Wie die Zeit vergeht – vom Pumpenstart bis heute

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Wie die Zeit vergeht – vom Pumpenstart bis heute

Seit meinem letzten Bericht ist einige Zeit ins Land gegangen. Die anfänglichen Irritationen mit meiner neuen Diabetestherapie haben sich inzwischen beinahe in Wohlgefallen aufgelöst.

Naja, noch nicht vollständig. Aber ich bin auf einem guten Weg. Und, ja, ganz so einfach war es doch auch nicht.

„Ganz viel Ziel, um noch viel mehr zu lernen.“

Um dieses Ziel zu erreichen, bedurfte es viel Zeit und Geduld. Ich habe viele Gespräche mit meinem Diabetologen geführt, manchmal hitzig, meistens allerdings besonnen und ruhig. Ich musste erkennen, dass die neue Therapieform keine Wunder zu vollbringen vermag und ich sie nicht überfordern darf. Ich musste einsehen, dass ich „ihr“, mir und vor allem „uns“ Zeit geben muss. Zeit, uns aneinander zu gewöhnen, Zeit, um Vertrauen aufzubauen, Zeit, um uns zu verstehen und unsere Macken zu akzeptieren, und ganz viel Zeit, um noch viel mehr zu lernen. Und ich habe viel gelernt.

Quelle: Michael Ortmann

Allein in den ersten 5 Tagen der Therapie hatte ich 3 Schulungen bei meinem Diabetologen besucht.

Schulungen: mehr als Angstmache vor Spätfolgen

Vieles davon war allgemein und für einen „alten Hasen“ wie mich nichts Neues. Dennoch tat die Auffrischung gut – wie zum Beispiel beim Thema „Basalraten-Test“. Und immer wieder fanden wir Themen, die für mich neue und spannende Inhalte bereithielten. Eines dieser Themen waren „Ketone“. Diese Stoffwechselprodukte sind mir seit meiner Diabetes-Manifestation – als ich mit Ketoazidose ins Koma fiel – ein Begriff und verfolgen (viele) Diabetiker wohl ein Leben lang. Ich wusste immer grob Bescheid, kannte die Gefahr einer Ketoazidose, und dennoch spielten Ketone in meiner Diabetes-Selbstkontrolle nie eine wirkliche Rolle. Dummheit? Ignoranz? Oder einfach Glück?

Als Kind wurde ich in den Schulungen immer vor zu hohen Blutzuckerwerten und den Gefahren von Spätschäden gewarnt. Dies wurde mir immer wieder eingebläut und hatte sich über die Jahre tief im Gedächtnis verankert. Es gab Phasen, da hatte ich panische Angst vor zu hohen Werten – nur keine „HYPER“ – schallte es durch meinen Kopf. Das Resultat dieser „Gehirnwäsche“ war, dass ich über viele Jahre ständig am Rand der Hypoglykämie lebte. Natürlich war ich über HbA1c-Werte zwischen 4,9% und 5,4% sehr stolz. Der Preis dafür waren immer wieder Hypos (Hypoglykämien – Unterzuckerungen), die leider bis heute Lücken in meinen Erinnerungen hinterlassen haben.

Den Diabetes verstehen? Manchmal!

In den folgenden Wochen fanden (Sensor-)Kurven-Diskussionen statt, die Insulindosen, meine Ernährung und vieles mehr wurden ausgewertet und besprochen, (manchmal!) verstanden und ggf. angepasst. Ich nutzte Treffen mit Gleichgesinnten zum Austausch, habe viel gelesen und nachgedacht. Je mehr ich mich damit auseinandergesetzt habe, um so ruhiger und gelassener wurde ich; und umso besser verstand ich meine Werte und Kurven.

Statt der Unsicherheit der ersten Wochen nehmen mehr und mehr Verständnis und Sicherheit ihren Platz ein. Nach gefühlt endloser Zeit des Aufs und Abs ist mir die Pumpe dann doch mittlerweile vertraut und ein wichtiger Begleiter geworden. Der Upload meiner Pumpendaten funktioniert auch meistens und das erleichtert den Austausch mit meinem Dia-Doc und seinem Team (auch telefonisch zwischendurch). Immer wieder zeigt sich aber auch, wie wichtig die Dokumentation meiner Tage – der Mahlzeiten/Ernährung, unterschiedlicher Aktivitäten, Geschehnisse und die Abweichungen vom üblichen Alltag, Stress und Aufregung (und deren Gründe) – ist. Mir wird bewusst, dass ich hier noch eine offene Baustelle habe. Gemeint ist das Thema „Diabetes-Tagebuch“, welches ich in meinem letzten Bericht schon mal erwähnt hatte.

Ein neuer Ansatz

Ich verändere den Blickwinkel und die Herangehensweise an dieses Thema. Der analytische und strukturierte Weg, wie ich ihn aus der Projektarbeit kenne, wird auch auf diese „Lösungssuche“ Anwendung finden: Bedarfsanalyse, -kategorisierung und -priorisierung (was brauche ich und wofür, was ist „nice to have“), Produktliste, Funktionen…

Als wichtigste Anforderungen stellen sich schnell folgende Punkte für mich heraus:

  • die Daten sowohl per App als auch per Web bearbeiten zu können
  • Importieren von Daten aus der Insulinpumpe
  • Exportfunktion zum Austausch mit meinem Dia-Doc
  • Erfassen von Mahlzeiten und deren Zusammensetzung
  • Erfassen von therapierelevanten Vitalfunktionen

Interessant könnten auch die folgenden Punkte sein/werden:

  • Analyse meiner Nahrung und der enthaltenen Nährstoffe
  • BE-/KE-Rechner
  • FPE-Rechner

Dazu kommen dann auch noch sehr subjektive Punkte, wie zum Beispiel:

  • Optik
  • Bedienung

Meine ganz persönliche Testphase

Für mein Projekt entschied ich mich letztlich für 5 Produkte, die ich mir näher anschauen und auf meine Anforderungen hin einer Prüfung unterziehen möchte.

Quelle: Michael Ortmann

Fleißig arbeite ich mit den Apps, trage die möglichen Daten ein, überprüfe die Ergebnisse. Schnell kristallisieren sich dabei die ersten Favoriten heraus; andere Apps verlieren an Bedeutung und finden immer weniger Beachtung.

Noch während meines Projekts „Tagebuch“ wird mir klar, dass ich neben DER „Tagebuch-App“, die viele meiner Anforderungen abdeckt, weitere Produkte – aus der Kategorie „Nahrungs-/Ernährungs-Apps“ – unter die Lupe nehmen muss.

Reicht EINE App?

Wie könnte es auch anders sein? Auch hier gilt, dass es „viele Frösche zu küssen gilt, um meine Prinzessin“ zu finden. Was ist mir denn wichtig? Interessant sind für mich Aspekte wie: Nährwerte (Kohlenhydrate, kcal, FPE (Berechnung der Fett-Protein-Einheiten), Zusammensetzung, Auswirkung auf Blutzuckerspiegel, Protokollierung und Auswertung von Mahlzeiten und meines Tagesbedarfs…

Quelle: Michael Ortmann

Ähnlich wie bei den Tagebuch-Apps suche ich mir auch für dieses Projekt einige (5) Apps heraus, die ich auf Grund meiner Recherche im Internet, dem App Store oder aus Gesprächen mit Bekannten interessant finde. Danach folgen einige Tage „Projektarbeit“ und am Ende habe ich für mich die Apps gefunden, die meinen Bedarf am besten abdecken. Mit ihnen möchte ich meinen Beitrag an der Therapie leisten und vergrößern. Natürlich nicht ohne Hintergedanken. Denn wenn ich entsprechend mitarbeite, werden meine Pumpe, mein CGM und ich am Ende gute – stabile – Werte erarbeiten. Und das ist es doch, was wir wollen.

Mein Diabetes-Management = meine Vorlieben

Ganz bewusst nenne ich nicht die Apps, für die ich mich letztlich entschieden habe. Ich möchte mich nicht pro oder kontra Apps äußern. Diabetestherapie ist ein ganz individuelles und persönliches Thema. Es gibt so viele Parameter, an denen sich die Therapie unterscheidet (Diabetestyp, Therapieform, Pumpe, CGM…), deshalb sollte sich jeder selbst darüber Gedanken machen, welche Funktionen bereits zur Verfügung stehen und welche darüber hinaus schön, hilfreich und/oder notwendig sind, um die Therapie zu verbessern. Jeder ist seines Glückes Schmied und deshalb muss jeder für sich entscheiden, wie zufrieden er mit seiner Therapie ist, wo er hinkommen möchte und was er bereit ist, dafür zu tun, damit er selbst etwas verbessern kann. Die endgültige Entscheidung, welchen Weg ich gehe, mit welchem Engagement und Aufwand ich mich darum kümmere und ob ich mich mit dem Erreichten zufriedengebe, liegt bei mir

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass sich die Entscheidung, wie sehr ich mich persönlich am Diabetes-Management beteilige und wie wichtig mir die Therapie und deren Ergebnisse sind, unter Umständen häufig im Laufe des Lebens ändert. Dafür gibt es viele und gute Gründe. Eines ist sicherlich das Thema „Motivation“. Davon kann ich selbst ein Lied singen, und werde dies tun, auch wenn meine musikalischen Fähigkeiten nicht bühnenreif sind.

Über die Technik-Mensch-Beziehung

Ich bin ein sehr sachlicher, oft nüchterner Mensch. Daher gehöre ich nicht zu der Gruppe, die ihrer Pumpe einen Namen gibt. Sie ist da. Sie gehört zu mir. Sie ist ein Teil von mir geworden und ich trage sie mit Stolz und gerne auch sichtbar, ebenso wie meinen CGM-Sensor. Dass das so ist, hat sicher etwas mit Akzeptanz und Selbstverständnis oder auch mit Selbstbewusstsein zu tun.


Über die Wahl und die Zukunft des passenden Diabetes-Tagebuchs hat sich auch Basti in diesem Video gemacht!

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  • hexle postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes-Technik vor 1 Woche, 1 Tag

    Hallo,
    das neueste update für iOS ist inzwischen das 26.4.2. ich nutze den Dexcom g7 und die Freigabe von Dexcom ist derzeit bei 26.3.1.
    Wer sein Smartohone für online banking nutzt, muss bestätigen, dass updates regelmäßig gemacht werden. Ich finde es eine Zumutung, dass die Technik von Dexcom uns da immer so hinhält. Gibt es eine offizielle Stelle, die da mal intervenieren kann?

    • Hallo hexle,
      ich finde die Update-Empfehlungen von Dexcom auch etwas unbefriedigend.
      Allerdings steht auf der Kompatibilitäts-Seite auch:
      Zitat: “Sie können diese App auf jedem Betriebssystem verwenden, das die Mindestanforderungen erfüllt. Dexcom empfiehlt jedoch …”

      Eine “offizielle Stelle” bei Dexcom ist mir nicht bekannt, vom generellen Kundenservice mal abgesehen.

      Bei ernsthaften, tatsächlichen Funktionsstörungen gäbe es noch die Möglichkeit, eine Meldung beim BfArM zu eröffnen.

      Beste Grüße

    • PS Ich wollte noch ergänzen: Eine aktuelle ernsthafte Funktionsstörung sehe ich hier nicht gegeben.

    • Sicherheits-Updates der Betriebssysteme haben immer absolute Priorität. Dexcom und Abbott sind definitv sehr langsam mit den Tests und Freigaben. Beim G7 hat Dexcom etwas an Geschwindigkeit gewonnen, aber für G6 ist noch nicht einmal Android 16 getestet, das seit einem Jahr verfügbar ist. An Medizinprodukt-Freigaben liegt das nicht und besonders seriös und professionell ist es auch nicht. Neue Smartphones kann man nur mit aktueller OS-Version kaufen und wenn die nicht freigegeben ist, kann man theoretisch gar kein Smartphone sicher für Sensor oder AID-System verwenden. So war z. B. iOS 26 lange Zeit nicht auf den Listen, aber iPhones nur mit iOS 26 erhältlich. Die Listen verlieren damit zeitweise ihren eigentlichen Nutzen. Intervenieren können Anwender/Kunden mit Beschwerden bei den Hotlines.

    • @ole-t1: Danke Ole für deine Rückmeldung.

    • @schorschlinger: Danke für deine Rückmeldung. Beschwerden bringen einen da leider auch nicht weiter….

  • uho1 postete ein Update vor 2 Wochen

    Hat jemand bereits Erfahrungen mit der Medtrum Pumpe und dem dazugehörigen Sensor?

  • diahexe postete ein Update vor 3 Wochen, 1 Tag

    Hallo, ich habe mal eine Frage. Was macht ihr mit euren “Altgeräten”? Bei mir haben sich diverse Pumpen, BZ Messgerät, Transmitter usw angesammelt. Die Krankenkasse möchte sie nicht zurück, wegwerfen wäre zu schade. Kennt jemand eine Organisation, die diese Geräte annimmt?

    • Liebe diahexe,
      Du könntest dazu mal bei „Insulin zum Leben“ nachfragen. Das ist ein gemeinnütziger Verein, der vornehmlich Insulin, das hierzulande nicht mehr benötigt oder verwendet wird, in Weltregionen schickt, in denen großer Bedarf dafür herrscht. Soweit mir bekannt ist, nehmen die auch viele Diabetes-Hilfsmittel an. Hier findest Du die Website: https://www.insulin-zum-leben.de/
      Viele Grüße
      Gregor aus der Diabetes-Anker-Redaktion

    • @gregor-hess: Vielen lieben Dank. Ich hatte schon beim Roten Kreuz nachgefragt, die wollten allerdings die BZ Messgeräte nicht, angeblich wären sie zu alt (5 Jahre), obwohl es die Geräte genauso noch gibt und sie einwandfrei funktionieren.

    • @gregor-hess: das ist ein sehr guter Hinweis. Ich war schon persönlich bei der Gründerin des Vereins und habe Insulin abgegeben. Diese Frau macht wirklich einen tollen Job und bringt das Insulin regelmäßig nach Afrika. Sie nimmt Insulin, Pens, Pennadeln, Lanzetten, Blutzuckerteststreifen usw…

      Kann es nur empfehlen!!!

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