Lebenswelt-orientierte Kurse im Projekt GaDiaKi: Diabetes-Gruppenschulungen für Kinder und Jugendliche

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Lebenswelt-orientierte Kurse im Projekt GaDiaKi: Diabetes-Gruppenschulungen für Kinder und Jugendliche | Foto: Sana - stock.adboe.com
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Lebenswelt-orientierte Kurse im Projekt GaDiaKi: Diabetes-Gruppenschulungen für Kinder und Jugendliche

Wie können Kinder und Jugendliche so geschult werden, dass sie fit sind für einen eigenständigen Umgang mit ihrer Diabetes-Therapie in allen Alltagssituationen? Dafür soll das Projekt GaDiaKi sorgen, bei dem mehrere Partner zusammenarbeiten, um lebenswelt-orientierte Gruppenschulungen anzubieten.

Das Projekt GaDiaKi-Schulungskurse ist im Februar diesen Jahres gestartet. GaDiaKi steht für „Ganzheitliche interprofessionelle Diabetes-Gruppenschulungen für Kinder und Jugendliche in einem kindgerechten Alltagssetting“. Es läuft als Forschungsprojekt vom 1. Februar 2026 bis 31. Januar 2029 und wird aus Mitteln des Innovationsfonds zur Förderung neuer Versorgungsformen gefördert (§ 92a Absatz 1 SGB V).

Ziel ist es, die Wirksamkeit und deutschlandweite Übertragbarkeit eines erprobten Schulungskonzepts für Kinder und Jugendliche wissenschaftlich zu überprüfen und das Programm langfristig in die Regelversorgung zu überführen.

Schulungsbedarf bei Jüngeren

Die Häufigkeit von neu auftretendem Typ-1-Diabetes unter Kindern und Jugendlichen steigt. Rund 35 000 Kinder und Jugendliche sind inzwischen insgesamt in Deutschland betroffen.

Eine zentrale Säule der Versorgung ist eine wiederholte, altersgerechte Schulung, um Kinder und Jugendliche zu einem selbstständigen Umgang mit ihrer Erkrankung zu befähigen. Laut der S3-Leitlinie der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) sollen Kinder und Jugendliche mindestens alle zwei Jahre Folgeschulungen erhalten.

Daten des Diabetes-Patienten-Verlaufsdokumentations-Registers (DPV-Register) zeigen jedoch, dass nur 56 Prozent aller Kinder innerhalb von fünf Jahren nach Manifestation erneut geschult werden. Besonders auffällig ist der Rückgang von Gruppenschulungen. Als Ursachen werden eingeschränkte personelle und finanzielle Ressourcen sowie die Einführung neuer Diabetes-Technologien diskutiert. Systeme zur automatisierten Insulin-Dosierung (AID) ermöglichen eine stabilere Stoffwechsel-Situation und verbessern die Zeit im Zielbereich (Time in Range, TIR).

Jedoch steigt der Schulungsbedarf, da der langfristige Therapie-Erfolg entscheidend davon abhängt, wie Kinder und Jugendliche lernen, ihr Selbstmanagement, die psychosozialen Anforderungen und die technischen Möglichkeiten in ihren Alltag zu integrieren und auch bei technischen Störungen handlungsfähig zu bleiben.

GaDiaKi: Schulungen neu denken

Hier setzt das Schulungskonzept GaDiaKi an. Die Kinder und Jugendlichen werden durch ein multiprofessionelles Team in einem Kurs von fünf bis sieben Tagen betreut. Die Gruppen bestehen aus 16 bis 20 Teilnehmenden. Die Schulung erfolgt durch das kinder- und jugenddiabetologische Team, ergänzt durch psychologische und pädagogische Fachkräfte.

Vier bis acht junge Erwachsene mit Typ-1-Diabetes pro Gruppe unterstützen als Mentoren und Mentorinnen das Team und die Kinder. Sie bringen ihre Erfahrungen überall ein, wo sie als Vorbild und Unterstützung benötigt werden. Das Einbringen der Betroffenen-Perspektive im Gesundheitswesen ist zwar allseits gewünscht, doch bleibt die langfristige Einbindung von Menschen mit Typ-1-Diabetes in die Schulung eine der größten Herausforderungen, da diese Leistungen bislang über das SGB V nicht geregelt sind.

Diese Partner arbeiten zusammen:

  • Pro Kid: Grundlage des Projekts ist das von Pro Kid entwickelte und erprobte Konzept. Der Lehrplan wurde bereits als „Herdecker Kids mit Diabetes“ (HeDiKi) beforscht. Pro Kid unterstützt die Schulungszentren, wenn sie der Interventionsgruppe zugelost wurden.
  • Der Bund diabetischer Kinder und Jugendlicher (BdKJ) setzt sich für das Implementieren der Mentorinnen und Mentoren ein und organisiert Vorbereitungs-Schulungen, Betreuung und Finanzierung dieses Parts.
  • Zwei Krankenkassen (BARMER und IKK classic) tragen wesentlich zum Konzept der Finanzierung der Kurse im Projekt bei. Mit einem besonderen Versorgungsvertrag ermöglichen sie die Teilnahme ihrer eigenen Versicherten. Damit auch alle anderen gesetzlich Versicherten das Angebot nutzen können, gibt es zusätzlich die Möglichkeit, die Behandlung direkt mit dem Studienzentrum zu vereinbaren. Wichtig ist ihnen auch, wie das Konzept langfristig in die Regelversorgung integriert werden kann.
  • Die wissenschaftliche Überprüfung erfolgt durch das Deutsche Diabetes-Zentrum (DDZ) an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und durch die Universitätsmedizin Mainz.
  • Die Leitung des Konsortiums hat die Universität Witten/Herdecke übernommen und koordiniert den Aufbau der Studienzentren, die Kommunikation nach außen, die wissenschaftliche Gesamtkoordination inklusive des Aufbaus der Studienzentren und des Monitorings.

Von der Klinik in den Alltag

Der Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) fördert innovative Ansätze für neue Versorgungsformen, die bewährte Projekte wissenschaftlich bewerten und übertragbar machen.

Das Innovationsfonds-Projekt GaDiaKi untersucht, wie zufrieden die Eltern und Jugendlichen mit der derzeitigen Diabetesbehandlung sind, und überprüft, ob es zu einem Unterschied kommt, wenn zusätzlich GaDiaKi angeboten wird, ein seit etwa 20 Jahren durch das Herdecker/Wittener Team um Dr. Dörte Hilgard erprobtes Schulungskonzept unter realen Versorgungsbedingungen.

Die zentrale Idee ist, dass Kinder und Jugendliche nicht isoliert in der Klinik, sondern im Alltag mit anderen Kindern zusammen den Diabetes durch praktische Erfahrungen managen lernen.

Die Schulungen finden in Freizeit-Einrichtungen oder Jugendherbergen statt. Dort üben und lernen die Teilnehmenden:

  • den Umgang mit ihrer Diabetes-Selbstversorgung bei Bewegung, Sport und Ernährung,
  • Autonomie und Selbstorganisation,
  • die Handlungsfähigkeit in verschiedensten Lebenssituationen, auch bei technischen Problemen,
  • die Integration des Diabetes-Managements in Alltagssituationen, z. B. Schule und Freizeit,
  • Stärkung des Selbstbewusstseins mit Diabetes und der Fähigkeit, Hilfe anzunehmen.

Bewertung und Zielsetzung

Untersucht wird nun, ob GaDiaKi deutschlandweit übertragbar ist, welchen Einfluss GaDiaKi auf die Therapie-Zufriedenheit und Unterzuckerungsängste der Eltern und Jugendlichen hat, das Verhältnis der Kosten zum gesundheitlichen Nutzen.

Ziel ist, die Wirksamkeit der jeweiligen Schulungsformen zu untersuchen und sie ggf. in die Regelversorgung für Kinder und Jugendliche mit Diabetes zu übernehmen.

Interessierte für die Teilnahme bei der GaDiaKi-Studie gesucht

  • 720 Familien mit Kindern und Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes, die an dieser Studie teilnehmen wollen
  • 80 – 120 Mentoren/Mentorinnen als Schulungsassistenten und -assistentinnen
  • Diabetesberater und -beraterinnen sowie Ärzte und Ärztinnen für Schulungseinrichtungen, die noch personelle Unterstützung benötigen
  • insgesamt 40 kinderdiabetologische Schulungseinrichtungen

Bei Interesse bitte melden unter: www.uni-wh.de/gadiaki


von Prof. Dr. med. Reinhard W. Holl, Dr. med. Dörte Hilgard und Dr. Bettina Berger

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Erschienen in: Diabetes-Anker, 2026; 75 (4) Seite 40-41

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  • tako111 postete ein Update vor 3 Tagen

    Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.

    Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.

  • moira postete ein Update vor 1 Woche, 6 Tagen

    Hallo! Ich fahre in den Ferien nach Paris und möchte gerne auf den Eiffelturm steigen. Mein Mann macht sich deshalb große Sorgen, weil die Treppe schon sehr lang ist.
    War jemand schon mal dort und hat den einen oder anderen Tipp?

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