Plötzlich Internetempfang?! Die langersehnte Impfung

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Plötzlich Internetempfang?! Die langersehnte Impfung

Anfang Mai war es so weit: der langersehnte Piks, ein Schritt zurück zur Normalität, mehr Sicherheit im Alltag. Oder wie es auch genannt wird: die COVID-19-Impfung. Als damals verkündet wurde, dass Impfstoffe zur Verfügung stehen werden, war es für mich persönlich keine Frage, dass ich mich impfen lassen werde. Erste Zweifel, die wohl fast jede*r von uns hatte, waren schnell verflogen und das einzige Problem war nur noch, einen Termin zu finden.

Unter der 116117 versuchte ich vergebens, einen Termin zu erhaschen. Trotz Impfberechtigung war es unmöglich. Mein Hausarzt führt seine Liste, doch er machte meine Hoffnungen auf einen Termin in nächster Zeit zunichte. Es kam mir so vor, als bekämen alle um mich herum einen Termin – unabhängig davon, ob sie priorisiert sind, meist durch gute Kontakte zu Ärzten. Während meine Freund*innen und andere Vorerkrankte vergebens warteten. Man las öfter etwas vom sogenannten „Impfneid“, wobei ich diesem Begriff klar widersprechen muss. Ich wollte keine Impfung, um wieder unbeschwert und testfrei in Restaurants oder auf Festivals gehen zu können. Ich hatte lediglich Angst. Angst um meine Gesundheit und mein Leben und Angst um die meines engen Kreises.

Seit Anfang 2020 unser treuer Begleiter: der Mund-Nasen-Schutz. Auch nach der Impfung ein Muss für Nathalie! (Quelle: Nathalie Bauer)

Ich hatte die Hoffnung bereits aufgegeben, als unsere Gemeinde noch übrig gebliebene Impfdosen hatte und sie an die Priorisierungsgruppe 3 abgeben konnte. Ich zögerte nicht lange und hängte mich morgens 15 Minuten lang in die Warteschleife. Dann war es so weit: Ich hatte tatsächlich den letzten Impftermin bekommen! In mir sprudelten die Gefühle: Vorfreude, Erleichterung, Nervosität und Angst. Letzteres vor allem durch die ganzen Schlagzeilen verursacht, welche man seit Beginn der Impfungen so lesen durfte. Mögliche Nebenwirkungen, Langzeitfolgen, Impfneid – das waren so die gängigsten Themen. Auch kursierten (leider) nicht gerade wenige Verschwörungsmythen durch Social Media, dass in den Impfstoffen beispielsweise 5G-Nanochips sind, welche uns Menschen im Inneren verändern sollen. Über mögliche elektrische Signale, welche wir dann senden (und wodurch wir überwacht werden können) wurde gesprochen. Die meisten machten sich darüber lustig, indem sie von Internetempfang nach der Impfung sprachen. Das wäre doch gar nicht mal so schlecht, oder?

Intensive Recherche und Gespräche ließen Zweifel verschwinden

Doch schon vor meinem Impftermin informierte ich mich ausführlich über die Forschung an Impfstoffen und die Prozesse hinter der Genehmigung dieser. Ich unterhielt mich mit vielen Bekannten und Freund*innen, welche alle in der Forschung bzw. dem medizinischen Feld tätig sind, und so verflogen die anfänglichen Gedanken zum Thema „Nebenwirkungen“.

Am 6. Mai war der Tag endlich gekommen: Stolz wie Otto marschierte ich in die Turnhalle meiner Gemeinde. Mein Batman T-Shirt gab mir die Kraft für den erlösenden Piks. Der Arzt und das gesamte Team waren super nett und nahmen mir die Panik vor der langen Kanüle. Um ehrlich zu sein, ich habe es nicht einmal annähernd gemerkt.

Da ist das Ding! (Quelle: Nathalie Bauer)

Bis auf etwas Müdigkeit und nach einem Tag den üblichen „Impfschmerz“ am Oberarm hatte ich keinerlei Nebenwirkungen. Mich plagten zwar leichte Kopfschmerzen am Abend der Impfung, welche ich aber nicht eindeutig der Impfung zuordnen kann – das habe ich auch unabhängig davon manchmal.
Dem Blutzucker ging es super! Ich habe in Bezug auf den Diabetes keinerlei Veränderungen bemerkt.

Die zweite Impfung brachte Probleme

Mit der Zeit habe ich von einigen gehört, dass die temporären Impfreaktionen bei der zweiten Spritze stärker waren. Also machte ich mich auf einiges gefasst. Sollten Fieber und Co aufkommen, war ich vorbereitet. Womit ich allerdings nicht gerechnet hatte, war die ungewöhnliche Vorgehensweise des Arztes. Da es sich um ein Impfzentrum handelt, war dieses Mal ein anderer Arzt zuständig. Nach einer stressigen Begrüßung ging es schnell, schnell in Richtung Stuhl, Ärmel hoch und rein damit. Auf seine Anweisung hin sollte ich den Oberarm anspannen. Damit hatte ich nicht gerechnet, so heißt es doch immer, man solle locker lassen?! Aber gut, gesagt getan – man hört ja brav auf die Anweisung des Arztes.

Der Stich tat höllisch weh und direkt nach dem Entfernen der Kanüle floss durchsichtige Flüssigkeit, gefolgt von Blut, aus der Einstichstelle. Das beschäftigt mich bis heute: Ging denn genug Impfstoff in meinen Körper?
Mir wurde etwas schwindelig, der Arm begann direkt zu schmerzen, aber den Arzt schien es nicht zu kümmern. Auch er machte den Scherz, dass ich nun vollständigen Internetempfang haben werde – in diesem Moment fand ich das aber alles andere als lustig.

Impfung? Der Blutzucker bleibt unbeeindruckt

Es hätte meinem Diabetes nicht egaler sein können. Keinerlei Veränderungen, welche zweifellos auf die Impfung zurückzuführen wären, sind aufgekommen. Die Werte blieben stabil, eine Insulinresistenz bildete sich ebenfalls nicht. Die einzige Reaktion, die ich dieses Mal hatte, war ein riesengroßes, rotes, hartes und heißes „Ei“ auf meinem Oberarm. Es glühte, tat höllisch weh, sobald man es berührte, und fühlte sich an wie ein Stein, der unter meiner Haut sitzt. Und das genau an der Stelle der Impfung. Da hat der Arzt wohl etwas unpassend geimpft, würde ich meinen.
In der Nacht plagten mich dann noch Gliederschmerzen. Da half dann eine Schmerztablette beim Einschlafen.

Die Einstichstelle, ca. zwei Tage nach der Impfung (Quelle: Nathalie Bauer)

Stand heute (einige Tage nach der zweiten Impfung): Der rote Kreis ist immer noch da, zwar nicht mehr so stark wie auf dem Foto, aber man sieht noch deutlich, wo gestochen wurde. Die Schmerzen sind zum Glück verschwunden und auch sonst geht es mir wieder gut.
Meiner Einschätzung nach liegt diese Reaktion nicht an dem Impfstoff, sondern alleine an der Art und Weise, wie die Impfung durchgeführt wurde. Hätte ich den Arm nicht so stark angespannt, wäre es bestimmt schmerzfreier verlaufen.

Hat sich an meiner Einstellung bezüglich der Impfung gegen COVID-19 etwas geändert? Nein! Meiner Meinung nach sollte jede*r, der/die Zugang zu einer Impfung hat, sich auch impfen lassen. Selbst wenn man kurzzeitige Impfreaktionen hat, sind diese nichts im Vergleich zu einer schweren Infektion mit dem Virus.
Ich vertraue den Kollegen aus der Forschung und den Fortschritten der Wissenschaft.

Und nein, Stand heute ist, dass ich immer noch kein Internet empfangen kann 😉 … leider.


Impfen oder nicht? – Darüber hat Vivi kurz vor Beginn der Impfungen auch nachgedacht.

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  • Huhu, ich bin Marina und 23 Jahre alt, studiere in Marburg, habe schon etwas länger Typ 1 Diabetes und würde mich total über persönlichen Austausch mit anderen jungen Menschen/Studis… freuen, vielleicht auch mal ein Treffen organisieren oder so 🙂 Schreibt mir gerne, wenn ihr auch Lust habt!

  • Liebe Leute, ich habe zwei neue Erfahrungen mach dürfen, die Ursächliche nicht so schön, woraus die 2. Erfahrung (notwendig gut) resultiert!

    Ich bin kein Liebhaber von Zahnärzten und meine dort geführte Gesundheitsakte ist mit einem riesigen “A” für Angspatient gezeichnet. Ende letzten Jahres ist mir beim letzten verbleibenden Weisheitszahn (nie Schmerzen gemacht) größeres Teil abgebrochen, ZA meint, da geht er nicht bei, weil Zahn quer liegt, allso OP, und danach könnte man sich über Zahnersatz unterhalten … ich natürlich in Schockstarre gefallen, – gleich am selben Tag bei OP-Zahnarzt Termin gemacht, vor Weihnachten nix mehr möglich, gleich Anfang Januar Termin bekommen, Röntgenbild lag dem Chirugen bereits vor. Vieles wurde besprochen, auch der Zahnersatz, wobei der Chirug gleich meinte, dass ausser WZ wohl 3 weitere Zähne raus müssten. Schock nr. 2! Ich wollte mir aber noch 2Meinung einholen und fand Dank guten Rat von Bekannten, einen anderen Zahnarzt, dem ich mein Leid und Angst ausführlich schildern konnte und der auch zum erstenmal die Diabetes in Spiel brachte … kurz um ein bisher bestes aufklärendes Gespräch, wie weit Diabetes auch auf die Zahne und Zahnfleisch gehen kann. Bei mir Fazit Paradontites. (die 1. unschöne Erfahrung). Der Weisheits- und daneben liegende Zahn sind inzwischen raus, – war super gute und schmerzfreie OP, danach keinerlei Schmerzen, durfte allerdings auch Antibiotika nehmen. Die 2. Erfahrung: ich konnte meine Insulindosies halbieren, – bei 10 Tg. Antbiotika, und nun 15 ohne Medizin noch anhaltend niedrige Insulinmenge, mit steigender festen Nahrungsaufnahme.

    Heute bei Diabetologen bestätigt, das Diabetiker besonders auf Ihre Zähne und Zahlfleich achten sollten. Da frage ich mich warum der Zahnarzt da nicht im Vorsorgekatalog von DMP aufgenommen ist.

    LG Wolfgang

  • laila postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes Typ 3c vor 1 Tag, 18 Stunden

    Hallo ihr Lieben….Mein Name ist Laila…Ich bin neu hier…Ich wurde seit 2017 mit Diabetes 2 diagnostiziert.Da bekam ich den Diabetes durch laufen ohne Medies in den Griff.Das ging so bis Januar 2025.Ich weiss heute nochicht warum…aber ich hatte 2024 den Diabetes total ignoriert und fröhlich darauf losgegessen.Mitte 2025 ging ich Sport machen und gehen nach dem Essen.Und nahm immer megr ab.Htte einen Hb1C Wert von 8…Da ich abnahm, dachte ich, das der Wert besser ist…Bis Januar 2025…Da hatte ich einen HbA1C Wert von 14,8…Also Krankenhaus und Humalog 100 zu den Malzeiten spritzen…Und Toujeo 6 EI am Morgen…Irgendwann merkte ich, das mich kein Krankenhaus einstellen konnte.Die Insulineinheiten wurden immer weniger.Konnte kein Korrekturspritzen megr vornehmen.Zum Schluss gin ich nach 5 Mon. mit 2 Insulineinheiten in den Hypo…Lange Rede …kurzer Sinn.Ich ging dann auf Metformin…Also Siofor 500…Ich war bei vielen Diabethologen….Die haben mich als Typ 1 behandelt.Mit Metformin ging es mir besser.Meine letzte Diaethologin möchte, das ich wieder spritze.Ich komme mit ihr garnicht zurecht.Mein HbA1C liegt jetztbei 6,5…Mein Problem ist mein Gewicht.Ich wiege ungefähr 48 Kilo bei 160 m…Ich bräuchte dringend Austausch…Habe so viele Fragen…Bin auch psychisch total am Ende. Achso…Ja ich habe seit 1991 eine chronisch kalfizierende Pankreatitis…Und eine exokrine Pankreasinsuffizienz…Also daurch den Diabetes 3c.Wer möchte sich gerne mit mir austauschen?An Michael Bender:” Ich habe Deine Geschichte gelesen . Würde mich auch gerne mit Dir austauschen, da Du ja auch eine längere Zeit Metformin eingenommen hast.” Ich bin für jeden, mit dem ich mich hier austauschen kann, sehr dankbar. dankbar..Bitte meldet Euch…!!!

    • Hallo Leila, ich bin Suzana und auch in dieser Gruppe. Meine Geschichte kannst du etwas weiter unten lesen.
      Es ist sicher schwer aus der Ferne Ratschläge zugeben, dennoch: ich habe mich lange gegen Insulinspritzen gewehrt aber dann eingesehen, dass es besser ist. Wenn die Pankreas nicht mehr genug produziert ist es mit Medikamenten nicht zu machen. Als ich nach langer Zeit Metformin abgesetzt habe, habe ich erst gemerkt, welche Nebenwirkungen ich damit hatte.
      Ja auch ich muss aufpassen nicht in den unterzucker zu kommen bei Sport und Bewegung aber damit habe ich mich inzwischen arrangiert. Traubensaft ist mein bester Freund.
      Ganz wichtig ist aber ein DiabetologIn wo du dich gut aufgehoben fühlst und die Fragen zwischendurch beantwortet.
      Weiterhin viel Kraft und gute Wegbegleiter!

    • @suzana: Ich danke Dir für die Nachricht.Könnten wir uns weiterhin austauschen?Es wäre so wichtig für mich.Vielleicht auch privat? Gebe mir bitte Bescheid…Ich kenne mich hier leider nicht so gut aus…Wäre echt super…😊

    • Hallo Leila, auch von mir ein herzliches willkommen. Auch meine Geschichte liest du im weiteren Verlauf.
      Zur “chronisch kalfizierende Pankreatitis” kann ich nix sagen, da ist immer das Gespräch mit dem Arzt/Diabetologen vorzuziehen, wie in allen Gesundheitsfragen. Was sagen Ärzte dazu, auch wg. der NICHTzunahme an Gewicht. Wenn ich mit einem Arzt nicht kann, oder dieser mir nicht ausreichende Infos gibt, schaue ich mich nach einem anderen Arzt/Diabetologen um, das ist Dein Recht, es geht um Deine Gesundheit!
      Sollte mit der Nichtzunahme noch mehr dahinter Stecken, vielleicht
      auch mal einen Psychologen in Deine Überlegung ziehen. Oder eine auf dich zugeschnittene Diabetes Schulung o.Ä., auch hier sollte Dich ein guter Diabetologe aufklären können.

      Soweit was mir im Moment einfällt. Lass es Dir gut gehen.

      Gruss Wolfgang

    • Hey Laila, du kannst mir gerne hier im Typ 3c Bereich oder via PN schreiben. Ich bin gerade zwar etwas gesundheitlich angeschlagen, versuche aber, so gut es geht zu antworten.

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