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Studie untersucht Glukagon als Medikament: Keine Achterbahn durch Unterzuckerungen?
5 Minuten

Bei der Behandlung eines Diabetes kann es mit den Blutzuckerwerten rauf- und runtergehen wie bei einer Fahrt mit einer Achterbahn und akute Unterzuckerungen gehören für viele Menschen mit Diabetes zum gefürchteten Alltag. Neue Technologien eröffnen mittlerweile Wege, diese besser zu verhindern und zu behandeln. In einer neuen Studie wurde nun zudem untersucht, wie ein Medikament, das auf dem Insulin-Gegenspieler Glukagon basiert, dabei helfen könnte.
Das Gehirn ist auf Zucker als Energiequelle angewiesen. Sinkt der Blutzuckerspiegel zu stark, reagiert der Körper auf diesen Energie-Mangel mit Stress-Symptomen wie Schwitzen, Herzrasen und Zittern. Fällt der Wert noch weiter, kommen z. B. Sehstörungen, Verwirrtheit und torkeliger Gang dazu.
Bei wem können Unterzuckerungen auftreten?
Von einer Hypoglykämie spricht man bei Menschen mit Diabetes, wenn der Blutzuckerwert unter 70 mg/dl bzw. 3,9 mmol/l liegt. Eine schwere Hypoglykämie liegt vor, wenn zum Behandeln der Hypoglykämie Hilfe von Dritten erforderlich ist. Im schlimmsten Fall kann eine schwere Unterzuckerung sogar lebensbedrohlich werden.
Tipp: Die App “HypoBuddy”, entwickelt vom Forschungsinstitut Diabetes-Akademie Bad Mergentheim (FIDAM) und dem Unternehmen Lilly, beinhaltet u. a. eine SOS-Funktion, die akustisch auf den akuten Notfall einer Unterzuckerung aufmerksam macht. Sie enthält außerdem eine personalisierte Notfallkarte und die Möglichkeit, den aktuellen Standort mit einem Notfall-Netzwerk zu teilen.
Unterzuckerungen können im Rahmen einer Diabetestherapie auftreten, wenn die Behandlung mit Insulin erfolgt oder mit Medikamenten, die das Ausschütten von Insulin aus der Bauchspeicheldrüse unabhängig vom Blutzuckerwert anregen (z. B. Sulfonylharnstoffe). Meist sind es leichte Unterzuckerungen, die gut zu managen sind. Aber sie sollten nicht ignoriert werden und das Ziel ist, sie zu verhindern. Menschen mit Diabetes sollten deshalb gut geschult sein, wie sie Unterzuckerungen rechtzeitig erkennen, schnell und wirksam gegensteuern können – und eben möglichst verhindern.
Tipp:Zum Behandeln einer Hypoglykämie sind Light-Getränke nicht geeignet, weil sie keinen Zucker enthalten. Auch zum Beispiel auf Schokolade sollte man sich als schneller “Hypo-Helfer” nicht verlassen, denn der enthaltene Zucker gelangt wegen des hohen Fettgehalts der Schokolade nicht schnell genug ins Blut.
Warum können Unterzuckerungen auftreten?
Eine Unterzuckerung kann z. B. auftreten, wenn die Dosierung der Medikamente (Insulin oder der genannten Tabletten) nicht stimmt, wenn zu wenige Kohlenhydrate im Verhältnis zur Insulin- oder Tabletten-Dosis gegessen oder getrunken wurden oder wenn man sich körperlich betätigt. Auch durch eine veränderte Aufnahme des Insulins zum Beispiel bei starker Wärme oder durch eine bessere Wirkung zum Beispiel durch Reduktion des Körpergewichts können Unterzuckerungen entstehen. Ein weiterer Risikofaktor ist zum Beispiel Alkohol-Konsum, der verhindert, dass die Leber ihre Zuckervorräte freigibt, wenn die Blutzuckerwerte fallen.
Wie oft und wann Unterzuckerungen auftreten, ist sehr unterschiedlich. Manche haben eher selten welche und auch nur leichte, bei anderen treten wiederholt auch schwere Unterzuckerungen auf. Auf jeden Fall sollte man über aufgetretene Unterzuckerungen mit seiner Ärztin oder seinem Arzt sprechen und bei Bedarf die Therapie anpassen.
Unterzuckerungen in der Nacht
Ein besonderes Problem sind Unterzuckerungen in der Nacht. Vermutlich bleiben viele nächtliche Unterzuckerungen unbemerkt, sodass auch die Behandlungsteams davon nichts mitbekommen und entsprechend Anpassungen der Therapie mit den Menschen mit Diabetes nicht besprechen können. Aber die Unterzuckerungen in der Nacht können zu Beeinträchtigungen auch am folgenden Tag führen. Denn sie können u. a. den Schlaf stören, kognitive Leistungen negativ beeinflussen oder mit Kopfschmerzen einhergehen.
Ein weiteres Problem ist, dass häufige und länger andauernde Hypoglykämien zu einer schlechteren hormonellen Gegenregulation bei niedrigen Glukosewerten führen können und dass das Wahrnehmen von niedrigen Glukosewerten schlechter werden oder gar nicht mehr vorhanden sein kann. Hohe Glukosewerte morgens durch die eingetretene Gegenregulation nachts können ein Hinweis auf nächtliche Unterzuckerungen sein.
Tipp:Besteht der Verdacht, dass nachts Unterzuckerungen auftreten, könnte eine gelegentliche Blutzuckermessung gegen 3 Uhr Aufschluss geben. Hilfreich ist in solchen Fällen auch ein System zum kontinuierlichen Glukose-Monitoring (CGM), bei dem die Glukosewerte ständig erfasst werden und die mit Alarmen bei niedrigen Werten warnen.
Technologischer Fortschritt hilft
Studien haben mittlerweile gezeigt, dass CGM-Systeme die Zahl an Hypoglykämien insgesamt reduzieren können. Auch schwere Hypoglykämien konnten durch die Nutzung von CGM-Systemen verhindert werden. Diese digitalen Helfer gelten heute als ein effektives Mittel zum Verhindern von Hypoglykämien. Systeme zur automatisierten Insulin-Dosierung (AID-Systeme), bei denen ein Algorithmus die jeweils benötigte Insulindosis anhand der Glukoseverläufe fortlaufend berechnet und über die Insulinpumpe abgibt, haben die Therapie weiter vorangebracht. Verschwunden sind Hypoglykämien aber auch durch CGM- und AID-Systeme nicht.
Studie: Glukagon auch präventiv einsetzen
Interessante Ansätze verfolgen Forschende, wenn es um das Verhindern von Unterzuckerungen oder deren Behandlung geht. Dazu gab es eine Studie mit einem ungewöhnlichen Ansatz.
Die Forschenden verglichen den Verzehr von zusätzlichen Kohlenhydraten zum Beheben leichter Hypoglykämien und alternativ die Gabe des Wirkstoffs Dasiglucagon zum Vorbeugen und Behandeln. Dasiglucagon ist ein neues, lösliches Glukagon-Analogon, das kürzlich in den USA für die Notfall-Behandlung von schweren Hypoglykämien unter dem Handelsnamen Zegalogue zugelassen wurde und mit einem wiederverwendbaren Pen ins Unterhautfettgewebe gespritzt wird.
In der Studie untersucht wurden besonders die potenziell mit Unterzuckerungen verbundenen Effekte Gewichtszunahme und überschießender Anstieg der Glukosewerte – beides durch die Aufnahme von zusätzlichen Kohlenhydraten. Alle 24 Teilnehmenden der Studie waren Erwachsene mit Typ-1-Diabetes länger als zwei Jahre, Insulinpumpe und CGM-System, aber ohne Kopplung von Pumpe und CGM-System. Sie absolvierten einen zweiwöchigen Zeitraum, in dem Kohlenhydrate zum Behandeln von leichten Unterzuckerungen aufgenommen wurden, sowie einen zweiwöchigen Zeitraum, in dem sie sich Dasiglucagon spritzten. In beiden Zeiträumen führten sie ihr Leben wie gewohnt.
Effekte von Dasiglucagon in der Studie
- schnellerer Wiederanstieg zu tiefer Glukosewerte in den Normalbereich als mit Kohlenhydrat-Aufnahme
- weniger Kohlenhydrate erforderlich als bei Behandeln und Vorbeugen einer Hypoglykämie mit Kohlenhydraten
- reduziertes Risiko für eine Gewichtszunahme
- hohe Zufriedenheit mit der Behandlung bei Anwenden des Wirkstoffs
Im Dasiglucagon-Zeitraum verwendeten die Teilnehmenden den Wirkstoff Dasiglucagon in fester Dosis, aber nach eigenem Ermessen zur Behandlung und Vorbeugung von leichten Hypoglykämien. Ein Glukosewert, ab wann eine Unterzuckerung vorlag, war nicht definiert. Es gab eine Ausnahme: Sank der Glukosewert unter 40 mg/dl bzw. 2,2 mmol/l, sollten die Teilnehmenden auf jeden Fall schnell wirkende Kohlenhydrate zu sich nehmen. Dasiglucagon wurde in der Studie etwa zur Hälfte zum Behandeln und zur Hälfte zum Vorbeugen einer Unterzuckerung eingesetzt – wie im Zeitraum mit Kohlenhydrat-Aufnahme ebenfalls etwa die Hälfte zum Vorbeugen und die Hälfte zum Behandeln verzehrt wurden.
Schneller raus aus den tiefen Glukosewerten
Im Vergleich der beiden Zeiträume ergab sich in Bezug auf die Glukosewerte ein Vorteil von Dasiglucagon: Die Zeit im Zielbereich (70 – 180 mg/dl bzw. 3,9 – 10,0 mmol/l) lag 2,4 Prozent höher, es gab weniger Werte unter und über dem Zielbereich. Auch die Zeit, bis die zu niedrigen Werte wieder in den Normalbereich angestiegen waren, war unter Dasiglucagon fünf Minuten kürzer als mit der Aufnahme von Kohlenhydraten. Zum Vorbeugen von Hypoglykämien eignete sich die Injektion ebenfalls besser. Keinen Unterschied gab es hingegen beim übermäßigen Anstieg der Glukosewerte nach einer Unterzuckerung: Dieser trat in beiden Zeiträumen in 43 Prozent der Fälle auf.
Gesundheitsrisiko Gewichtszunahme
Wie beschrieben, ist eins der Risiken wiederholter Unterzuckerungen und ihrer Behandlung eine Zunahme des Körpergewichts. In dieser Studie zeigte sich, dass die Menge an Notfall-Kohlenhydraten unter Dasiglucagon um 20 Gramm niedriger lag als ohne die Spritze. Dieses Mehr an Kohlenhydraten, um eine Unterzuckerung zu behandeln, kann das Körpergewicht erhöhen, was wiederum das Risiko u. a. für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht. Die Forschenden halten aber weitere Untersuchungen für notwendig, zumal der Einsatz von Dasiglucagon zum Vorbeugen und Behandeln leichter Hypoglykämien, wie in der Studie geschehen, eigentlich nicht vorgesehen ist.
Erschienen in: Diabetes-Anker, 2023; 72 (10) Seite 38-41
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kety22 postete ein Update vor 1 Woche, 2 Tagen
Hallo zusammen, ich bin eine Dia-Mama und wollte fragen, was isst ihr abends oder kocht abends für eure Dia-Kids, damit der Wert nicht so hoch steigt und dann nachts nicht in die Unterzuckerung fällt? Oder habt ihr generell irgendwelche Tipps gegen nächtliche Unterzuckerung?
- moira antwortete vor 5 Tagen, 9 Stunden
Hallo!
Ich habe für mich festgestellt, dass Proteine am Anfang vom Abendessen helfen (Käse, Ei…) dann steigt der Blutzucker beim Essen nicht so schnell. Außerdem geht der Zucker später noch etwas hoch wegen den Proteinen. Das hilft etwas gegen Unterzucker.
Allerdings habe ich kaum noch Unterzucker seit ich meine Insulinpumpe habe.
Vielleicht hilft das etwas – viel Glück
katrin-kraatz schrieb einen neuen Beitrag vor 2 Wochen, 2 Tagen
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Hallo kann mir jemand einen Tipp geben wie ich On Pot Gerichte mit Reis besser schätzen kann.
- katrin-kraatz antwortete vor 2 Wochen, 1 Tag
Hallo mr,
Dein Problem, die Kohlenhydrate wie Reis in einem One-Pot-Gericht richtig einzuschätzen, vor allem wenn es für mehrere Personen gekocht ist oder Du es im Restaurant bestellst, kennen sicher viele – ich auch. Einfacher ist es, wenn Du nur für Dich kochst. Ich wiege tatsächlich, trotz mehr als 50 Jahren Diabetes, in diesem Fall vorher Reis, Nudeln oder was auch immer vorher ab. Dann weiß ich genau, wie viel es ist.
Ansonsten heißt es: Augenmaß! Gut ist, immer wieder mal eine bestimmte Menge Reis abzuwiegen und zu kochen (mache ich so). Dann sieht man die Menge und bekommt ein besseres Gefühl für die Menge beim Schätzen. Natürlich verteilt sich gerade Reis sehr gut zwischen den anderen Zutaten, aber ob es “viel” oder “wenig” ist, kann man meist erkennen.
Sinnvoll finde ich außerdem (und nicht nur ich), gerade bei eher schwierig einzuschätzenden Kohlenhydratmengen die Insulindosis eher zu gering anzusetzen und lieber später höhere Werte zu korrigieren oder – falls ein AID-System im Einsatz ist – dieses seinen Job machen zu lassen. Denn eine Hypo direkt nach dem Essen finde ich deutlich weniger angenehm.
Eine Patentlösung gibt es also nicht. Vielleicht helfen Dir die Tipps trotzdem etwas?



