Kosten im Gesundheitssystem: Geht das nicht günstiger?

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Kosten im Gesundheitssystem: Geht das nicht günstiger? | Foto: Andrey Popov – stock.adobe.com
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Kosten im Gesundheitssystem: Geht das nicht günstiger?

Mit der Krankenhausreform und einem verpflichtenden Primärarzt-System hat sich die Bundesregierung schon zwei gesundheitspolitische Großprojekte vorgenommen, die irgendwann auch Kosten im Gesundheitssystem sparen sollen. Und jetzt?

Das deutsche Gesundheitssystem hat eine Mangel-Erkrankung: Unterm Strich fehlt Geld. Die Krankenkassen haben das vergangene Jahr zwar mit einem Überschuss von 3,5 Milliarden Euro abgeschlossen. Aber nur, weil vorausschauend zum Jahresbeginn die Beiträge erhöht worden waren.

Die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sind im vergangenen Jahr um 7,9 Prozent gestiegen. Die Einnahmen haben hingegen nur um 5,3 Prozent zugenommen. Derselbe Effekt wird nach Prognose des Schätzerkreises in diesem Jahr eintreten. Der Ausgaben-Anstieg werde mit 6,6 Prozent über dem erwarteten Anstieg der beitragspflichtigen Einnahmen von 4,9 Prozent liegen.

Alle Beteiligten sind sich daher einig, dass sich etwas ändern muss. Wie so oft endet die Einigkeit dabei, was genau zu tun ist. Man darf vermuten, dass das auch bei den Regierungsparteien CDU/CSU und SPD so ist, denn in ihrem Koalitionsvertrag haben sie zwar eine „strukturelle Lücke zwischen Ausgaben und Einnahmen“ diagnostiziert und als Ziel genannt, die Beiträge auch langfristig zu stabilisieren und zugleich eine hohe Qualität und ein hohes Niveau der Leistungen zu sichern.

Doch statt eines klaren Wegs dahin steht dort nur: „Wir wollen die Einnahmen durch ein höheres Beschäftigungsniveau vergrößern und die Kosten auf der Ausgabenseite reduzieren.“ Konkrete Maßnahmen soll eine Kommission unter Beteiligung von Expertinnen und Experten und Sozialpartnern vorschlagen.

„FinanzKommission Gesundheit“ soll zweistufigen Plan vorlegen

Im September hat Bundesgesundheitsministerin Nina Warken die Mitglieder der „FinanzKommission Gesundheit“ vorgestellt. Die Kommission soll konkrete Maßnahmen auf der Einnahmen- und der Ausgabenseite vorschlagen, mit denen der Beitragssatz in der gesetzlichen Krankenversicherung bereits ab dem Jahr 2027 dauerhaft stabilisiert werden kann.

Und das in zwei Stufen: Einen ersten Bericht mit kurzfristig wirksamen Maßnahmen sollte die Kommission bereits Ende März 2026 vorlegen. Ein zweiter Bericht ist bis Dezember 2026 geplant und soll Reform-Optionen für strukturelle Anpassungen aufzeigen, die das Ausgaben-Wachstum mittel- bis langfristig wesentlich reduzieren und den Herausforderungen auf der Einnahmenseite begegnen soll.

Im knapp sechsseitigen Arbeitsauftrag der Kommission steht auch die Frage, welchen Beitrag eine verbesserte Versorgung von chronisch Kranken zur Konsolidierung und Qualitätsverbesserung leisten kann. Explizit wird gefragt, wie die gesetzliche Krankenversicherung von den hohen Krankheitsfolgekosten der Produktion und des Konsums von gesundheitsschädlichen Produkten entlastet werden kann. Konkret genannt werden Alkohol, Tabak – und Zucker.

Bunter Vorschlags-Strauß von verschiedenen Akteuren

Befeuert durch die noch unklaren politischen Vorgaben kommen von allen Seiten Vorschläge zur Verbesserung der Gesundheits-Finanzen. So erregte der Lobby-Verband „Wirtschaftsrat der CDU“ Anfang Februar mit der Idee Aufmerksamkeit, die Zahnarzt-Behandlungen aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen zu nehmen.

Dieser Wirtschaftsrat ist trotz seines Namens kein offizielles Gremium der CDU und tatsächlich kam auch aus der CDU Widerspruch gegen diesen Sparansatz. So betonte etwa die gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion, Simone Borchardt, dass Prävention und frühzeitige Behandlung die Krankheitslast, Arbeitsausfälle und spätere kostenintensive Eingriffe verringerten. „Massive Leistungskürzungen würden genau diese Effekte konterkarieren und das System am Ende teurer machen“, gab sie zu bedenken.

Der Vorstandschef der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung Martin Hendges sowie die Präsidentin der Bundeszahnärztekammer Dr. Romy Ermler argumentierten unter anderem auch mit dem Diabetes. Sie erinnerten daran, dass eine Zahnfleisch-Entzündung (Parodontitis) mit zahlreichen Krankheiten wie eben Diabetes, koronarer Herzkrankheit oder auch Demenz einhergehe.

„Es ist daher ein Trugschluss zu glauben, durch eine Ausgliederung der Zahnmedizin würde es zu Einsparungen im Gesundheitswesen kommen können. Das Gegenteil wäre der Fall“, kritisierten die Zahnarzt-Vertreter. Der Argumentation kann offenbar auch Bundesgesundheitsministerin Warken folgen: Sie schloss in einer Reaktion auf den Vorschlag die Streichung der Zahnbehandlungen aus dem Leistungskatalog aus.

Die Rolle von Diabetes-Medikamenten bei Kostensteigerungen

Unter den Gründen für den Kostenanstieg in der GKV finden sich in vielen Analysen auch die Arzneimittel-Ausgaben. Die DAK-Gesundheit hat einen Umsatz-abhängigen Hersteller-Abschlag im Bereich der patentgeschützten Arzneimittel vorgeschlagen. Dieser könne Einsparungen für die Krankenkassen in Höhe von rund 1,3 Milliarden Euro bewirken.

Eine Mitte Februar von der AOK Nordwest vorgelegte Auswertung richtete den Blick auf die Rolle von Diabetes-Medikamenten bei Kostensteigerungen. In Schleswig-Holstein seien die Kosten dafür bei gesetzlich Versicherten im Jahr 2024 auf 116,8 Millionen Euro gestiegen, ein Plus gegenüber dem Vorjahr von 11,3 Prozent. Innerhalb von fünf Jahren betrage der Kostenanstieg in diesem Bereich im nördlichsten Bundesland rund 51 Prozent.

„Ein Hauptgrund für den kontinuierlichen Kostenanstieg ist der verstärkte Einsatz neuer, moderner Therapieformen für Typ-2-Diabetiker. Diese sind erheblich kostenintensiver“, erläuterte AOK-Vorstandschef Tom Ackermann. In dem Zusammenhang verwies die Krankenkasse darauf, dass sich durch einen gesunden Lebensstil mehr als 50 Prozent der Erkrankungen an Typ-2-Diabetes verhindern ließen – nicht umsonst gehört die AOK zu den Unterstützern von Maßnahmen der Verhältnisprävention, die einen solchen Lebensstil erleichtern sollen.


von Marcus Sefrin

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Erschienen in: Diabetes-Anker, 2026; 75 (4) Seite 54-55

Kosten-Check

  1. Die volkswirtschaftlichen Kosten von Adipositas liegen laut Uni Hamburg bei 63 Milliarden Euro – pro Jahr.
  2. Arzneimittel kosteten im Jahr 2025 die Krankenkassen 58 Milliarden Euro.
  3. Für ambulante Versorgung gaben sie 54 Milliarden Euro aus.

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