- Aus der Community
Zwischen Kontrolle und Vertrauen: Meine Reise mit Diabetes, Schwangerschaft und Geburt
3 Minuten

Eine Schwangerschaft mit Diabetes bedeutet Kontrolle und Vertrauen zugleich. Lesley-Ann hat beides erlebt: intensive Blutzuckerwerte, eine zu frühe Geburt und die Erkenntnis, dass das Beste geben mehr als genug sein kann.
Es gibt zwei Linien in meinem Leben: Die eine ist messbar, berechenbar, voller Zahlen – mein Diabetes. Die andere ist emotional, unvorhersehbar und manchmal überwältigend – mein Weg als Mama. Lange habe ich versucht, beide getrennt zu halten, doch in der Schwangerschaft haben sie sich untrennbar miteinander verwoben.
Und auch wenn das herausfordernd war – es war gleichzeitig etwas unglaublich Wertvolles.
Wenn aus Kontrolle Verantwortung wird
Als ich erfahren habe, dass ich schwanger bin, war da vor allem diese riesige, nicht messbare Freude. Aufregung. Unendlich viele Gefühle. Aber ja, da war auch dieses Gefühl von Respekt vor der „neuen alten“ Aufgabe: der Diabetes.
Schaffe ich das? Kann ich meinem Baby die besten Bedingungen geben?
Diese Gedanken waren immer da, mal lauter und mal leiser. Sie haben mich nicht nur belastet – sie haben mich auch getragen. Ich wusste, wofür ich es tue: für mich und für mein Baby. Denn plötzlich hatte all die Disziplin, all das Kontrollieren einen noch tieferen Sinn und ich wusste, wofür ich es mache.
Der Alltag, den man oft nicht sieht
Diabetes bedeutet: mitdenken. Immer. Essen, Insulin, Bewegung, Werte, und ja, auch Emotionen, psychische Belastungen, weitere Erkrankungen – alles hängt zusammen.
In der Schwangerschaft wurde dieses Mitdenken intensiver. Jeder Wert hatte gefühlt mehr Bedeutung, jede Entscheidung mehr Gewicht. Wie oft habe ich in eine Korrektur reinkorrigiert, um möglichst schnell wieder im Zielbereich zu sein … geendet ist das dann mit einer Unterzuckerung. Und das alles kann erschöpfen. Der Diabetes – ohnehin schon Vollzeitjob – war jetzt noch schwerwiegender als vorher. Weil es eben nicht mehr „nur“ um mich selbst, sondern auch um mein ungeborenes Baby ging.
Diese leisen Gedanken im Hintergrund:
- Habe ich alles richtig gemacht?
- War das zu viel? Zu wenig?
- Muss ich etwas ändern oder optimieren?
Sie gehen nicht einfach weg, Diabetes macht keine Pause. Ob schwanger oder nicht schwanger.
Zwischen Kontrolle und Loslassen
So sehr Diabetes Kontrolle verlangt, so sehr hat mich die Schwangerschaft auch gelehrt, loszulassen. Also natürlich nur ein Stück weit, aber es hat mich gelehrt, dass man sein Bestes geben kann und es trotzdem akzeptieren muss, wenn es eben mal nicht „perfekt“ läuft. Dass der Körper eben manchmal seinen eigenen Weg geht und dass Vertrauen genauso wichtig sein kann wie Kontrolle.
Die Frühgeburt – ein Moment, der alles verändert
Die Geburt unseres Kindes kam anders als gedacht und ja, sie hat doch vieles auf den Kopf gestellt. Es war ein Moment, in dem ich gemerkt habe: Ich habe eben nicht alles in der Hand. Und gerade mit Diabetes ist das irgendwie schwer, weil man sich so sehr daran gewöhnt hat zu glauben, durch Kontrolle Sicherheit zu schaffen.
Natürlich waren da diese Gedanken: Hätte ich die frühe Geburt verhindern können? Hätte ich noch mehr tun können? Welche Schrauben habe ich nicht richtig gestellt?
Aber mit der Zeit wurde mir klar: Ich habe jeden Tag mein Bestes gegeben. Ich habe alle Arzttermine wahrgenommen, jeden Tag rund um die Uhr alles getan, damit es meinem Baby und mir gut geht – mehr ging nicht.
Diese Zeit hat mir gezeigt, wie nah Stärke und Zerbrechlichkeit beieinander liegen. Ich habe funktioniert, Entscheidungen getroffen, weitergemacht und mich gleichzeitig innerlich oft unsicher gefühlt. Und das darf so sein.
Ein ehrlicher Blick zurück
Wenn ich heute zurückblicke, sehe ich nicht nur die Anstrengung. Ich sehe auch all das, was ich getragen habe – körperlich und emotional. Meine Schwangerschaft war intensiv und fordernd, aber auch so unglaublich schön und voller Liebe. Bei allem Aufwand, bei all dem ständigen Aufpassen, den vielen Arztterminen und der großen Aufgabe wusste ich immer: Ich mache das alles für den schönsten Grund der Welt, für unser Baby.
Was bleibt
Diabetes wird nicht verschwinden, er wird nicht weniger, nicht leiser. Dieses Mitdenken, diese Verantwortung – sie bleiben. Aber ich habe gelernt, dass daneben auch etwas anderes existieren darf: Vertrauen, Stolz und auch ein bisschen Leichtigkeit. Und vielleicht ist genau das der wichtigste Punkt: Dass wir anfangen, ehrlicher darüber zu sprechen. Nicht nur über Zahlen und Werte, sondern über das, was dahintersteckt. Eine Persönlichkeit, eben nicht nur der Diabetes, sondern eine Frau, ein Mann, eine Mama, ein Papa, ein Mensch, der eben auch nicht perfekt ist, aber jeden Tag das Beste gibt. Und genau das ist doch mehr als genug!
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Ähnliche Beiträge
- Eltern und Kind
- Aus der Community
4 Minuten
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.
über deinen Diabetes?
Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.
mr postete ein Update vor 17 Stunden, 24 Minuten
Hallo kann mir jemand einen Tipp geben wie ich On Pot Gerichte mit Reis besser schätzen kann.
moira postete ein Update vor 19 Stunden, 15 Minuten
Hallo!
Hat schon jemand die liberal Funktion bei der ypsopump app ausprobiert?
Ich wüsste gerne wie gut das klappt.mr postete ein Update vor 3 Tagen, 13 Stunden
Hallo,
Ich bin neu hier.
Seit gut zwei Jahren Typ 1 Diabetikerin.
Ich würde mich gerne austauschen- moira antwortete vor 19 Stunden, 18 Minuten
Schön, dass du dabei bist – der Austausch hilft




