Kolumne „Fernweh“: „Mora mora!“

2 Minuten

Kolumne „Fernweh“: „Mora mora!“ | Foto: aprint22com – stock.adobe.com
Foto: aprint22com – stock.adobe.com
Community-Beitrag
Kolumne „Fernweh“: „Mora mora!“

Madagaskar lehrt „Mora mora“: In ihrer Kolumne „Fernweh“ berichtet Susanne vom Besuch in Kinderheim und Schule, von herzlichen Begegnungen. Und davon, wie sie trotz CGM-Ausfällen, Diabetes-Frust und tropischer Hitze wieder Vertrauen in sich findet.

Es hat geklappt. Nachdem im vergangenen Herbst politische Unruhen vor Ort einen Strich durch meine Reise nach Madagaskar gemacht hatten, konnten eine Freundin und ich nun in das afrikanische Land reisen. Endlich konnten wir das Kinderheim und die Schule besuchen, die wir unterstützen.

An einem Tag haben wir dort rund 80 Kinder geschminkt – eine Interaktion, die auch ohne gemeinsame Sprache funktionierte: Aus den schüchternen Mädchen und Jungs, die vor uns Platz nahmen, wurden mutige Tiger, fröhliche Bienen, hübsche Füchse, traumhafte Elfen – und viele, viele gefährliche Spidermans. Was für ein Spaß! Geduldig warteten die Kinder dabei, bis sie an der Reihe waren. „Mora mora“ – „Immer mit der Ruhe“ – das ist ein gelebtes Lebensmotto in Madagaskar, das offenbar schon die Kleinsten verinnerlicht haben. Eine Einstellung, von der wir uns etwas abschneiden können.

Autorin Susanne Löw und ihre Kolumne Fernweh

Susanne Löw ist freie Journalistin und lebt in Hamburg. Die gebürtige Bayerin hat seit dem Jahr 2002 Typ-1-Diabetes und ist seitdem erst recht gern unterwegs. Über ihre weltweiten Erfahrungen mit „Zucker im Gepäck“ berichtet sie im Diabetes-Anker-Podcast.

In der Kolumne Fernweh schreibt sie in jeder Diabetes-Anker-Ausgabe über ihre Reise-Leidenschaft uns alles, was dazugehört.

„Mora mora“ half mir auch bei unserer anschließenden Reise durch den Norden des faszinierenden Landes, in dem Chamäleons, Lemuren und andere endemische Tierarten zu Hause sind: Bei den tropischen Temperaturen fiel ein CGM-Sensor nach dem anderen ab oder streikte. Bevor ich die letzten meiner mehr als doppelten Ersatz-Reserven einsetzte, versuchte ich krampfhaft, eine strapazierfähigere Lösung zu finden. Ich probierte Paket- und Gaffertape aus dem Hotelfundus eines sympathischen Familienbetriebs mit bereits defekten Sensoren aus, hielt Rücksprache mit Experten zu Hause, verwarf dann aber alles. Frust machte sich breit. Noch rund zwei weitere Wochen kein CGM, keine AID-Funktion der Insulinpumpe, voraussichtlich weniger ruhige Nächte – sollte die Reise so weitergehen?

Doch dann entschied ich mich gegen Frust und für „Mora mora“: Eineinhalb Tage verbrachte ich ohne Sensor, zumal in dieser Zeit ohnehin ein Schnorchel-Ausflug mit viel Wasserkontakt anstand. Das Ergebnis: Ja, die Werte waren nicht mehr so perfekt. Ja, das blutige Messen war ungewohnt und auch ein wenig lästig. Aber am Ende stand die Erkenntnis: Es würde notfalls auch ohne CGM gehen. Mittlerweile waren wir in etwas weniger tropischen Gefilden angekommen und ich setzte nach der bewussten Pause und mit der Gewissheit, auch ohne zurechtzukommen, den letzten Sensor … Und siehe da: Er hielt bis zum letzten Tag der Laufzeit durch!

„Mora mora“, das behalte ich somit gern dauerhaft im Herzen – genau wie das gesamte Land Madagaskar mit seinen so herzlichen Menschen, die trotz Armut so sehr strahlen und lachen. Auch Demut ist also ein weiteres Mal im Rückreisegepäck.

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Ähnliche Beiträge

Informationstag für Menschen mit Adipositas und/oder Diabetes: Gelebtes Empowerment bei der ADIBETIKA 2026
Beim Informationstag ADIBETIKA 2026 tauschten sich Menschen mit Adipositas, Diabetes oder beidem über Therapien, Digitalisierung und den Alltag mit den Erkrankungen aus. Susanne Thiemann vom DDH-M NRW e.V. berichtet über die Veranstaltung und die starke Allianz zweier Patientenverbände. Zusätzliche Impressionen und Stimmen gibt's im Video.
Informationstag für Menschen mit Adipositas und/oder Diabetes: Gelebtes Empowerment bei der ADIBETIKA 2026 | Foto: DDH-M NRW

2 Minuten

Kathy und Leonie Dalinger im Interview: Seinem Kind mit Diabetes vertrauen und es unterstützen
Als Vorsitzende der Stiftung Dianiño möchte Kathy Dalinger andere Diabetes-Familien unterstützen. Sie und ihr Mann haben es mit viel Offenheit und Vertrauen geschafft, ihrer Tochter Leonie als Kind mit Diabetes eine unbeschwerte Zeit zu ermöglichen.
Kathy und Leonie Dalinger im Interview: Seinem Kind mit Diabetes vertrauen und es unterstützen | Foto: privat

13 Minuten

1 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
Zur Community
  • thomas55 postete ein Update vor 1 Woche

    Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 1 Woche

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße

  • lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 3 Wochen, 1 Tag

    Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
    Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/

    Wer ist am Start?

    ( 4 von 6 )
    66.67%
    ( 1 von 6 )
    16.67%
    ( 1 von 6 )
    16.67%