Was löst den Typ-1-Diabetes aus?

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Was löst den Typ-1-Diabetes aus?

Virale Infektionskrankheiten stehen im Verdacht, Typ-1-Diabetes zu verursachen. Wie aktuelle Forschungsergebnisse belegen, scheinen besonders Atemwegsinfektionen in der frühen Kindheit einen stärkeren Einfluss auf das Entstehen von Typ-1-Diabetes zu haben, als bisher angenommen.

Typ-1-Diabetes zählt mit etwa 3.000 Neuerkrankungen pro Jahr in Deutschland zu den häufigsten Stoffwechselerkrankungen im Kindes- und Jugendalter. Welche Umweltfaktoren neben der genetischen Veranlagung eine Rolle beim Entstehen des Typ-1-Diabetes spielen, ist trotz intensiver Forschung weitgehend unverstanden.

Die dem Typ-1-Diabetes zugrundeliegende Insel­auto­immunität entwickelt sich häufig bis zum dritten Lebensjahr, sodass mögliche Auslöser der Autoimmunerkrankung bereits in der frühen Kindheit zu suchen sind. Auch Infektionen stehen seit Jahren im Verdacht und daher im Fokus wissenschaftlicher Untersuchungen.

Atemwegsinfektionen als mögliche ­Auslöser für Typ-1-Diabetes

Im Rahmen der deutschen Langzeitstudie „BABYDIÄT“ untersuchten Wissenschaftler des Instituts für Diabetesforschung am Helmholtz Zentrum München und der Forschergruppe Diabetes der Technischen Universität München erstmals das Entstehen eines Frühstadiums des Typ-1-Diabetes und den möglichen Zusammenhang mit vorangegangenen Infektionen während der ersten drei Lebensjahre.

Dafür werteten die Wissenschaftler Daten von 148 Kindern mit einem erhöhten familiären und genetischen Typ-1-Diabetes-Risiko aus. Die Daten umfassten mehr als 1.200 Fälle von Atemwegsinfektionen, gastrointestinalen und anderen Infektionen sowie über 400 Fälle von Fieber, die bei Kindern innerhalb der ersten drei Lebensjahre auftraten. Zusätzlich wurden die Kinder alle drei Monate durch Messung der vier relevanten Inselautoantikörper auf ein mögliches Frühstadium des Typ-1-Diabetes untersucht.

Die Studie zeigte, dass Atemwegsinfektionen im ersten Lebensjahr und insbesondere in den ersten sechs Lebensmonaten das Risiko für die spätere Entwicklung eines Frühstadiums des Typ-1-Diabetes erhöhen. Im zweiten Lebensjahr auftretende Infektionen hingegen hatten keinen merkbaren Einfluss. Das Gleiche galt für das Auftreten von Fieber. Kinder mit einem Frühstadium des Typ-1-Diabetes hatten zudem häufiger Atemwegserkrankungen innerhalb der sechs Monate vor Entstehen der Inselautoimmunität. Zu den Atemwegsinfektionen zählten auch Infektionen von Rachen, Nase oder Ohren.

Auch Kinder ohne familiäre Diabetesvorbelastung sind betroffen

Das Ergebnis konnte an einem bevölkerungsbasierten Datensatz der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns an knapp 300.000 Kindern aus der Allgemeinbevölkerung ohne bekanntes Risiko für Typ-1-Diabetes bestätigt werden. Auch in dieser Studie erhöhten vor allem virale Infektionen der oberen Atemwege in den ersten sechs Lebensmonaten das Risiko für ein späteres Entwickeln des Typ-1-Diabetes (siehe Abbildung).

Virale Atemwegsinfektionen in den ersten sechs Lebensmonaten und das Risiko für Typ-1-Diabetes hängen zusammen (modifiziert nach Beyerlein, JAMA 2016).

Die Auswirkung war dabei umso ausgeprägter, je häufiger die Infektionen bei einem Kind auftraten. Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts, der Haut oder Augen sowie bakterielle oder durch Pilze verursachte Infektionen schienen im Gegensatz dazu keine Auswirkung auf das Typ-1-Diabetes-Risiko zu haben.

Der zeitliche Zusammenhang zwischen frühkindlichen Atemwegserkrankungen und dem erhöhten Risiko für ein Frühstadium des Typ-1-Diabetes besteht besonders dann, wenn die Infektionen im Winter auftreten. Dies verdeutlichen Auswertungen der internationalen Geburtskohortenstudie „TEDDY“ an Daten von 7.869 Kindern mit einem genetischen Risiko für Typ-1-Diabetes und über 87.000 dokumentierten Fällen von Atemwegsinfektionen, darunter gewöhnliche Erkältungen und grippeähnliche Erkrankungen sowie Nasennebenhöhlen-, Kehlkopf- oder Luftröhrenentzündungen.

Spielen Enteroviren eine Rolle bei der Typ-1-Diabetes-Entwicklung?

Atemwegserkrankungen werden hauptsächlich durch Enteroviren verursacht. Diese konnten in einer kürzlich veröffentlichten internationalen Autopsiestudie bei 70 Prozent der untersuchten Typ-1-Diabetiker in den insulinproduzierenden Inselzellen der Bauchspeicheldrüse nachgewiesen werden. In der nichtdiabetischen Vergleichsgruppe hingegen traten Enteroviren nur bei 33 Prozent der Verstorbenen im Inselgewebe auf.

Ein weiterer Hinweis auf eine mögliche Rolle von Enteroviren in der Entwicklung des Typ-1-Diabetes stammt aus Untersuchungen von Kleinkindern mit einem genetisch erhöhten Typ-1-Diabetes-Risiko, die eine eingeschränkte Immunabwehr gegenüber Coxsackie-Viren, einer speziellen Art von Enteroviren, aufweisen und dies mit einer frühen Inselautoimmunität einhergeht.

Derzeit noch unklar ist, ob die erhöhte Anzahl an Infektionen bei Kindern mit einem Frühstadium des Typ-1-Diabetes einzig das Resultat einer beeinträchtigten Immunantwort gegenüber Enteroviren ist – oder ob Virusinfektionen in der frühen Kindheit eine zum Typ-1-Diabetes führende Autoimmunreaktion auslösen. Hier sind weitere Forschungsarbeiten erforderlich.

Fazit

  1. Frühkindliche Infektionen haben Einfluss auf das Entstehen von Typ-1-Diabetes.
  2. Je höher die Anzahl frühkindlicher Infektionen ist, desto ausgeprägter ist das Risiko für Typ-1-Diabetes.
  3. Vor allem Viruserkrankungen der oberen Atemwege während der ersten sechs Lebensmonate sind mit dem Entstehen von Typ-1-Diabetes assoziiert.

von Dr. rer. nat. Ramona Lickert
Wissenschaftsmanagement, Postdoc,
Helmholtz Zentrum München, Institut für Diabetesforschung,
Heidemannstr. 1, 80939 München
E-Mail: ramona.puff@helmholtz-muenchen.de

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2019; 68 (6) Seite 40-41

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  • thomas55 postete ein Update vor 1 Monat

    Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 1 Monat

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße