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„Ultralangzeit“-Insuline: Wie sinnvoll ist Insulin mit sehr langer Wirkdauer?
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Seit Kurzem gibt es Insuline für die Verabreichung einmal pro Woche. Ein Vorteil ist, dass sich Menschen mit Diabetes dadurch seltener spritzen müssen und damit die Therapietreue und -zufriedenheit gesteigert werden. Aber es gibt auch kritische Aspekte, wie Prof. Dr. Stephan Martin zu berichten weiß.
Die neu entwickelten „Ultralangzeit“-Insuline mit einer nur wöchentlichen Injektion werden aktuell sowohl für die Behandlung von Menschen mit Typ-1- als auch mit Typ-2-Diabetes beworben. Doch wie sinnvoll sind solche Insuline?
14-Stunden-Insulin bald nicht mehr verfügbar
Menschen mit Typ-1-Diabetes, die sich mit einer intensivierten Insulintherapie (ICT) behandeln, passen die Insulindosen an die Mahlzeiten, aber auch an körperliche Aktivitäten an. Zu den Mahlzeiten berechnen die Betroffenen die jeweilige Insulindosis mit Kohlenhydrat-Faktoren und entsprechenden Korrektur-Dosierungen.
Bei sportlichen Aktivitäten, die die Insulin-Empfindlichkeit über viele Stunden verbessern können, müssen die Patientinnen und Patienten die Dosis der entsprechenden lang wirksamen Insuline vermindern. Deshalb verwenden viele dieser Personen gern das Insulin-Analogon Insulin detemir, das eine Wirkdauer von etwa 14 Stunden hat. Insulin detemir wird aber in Kürze nicht mehr verfügbar sein.
Je länger die Wirkung, desto schwieriger das Anpassen
Bei länger wirksamen Insulinen wie den Insulin-Analoga Insulin glargin oder besonders Insulin degludec sind genaue Anpassungen je nach Dauer der außergewöhnlichen Bewegung schwieriger oder kaum möglich. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass in den bisherigen Studien mit Menschen mit Typ-1-Diabetes bei Gabe von Wochen-Insulin vermehrt Unterzuckerungen auftraten.
Bei diesen Wochen-Insulinen müssen die Betroffenen bei sportlichen Aktivitäten unweigerlich zusätzliche Kohlenhydrate zu sich nehmen – mit der Gefahr einer Gewichtszunahme. Übergewicht, auch extremes, bei Typ-1-Diabetes mit der Folge einer Unempfindlichkeit gegenüber Insulin (Insulin-Resistenz) und der Entwicklung eines „Doppel-Diabetes“ wird durch lang wirksame Insuline gefördert. Bei einem Doppel-Diabetes zeigen sich bei einem Menschen gleichzeitig Merkmale eines Typ-1- und eines Typ-2-Diabetes.
Wochen-Insuline bei Typ-1-Diabetes ungeeignet
Die eine Woche lang wirkenden Insuline können nicht an wechselnde körperliche Aktivitäten angepasst werden und in den bisherigen Studien wurden bei Menschen mit Typ-1-Diabetes vermehrt Unterzuckerungen beobachtet. Deshalb sind Wochen-Insuline für Menschen mit Typ-1-Diabetes ungeeignet.
Insulin-Therapie bei Typ-2-Diabetes genau überdenken
Die Insulin-Behandlung des Typ-2-Diabetes ist in aktuellen Leitlinien nur noch vorgesehen, wenn die Stoffwechsel-Situation durch alle anderen medikamentösen Behandlungen mit den Wirkstoffen oder Wirkstoffgruppen Metformin, SGLT-2-Hemmer oder GLP-1- bzw. GLP-1/GIP-Rezeptor-Agonisten nicht ausreichend ist.
Hintergrund dafür ist, dass für eine Insulin-Behandlung bei Typ-2-Diabetes über die Glukose-senkende Wirkung hinaus keine zusätzlichen schützenden Effekte auf andere Organe nachgewiesen werden konnten. Personen mit Typ-2-Diabetes haben meist erhöhte Insulin-Konzentrationen im Blut, sodass es sogar Bedenken gibt, ob eine Insulintherapie möglicherweise das Risiko für Herz- und Kreislauf-Ereignisse zusätzlich erhöht.
Für Insulin glargin wurde jedoch in der Langzeit-Studie ORIGIN nachgewiesen, dass eine Gabe von 28 Einheiten Insulin glargin das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Menschen mit Typ-2-Diabetes nicht erhöht.
Langzeit-Wirkungen nicht untersucht
Mit den neuen Wochen-Insulinen gibt es noch keine Langzeit-Studie, die die Sicherheit dieser Insuline bezüglich der Risiken für Herz und Kreislauf untersucht hat. Hingegen konnte für die Wirkstoff-Gruppe der GLP-1-Rezeptor-Agonisten nachgewiesen werden, dass sie erhebliche schützende Effekte für Herz und Kreislauf hat.
Außerdem ist eine Insulin-Behandlung bei Typ-2-Diabetes, der meist zusammen mit Übergewicht oder Adipositas auftritt, häufig mit einer Gewichtszunahme verbunden. Insofern erscheint auch bei Typ-2-Diabetes der Nutzen der Wochen-Insuline fraglich.
Fazit
Auch wenn Wochen-Insuline den Vorteil des selteneren Spritzens bieten, zeigen sich sowohl bei Typ-1-Diabetes als auch bei Typ-2-Diabetes kritische Aspekte. Abzuwarten bleibt außerdem, was Langzeit-Studien in Bezug auf Effekte auf Herz und Kreislauf ergeben.
von Prof. Dr. med. Stephan Martin
Erschienen in: Diabetes-Anker, 2025; 74 (11) Seite 16-17
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thomas55 postete ein Update vor 1 Woche, 5 Tagen
Hallo Philipa,
beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
Viel Erfolg
Thomasphilipa postete ein Update vor 1 Woche, 6 Tagen
Hallo zusammen,
Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?- ole-t1 antwortete vor 1 Woche, 4 Tagen
Hallo philipa,
Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
Beste Grüße
lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 4 Wochen
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