Zwischen Kontrolle und Vertrauen: Meine Reise mit Diabetes, Schwangerschaft und Geburt

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Zwischen Kontrolle und Vertrauen: Meine Reise mit Diabetes, Schwangerschaft und Geburt | Foto: pressmaster – stock.adobe.com
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Zwischen Kontrolle und Vertrauen: Meine Reise mit Diabetes, Schwangerschaft und Geburt

Eine Schwangerschaft mit Diabetes bedeutet Kontrolle und Vertrauen zugleich. Lesley-Ann hat beides erlebt: intensive Blutzuckerwerte, eine zu frühe Geburt und die Erkenntnis, dass das Beste geben mehr als genug sein kann.

Es gibt zwei Linien in meinem Leben: Die eine ist messbar, berechenbar, voller Zahlen – mein Diabetes. Die andere ist emotional, unvorhersehbar und manchmal überwältigend – mein Weg als Mama. Lange habe ich versucht, beide getrennt zu halten, doch in der Schwangerschaft haben sie sich untrennbar miteinander verwoben.

Und auch wenn das herausfordernd war – es war gleichzeitig etwas unglaublich Wertvolles.

Wenn aus Kontrolle Verantwortung wird

Als ich erfahren habe, dass ich schwanger bin, war da vor allem diese riesige, nicht messbare Freude. Aufregung. Unendlich viele Gefühle. Aber ja, da war auch dieses Gefühl von Respekt vor der „neuen alten“ Aufgabe: der Diabetes.

Schaffe ich das? Kann ich meinem Baby die besten Bedingungen geben?

Diese Gedanken waren immer da, mal lauter und mal leiser. Sie haben mich nicht nur belastet – sie haben mich auch getragen. Ich wusste, wofür ich es tue: für mich und für mein Baby. Denn plötzlich hatte all die Disziplin, all das Kontrollieren einen noch tieferen Sinn und ich wusste, wofür ich es mache.

Der Alltag, den man oft nicht sieht

Diabetes bedeutet: mitdenken. Immer. Essen, Insulin, Bewegung, Werte, und ja, auch Emotionen, psychische Belastungen, weitere Erkrankungen – alles hängt zusammen.

In der Schwangerschaft wurde dieses Mitdenken intensiver. Jeder Wert hatte gefühlt mehr Bedeutung, jede Entscheidung mehr Gewicht. Wie oft habe ich in eine Korrektur reinkorrigiert, um möglichst schnell wieder im Zielbereich zu sein … geendet ist das dann mit einer Unterzuckerung. Und das alles kann erschöpfen. Der Diabetes – ohnehin schon Vollzeitjob – war jetzt noch schwerwiegender als vorher. Weil es eben nicht mehr „nur“ um mich selbst, sondern auch um mein ungeborenes Baby ging.

Diese leisen Gedanken im Hintergrund:

  • Habe ich alles richtig gemacht?
  • War das zu viel? Zu wenig?
  • Muss ich etwas ändern oder optimieren?

Sie gehen nicht einfach weg, Diabetes macht keine Pause. Ob schwanger oder nicht schwanger.

Zwischen Kontrolle und Loslassen

So sehr Diabetes Kontrolle verlangt, so sehr hat mich die Schwangerschaft auch gelehrt, loszulassen. Also natürlich nur ein Stück weit, aber es hat mich gelehrt, dass man sein Bestes geben kann und es trotzdem akzeptieren muss, wenn es eben mal nicht „perfekt“ läuft. Dass der Körper eben manchmal seinen eigenen Weg geht und dass Vertrauen genauso wichtig sein kann wie Kontrolle.

Die Frühgeburt – ein Moment, der alles verändert

Die Geburt unseres Kindes kam anders als gedacht und ja, sie hat doch vieles auf den Kopf gestellt. Es war ein Moment, in dem ich gemerkt habe: Ich habe eben nicht alles in der Hand. Und gerade mit Diabetes ist das irgendwie schwer, weil man sich so sehr daran gewöhnt hat zu glauben, durch Kontrolle Sicherheit zu schaffen.

Natürlich waren da diese Gedanken: Hätte ich die frühe Geburt verhindern können? Hätte ich noch mehr tun können? Welche Schrauben habe ich nicht richtig gestellt?

Aber mit der Zeit wurde mir klar: Ich habe jeden Tag mein Bestes gegeben. Ich habe alle Arzttermine wahrgenommen, jeden Tag rund um die Uhr alles getan, damit es meinem Baby und mir gut geht – mehr ging nicht.

Diese Zeit hat mir gezeigt, wie nah Stärke und Zerbrechlichkeit beieinander liegen. Ich habe funktioniert, Entscheidungen getroffen, weitergemacht und mich gleichzeitig innerlich oft unsicher gefühlt. Und das darf so sein.

Ein ehrlicher Blick zurück

Wenn ich heute zurückblicke, sehe ich nicht nur die Anstrengung. Ich sehe auch all das, was ich getragen habe – körperlich und emotional. Meine Schwangerschaft war intensiv und fordernd, aber auch so unglaublich schön und voller Liebe. Bei allem Aufwand, bei all dem ständigen Aufpassen, den vielen Arztterminen und der großen Aufgabe wusste ich immer: Ich mache das alles für den schönsten Grund der Welt, für unser Baby.

Was bleibt

Diabetes wird nicht verschwinden, er wird nicht weniger, nicht leiser. Dieses Mitdenken, diese Verantwortung – sie bleiben. Aber ich habe gelernt, dass daneben auch etwas anderes existieren darf: Vertrauen, Stolz und auch ein bisschen Leichtigkeit. Und vielleicht ist genau das der wichtigste Punkt: Dass wir anfangen, ehrlicher darüber zu sprechen. Nicht nur über Zahlen und Werte, sondern über das, was dahintersteckt. Eine Persönlichkeit, eben nicht nur der Diabetes, sondern eine Frau, ein Mann, eine Mama, ein Papa, ein Mensch, der eben auch nicht perfekt ist, aber jeden Tag das Beste gibt. Und genau das ist doch mehr als genug!


von Lesley-Ann Kadenbach

Lesley-Ann war Autorin in der Blood Sugar Lounge und hat dort aus dem Leben mit Diabetes berichtet. Mit einem Klick auf ihr Profilbild findet ihr alle ihre Beiträge aus dieser Zeit.

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  • thomas55 postete ein Update vor 2 Tagen, 8 Stunden

    Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 3 Tagen, 2 Stunden

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße

  • lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 2 Wochen, 3 Tagen

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