Rehabilitation rechnet sich!

4 Minuten

© Steve Debenport - iStockphoto.com
Rehabilitation rechnet sich!

Die medizinische Rehabilitation hat nach wie vor hohen Stellenwert in unserem Gesundheitssystem. Dr. Gerhard-W. Schmeisl nennt die Voraussetzungen sowie Aufgaben und Ziele einer Rehabilitation.

Krankheit kann jeden aus heiterem Himmel treffen und das Leben massiv beeinträchtigen. Rehabilitation (lat.: wiederherstellen) kann helfen, dies zu bewältigen, die Folgen abzuschwächen und ein zukünftiges Leben besser zu gestalten.

Die gesetzliche Rentenversicherung finanziert Leistungen zur Rehabilitation mit dem Ziel, eine erheblich gefährdete oder bereits geminderte Erwerbsfähigkeit wesentlich zu bessern oder wiederherzustellen – zumindest aber eine Verschlechterung abzuwenden. Rehabilitation in diesem Sinne rechnet sich auch für die Rentenversicherung, da Betroffene dann auch länger im Erwerbsleben bleiben und so gleichzeitig länger Beitragszahler bleiben.

Reha: die Voraussetzungen

Für eine Reha müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein (später mehr dazu). Grundsätzlich müssen in den letzten 2 Jahren für mindestens 6 Kalendermonate Pflichtbeiträge geleistet worden sein. Und eine erneute Reha kommt erst nach Ablauf von 4 Jahren in Betracht.

Menschen, die nicht mehr im Erwerbsleben stehen und nicht über die Deutsche Rentenversicherung versichert sind, können eine Rehabilitationsmaßnahme über ihre Krankenversicherung genehmigt bekommen. Die Prüfung der Voraussetzungen erfolgt beim jeweils zuständigen Rentenversicherungsträger bzw. in Kooperation mit der Krankenkasse.

Ob eine ambulante Reha sinnvoll ist, hängt von der Komplexität der Erkrankung und von der Machbarkeit (Nähe zu einem ambulanten Rehabilitationszentrum) ab – nur etwa 14 Prozent der Rehabilitationsmaßnahmen werden deshalb ambulant durchgeführt – je nach Indikation. Auch das Herauskommen aus seinem üblichen Umfeld (abschalten!) spielt dabei für die Genesung oft eine wichtige Rolle (stationäre Rehabilitation).

Nach dem SGB IX (SGB: Sozialgesetzbuch) muss vor der Durchführung einer Rehabilitation zur Wiederherstellung und Sicherung der Teilhabe der Patienten Folgendes geklärt werden:

  1. die Frage der Rehabilitationsbedürftigkeit,
  2. die Frage der Rehabilitationsfähigkeit,
  3. die Frage der Rehabilitationsprognose.

Wird eine Reha abgelehnt, kann man innerhalb von 4 Wochen nach Eingang des Bescheides Widerspruch einlegen – am besten mit Unterstützung Ihres Arztes.

Ziele der Rehabilitation

Verbesserung der Prognose

  • Prävention und Risikoreduktion
  • Reduktion der Krankheitshäufigkeit
  • Reduktion der Sterblichkeit

Beitrag zur Kostenstabilität

  • Verbesserung der Compliance durch Empowerment
  • Reduktion/Verhinderung vermeidbarer Krankenhausaufenthalte
  • Vermeidung vorzeitiger Berentung und Pflege

modifiziert nach Bjarnason-Wehrens, 2007

Für einen Arzt in einer Rehabilitationsklinik bedeutet dies, nachdem durch andere die Rehabilitationsbedürftigkeit festgelegt wurde (in der Regel im Akutkrankenhaus), festzustellen, ob dieser Patient auch tatsächlich rehafähig ist, nämlich:

  1. ob er in der Lage ist, eine Rehabilitation auch durchzuführen und
  2. ob die Rehabilitationsmaßnahme in Bezug auf seine Teilhabe auch Aussicht auf Erfolg hat.

Erst wenn diese Faktoren geklärt sind, kann der Patient zur stationären Rehabilitation aufgenommen werden.

Die Ziele der Rehabilitation

Mit Hilfe eines multidisziplinären Teams soll der Patient in einem Prozess unterstützt werden, seine individuelle bestmögliche physische und psychische Gesundheit sowie die soziale Integration wiederzuerlangen – und so möglichst langfristig aufrechtzuerhalten.

Ziele sind, die Arbeitsfähigkeit von Patienten zu erhalten oder wiederherzustellen sowie auch die Patienten sozial zu integrieren und ihnen die Möglichkeit zu bieten, am normalen, alltäglichen Leben teilzunehmen. Leistungsfähigkeit, Lebensqualität und auch die Prognose des Patienten sollen langfristig verbessert werden. Grundlage dafür sind die im SGB IX benannten Zielsetzungen der Teilnahme rehabilitationsbedürftiger Patienten; um dieses alles zu erreichen, müssen viele Aufgaben erfüllt werden (siehe Tabelle).

Aufgaben der Rehabilitation
  • Remobilisierung der Patienten nach akuten Herz-Kreislauf-Erkrankungen, nach Operationen oder sonstigen Eingriffen im Bereich des Herz-Kreislauf-Systems
  • Risikobewertung in Bezug auf den zu erwartenden kurz-, mittel- und langfristigen Krankheitsverlauf
  • die darauf basierende Optimierung der individuellen medikamentösen und nichtmedikamentösen Therapie (Erstellung eines individuellen Rehabilitationsplanes)
  • die Unterstützung des Patienten bei der Krankheitsverarbeitung – Förderung einer angemessenen Einstellung zu seiner Erkrankung
  • die nachhaltige Vermittlung der individuell notwendigen Lebensstiländerung und der medikamentösen Langzeittherapie – die Anleitung zu eigenverantwortlichem Handeln
  • die Beratung und Unterstützung des Patienten bei der beruflichen und sozialen Wiedereingliederung, einschließlich der sozialmedizinischen Begutachtung erwerbstätiger Patienten
  • die Einbeziehung der Lebenspartner des Patienten in der Beratung und bei Schulungen (z. B. Schulungen zur Gewichtsabnahme, Antiraucherprogramm, lebensrettende Maßnahmen oder auch Schulungen in der Lehrküche/Diabetikerschulungen)
  • am Schluss der Maßnahme folgt die sozialmedizinische Einschätzung der Leistungsfähigkeit bezüglich seiner beruflichen Tätigkeit und seiner Teilhabe am allgemeinen Leben (Sport, Freizeit etc.)Beratung im Hinblick auf die weitere berufliche Tätigkeit
  • Beratung über eventuelle zusätzliche Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben (LTA-Maßnahmen) und weitere diagnostische Maßnahmen

modifiziert nach Bjarnason-Wehrens, 2007

Rehabilitation: die Kosten

Die Kosten für eine medizinische Rehabilitation übernimmt bei Berufstätigen in der Regel die Rentenversicherung, bei Rentnern die Krankenkasse. Bei einer stationären Rehabilitationsmaßnahme können zusätzliche Kosten für Übernachtung und Verpflegung anfallen. Die Zuzahlung beträgt max. 10 €/Tag. Zuzahlungen werden für max. 42 Tage im Jahr fällig, wobei Krankenhausaufenthalte mitgezählt werden.

Die Beantragung

Wer eine Reha beantragen will, braucht die Zustimmung seines Arztes. Im Zweifelsfall kann man sich auch unabhängig bezüglich einer Reha bei den örtlichen Reha-Servicestellen der Kostenträger beraten lassen (www.reha-servicestellen.de). Dort können auch entsprechende Antragsformulare abgeholt werden.

Klinik-Wahl: Mitspracherecht!

Grundsätzlich haben Sie bei der Auswahl der Klinik nach dem SGB IX ein Mitspracherecht. Sie können also angeben, aus welchen Gründen Sie in einer bestimmten Klinik nach einem akut-stationären Aufenthalt weiterbehandelt werden wollen. Dies wird in der Regel mit dem Sozialdienst einer Akutklinik besprochen. Der Sozialdienst bearbeitet auch in der Regel schon den Antrag auf eine anschließende Rehabilitation.

Ablehnung: 4 Wochen Zeit für Widerspruch

Wird eine Reha abgelehnt, kann man innerhalb von 4 Wochen nach Eingang des Bescheides Widerspruch einlegen – am besten mit Unterstützung Ihres Arztes.

Schwerpunkt: Diabetes und Rehabilitation

von Dr. Gerhard-W. Schmeisl
Internist/Angiologe/Diabetologe/Sozialmedizin, Chefarzt Deegenbergklinik
sowie Chefarzt Diabetologie Klinik Saale (DRV-Bund)

Deegenbergklinik, Burgstraße 21,
97688 Bad Kissingen, Tel.: 09 71/8 21-0, E-Mail: schmeisl@deegenberg.de

Klinik Saale, Pfaffstraße 10,
97688 Bad Kissingen, Tel.: 09 71/8 5-01

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2016; 65 (12) Seite 14-25

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Ähnliche Beiträge

Druckfrisch: die Themen im Diabetes-Anker 4/2026
Die neue Magazin-Ausgabe ist ab sofort erhältlich: Dr. Katrin Kraatz aus der Chefredaktion stellt die Themen des Diabetes-Anker-Magazins 4/2026 vor. U.a. geht es um die Früherkennung des Typ-1-Diabetes, präventive Maßnahmen, um das erhöhte Krebsrisiko durch Diabetes zu senken sowie Tipps für abwechslungsreiches Kochen im Single-Haushalt.
Druckfrisch: Das sind die Themen im Diabetes-Anker 6/2026 | Foto: Mike Fuchs / Konstantin Yuganov – stock.adobe.com / MedTriX

4 Minuten

Frühstadium des Typ-1-Diabetes: Wie ist es, wenn man das Risiko kennt, Familie Hellemann?
Ist mehr als ein Diabetes-spezifische Antikörper bei einem Bluttest nachweisbar, liegt ein Frühstadium des Typ-1-Diabetes vor. Wie geht es einer Familie, in der eine der Töchter drei Diabetes-spezifische Antikörper und somit ein hohes Risiko hat, bald einen Diabetes zu entwickeln? Das berichten Katrin, Jule und Angelina Hellmann im Interview.
Frühstadium des Typ-1-Diabetes: Wie ist es, wenn man das Risiko kennt, Familie Hellmann? | Foto: privat

17 Minuten

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist das neue Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
  • Wenn eine Diabetesdiagnose in eine Familie kommt, steht oft erst einmal alles Kopf.

    Besonders für Kinder bedeutet sie eine enorme Veränderung und für Eltern die tägliche Sorge: „Wird mein Kind in der Kita oder Schule gut begleitet? Ist es sicher? Kann es trotz Diabetes unbeschwert Kind sein?“

    Genau aus diesen Fragen heraus ist Hanseatic Kids entstanden: ein Herzensprojekt, das Kindern mit Diabetes im Alltag Sicherheit gibt und Familien entlastet.

    Wir möchten dafür sorgen, dass kein Kind aufgrund seines Diabetes auf Ausflüge, Spielzeiten oder Schulaktivitäten verzichten muss. Unsere Begleiterinnen und Begleiter sind speziell geschult und unterstützen
    individuell: beim Blutzuckermanagement, in Notfallsituationen, im Unterricht oder auf dem Pausenhof.

    So können Kinder lernen, wachsen und
    selbstständig werden und Eltern wissen, dass ihr Kind gut aufgehoben ist.
    Unsere Mission ist einfach:

    ✔ Kindern Sicherheit geben
    ✔ Familien den Alltag erleichtern
    ✔ Kita- und Schulteams entlasten
    ✔ und vor allem: jedes Kind dabei unterstützen, frei und unbeschwert aufzuwachsen, trotz Diabetes.

    Gerade in den ersten Wochen nach der Diagnose oder wenn Unsicherheiten bestehen, sind wir an der Seite der Familien. Gemeinsam mit Eltern, Lehrkräften und Fachpersonal schaffen wir ein Umfeld, in dem Kinder sich wohlfühlen und ohne Angst lernen können.

    Dieses Projekt ist für uns mehr als Arbeit, es ist eine Herzensangelegenheit. Jedes Kind hat das Recht auf Teilhabe, Freude und Freiheit. Wir möchten dazu beitragen, dass dies Wirklichkeit wird.

    Wer mehr über unsere Arbeit erfahren oder Unterstützung anfragen möchte, kann sich jederzeit melden:
    📧 moin@hanseatic-kids.de
    📞 040 851 59 747

    Uploaded ImageUploaded Image
  • Passend zu den kommenden Osterferien: Ein Backtipp für die ganze Familie: https://diabetes-anker.de/eltern-und-kind/wenn-diabetes-mit-im-osternest-liegt-gemeinsames-backen-mit-den-kindern/

  • Viele Menschen mit Typ-1-Diabetes berichten, dass sich ihr Insulinbedarf im Verlauf des Menstruationszyklus verändert – oft deutlich spürbar, aber bisher kaum systematisch erfasst.

    Genau hier setzt die TIMES-Studie an. Wir möchten besser verstehen, wie sich der Zyklus auf Glukosewerte und Insulinbedarf auswirkt – und wie Betroffene damit im Alltag umgehen.

    👉 Wen suchen wir?
    Personen mit Typ-1-Diabetes (18–40 Jahre), wohnhaft in Deutschland, mit regelmässigem Menstruationszyklus und Nutzung eines automatisierten Insulinabgabesystems.

    👉 Was bedeutet die Teilnahme?
    Dauer: 6 Monate, bequem alles von zu Hause aus
    Erfassung von Insulin-, Zyklus- und Aktivitätsdaten
    Als Dankeschön: Clue-Abo (1 Jahr), Garmin-Uhr (zum Behalten) + Aufwandsentschädigung (siehe Flyer)

    Mit eurer Teilnahme helft ihr, Diabetes-Technologien zukünftig besser an zyklusbedingte Veränderungen anzupassen 💙

    Mehr Infos im Flyer 👇

    Uploaded Image
Verbände