jahre zuvor ist mein Vater sehr früh morgens für die Arbeit aufgestanden, hat Loona gefüttert und ist mit ihr eine kleine Morgenrunde gelaufen. Immer wieder ist sie an meiner offenen Tür vorbeigedackelt. Bis dahin. Auf einmal fing sie an, in mein Zimmer zu kommen und nach mir zu sehen. Ab und zu stupste sie mich auch an und versuchte, mich zu wecken. Nur leider (oder zum Glück) schlafe ich wie ein Stein.

Natürlich haben wir uns gewundert, wieso sie das plötzlich ohne ersichtlichen Grund tat. Mein Bruder hatte nämlich ebenfalls immer seine Tür nachts geöffnet, aber Loona ignorierte sein Zimmer weiterhin komplett. So waren wir erstmal etwas ratlos und ließen den Dingen ihren Lauf.

Quelle: privat

Diabetes und Hunde?

Wenige Monate, nachdem Loona ihre neue Routine begonnen hatte, wurde bei mir der Diabetes diagnostiziert. Für mich war das offensichtlich ein großer Einschnitt. Doch dass der Diabetes etwas mit dem Verhalten unseres Hundes zu tun haben könnte, dachten wir nicht. Meine Mutter informierte sich kurz nach der Diagnose in Onlineforen zusätzlich über die Erfahrungen anderer Eltern, die Kinder mit Diabetes haben. Bei der Recherche stieß sie dabei eher zufällig auf einen Artikel zu Diabetikerwarnhunden.

Des Rätsels Lösung

Wir erfuhren, dass Hunde von Geburt an „den richtigen Riecher“ haben müssen, wenn sie als Diabetikerwarnhund geeignet sein sollen. Die Fähigkeit, mich auf meinen Blutzucker aufmerksam zu machen, ist Grundvoraussetzung für eine Ausbildung zum Diabetikerwarnhund! Man braucht demnach als Hund ein gewisses „Talent“, das angeboren ist und nicht von Menschen beigebracht, sondern nur gefördert werden kann. Die Ausbildung dauert normalerweise zwischen 18 und 24 Monaten. Der Hund hat danach den Status eines Assistenzhundes. Primär ist er dafür zuständig, sinkenden und steigenden Blutzucker zu erkennen und den Diabetiker zu warnen (zum Beispiel durch Anstupsen). Dadurch soll möglichen Unter- und Überzuckerungen vorgebeugt werden. Wenn ihr mehr wissen wollt, schaut auf der Seite des Deutschen Assistenzhundezentrums nach.

Da hat wohl jemand Potenzial!

Dann ist bei uns der Groschen gefallen: Loona hat anscheinend diese Begabung! Sie hat wahrscheinlich meine Zuckerschwankungen nachts bemerkt und wollte mich darauf hinweisen. Obwohl ich mittlerweile ausgezogen und deswegen nicht mehr jeden Tag bei meinen Eltern bin, hat sie, sobald ich ab und zu am Wochenende oder in den Semesterferien daheim bin, ihr liebevolles Ritual nicht verlernt. Jetzt ist sie für eine Ausbildung natürlich schon zu alt. Aber ich könnte mir in Zukunft sehr gut vorstellen, mir selbst einen eigenen Hund zuzulegen, und wer weiß? Vielleicht habe ich dann ja meinen persönlichen Diabeteswarnhund.

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  • Huhu, ich bin Marina und 23 Jahre alt, studiere in Marburg, habe schon etwas länger Typ 1 Diabetes und würde mich total über persönlichen Austausch mit anderen jungen Menschen/Studis… freuen, vielleicht auch mal ein Treffen organisieren oder so 🙂 Schreibt mir gerne, wenn ihr auch Lust habt!

  • Liebe Leute, ich habe zwei neue Erfahrungen mach dürfen, die Ursächliche nicht so schön, woraus die 2. Erfahrung (notwendig gut) resultiert!

    Ich bin kein Liebhaber von Zahnärzten und meine dort geführte Gesundheitsakte ist mit einem riesigen “A” für Angspatient gezeichnet. Ende letzten Jahres ist mir beim letzten verbleibenden Weisheitszahn (nie Schmerzen gemacht) größeres Teil abgebrochen, ZA meint, da geht er nicht bei, weil Zahn quer liegt, allso OP, und danach könnte man sich über Zahnersatz unterhalten … ich natürlich in Schockstarre gefallen, – gleich am selben Tag bei OP-Zahnarzt Termin gemacht, vor Weihnachten nix mehr möglich, gleich Anfang Januar Termin bekommen, Röntgenbild lag dem Chirugen bereits vor. Vieles wurde besprochen, auch der Zahnersatz, wobei der Chirug gleich meinte, dass ausser WZ wohl 3 weitere Zähne raus müssten. Schock nr. 2! Ich wollte mir aber noch 2Meinung einholen und fand Dank guten Rat von Bekannten, einen anderen Zahnarzt, dem ich mein Leid und Angst ausführlich schildern konnte und der auch zum erstenmal die Diabetes in Spiel brachte … kurz um ein bisher bestes aufklärendes Gespräch, wie weit Diabetes auch auf die Zahne und Zahnfleisch gehen kann. Bei mir Fazit Paradontites. (die 1. unschöne Erfahrung). Der Weisheits- und daneben liegende Zahn sind inzwischen raus, – war super gute und schmerzfreie OP, danach keinerlei Schmerzen, durfte allerdings auch Antibiotika nehmen. Die 2. Erfahrung: ich konnte meine Insulindosies halbieren, – bei 10 Tg. Antbiotika, und nun 15 ohne Medizin noch anhaltend niedrige Insulinmenge, mit steigender festen Nahrungsaufnahme.

    Heute bei Diabetologen bestätigt, das Diabetiker besonders auf Ihre Zähne und Zahlfleich achten sollten. Da frage ich mich warum der Zahnarzt da nicht im Vorsorgekatalog von DMP aufgenommen ist.

    LG Wolfgang

  • Hallo ihr Lieben….Mein Name ist Laila…Ich bin neu hier…Ich wurde seit 2017 mit Diabetes 2 diagnostiziert.Da bekam ich den Diabetes durch laufen ohne Medies in den Griff.Das ging so bis Januar 2025.Ich weiss heute nochicht warum…aber ich hatte 2024 den Diabetes total ignoriert und fröhlich darauf losgegessen.Mitte 2025 ging ich Sport machen und gehen nach dem Essen.Und nahm immer megr ab.Htte einen Hb1C Wert von 8…Da ich abnahm, dachte ich, das der Wert besser ist…Bis Januar 2025…Da hatte ich einen HbA1C Wert von 14,8…Also Krankenhaus und Humalog 100 zu den Malzeiten spritzen…Und Toujeo 6 EI am Morgen…Irgendwann merkte ich, das mich kein Krankenhaus einstellen konnte.Die Insulineinheiten wurden immer weniger.Konnte kein Korrekturspritzen megr vornehmen.Zum Schluss gin ich nach 5 Mon. mit 2 Insulineinheiten in den Hypo…Lange Rede …kurzer Sinn.Ich ging dann auf Metformin…Also Siofor 500…Ich war bei vielen Diabethologen….Die haben mich als Typ 1 behandelt.Mit Metformin ging es mir besser.Meine letzte Diaethologin möchte, das ich wieder spritze.Ich komme mit ihr garnicht zurecht.Mein HbA1C liegt jetztbei 6,5…Mein Problem ist mein Gewicht.Ich wiege ungefähr 48 Kilo bei 160 m…Ich bräuchte dringend Austausch…Habe so viele Fragen…Bin auch psychisch total am Ende. Achso…Ja ich habe seit 1991 eine chronisch kalfizierende Pankreatitis…Und eine exokrine Pankreasinsuffizienz…Also daurch den Diabetes 3c.Wer möchte sich gerne mit mir austauschen?An Michael Bender:” Ich habe Deine Geschichte gelesen . Würde mich auch gerne mit Dir austauschen, da Du ja auch eine längere Zeit Metformin eingenommen hast.” Ich bin für jeden, mit dem ich mich hier austauschen kann, sehr dankbar. dankbar..Bitte meldet Euch…!!!

    • Hallo Leila, ich bin Suzana und auch in dieser Gruppe. Meine Geschichte kannst du etwas weiter unten lesen.
      Es ist sicher schwer aus der Ferne Ratschläge zugeben, dennoch: ich habe mich lange gegen Insulinspritzen gewehrt aber dann eingesehen, dass es besser ist. Wenn die Pankreas nicht mehr genug produziert ist es mit Medikamenten nicht zu machen. Als ich nach langer Zeit Metformin abgesetzt habe, habe ich erst gemerkt, welche Nebenwirkungen ich damit hatte.
      Ja auch ich muss aufpassen nicht in den unterzucker zu kommen bei Sport und Bewegung aber damit habe ich mich inzwischen arrangiert. Traubensaft ist mein bester Freund.
      Ganz wichtig ist aber ein DiabetologIn wo du dich gut aufgehoben fühlst und die Fragen zwischendurch beantwortet.
      Weiterhin viel Kraft und gute Wegbegleiter!

    • @suzana: Ich danke Dir für die Nachricht.Könnten wir uns weiterhin austauschen?Es wäre so wichtig für mich.Vielleicht auch privat? Gebe mir bitte Bescheid…Ich kenne mich hier leider nicht so gut aus…Wäre echt super…😊

    • Hallo Leila, auch von mir ein herzliches willkommen. Auch meine Geschichte liest du im weiteren Verlauf.
      Zur “chronisch kalfizierende Pankreatitis” kann ich nix sagen, da ist immer das Gespräch mit dem Arzt/Diabetologen vorzuziehen, wie in allen Gesundheitsfragen. Was sagen Ärzte dazu, auch wg. der NICHTzunahme an Gewicht. Wenn ich mit einem Arzt nicht kann, oder dieser mir nicht ausreichende Infos gibt, schaue ich mich nach einem anderen Arzt/Diabetologen um, das ist Dein Recht, es geht um Deine Gesundheit!
      Sollte mit der Nichtzunahme noch mehr dahinter Stecken, vielleicht
      auch mal einen Psychologen in Deine Überlegung ziehen. Oder eine auf dich zugeschnittene Diabetes Schulung o.Ä., auch hier sollte Dich ein guter Diabetologe aufklären können.

      Soweit was mir im Moment einfällt. Lass es Dir gut gehen.

      Gruss Wolfgang

    • Hey Laila, du kannst mir gerne hier im Typ 3c Bereich oder via PN schreiben. Ich bin gerade zwar etwas gesundheitlich angeschlagen, versuche aber, so gut es geht zu antworten.

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