Spritzen bei Typ-2-Diabetes, aber kein Insulin: Therapie mit Darmhormonen

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Verschiedene Sorten und Therapie-Formen: Wenn bei Typ-2-Diabetes Insulin notwendig wird | Foto: Kateryna – stock.adobe.com
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Spritzen bei Typ-2-Diabetes, aber kein Insulin: Therapie mit Darmhormonen

Wenn man früher an ein Medikament zur Behandlung des Diabetes dachte, das man spritzt, konnte einem nur Insulin in den Kopf kommen. Seit vielen Jahren gibt es eine weitere Gruppe von auf Darmhormonen basierenden Medikamenten zur Behandlung des Typ-2-Diabetes, die zu spritzen ist: die GLP-1-Rezeptor-Agonisten.

Glucagon-like Peptide-1, kurz GLP-1, ist ein vom Körper gebildetes Darmhormon. Es regt die Insulin-Ausschüttung aus den Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse an – aber nur, wenn der Blutzucker erhöht ist. Dadurch ist das Risiko, zu unterzuckern, allein durch die Medikamenten-Gruppe der GLP-1-Rezeptor-Agonisten, kurz GLP-1-RA, gering. Gleichzeitig hemmen GLP-1-RA das Freisetzen von Glukagon, einem der Gegenspieler des Insulins.

Hinzu kommt, dass diese Medikamente die Magen-Entleerung bremsen. Dadurch gelangt der Zucker aus der Nahrung langsamer ins Blut, der Anstieg der Glukosewerte wird reduziert. Außerdem sinkt das Hungergefühl und man ist früher satt. So kommt es als Nebeneffekt oft zu einer Reduktion des Gewichts. Deshalb sind manche GLP-1-RA auch als „Abnehmspritze“ bekannt und dafür zugelassen. Zu beachten ist, dass parallel auch die Muskelmasse abnimmt.

Da GLP-1 wie Insulin ein Eiweiß-Molekül ist, müssen die meisten Präparate auch ins Unterhautfettgewebe gespritzt werden. Eine Ausnahme gibt es inzwischen: Der GLP-1-Rezeptor-Agonist Sema­glutid ist als Spritze und als Tablette verfügbar.

Analogon, Mimetikum, Agonist

Bekannt sind diese Medikamente auch als GLP-1-Analoga und GLP-1-Mimetika. Ein Analogon ist ein Molekül, das dem Ausgangsmolekül ähnlich ist, hier also dem GLP-1, und deshalb eine vergleichbare Wirkung entfaltet. Ein Mimetikum hingegen kann ein komplett anderes Molekül sein, das aber ebenfalls wirkt wie das Ausgangsmolekül.

In der Gruppe der GLP-1-RA gibt es sowohl Analoga als auch Mimetika. Deshalb ist die Bezeichnung GLP-1-Rezeptor-Agonisten die neutralste. Sie besagt einfach, dass das Molekül an der Andockstelle für GLP-1 an den Zellen, also den GLP-1-Rezeptoren, vergleichbar wirkt wie das im Körper gebildete GLP-1.

GLP-1-Rezeptor-­Agonisten

  1. GLP-1-RA sind Eiweiße, weshalb sie (fast alle) wie Insulin gespritzt werden müssen.
  2. Sie senken den Blutzucker und helfen bei der Reduktion des Gewichts.
  3. In unterschiedlichem Ausmaß schützen sie vor Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems und der Nieren.

Schutz für das Herz

Besonders sinnvoll sind GLP-1-RA für Menschen mit Typ-2-Diabetes, die Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben oder bei denen ein hohes Risiko dafür vorliegt. Denn große Studien mit verschiedenen GLP-1-RA haben gezeigt, dass bestimmte Wirkstoffe nicht nur die Blutzuckerwerte senken, sondern auch das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen signifikant reduzieren können.

Das Gleiche gilt für Menschen mit Typ-2-Diabetes und Erkrankungen der Nieren: Auch hier können einige GLP-1-RA schützende Effekte haben. GLP-1-RA werden deshalb besonders bei hohem Risiko für bzw. Vorliegen von Herz-Kreislauf- und Nieren-Erkrankungen eingesetzt.

Effekte auf Magen und Darm

Typische Nebenwirkungen treten vor allem im Magen-Darm-Bereich auf und führen mitunter zum Abbruch der Therapie. So werden Übelkeit, Erbrechen und Durchfall häufiger beobachtet im Vergleich zu Placebo (Schein-Medikament, das vor allem in Studien als Vergleich eingesetzt wird). Meist bessern sich die Beschwerden aber nach einigen Wochen, wenn sich der Körper an das Medikament gewöhnt hat.

Ein langsames Steigern der Dosis bei Beginn der Therapie mit GLP-1-RA kann helfen, diese Beschwerden zu reduzieren. Weitere, aber seltene Nebenwirkungen können u. a. akute Entzündungen der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) sowie Gallensteine und Entzündungen der Gallenblase sein.

Diese GLP-1-RA gibt es

  • GLP-1-RA sind unterschiedlich häufig zu spritzen bzw. im Fall von Semaglutid einzunehmen. Außerdem zeigen sie unterschiedlich ausgeprägte Effekte auf Herz-Kreislauf- und Nieren-Erkrankungen. Folgende GLP-1-RA sind zur Behandlung eines Typ-2-Diabetes zugelassen und verfügbar:
  • Dulaglutid (Handelsname: Trulicity) wird einmal wöchentlich gespritzt und hat sich in Studien als wirksam bei der Reduktion von Herz-Kreislauf-Ereignissen erwiesen. Auch bei Nieren-Erkrankungen zeigt es positive Effekte.
  • Exenatid (Bydureon) wird wöchentlich gespritzt. Es zeigte in Studien eine Reduktion der Gesamtsterblichkeit, aber geringere Effekte auf Herz-Kreislauf-Ereignisse.
  • Liraglutid (Victoza) wird einmal täglich gespritzt. Es hat nachgewiesene positive Effekte auf das Herz-Kreislauf-System. In Studien zeigte es eine Reduktion von Herz-Kreislauf-Ereignissen und der Gesamtsterblichkeit. Positive Effekte auf Nieren-Erkrankungen wurden ebenfalls beobachtet.
  • Semaglutid gibt es sowohl als wöchentliche Spritze (Ozempic) als auch als tägliche Tablette (Rybelsus). Beide Formen zeigten in Studien schützende Wirkungen für Herz und Nieren.

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Ein weiterer Wirkstoff ist Lixisenatid. Er wird nur in Kombination mit dem lang wirksamen Insulin-Analogon Insulin glargin als Fertigpen angeboten (Handelsname: Suliqua). Das Kombinations-Medikament wird täglich gespritzt. Lixisenatid als Wirkstoff wurde hauptsächlich bei Menschen untersucht, die einen Herzinfarkt erlitten hatten. Dabei wurde keine Überlegenheit gegenüber Placebo festgestellt.

Außerdem gibt es ebenfalls als Spritze Tirzepatid (Handelsname: Mounjaro). Dieses Molekül kombiniert die Wirkungen am GLP-1-Rezeptor und am Rezeptor für das Glukose-abhängige insulinotrope Peptid (GIP), ebenfalls ein Darmhormon. Es wird einmal pro Woche gespritzt. Die Reduktion des Körpergewichts ist im Durchschnitt stärker als unter den anderen GLP-1-RA. Auch der GIP/GLP-1-RA zeigt schützende Wirkungen auf das Herz-Kreislauf-System.

Fazit

GLP-1-RA und GIP/GLP-1-RA sind gerade im Hinblick auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen sinnvoll in der Therapie des Typ-2-Diabetes. Welcher Wirkstoff sich jeweils eignet, ist eine individuelle Entscheidung von Ärztin bzw. Arzt und dem Menschen mit Typ-2-Diabetes.

Schwerpunkt „Typ-2-Diabetes: Therapie mit ­Spritzen“


von Dr. med. Katrin Kraatz

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Erschienen in: Diabetes-Anker, 2026; 75 (1-2) Seite 14-15

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