Sport auch mit Herzrhythmusstörungen möglich

3 Minuten

Sport auch mit Herzrhythmusstörungen möglich

Menschen, die an Herzrhythmusstörungen leiden, müssen nicht zwangsläufig auf sportliche Betätigung verzichten. Nach eingehender kardiologischer Untersuchung, im richtigen Ausmaß und bei genauer Anleitung ist Sport für die meisten Herzpatientinnen und -patienten gesundheitsfördernd, betonen Experten bei den DGK-Herztagen in Berlin.

Für Menschen, die an einer Herzrhythmusstörung leiden, stellt sich die Frage, ob sie mit dieser Erkrankung Sport treiben dürfen und wenn ja, welche sportliche Betätigung für sie geeignet ist. Prof. Peter Seizer, Rhythmologe und Kardiologe am Universitätsklinikum Tübingen erklärte bei den Herztagen der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) in Berlin, worauf Freizeitsportler mit Herzrhythmusstörungen achten müssen und warum eine Herzerkrankung kein Grund sein muss, auf sportliche Betätigung zu verzichten.

Sport erst nach vorheriger eingehender Untersuchung

Es hängt von der genauen Form der Erkrankung ab, ob es für Patientinnen und Patienten mit einer Herzrhythmusstörung förderlich ist, Sport zu treiben. Ob Bewegung den Gesundheitszustand der Betroffenen verbessert oder verschlechtert, kann nach eingehender Untersuchung mit EKG, 24-Stunden-EKG und, wenn nötig, zusätzlicher Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiographie) eingeschätzt werden.

„Freizeitsportler sollten sich vor allem dann kardiologisch untersuchen lassen, wenn sie den Verdacht haben, dass sie an einer Herzrhythmusstörung leiden. Das bedeutet, dass sie entweder bereits Symptome verspürt haben oder es in ihrer Familie Personen mit dieser Erkrankung gibt“, empfiehlt Prof. Seizer. Der Experte kann in den meisten Fällen Entwarnung geben: „Der Großteil der Herzrhythmusstörungen von Freizeitsportlern ist zwar unangenehm, aber relativ harmlos.“

Eine Rhythmusstörung ist in der Regel dann ungefährlich, wenn sie für sich alleine steht, „nur“ eine Art Kurzschlussbahn des Kreislaufes ist oder auf Vorhofebene auftritt. Diese Erkrankungen können bei Hobbysportlern jeden Alters und jeder Sportart vorkommen, sind aber gut behandelbar.

Allerdings müssen Sportler mit bestimmten anfallsartigen eigentlich harmlosen Herzrhythmusstörungen darauf achten, welcher Sportart sie nachgehen: „Betroffene sollten Sportarten vermeiden oder nur unter Aufsicht ausüben, bei denen eine kurze Bewusstseinsstörung fatale Folgen haben könnte, etwa Klettern, Schwimmen, Tauchen, Skifahren, Radfahren, Reiten oder Motorradfahren“, rät Prof. Seizer.

Herzrhythmusstörungen: Auf Symptome achten

Oft sind schon vor dem erstmaligen Auftreten von Herzrhythmusstörungen Alarmsignale vorhanden. „Die Patienten berichten aber zumeist erst davon, wenn schon dramatische Symptome auftreten“, sagt der Experte. Bei älteren Patienten ist etwa die Angina Pectoris ein klassisches Symptom. Herzrhythmusstörungen werden von den Betroffenen zwar oft bemerkt, aber ignoriert. „Vor allem Männer gestehen sich die Symptome nicht ein oder glauben, dass sie sich nur etwas überbeansprucht haben. Sie sollten sich aber unbedingt untersuchen lassen.“

Geklärt werden muss auch, ob die Rhythmusstörung ein Anzeichen für eine nicht bemerkte folgenschwere Herzerkrankung ist. Herzrhythmusstörungen, die lebensbedrohlich werden können, entstehen aus einer nicht erkannten strukturellen Herzerkrankung. „Besonders gefährlich wird es, wenn ehrgeizige Hobbyathleten mit einer schweren unerkannten Herzerkrankung eine Sportart mit Wettbewerbscharakter betreiben, etwa Fußballspielen. Denn dann versuchen sie oft, das Letzte aus sich herauszuholen und über ihre Grenzen zu gehen“, weiß Prof. Seizer.

Unerkannte strukturelle Herzerkrankungen treten bei Patientinnen und Patienten auf, die genetisch bedingt eine Störung im Aufbau der Herzmuskulatur haben. Das betrifft vor allem die rechte Herzkammer: Es kann aber auch sein, dass die Herzwand zu dick wird. „Patientinnen und Patienten mit einer strukturellen Herzerkrankung sollten außergewöhnliche Belastungen meiden und keinen Leistungssport ausüben“, sagt Prof. Seizer.

Nach eingehender Voruntersuchung und bei Beschwerdefreiheit empfiehlt der Experte jedoch auch diesen Patientinnen und Patienten leichte körperliche Belastungen. „Ich rate den meisten trotz ihrer Erkrankung Sport zu betreiben, denn selbst bei Menschen mit Herzschrittmachern oder eingebauten Defibrillatoren wirkt sich Sport günstig auf die Gesundheit aus.“ Prof. Seizer betonte jedoch, dass die Sportausübung nur nach genauen Anweisungen, im geeigneten Ausmaß und in einem geschützten Rahmen erfolgen sollte.

Sport auch bei Herzschwäche wichtiges Element der Therapie

„Sport und körperliche Aktivität sind auch essentielle Bestandteile in der Vorsorge und Behandlung der chronischen Herzinsuffizienz,“ berichtet bei den DGK-Herztagen Prof. Dr. Frank Edelmann (Berlin). So kann körperliche Aktivität einen wichtigen Beitrag dazu leisten, das Auftreten einer Herzschwäche um bis zu 50 Prozent zu reduzieren.

„Selbst wenn es zu einer Herzschwäche kommt, kann diese bei vorher Aktiven milder verlaufen“, so Prof. Edelmann. „Bei Patienten, die an einer Herzschwäche leiden, haben bereits zwei bis drei Trainingseinheiten pro Woche einen wichtigen Effekt auf die Prognose, außerdem kann schon nach kurzer Zeit die Leistungsschwäche und die Lebensqualität deutlich verbessert werden. Auch wichtige Begleiterkrankungen wie Diabetes können mit Hilfe eines körperlichen Trainings besser behandelt bzw. eingestellt werden.“

Wichtig sei es dabei, dass solche Trainings- und Aktivitätsprogramme auf den jeweiligen Patienten individuell zugeschnitten werden, um die bestmögliche Wirkung zu erzielen und eine potenzielle Gefährdung zu vermeiden.


Quelle: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e.V.

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Ähnliche Beiträge

Mit Diabetes Typ 3c auf alpiner Hüttentour
Community-Autor Michael war mit seinen Schülerinnen und Schülern auf alpiner Hüttentour. Er berichtet, wie er mit seinem Diabetes Typ 3c die steilen Anstiege im Schnee, eine Unterzuckerung am Zwieselbachjoch und den Umgang mit Höhe, Aktivität sowie schwankender Insulinsensitivität erlebt hat; und wie seine Erfahrungen waren, eine solche Tour erstmals mit einer Insulinpumpe zu bewältigen.
Mit Diabetes Typ 3c auf alpiner Hüttentour | Foto: Michael Bender

7 Minuten

Community-Beitrag
Open-Source-DIY-Systeme treiben vollständig automatisierte Insulindosierung (AID) voran
Während kommerzielle AID-Systeme noch überwiegend als Hybrid-Closed-Loop-Systeme arbeiten und weiterhin Mahlzeitenankündigungen oder Bolusgaben erfordern, experimentiert die Open-Source-Community schon länger mit Strategien zur vollständig automatisierten Insulindosierung. Eine aktuelle Übersichtsarbeit in Diabetologia zeigt nun, wie weit diese Entwicklung dieser DIY-Systeme bereits gediehen ist und welche Chancen, aber auch Grenzen derzeit bestehen.
Ein Steckbrett mit Siebensegmentanzeige und farbigen Kabeln ist mit einer Arduino-Platine verbunden, die per USB-Kabel an eine Computertastatur angeschlossen ist. Sinnbild für selbstgebaute Open-Source-Elektronik, wie sie bei DIY-Systemen zur automatisierten Insulindosierung zum Einsatz kommt.

3 Minuten

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
Zur Community
  • thomas55 postete ein Update vor 3 Wochen, 5 Tagen

    Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 3 Wochen, 5 Tagen

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße

  • lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 1 Monat, 1 Woche

    Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
    Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/

    Wer ist am Start?

    ( 4 von 6 )
    66.67%
    ( 1 von 6 )
    16.67%
    ( 1 von 6 )
    16.67%