Sicherheit aus der Apotheke

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Sicherheit aus der Apotheke

Liegen neben einem Diabetes weitere Erkrankungen vor, müssen oft mehrere Medikamente eingenommen werden. Dabei können verschiedene Arzneistoffe sich gegenseitig beeinflussen oder bestimmte Nebenwirkungen hervorrufen. Einige wichtige Wechselwirkungen und wie das Personal in Apotheken bei der Einnahme der Medikamente unterstützen kann, erfahren Sie hier.

Versteckte Unterzuckerung

Typische Anzeichen einer Unterzuckerung (Hypoglykämie) sind Zittern oder Herzrasen. Diese können durch bestimmte Blutdruck-Senker, die Betablocker, unterdrückt werden. Für Menschen mit Diabetes empfiehlt sich wegen dieses Problems, Unterzuckerungen möglicherweise nicht zu erkennen, der Einsatz von anderen Medikamenten zur Behandlung eines Bluthochdrucks.

Betablocker können zudem die Insulinresistenz, also die Unempfindlichkeit der Körperzellen gegenüber Insulin, verstärken und somit zu höheren Blutzuckerwerten führen. Hier können bestimmte Betablocker eingesetzt werden, die eine geringere Wirkung auf die Insulin-Empfindlichkeit haben, da sie nur an gewissen Rezeptoren, den Beta-1-Rezeptoren, ansetzen. Dazu zählen z. B. die Wirkstoffe Bisoprolol und Metoprolol. Ist die Einnahme eines Betablockers unerlässlich, z. B. nach einem Herzinfarkt, sollte auf bestimmte weitere Anzeichen einer Unterzuckerung wie kalten Schweiß und Blässe geachtet werden.

Auch einige Schlafmittelkönnen dazu führen, dass Warnzeichen einer Unterzuckerung nicht wahrgenommen werden. Kann auf Schlafmittel nicht verzichtet werden, sollte auf kurz wirksame Mittel zurückgegriffen werden, die das Einschlafen erleichtern. Außerdem ist abzuklären, ob hinter Albträumen und schweißgebadetem Aufwachen eine unerkannte, nachts auftretende Unterzuckerung steckt.

Anstieg von Blutzuckerwerten

Bei akuten, schmerzhaften Entzündungen der Gelenke oder bei allergischen Reaktionen können Glukokortikoide, z. B. Kortison, eingesetzt werden. Diese Medikamente haben eine schmerzlindernde, entzündungshemmende und antiallergische Wirkung. Daneben verschlechtern sie aber auch die Glukosetoleranz und hemmen die Wirkung von Insulin, sodass die Blutzuckerwerte steigen können. Kurzwirksame Glukokortikoide (z. B. Prednison und Prednisolon) führen möglicherweise vier bis acht Stunden nach der Einnahme zu einem Anstieg der Blutzuckerwerte. Lang wirksame Glukokortikoide wie Dexamethason können die Blutzuckerwerte auch längerfristig anheben.

Wenn der Arzt erhöhte Blutfettwerte, insbesondere erhöhte Cholesterinwerte, feststellt, kann ein Statin verordnet werden, um das Risiko für Erkrankungen wie einen Herzinfarkt zu reduzieren. Bei Beginn der Einnahme eines Statins empfiehlt sich eine häufigere Kontrolle des Blutzuckers und bei Bedarf das Anpassen der Diabetes-Medikation.

Dienstleistungen der Apotheken

Insbesondere bei der Einnahme mehrerer Medikamente kann das Personal in Apotheken dabei helfen, die Sicherheit der Arzneimitteltherapie zu fördern. Dazu gehören die richtige Anwendung der Medikamente und das schnelle Erkennen von Problemen. Seit Sommer 2022 können in Apotheken fünf von Krankenkassen bezahlte pharmazeutische Dienstleistungen angeboten werden. Dadurch werden Patientinnen und Patienten dabei unterstützt, dass ihre Therapie wirksamer und sicherer verläuft.

Patientinnen und Patienten haben Anspruch auf zusätzliche Betreuungsangebote in Apotheken, wenn sie

  • fünf oder mehr verordnete Arzneimittel einnehmen,
  • einen ärztlich diagnostizierten Bluthochdruck haben und Blutdrucksenker einnehmen,
  • Medikamente zum Inhalieren erhalten,
  • wegen einer Krebs-Erkrankung neue Tabletten oder Kapseln erhalten (orale Antitumor-Therapie),
  • nach einer Organ-Transplantation neue Medikamente verordnet bekommen, um die körpereigene Abstoßungsreaktion zu hemmen (Immunsuppressiva).

Menschen mit Diabetes profitieren insbesondere von den folgenden beiden pharmazeutischen Dienstleistungen in Apotheken:

  • Personen, diefünf oder mehr verordnete Arzneimittel einnehmen, haben Anspruch auf die pharmazeutische Dienstleistung “Erweiterte Medikationsberatung bei Polymedikation”. Hier wird bei einem ersten Gesprächstermin in der Apotheke die gesamte Medikation erfasst und dokumentiert. Der geschulte Apotheker/die geschulte Apothekerin prüft daraufhin die Medikation auf mögliche Probleme wie Wechselwirkungen zwischen den Arzneimitteln oder bestimmte Nebenwirkungen.

    Bei Bedarf und mit Einwilligung des Patienten/der Patientin informiert die Apotheke über die entdeckten Probleme den behandelnden Arzt/die behandelnde Ärztin. Bei einem persönlichen Abschlussgespräch werden die Ergebnisse und Lösungen möglicher Probleme gemeinsam besprochen. Zusätzlich bespricht der Apotheker/die Apothekerin mit dem Patienten/der Patientin den aktuellen Medikationsplan, auf dem die eingenommenen Medikamente sowie die optimalen Einnahme-Zeitpunkte und zusätzliche Informationen stehen. Diesen Plan bekommt man mit nach Hause.

  • Viele Personen mit Diabetes haben einen Bluthochdruck. Ein optimaler Blutdruck-Wert für Menschen mit Diabetes bis zu einem Alter von 64 Jahren liegt bei 120 – 130/70 – 80 mmHg. Bei Personen ab 65 Jahren sind Werte von 120 – 140/70 – 80 mmHg anzustreben. Wer Medikamente gegen Bluthochdruck einnimmt, hat Anspruch auf die pharmazeutische Dienstleistung “Standardisierte Risikoerfassung hoher Blutdruck”.

    In der Apotheke wird der Blutdruck nach einem standardisierten Verfahren gemessen. Um einen genauen Wert zu erhalten, werden drei Messungen nacheinander durchgeführt und ein Mittelwert gebildet. Mit dieser Dienstleistung lässt sich schnell und professionell überprüfen, ob der Blutdruck im grünen Bereich liegt und die Therapie gut wirkt.

Zusammenfassung

Menschen mit Diabetes nehmen häufig mehrere Medikamente gleichzeitig ein. Dadurch kann das Risiko für Probleme wie Wechselwirkungen oder Nebenwirkungen aufgrund der Arzneimitteleinnahme steigen. Dazu zählen vor allem bestimmte Blutdrucksenker, einschlaffördernde Mittel oder Medikamente gegen schmerzhafte Entzündungen und Allergien.

Pharmazeutische Dienstleistungen in Apotheken helfen dabei, Risiken und Probleme mit der Medikation schnell zu erkennen und eine Lösung zu finden. Die Kosten werden von den Krankenkassen übernommen.

Schwerpunkt „Unterstützen bei der Therapie”


von Dr. Linda Ruppert

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2022; 71 (12) Seite 21-23

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