- Aus der Community
Tränen, Schweiß und Blut – alles für den Erfolg! – oder den Diabetes?!
4 Minuten
Heute melde ich mich mal als ehemalige Sportlerin und mehrfache Kickbox-Weltmeisterin zu Wort und möchte meinen „Olympischen Gedanken“ gerne mit Euch teilen. Meine sportlich aktive Wettkampfzeit liegt zwar schon ein paar Jahre zurück, aber ich kann die Situation der Athleten bei der Olympiade gut nachempfinden.
Der Tag X rückt immer näher. Erst sind es noch Monate, dann Wochen, nur noch Tage und letztendlich bleiben Stunden und Minuten… Für die Wettkampfvorbereitung habe ich auch über Jahre immer wieder sehr viel investiert wie z.B. meine komplette Freizeit und Taschengeld. Freunde und Familie wurden oft vertröstet und haben mich dennoch unterstützt. Am Ende habe ich für meine großen Erfolge nicht nur Schweiß, sondern tatsächlich auch viele Tränen und Blut vergossen.
Ziel war es immer, ganz oben auf dem Treppchen zu stehen. Manche Niederlage auf dem Weg dorthin musste verkraftet und verarbeitet werden.
Comeback 2011
Nach 5 Jahren Trainingspause habe ich mich im Sommer 2010 zu einem Comeback entschlossen. Mein Traum war es, mich noch einmal für die anstehende WM 2011 zu qualifizieren. Meine Disziplin Vollkontakt. Zwecks Wettkampfpraxis und -erfahrung startete ich die Saison über zusätzlich im Leichtkontakt und wurde auch hier zum Kadertraining von den Bundestrainern eingeladen.
Mein Jahr 2011 bestand aus folgenden Aktivitäten: Arbeiten, Trainieren, Schlafen. Je nach Wochentag und Arbeitszeit variierte lediglich die Reihenfolge. Ich konnte die wichtigen Qualifikationsturniere gewinnen und wurde tatsächlich in beiden Disziplinen nominiert! Ziel erreicht??! Auf keinen Fall!! Eine Chance auf einen letzten WM-Titel ließ mich nochmal einen Gang höherschalten…
„Goldene Worte“ des Bundestrainers
Zuerst stand die Leichtkontakt-WM in Skopje (Mazedonien) auf dem Programm. Betreut wurden wir durch unsere Bundestrainer. Ich hatte das große Glück, dass meine Trainerin und beste Freundin Marion privat mitgereist ist. Wenn auch nicht in der Ringecke – eine unglaubliche Unterstützung…
Ich schaffte es erfolgreich bis ins Finale und traf hier auf eine sehr starke Gegnerin aus Russland. Mir wurde klar, dass ich diesen Kampf verlieren würde. Aber ich habe mich nicht geschlagen gegeben und wollte es der neuen Weltmeisterin so schwer wie möglich machen. Ich habe also bis zur letzten Sekunde größtmöglichen Widerstand geleistet und ihr dann zum Titel gratuliert. Immerhin – Silber für mich 😉
Am Ende der WM stehen immer die persönlichen Gespräche mit den Bundestrainern an. Ich gebe zu, dass ich schon noch frustriert war, den Titel verpasst zu haben. Was würde mich also im Gespräch erwarten? Waren die Trainer auch frustriert? Vielleicht sogar enttäuscht?

„Liebe Anja – Du hast großartig gekämpft. Hast alles gegeben und bist nicht eingebrochen. Du bist stabil geblieben und hast gezeigt, dass Du gewinnen wolltest. Im Vorkampf hast Du unsere Wettkampfstrategie erfolgreich umgesetzt und verdient gewonnen. Für uns zählt Deine Leistung und nicht der Erfolg! Und die war großartig.“
Es zählt die Leistung und nicht der Erfolg
Lieber Peter Zaar, ich danke Dir noch heute für diese wertvollen Worte!!
Ihr Süßen da draußen, wir machen jetzt einen Sprung in die Diabetologie…
Und nehmen diese Worte einfach mal mit.
Mein Gedanke „das sollte mal der ein oder andere Diabetologe vielleicht auch zu seinen Patienten sagen“. Und vor allem natürlich auch so denken. Wer kennt das nicht? Termin beim Diabetologen steht an und irgendwie will es einfach nicht klappen mit den „guten Werten“. Heißt nicht, dass wir uns keine Mühe geben! Zu viele Unbekannte in der Gleichung und das Ergebnis wird mal wieder kein als Standard definierter Langzeitwert im Normbereich sein.
Erfolg macht erfolgreich
Wäre es nicht viel motivierender für uns, wenn der „Gott in Weiß“ unsere Leistung anerkennen würde? Z.B. „Du hast regelmäßig gemessen und auch Dein Insulin gespritzt. Ein ausführliches Protokoll geführt und Lebensmittel abgewogen. Du hast sogar Geld für einen Sensor ausgegeben und an den Schulungen teilgenommen. Einige Nächte bist Du zum Messen aufgestanden und hast einen Basalratentest versucht durchzuführen… Damit können wir super weiterarbeiten und darauf aufbauen. Nächstes Ziel ist…“
Einfach mal auf das konzentrieren, was positiv ist.
Aus sportlicher Sicht kann ich nur sagen, dass man einen Erfolg ganz einfach, ganz groß feiern kann. Viel mehr gehört dazu, aus einer Niederlage gestärkt herauszugehen und nicht aufzugeben. Und dabei haben Menschen wie mein Bundestrainer Peter damals sehr großen Einfluss.
Warum nicht diesen Nutzen?!
Wenn ich aus einer Niederlage lernen kann, habe ich doch etwas gewonnen?! Dann habe ich nicht versagt und habe auch keinen Verlust erlitten. Ich bin viel mutiger, um weiterzumachen und weiterzukämpfen.
Und in Sachen Diabetes werden wir ja nicht gefragt, ob wir das Handtuch werfen wollen und aufgeben. Aus diesem Ring kann man nicht einfach so aussteigen – umso wichtiger, dass wir nicht die Boxhandschuhe (oder Insulinpumpe?!) an den Nagel hängen.
Gold in Dublin
3 Wochen später sollte es in Dublin perfekt laufen für mich. Ein knallharter Vorkampf brachte mich mit einigen Blessuren ins Finale. Wieder gegen Russland. Wieder eine sehr starke Gegnerin.
In der ersten Runde konnte ich mich taktisch nicht auf ihren Kampfstil einstellen und war etwas ratlos. In der Pause bekam ich Anweisungen von den Bundestrainern und dachte erst: „Oh ne – das ist ja überhaupt nicht meins…“ Kleine Diskussion mit mir selbst und mit Beginn der zweiten Runde habe ich mit mir selber geschimpft: „Du hast alles trainiert. Genau diese Techniken. Einzeltraining, stundenlang. Bis zum Umfallen. Jetzt musst Du genau das machen, Du kannst alles!“
Und dann wurde meine Leistung mit der Goldmedaille tatsächlich belohnt. Für meinen letzten großen WM-Titel habe ich alleine zuhause mit drei Trainern trainiert. Diabetestechnisch habe ich mich von zwei Diabetologen beraten lassen und mir bei Fragen ihre Vorschläge angehört.
Auch wenn ich weiß, dass es leider nicht immer so läuft im Leben, dass man für seine Leistungen belohnt wird – so wünsche ich es trotzdem jedem von Euch!! Und wenn auch nicht von anderen, von außen, dann sollte doch jeder selber stolz auf sich sein, was man alles schon gemacht und geschafft hat.
Ich finde, jeder Typ-1er hat doch schon eine Goldmedaille für „Ausdauer“ verdient?
Sportliche Grüße,
Diabetes-Anker-Newsletter
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Ähnliche Beiträge
- Aus der Community
Wie zum Typ 1 noch ein Typ F dazu kam…
4 Minuten
- Aktuelles
#DiabetesDialog am 16. November: Gut eingestellt durch die Winterzeit!
2 Minuten
Diabetes-Anker-Newsletter
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Über uns
Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist das neue Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.
Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?
Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.
Werde Teil unserer Community
Community-Feed
-
laila postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes Typ 3c vor 14 Stunden, 56 Minuten
Hallo ihr Lieben….Mein Name ist Laila…Ich bin neu hier…Ich wurde seit 2017 mit Diabetes 2 diagnostiziert.Da bekam ich den Diabetes durch laufen ohne Medies in den Griff.Das ging so bis Januar 2025.Ich weiss heute nochicht warum…aber ich hatte 2024 den Diabetes total ignoriert und fröhlich darauf losgegessen.Mitte 2025 ging ich Sport machen und gehen nach dem Essen.Und nahm immer megr ab.Htte einen Hb1C Wert von 8…Da ich abnahm, dachte ich, das der Wert besser ist…Bis Januar 2025…Da hatte ich einen HbA1C Wert von 14,8…Also Krankenhaus und Humalog 100 zu den Malzeiten spritzen…Und Toujeo 6 EI am Morgen…Irgendwann merkte ich, das mich kein Krankenhaus einstellen konnte.Die Insulineinheiten wurden immer weniger.Konnte kein Korrekturspritzen megr vornehmen.Zum Schluss gin ich nach 5 Mon. mit 2 Insulineinheiten in den Hypo…Lange Rede …kurzer Sinn.Ich ging dann auf Metformin…Also Siofor 500…Ich war bei vielen Diabethologen….Die haben mich als Typ 1 behandelt.Mit Metformin ging es mir besser.Meine letzte Diaethologin möchte, das ich wieder spritze.Ich komme mit ihr garnicht zurecht.Mein HbA1C liegt jetztbei 6,5…Mein Problem ist mein Gewicht.Ich wiege ungefähr 48 Kilo bei 160 m…Ich bräuchte dringend Austausch…Habe so viele Fragen…Bin auch psychisch total am Ende. Achso…Ja ich habe seit 1991 eine chronisch kalfizierende Pankreatitis…Und eine exokrine Pankreasinsuffizienz…Also daurch den Diabetes 3c.Wer möchte sich gerne mit mir austauschen?An Michael Bender:” Ich habe Deine Geschichte gelesen . Würde mich auch gerne mit Dir austauschen, da Du ja auch eine längere Zeit Metformin eingenommen hast.” Ich bin für jeden, mit dem ich mich hier austauschen kann, sehr dankbar. dankbar..Bitte meldet Euch…!!!
-
vio1978 postete ein Update vor 2 Tagen, 1 Stunde
Habe wieder Freestyle Libre Sensor, weil ich damit besser zurecht kam als mit dem Dexcom G 6. ist es abzusehen, ob und wann Libre mit d. Omnipod-Pumpe kompatibel ist?🍀
-
renrew postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes-Technik vor 1 Woche, 1 Tag
gibt es Tips oder Ratschläge dieser Pumpe betreffend?
-
moira antwortete vor 5 Tagen, 17 Stunden
Das kommt sehr darauf an – in welchem Bereich?
-


Hallo Leila, ich bin Suzana und auch in dieser Gruppe. Meine Geschichte kannst du etwas weiter unten lesen.
Es ist sicher schwer aus der Ferne Ratschläge zugeben, dennoch: ich habe mich lange gegen Insulinspritzen gewehrt aber dann eingesehen, dass es besser ist. Wenn die Pankreas nicht mehr genug produziert ist es mit Medikamenten nicht zu machen. Als ich nach langer Zeit Metformin abgesetzt habe, habe ich erst gemerkt, welche Nebenwirkungen ich damit hatte.
Ja auch ich muss aufpassen nicht in den unterzucker zu kommen bei Sport und Bewegung aber damit habe ich mich inzwischen arrangiert. Traubensaft ist mein bester Freund.
Ganz wichtig ist aber ein DiabetologIn wo du dich gut aufgehoben fühlst und die Fragen zwischendurch beantwortet.
Weiterhin viel Kraft und gute Wegbegleiter!
@suzana: Ich danke Dir für die Nachricht.Könnten wir uns weiterhin austauschen?Es wäre so wichtig für mich.Vielleicht auch privat? Gebe mir bitte Bescheid…Ich kenne mich hier leider nicht so gut aus…Wäre echt super…😊