- Diabetes-Grundwissen
Meine Familie, mein Praxisteam, meine Diabetes-Lobby
5 Minuten
Wie bei der FIFA oder in anderen einflussreichen Vereinen hat sich auch rund um Diabetes e.V. eine Ansammlung von Menschen gebildet, die es gut mit den Aktiven des Vereins meinen. Sie möchten nur das Beste für die Mitglieder und unterstützen, wo sie können. Mit mehr oder minder großem Erfolg.
Im Sinne der einfacheren Lesbarkeit wird in diesem Text die männliche Form gewählt, auch wenn natürlich Angehörige beider Geschlechter gemeint sind.
#1 Der Lebenspartner
Der oder die Lebenspartner/in ist für den Betroffenen – sofern vorhanden – oftmals der wichtigste Ansprechpartner. Im Idealfall weiß er genau, wann eine Hypoglykämie droht oder ob die Schilddrüsentablette genommen werden muss. Im Idealfall. In weniger idealen Fällen dauert es Monate, bis der Lebenspartner das Buch „Typ 1 für Dummies“ gelesen hat, um zumindest helfend eingreifen zu können, wenn es zu unvorhergesehenen Zwischenfällen kommt.
Die andere Seite der Medaille: Der Lebenspartner muss sich oft auch dämliche Spitznamen geben lassen und wird dann als lebendes Insulindepot missbraucht – ähnlich wie sich Katzenbesitzer oftmals auch als „Dosenöffner“ beschimpfen lassen müssen. Das ist natürlich nicht im Sinne einer für beide Seiten erfüllenden Beziehung und der Diabetiker darf sich nicht wundern, wenn hier Frust aufkommt. Man sieht, wie wichtig es ist, dass beide Seiten sich ernst genommen und ausreichend gebauchpinselt fühlen.
#2 Der Rest der Familie
Neben dem Lebenspartner zählen je nach Alter und Entwicklung des Diabetikers natürlich auch Kinder, Eltern und Großeltern zum Kreis der Familienlobby. Inzwischen trendhalber auch als „Typ-F“-Diabetiker bezeichnet, fühlt sich diese Gruppe von Funktionären natürlich ebenso krank und mitverantwortlich. Mit gutgemeinten Ratschlägen umsorgen sie den Betroffenen und weisen freundlich darauf hin, dass ein zweites Stück Kuchen gar nicht gut für den Zucker sein könnte. Der weiß natürlich, dass er ein zweites Stück Kuchen wunderbar vertragen kann und unterlässt tunlichst jegliche Diskussion mit den Familienmitgliedern.
Hervorzuheben ist hier ganz klar die Rolle der Eltern von noch minderjährigen Diabetikern. Ihnen kann wirklich nicht genug gedankt werden – sie sind für mich die einzigen Nicht-Diabetiker, die eigentlich als Diabetiker durchgehen können.
#3 Die Freunde
Der eine oder andere Diabetiker schafft es tatsächlich, auch engste Freunde über Jahre im Dunkeln darüber zu lassen, dass er Diabetiker ist. Ob das sinnvoll ist oder nicht, sei dahingestellt, aber es spricht Bände über die Qualität der Freundschaft. Natürlich sind Freunde oftmals der beste Partner des Diabetikers, denn sie stehen bereit, wenn Redebedarf besteht, sie schauen nicht kritisch, wenn man zu viele Süßigkeiten isst, und sie kennen einen so gut, dass sie sehr genau wissen, wann es wieder Zeit ist, die Glukosekonzentration zu messen.
Wirklich gute Freunde sind die, die einen den Diabetes vergessen lassen und dennoch den Traubenzucker auspacken, wenn es mal hart auf hart kommt.
#4 Der Hausarzt
Der Hausarzt ist oft derjenige, der die Verantwortung für die Erstdiagnose trägt. Er ist somit untrennbar mit dem Diabetes verbunden, im Idealfall jedoch immer nur derjenige, der die Überweisungen an den Diabetologen schreibt. Braucht man ihn wirklich einmal, dann hoffentlich „nur“ wegen einer Erkältung, eines Magen-Darm-Infekts oder ähnlicher Lappalien. Im Hintergrund ist er jedoch der gute Geist, der seine Patienten besser kennt, als man denkt, und entsprechend gute Tipps parat hat.
#5 Der Diabetologe
Der Diabetologe setzt HbA1c-Ziele und behauptet, er könne Bolus- und Basalinsulin anhand von Tabellen und Tagebüchern perfekt dosieren. Dabei vergisst er gerne, dass der Körper am Ende doch macht, was er will, und der Blutzuckerspiegel auch noch von körperlichem Befinden, Wetter und vielem mehr abhängt. Dennoch muss man dem Diabetologen dankbar sein, denn er schreibt die so wichtigen Verordnungen für Insulinpumpen, CGM-Systeme und ähnliche Hilfsmittel.
#6 Der Diabetesberater
Gibt es die eigentlich auch in männlich? Egal – sie sind für viele Diabetiker neben der eigenen Mutter der wichtigste Mensch im Leben. Dabei werden sie nur für wenige Minuten Gespräch bezahlt und müssen in dieser Zeit viel leisten. Neben den Anweisungen der Diabetologen und den vielen Wünschen der Patienten haben sie ein großes Wissen rund um die Krankheit, die Ernährung und die richtige Einstellung zu vermitteln und dabei noch eine positive Grundeinstellung zu vermitteln. Außerdem könnten sie oftmals genauso gut mit der nächsten Telefonzelle reden, denn oft genug werden ihre Ratschläge einfach ignoriert.
#7 Der Apotheker
Der Apotheker hat es schwer. Viele Hersteller vertreiben ihre Geräte nur noch direkt oder über Spezialversender, aber wenn nachts die Pumpe den Geist aufgibt, ist der Apotheker an der Ecke immer noch erste Wahl und muss für kurzfristigen Ersatz in Form von Pens sorgen. Das ist natürlich nicht fair. Andererseits lieben wir unseren Apotheker nicht nur dafür, sondern auch für freundliche Gespräche und eine heimelige Atmosphäre. Den Traubenzucker kauft man ob der Preise leider dann doch eher im Supermarkt.
#8 Die Spezialversender
Sie sind aus dem Leben eines Diabetikers nicht mehr wegzudenken. Viele Diabetiker suchen sich den Versender ihrer Wahl gar nach Art und Anzahl der kostenlosen Beigaben aus (sic) – das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Und der Verzicht auf Zuzahlungen sowie exklusive Vertriebsrechte für bestimmte Insulinpumpen machen es den Apothekern schwer. Dafür bekommt man beim Spezialversender aber fast immer eine perfekte und kompetente Beratung – und schnelle Lieferung ist garantiert.
#9 Die Arzneimittel- und Gerätehersteller – und die Apps
Man weiß nicht so recht, ob sie es wirklich gut meinen oder ob sie nur auf Profit aus sind. Seit Jahren werden Entwicklungen versprochen, die auf Linderung und gar Heilung hoffen lassen, doch es passiert einfach nichts. Werfen die gängigen Insuline so viel Gewinn ab, dass Neuentwicklungen verhindert werden? Der Verschwörungstheoretiker in uns ist geneigt, das zu glauben. Das FreeStyle Libre macht wieder Hoffnung auf Besserung, denn es ist in der Tat ein großer und vor allem bezahlbarer Schritt in die richtige Richtung. Und dennoch schafft es keiner, die verschiedenen Geräte sinnvoll zu vernetzen und somit ein Closed-Loop-System zu bauen, welches ein echter Durchbruch wäre.
Ach ja, und dann gibt es natürlich noch die unzähligen Apps und Programme aus dem Bereich „Health“. Apple sammelt fleißig Daten, man kann jeden Spaziergang samt Kalorienverbrauch und Höhenmetern dokumentieren und das obligatorische Foto vom Salatteller samt aktuellem Blutzuckerwert und passender Bolusabgabe muss natürlich bei Facebook gepostet werden.
#10 Die anderen Diabetiker in Foren und Gruppen
Man sollte meinen, dass in den einschlägigen Gruppen und Foren die beste Hilfe für alle Fragen rund um den Diabetes zu bekommen ist, denn so viele Menschen können ja gar nicht irren. Erfahrene Diabetiker geben ihr Wissen weiter und stellen perfekte Diagnosen anhand von großformatigen Bildern von Hautausschlägen und wunden Stellen. Das Problem ist nur: Man bekommt nicht nur eine Diagnose, sondern gleich mehrere und kann sich dann eine aussuchen.
Richtig gut eignen sich derartige Gruppen mitunter als Motivationshilfen, denn man erhält hilfreiche Ratschläge und motivierende Worte von vielen Gleichgesinnten. Das tut gut und kann einem den nötigen Kick geben, besser auf sich zu achten.
Regelrecht geächtet werden hier Menschen, die ihren Libre-Account gegen Bezahlung anbieten oder anderweitig von der Not anderer profitieren möchten.
Viele Menschen also, die uns im Verein Diabetes e.V. unterstützen und nur unser Bestes wollen. Meine Meinung: Natürlich hilft die Meinung anderer und guter Rat ist unschätzbar wertvoll, doch am Ende muss jeder selbst entscheiden, was für ihn das richtige ist, denn keiner kennt den eigenen Körper so gut wie man selbst.
Wen habe ich vergessen? Wer fühlt sich auf den Schlips getreten? Und wer ist Euer wichtigster persönlicher Lobbyist? Ich freue mich auf Eure Kommentare!
Hier kommt ihr zum nächsten Teil von Christians „Motivation monatlich“: Diabetiker dürfen das! – Top 7
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schubidu postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes-Technik vor 1 Woche, 2 Tagen
Hallo zusammen,
ich möchte im Herbst auf eine Patchpump umsteigen, daher würde mich interessieren, ob jemand mit der Nano touchcare Erfahrungen machen konnte. Lieben Dank für Rückmeldungen im Voraus! -
stephanie-haack postete ein Update vor 1 Monat
Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂
Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/
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tako111 postete ein Update vor 1 Monat
Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.
Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.
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katrin-kraatz antwortete vor 1 Monat
Für die Augenproblematik konnte bisher keine Kausalität gezeigt werden. Hier sind weitere Studien zu erwarten, deren Ergebnisse abzuwarten sind. Außerdem ist es ein sehr seltenes Ereignis. Details sind zum Beispiel zu finden im Deutschen Ärzteblatt unter https://www.aerzteblatt.de/themen/augenheilkunde/therapie-mit-glp-1-rezeptor-agonisten-okulaere-komplikationen-sind-selten-aber-visusbedrohend-e345aa92-a4f7-4f40-8146-b2967b577504.
Wir bemühen uns, mit unseren Beiträgen ausgewogen über die Ausgaben des Diabetes-Ankers hinweg alle Menschen mit Diabetes zu informieren – mal mehr über den einen, mal mehr über den anderen Typ und auch weitere Diabetestypen. Medikamente finden ebenfalls über die Ausgaben hinweg ausgewogen ihren Raum im Heft.
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Hey, ja ich nutze aktuell das Medtrum Nano System also CGM + Patchpumpe. Zuvor hatte ich das Omnipod Dash (war schon sehr gut) aber das Medtrum System ist eine ganz andere Welt (im positiven) der Automodus läuft und hält die Werte größtenteils stabil. Auch die Auto Bolus Abgabe (nur auswählen Frühstück, mittag, Abendessen oder snack) Damit brauchst du bei bis bis zu 90g Kolenhydrate nicht mehr den Bolusrechner verwenden, kannst du aber bei Bedarf trotzdem jederzeit. Es hat mein Leben verändert, auch dass du wenn du möchtest eine Schnittstelle (smartphone eine App für Cgm+Pumpe) funktioniert einwandfrei. Das einzige wo man aufpassen muss, man sollte den Sensor gelegentlich kalibrieren. Der Dexcom g7 war ohne kalibrieren etwas genauer, aber die Vorteile vom Medtrum überwiegen. Ich kann’s nur empfehlen. Viel Erfolg beim Einstieg! Melde dich gerne falls du noch konkrete Fragen hast. Erfahrung in der Praxis hab icb schon einige Monate hinter mir.
@calvin240: Super, dass du geantwortet hast. Ich hatte vor einiger Zeit die gleiche Frage. Auch ich werde diese Pumpe ab Herbst nutzen. Bin aber absoluter Pumpenneuling. Darf ich dich bei Bedarf anschreiben? Viele Grüße aus der schönen Rhön!
@uho1: klar kannst du gerne machen. Wenn du Allgemein Pumpenneuling bist (jeder hat andere Anforderungen) aber aus meiner Sicht ist eine Patchpumpe also auch das Medtrum Nano die innovativste Behandlungsmöglichkeit.
Liebe Grüße