Diabetesmedikamente und Bewegung

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Diabetesmedikamente und Bewegung

Keine Frage – die pharmakologische Forschung bewegt sich rasant. Acht Substanzgruppen und eine Vielzahl von Insulinen sind für die Diabetesbehandlung in Deutschland bereits zugelassen, weitere werden intensiv beforscht. Menschen mit Diabetes profitieren zweifelsfrei von den Entwicklungen, aber eben in besonderem Maße auch von ihrer eigenen Bewegung.

Alle Diabetesmedikamente senken auf verschiedene Weise den Blutzucker, stimulieren die Insulinfreisetzung oder verbessern die Insulinwirkung an Leber und Muskulatur. Und sie haben ganz unterschiedliche Neben- und Wechselwirkungen. Das Medikament Bewegung hat bei richtiger Dosierung zum Glück praktisch keine Nebenwirkungen. Aber was gilt es bei Bewegung und gleichzeitiger Behandlung mit Diabetesmedikamenten zu beachten?

Insulinempfindlichkeit wird durch Bewegung verbessert

Bewegung bewirkt unter anderem über eine gebesserte Insulinempfindlichkeit, dass mehr Glukose in die Zellen strömen kann. Das ist sinnvoll, denn der arbeitende Muskel benötigt seinen Treibstoff: die Glukose. Durch den höheren Glukoseeinstrom in die Zelle und Glukoseverbrauch fällt natürlich der Blutglukosewert.

Bei Stoffwechselgesunden oder auch unter der Einnahme von Diabetesmedikamenten ohne ein praktisch relevantes Unterzuckerungsrisiko (s. Abschnitt “Medikamentencheck” ) treten auch bei intensiver körperlicher Aktivität in der Regel keine Unterzuckerungen auf.

Nimmt man gleichzeitig Medikamente ein, die zu Unterzuckerungen führen können, so besteht aber ein mitunter deutlich erhöhtes Unterzuckerungsrisiko während der körperlichen Aktivität und auch in den Stunden danach.

Je höher die Belastung, desto stärker fallen die Blutglukosewerte

Allgemein gilt: Je höher Intensität und Dauer der körperlichen Belastung sind, desto stärker ist der Abfall der Blutglukosewerte zu erwarten. Eine Reihe weiterer Faktoren spielt eine Rolle wie Trainingszustand, Diabetestyp und -dauer, Körpergewicht oder die Diabetestherapie. Als Zielwert vor körperlicher Aktivität sollte, wenn Medikamente zu Unterzuckerungen führen können, ein Blut-
glukosewert zwischen 150 und 180 mg/dl (8,3 und 10,0 mmol/l) angestrebt werden.

Um Unterzuckerungen vorzubeugen, kann man die Tabletten- oder Insulindosis vor geplanter Aktivität reduzieren, zusätzliche Kohlenhydrate zu sich nehmen oder beide Maßnahmen kombinieren. Für die genaue Dosisanpassung gibt es leider keine Patentlösung; jeder Sportler mit Diabetes muss letztlich selbst oder auch gemeinsam mit seinem betreuenden Diabetesteam die erforderlichen Kohlenhydrat- und Medikamentendosis-Anpassungen herausfinden. Dabei hilft sicherlich das Führen eines Sport-Tagebuches.

Essen und Trinken – was ist zu beachten?

Ohne Schweiß kein Preis: Flüssigkeitsmangel beim Sport führt zu reduzierter mentaler und physischer Leistungsfähigkeit. Daher darf die ausreichende Flüssigkeitszufuhr vor, bei und nach dem Sport nicht vergessen werden. SGLT-2-Hemmer (s. “Medikamentencheck” ) begünstigen durch ihren Wirkmechanismus Flüssigkeitsverluste. Hier gilt es also besonders, auf eine ausreichende Flüssigkeitsgabe zu achten.

Vor intensiverem Sport sollte die letzte große Mahlzeit zwei bis drei Stunden vorher eingenommen werden. GLP-1-Agonisten (s. “Medikamentencheck” ) verlangsamen die Magenentleerung, daher empfiehlt sich hierunter, noch etwas früher zu essen.

Auch wenn ein paar Spielregeln zu beachten sind – dank vieler neuer Diabetesmedikamente und optimierter Insuline stellt die medikamentöse Diabetestherapie heute praktisch kein Hindernis mehr für ein bewegtes Leben mit Diabetes dar.


Medikamentencheck

Diabetesmedikamente und Unterzuckerungsrisiko bei Bewegung

Unterzuckerungsrisiko bei Bewegung verstärkt, Dosisanpassung oder zusätzliche Glukoseaufnahme bei Bewegung in der Regel erforderlich:

  • Sulfonylharnstoffe – z. B. Glibenclamid, Glimepirid, Gliquidon
  • Glinide – Nateglinid, Repaglinid
  • Insulin

In der Regel kein praktisch relevantes Unterzuckerungsrisiko bei Bewegung, ein theoretisches Risiko ist im Einzelfall nicht auszuschließen; Dosisanpassung oder zusätzliche Glukoseaufnahme bei Bewegung in der Regel nicht erforderlich:

  • BiguanideMetformin
  • DPP-4-Hemmer – z. B. Saxagliptin, Sitagliptin
  • SGLT-2-Hemmer – z. B. Dapagliflozin, Empagliflozin
  • GLP-1-Agonisten – z. B. Dulaglutid, Exenatid, Liraglutid
  • α-Glukosidase-Hemmer – z. B. Acarbose
  • Glitazone – z. B. Pioglitazon

Angaben zum Unterzuckerungsrisiko beziehen sich immer auf die Einnahme eines Medikaments allein (Monotherapie).


von Dr. Meinolf Behrens
Diabetologe DDG, Facharzt für Sportmedizin und Ernährungsmedizin
Diabeteszentrum Minden, Bismarckstraße 43, 32427 Minden,
Telefon 0571-840999, E-Mail: mb@diabetes-minden.de
,
Internet: www.diabetes-minden.de

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2015; 64 (11) Seite 78-79

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  • hexle postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes-Technik vor 1 Woche, 2 Tagen

    Hallo,
    das neueste update für iOS ist inzwischen das 26.4.2. ich nutze den Dexcom g7 und die Freigabe von Dexcom ist derzeit bei 26.3.1.
    Wer sein Smartohone für online banking nutzt, muss bestätigen, dass updates regelmäßig gemacht werden. Ich finde es eine Zumutung, dass die Technik von Dexcom uns da immer so hinhält. Gibt es eine offizielle Stelle, die da mal intervenieren kann?

    • Hallo hexle,
      ich finde die Update-Empfehlungen von Dexcom auch etwas unbefriedigend.
      Allerdings steht auf der Kompatibilitäts-Seite auch:
      Zitat: “Sie können diese App auf jedem Betriebssystem verwenden, das die Mindestanforderungen erfüllt. Dexcom empfiehlt jedoch …”

      Eine “offizielle Stelle” bei Dexcom ist mir nicht bekannt, vom generellen Kundenservice mal abgesehen.

      Bei ernsthaften, tatsächlichen Funktionsstörungen gäbe es noch die Möglichkeit, eine Meldung beim BfArM zu eröffnen.

      Beste Grüße

    • PS Ich wollte noch ergänzen: Eine aktuelle ernsthafte Funktionsstörung sehe ich hier nicht gegeben.

    • Sicherheits-Updates der Betriebssysteme haben immer absolute Priorität. Dexcom und Abbott sind definitv sehr langsam mit den Tests und Freigaben. Beim G7 hat Dexcom etwas an Geschwindigkeit gewonnen, aber für G6 ist noch nicht einmal Android 16 getestet, das seit einem Jahr verfügbar ist. An Medizinprodukt-Freigaben liegt das nicht und besonders seriös und professionell ist es auch nicht. Neue Smartphones kann man nur mit aktueller OS-Version kaufen und wenn die nicht freigegeben ist, kann man theoretisch gar kein Smartphone sicher für Sensor oder AID-System verwenden. So war z. B. iOS 26 lange Zeit nicht auf den Listen, aber iPhones nur mit iOS 26 erhältlich. Die Listen verlieren damit zeitweise ihren eigentlichen Nutzen. Intervenieren können Anwender/Kunden mit Beschwerden bei den Hotlines.

    • @ole-t1: Danke Ole für deine Rückmeldung.

    • @schorschlinger: Danke für deine Rückmeldung. Beschwerden bringen einen da leider auch nicht weiter….

  • uho1 postete ein Update vor 2 Wochen

    Hat jemand bereits Erfahrungen mit der Medtrum Pumpe und dem dazugehörigen Sensor?

  • diahexe postete ein Update vor 3 Wochen, 2 Tagen

    Hallo, ich habe mal eine Frage. Was macht ihr mit euren “Altgeräten”? Bei mir haben sich diverse Pumpen, BZ Messgerät, Transmitter usw angesammelt. Die Krankenkasse möchte sie nicht zurück, wegwerfen wäre zu schade. Kennt jemand eine Organisation, die diese Geräte annimmt?

    • Liebe diahexe,
      Du könntest dazu mal bei „Insulin zum Leben“ nachfragen. Das ist ein gemeinnütziger Verein, der vornehmlich Insulin, das hierzulande nicht mehr benötigt oder verwendet wird, in Weltregionen schickt, in denen großer Bedarf dafür herrscht. Soweit mir bekannt ist, nehmen die auch viele Diabetes-Hilfsmittel an. Hier findest Du die Website: https://www.insulin-zum-leben.de/
      Viele Grüße
      Gregor aus der Diabetes-Anker-Redaktion

    • @gregor-hess: Vielen lieben Dank. Ich hatte schon beim Roten Kreuz nachgefragt, die wollten allerdings die BZ Messgeräte nicht, angeblich wären sie zu alt (5 Jahre), obwohl es die Geräte genauso noch gibt und sie einwandfrei funktionieren.

    • @gregor-hess: das ist ein sehr guter Hinweis. Ich war schon persönlich bei der Gründerin des Vereins und habe Insulin abgegeben. Diese Frau macht wirklich einen tollen Job und bringt das Insulin regelmäßig nach Afrika. Sie nimmt Insulin, Pens, Pennadeln, Lanzetten, Blutzuckerteststreifen usw…

      Kann es nur empfehlen!!!

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