Organspende für die Forschung

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Organspende für die Forschung

Das Interview von Susanne Löw über Organspende in der Blood Sugar Lounge hat mich inspiriert, über eine andere Art der Organspende zu berichten: für die Forschung.

Dafür habe ich meine Kollegin Teresa Rodriguez-Calvo befragt. Teresa ist Nachwuchsgruppenleiterin am Helmholtz Zentrum München.  Bei ihrem Forschungsprojekt dreht sich alles um die menschliche Bauchspeicheldrüse, das Pankreas. Teresa ist Teil von einem weltweiten Projekt namens nPOD. Organspender, insbesondere Typ-1-Diabetiker, können sich dafür entscheiden, ihr Pankreas nach ihrem Tod für die Forschung bereitzustellen. Die Organe werden unter den teilnehmenden Instituten aufgeteilt, so dass möglichst viele Forschungsarbeiten an einer Spende möglich sind.

Dr. Teresa Rodriguez-Calvo vom Helmholtz Zentrum München forscht mit Hilfe von gespendeten Organen (Quelle/Copyright: Foto Teresa Rodriguez-Calvo)

Hallo Teresa.

Was genau schaust du dir in der Bauchspeicheldrüse an?

Unsere Schwerpunkte sind die Verteilung und der Inhalt der Langerhans-Inseln, welche die Beta-Zellen enthalten. Diese Zellen produzieren Insulin und werden beim Typ-1-Diabetes vom Immunsystem zerstört. Wir erforschen die Ursachen für diese Zerstörung, zum Beispiel ob bei der Insulinproduktion etwas schiefläuft und die Immunzellen dadurch zu den Langerhans-Inseln gelockt werden.

Welche Vorteile hat es, mit Organspenden zu arbeiten?

Der größte Vorteil ist die Möglichkeit, unsere Ergebnisse auf die Klinik und den Patienten zu übertragen. Vor 10 Jahren gab es kaum Informationen über die Vorgänge in der menschlichen Bauchspeicheldrüse während der Entstehung des Typ-1-Diabetes. Viele Therapien, welche bei Mäusen vielversprechend erschienen, haben in klinischen Studien bei Menschen nicht funktioniert. nPOD gibt uns die Chance, den Typ-1-Diabetes in menschlichen Organen anzuschauen und dadurch seine Entstehung und das Fortschreiten besser zu verstehen.

Arbeitest du noch mit anderen Organen außer der Bauchspeicheldrüse?

Wir schauen uns auch die Milz und die Lymphknoten und manchmal den Zwölffingerdarm an. Durch den Vergleich sehen wir, ob etwas Pankreas-spezifisch ist oder auch in anderen Organen vorkommt. Das ist besonders wichtig, wenn man sich Immunzellen anschaut.

Wie viele Forscher sind Teil von nPod?

Seit 2007 hat nPOD Organe von 487 Spendern bekommen und damit mehr als 200 Projekte von über 350 Forschern weltweit unterstützt.

Wie bist du zu nPOD gekommen?                 

Ich habe nach meiner Doktorarbeit in San Diego (USA) an einem Projekt mit Organen von nPOD geforscht. nPOD wurde vor 11 Jahren ins Leben gerufen und ist schnell zu einem sehr wichtigen Bestandteil der Diabetes-Forschung geworden. Als ich nach Deutschland gezogen bin, wollte ich natürlich weiter mit nPOD arbeiten, da es eine einzigartige Möglichkeit zum Arbeiten mit menschlichem Gewebe darstellt.

Denkt man beim Arbeiten über die Spender und deren Tod nach?

Ja, auf jeden Fall. Es ist tragisch, dass wir diese wertvollen Organe nutzen können, weil den Spendern etwas wirklich Schlimmes passiert ist. Auf der anderen Seite geben wir unser Bestes, um den Familien in dieser traurigen Situation zumindest etwas geben zu können. Das kann eine kleine Entdeckung sein oder vielleicht etwas, das uns dem Ziel, eines Tages Typ-1-Diabetes verhindern zu können, einen Schritt näher bringt.

Wie werden die Pankreata verteilt?

Die Organe gehen von den Verteilungszentren oder Kliniken zu einem zentralen Labor in Gainesville, Florida. Dort werden sie bearbeitet, in kleine Teile zerlegt und sicher gelagert. Sie werden von dort an Forscherteams aus der ganzen Welt versandt. Bevor ein Labor an Spenderorganen arbeiten darf, wird es sehr genau überprüft. Dadurch wird sichergestellt, dass die Gewebe korrekt bearbeitet werden und die Ergebnisse der Wissenschaftsgemeinschaft zur Verfügung gestellt werden.

Können Typ-1-Diabetiker aus Deutschland/Europa an nPOD teilnehmen und/oder gibt es hier etwas Vergleichbares?

Leider ist es für Menschen in Europa nicht möglich, nPOD Organe zu spenden. Seit kurzem gibt es in Italien eine ähnliche Initiative namens EUnPOD. Jedoch unterscheiden sich die Regelungen zur Organspende für Forschungszwecke in jedem europäischen Land. Daher ist die Entwicklung eines einheitlichen Programms in Europa eine große Herausforderung. Wir hoffen, dass wir in den nächsten zehn Jahren diese Hindernisse bewältigen und in Europa eine mit nPOD vergleichbare BioBank aufbauen können.

Vielen Dank für das interessante Interview, Teresa, und viel Erfolg für dein Projekt!

Wer mehr über nPOD erfahren will, kann sich unter https://www.jdrfnpod.org/ informieren.

EUnPOD ist die europäische Version von nPOD und existiert seit 2017. Auch bei diesem Projekt werden gespendete Organe untersucht. Aktuell ist eine Spende nur in Italien möglich. Als Teil der Forschungsinitiative INNODIA ist jedoch geplant, dass in Zukunft Organspenden in anderen eurpäischen Ländern möglich sein werden. EUnPOD hat bisher von zwei Diabetikern und sechs gesunden Personen Organe erhalten. Die Organe werden unter den an INNODIA teilnehmenden Forschungseinrichtungen verteilt. Mehr Infos findet ihr auf der INNODIA webpage.

Übersicht Langerhans-Inseln: Unter Langerhans-Inseln versteht man die Regionen der Bauchspeicheldrüse, welche die hormonproduzierenden Zellen enthalten. Die Beta-Zellen, welche Insulin und Amylin produzieren, und die Alpha-Zellen, welche Glucagon produzieren, befinden sich in den Langerhans-Inseln. Weitere Hormon-produzierende Zellen in den Langerhans-Inseln sind die PP-Zellen, die Delta-Zellen und die Epsilon-Zellen. (Quelle: Dr. Tanja Teliep)
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  • Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 5 Tagen, 10 Stunden

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße

  • lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 2 Wochen, 5 Tagen

    Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
    Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/

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