Ich habe einen neuen Freund …

2 Minuten

© Kirchheim-Verlag | Illustrationen: Christian Mentzel
Ich habe einen neuen Freund …

Alex Adabei hat einen neuen festen Freund, der sie zwar auf jeden ihrer Schritte begleitet, zu dem sie allerdings trotzdem ein ambivalentes Verhältnis pflegt. Wer ihr ominöser neuer Begleiter ist, erfahren Sie in der Kolumne Zum guten Schluss.

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche / Durch des Frühlings holden, belebenden Blick / Im Tale grünet Hoffnungsglück – so heißt es in Goethes “Osterspaziergang” (aus Faust I). Ja, der Frühling ist nun wirklich da – und ich habe einen neuen festen Freund. Mich stört allerdings, dass er so unromantisch ist. Dabei sind wir noch gar nicht lange zusammen.

Mein neuer Freund, der Schrittzähler

Wahrscheinlich kommt keine Romantik auf, weil mein Gefährte extrem auf Zahlen fixiert ist. Genauer: darauf, wie viele Schritte ich mache. Ja, jetzt sind Sie mir auf die Schliche gekommen: Mein neuer Freund ist ein Schrittzähler, den ich mir immer öfter an den Hosenbund klemme. Während er sich an meinen Bauch schmiegt, führt er unerbittlich Buch: Wie viele Schritte wurden schon zurückgelegt? Wie viele Kilometer?

Und dann zählt der Kamerad auch noch die Aerobic Steps. Das sind schnelle Schritte, die aber nur gezählt werden, wenn ich mindestens 10 Minuten lang 60 Schritte pro Minute zurückgelegt habe. Puh, da kann ich nicht gemütlich schlendern und nebenbei noch Goethe rezitieren!

Wenn ich meine Schrittzahl abrufe, bin ich manchmal frustriert: Was, das waren jetzt nur anderthalb Kilometer? Um die viel beschworenen 10.000 Schritte pro Tag zu schaffen, muss ich nämlich 6,7 Kilometer zurücklegen. Und das klappt meistens nicht. Schon gar nicht an einem Bürotag. Neugierig hatte ich den Schrittzähler auch mal an so einem Sitz-Tag angeclippt – und kam nur auf ungefähr 500 Meter.

Beziehungsstatus: Es ist kompliziert …

Ganz glücklich ist die Beziehung zu meinem neuen Freund also nicht. Zeigt er zu wenige Schritte an, bin ich nicht gut auf ihn zu sprechen. Er hingegen bleibt cool und zählt erst wieder, wenn es weitergeht. Letztens aber grünte Hoffnungsglück, denn ich habe mein Pensum sogar an einem Arbeitstag geschafft: Ich war beruflich unterwegs, und die Zeit erlaubte es, vom Hauptbahnhof zu meinem Termin zu laufen. Auch zurück zum Bahnhof bin ich eiligen Schrittes auf Schusters Rappen gelangt, hinzu kam die Rennerei beim Umsteigen etc.

Den Blick auf den Schrittzähler hatte ich mir als Belohnung für zu Hause aufgehoben. Das stolze Ergebnis: 9,9 Kilometer, das sind für mich über 14.000 Schritte. An diesem Abend war mein Schrittzähler mein bester Freund! Und mein Mann war gar nicht eifersüchtig …

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von Alex Adabei

Das Team für den guten Schluss: Dr. Hans Langer arbeitet als Arzt in einer Diabetesklinik, Jana Einser hat schon seit Kindertagen Typ-1-Diabetes und Alex Adabei hat viele Bekannte und Verwandte mit Typ-2-Diabetes. Sie schreiben abwechselnd für diese Kolumne.

Kontakt:
Kirchheim-Verlag, Kaiserstraße 41, 55116 Mainz,
Tel.: (06131) 9 60 70 0, Fax: (06131) 9 60 70 90,
E-mail: redaktion@diabetes-journal.de

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2016; 65 (4) Seite 78

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  • thomas55 postete ein Update vor 3 Wochen, 5 Tagen

    Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 3 Wochen, 6 Tagen

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße

  • lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 1 Monat, 1 Woche

    Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
    Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/

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