Ab in den Urlaub – und der Diabetes?

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Ab in den Urlaub – und der Diabetes?

Die Sommerferien stehen vor der Tür – in einigen Bundesländern haben sie sogar schon begonnen. Ferienzeit, das heißt für viele Familien auch: Reisezeit. Deutschland ist als Urlaubsland beliebt, einige zieht es in die Ferne.

Ist das ein Problem, wenn ein Kind mit Diabetes mitreist? In fremde Städte und Länder zu reisen, andere Kulturen, Lebensgewohnheiten und Besonderheiten kennenzulernen, ist aufregend und spannend. Reisen bereichert, gibt das Gefühl von Freiheit und führt zu besonderen Eindrücken und Erlebnissen. Der Diabetes ist kein Hinderungsgrund für Auslandsreisen, geht aber mit auf die Reise! Eine rechtzeitige und gute Planung sind also zur Vorbereitung wichtig.

Was muss unbedingt mit?

Nicht in allen Ländern herrschen die in Deutschland üblichen hygienischen Verhältnisse. Auch die Gesundheitsversorgung unterscheidet sich zum Teil erheblich. Nicht immer ist es einfach, eine Apotheke zu finden, und nicht jede Apotheke führt unbedingt das gerade benötigte Diabetes-Zubehör.

Diabetes-Tipps für den Urlaub

Insuline, die in Deutschland gängig sind, sind im Urlaubsland möglicherweise unter anderen Namen erhältlich oder gar nicht verfügbar. Wer ins Ausland reist, sollte also sämtliche notwendigen Utensilien in ausreichender Menge von Deutschland aus mitnehmen. Auch der Insulintherapieplan und der Pumpenplan sollten immer mitreisen!

Auch über das Klima und die Umweltbedingungen sollten sich Urlauber vorher informieren, um nicht vor Ort überrascht zu werden.

Tipps für eine problemlose Anreise

Wer sich gut vorbereiten möchte, bezieht auch die Art der Anreise in seine Überlegungen ein: Oft verbringt die gesamte Familie mehrere Stunden im Auto, in der Bahn, im Flugzeug oder auf dem Schiff. Unabhängig davon, welches Verkehrsmittel gewählt wird: Ausreichend Flüssigkeit, Traubenzucker und Insulin sollten stets griffbereit sein.

Wer fliegt, sollte an die hohen Sicherheitsvorkehrungen auf Flughäfen denken. Damit der Urlaubsspaß nicht schon vor dem Besteigen des Flugzeugs endet, sollten Sie sich vor Antritt einer Flugreise von Ihrem Diabetesteam eine Zollbescheinigung ausstellen lassen, die Sie bei der Sicherheitskontrolle zur Mitnahme von Spritzen, Insulin und weiterem diabetesspezifischen Zubehör berechtigt.

Außerdem gehört sämtliches Diabetes-Zubehör ins Handgepäck. Denn zum einen verträgt Insulin die niedrigen Temperaturen im Gepäckraum nicht, und zum anderen haben Sie so alles zur Hand, auch wenn der große Koffer den Zielflughafen nicht erreicht …

Am Urlaubsort

Klima und Bewegung

Das Klima vor Ort spielt eine große Rolle in der Insulintherapie: Feucht-warmes Klima führt oft zu einem höheren Insulinbedarf, während trocken-warmes Klima den Bedarf an Insulin senkt.

Im Urlaub bewegen sich die meisten Kinder mehr als im Alltag und benötigen dadurch und dabei weniger Insulin. Sprechen Sie vor dem Urlaub mit dem betreuenden Arzt über bereits absehbare Aktivitäten , z. B. Radfahren, Wanderungen, Schwimmen, sodass aufgrund dieser Informationen ein Plan für die Insulinreduktion erstellt werden kann.

Zeitverschiebung

Bei Reisen innerhalb von Europa ist ein Zeitunterschied von ein bis zwei Stunden ohne größere Probleme zu bewältigen, indem man sich einfach nach den neuen Ortszeiten richtet. Fernreisen führen jedoch zu einem mehrstündigen Zeitunterschied, der eine besondere Anpassung der Insulintherapie erfordert. Auch dabei hilft das betreuende Diabetesteam gern weiter.

Ärztliche Versorgung

Wo befindet sich am Urlaubsort die nächste Apotheke, der nächste Arzt und ggf. auch das nächste Krankenhaus? Die entsprechenden Telefonnummern und Adressen sind in den meisten Urlaubsorten im Hotel oder der Touristeninformation in Erfahrung zu bringen und sollten bereits am Tag der Anreise notiert werden.

Versicherungsstatus

Rechtzeitig vor Antritt der Urlaubsreise sollte der Versicherungsstatus geklärt werden. Bei ernsthaften Erkrankungen, Verletzungen oder einer Entgleisung des Stoffwechsels können sonst sehr schnell sehr hohe Kosten entstehen. Insbesondere muss geklärt werden, ob die Auslandsreise-Krankenversicherung auch die Kosten für die Behandlung des Diabetes mellitus übernimmt, da chronische Erkrankungen ggf. von der Leistung ausgeschlossen sind.

Reiseapotheke

Eine Reiseapotheke zur Behandlung akuter Erkrankungen gehört auch ins Gepäck. Tabletten gegen Übelkeit und Durchfall, Pflaster, Desinfektionsmittel und Schmerztabletten bilden die Grundausstattung.

Impfstatus

Zu einer guten Reisevorbereitung gehört es, den Impfstatus zu überprüfen. Wichtig ist ein gültiger Tetanusschutz. Außerdem sollte auf landesspezifische Impfempfehlungen geachtet werden.

Sprache

In den meisten Urlaubsländern kommt man mit Englisch weiter, allerdings nicht in allen. Die inzwischen weit verbreiteten Übersetzungsprogramme auf dem Smartphone sind sehr hilfreich, aber möglicherweise nur nutzbar, wenn es eine Internetverbindung gibt. Ein Reise- und Sprachführer für das jeweilige Reiseland kann also von Vorteil sein.

Pumpentherapie auf Reisen

Ausfall der Pumpe

Eine Insulinpumpe ist ein elektronisches Gerät und kann ausfallen. Was dann? Sowohl Spritzen oder Pens als auch Insulin und der entsprechende Insulindosierungsplan sollten zur Hand sein, um in diesem Notfall auf eine Spritzentherapie umstellen zu können.

Tipp: Bei vielen Pumpenherstellern kann man für Urlaubsreisen eine Ersatzinsulinpumpe ausleihen. Damit kann im Notfall die gewohnte Therapieform schnell und weitestgehend problemlos fortgeführt werden. Eine Ersatzpumpe muss rechtzeitig (ca. 6 – 8 Wochen vor der Reise) direkt beim Hersteller beantragt werden.

Damit diese Pumpe im Notfall zum Einsatz kommen kann, muss der Pumpenplan vorliegen, um die Basalrate, KE-und Korrekturfaktoren programmieren zu können. Denn wenn die eigene Pumpe nicht mehr funktioniert, sind daraus auch keine Daten mehr abrufbar!

Bei Reisen innerhalb Deutschlands stellen die Pumpenhersteller im Notfall in der Regel innerhalb von 24 Stunden eine Ersatzpumpe zur Verfügung, so dass im Vorfeld keine beantragt werden muss.

Pumpenzubehör: Katheter, Reservoire etc.

Die Apotheken in den Urlaubsorten führen nicht unbedingt Insulinpumpenkatheter und weiteres Zubehör. Deshalb müssen diese Utensilien ebenfalls in ausreichender Menge mitgenommen werden – und gehören ebenfalls ins Handgepäck!

Mit der Pumpe an den Strand – geht das?

Die nicht wasserfesten Insulinpumpen müssen zum Baden abgelegt werden. Das ist gut möglich, wenn es nur kurz ins Wasser geht. Nach dem Baden muss die Pumpe einfach wieder angelegt werden.

Wird die Pumpe am Strand als lästig empfunden, kann tagsüber Basalinsulin und zu den jeweiligen Mahlzeiten und Korrekturen schnellwirkendes Analoginsulin mit einem Pen oder einer Spritze verabreicht werden. Zur Nacht wird dann die Insulinpumpe wieder angelegt. Das detaillierte Vorgehen dazu wird am besten mit dem betreuenden Arzt besprochen.

Fazit

Urlaub führt zu Erholung und Entspannung, und auch das Bereisen ferner Länder ist für Kinder mit Diabetes gut möglich. Damit alle entspannt reisen können, ist eine gute Planung im Vorfeld wichtig. Bedenken sollten Eltern, welches Klima am Urlaubsort herrscht, ob es eine Zeitverschiebung gibt und wie die ärztliche Versorgung im Urlaubsland geregelt ist. Für Kinder, die eine Pumpe tragen, kann es sinnvoll sein, eine Ersatzpumpe zu beantragen und für den Fall, dass die eigene Pumpe ausfällt, mitzunehmen.


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  • hexle postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes-Technik vor 1 Woche

    Hallo,
    das neueste update für iOS ist inzwischen das 26.4.2. ich nutze den Dexcom g7 und die Freigabe von Dexcom ist derzeit bei 26.3.1.
    Wer sein Smartohone für online banking nutzt, muss bestätigen, dass updates regelmäßig gemacht werden. Ich finde es eine Zumutung, dass die Technik von Dexcom uns da immer so hinhält. Gibt es eine offizielle Stelle, die da mal intervenieren kann?

    • Hallo hexle,
      ich finde die Update-Empfehlungen von Dexcom auch etwas unbefriedigend.
      Allerdings steht auf der Kompatibilitäts-Seite auch:
      Zitat: “Sie können diese App auf jedem Betriebssystem verwenden, das die Mindestanforderungen erfüllt. Dexcom empfiehlt jedoch …”

      Eine “offizielle Stelle” bei Dexcom ist mir nicht bekannt, vom generellen Kundenservice mal abgesehen.

      Bei ernsthaften, tatsächlichen Funktionsstörungen gäbe es noch die Möglichkeit, eine Meldung beim BfArM zu eröffnen.

      Beste Grüße

    • PS Ich wollte noch ergänzen: Eine aktuelle ernsthafte Funktionsstörung sehe ich hier nicht gegeben.

    • Sicherheits-Updates der Betriebssysteme haben immer absolute Priorität. Dexcom und Abbott sind definitv sehr langsam mit den Tests und Freigaben. Beim G7 hat Dexcom etwas an Geschwindigkeit gewonnen, aber für G6 ist noch nicht einmal Android 16 getestet, das seit einem Jahr verfügbar ist. An Medizinprodukt-Freigaben liegt das nicht und besonders seriös und professionell ist es auch nicht. Neue Smartphones kann man nur mit aktueller OS-Version kaufen und wenn die nicht freigegeben ist, kann man theoretisch gar kein Smartphone sicher für Sensor oder AID-System verwenden. So war z. B. iOS 26 lange Zeit nicht auf den Listen, aber iPhones nur mit iOS 26 erhältlich. Die Listen verlieren damit zeitweise ihren eigentlichen Nutzen. Intervenieren können Anwender/Kunden mit Beschwerden bei den Hotlines.

    • @ole-t1: Danke Ole für deine Rückmeldung.

    • @schorschlinger: Danke für deine Rückmeldung. Beschwerden bringen einen da leider auch nicht weiter….

  • uho1 postete ein Update vor 1 Woche, 6 Tagen

    Hat jemand bereits Erfahrungen mit der Medtrum Pumpe und dem dazugehörigen Sensor?

  • diahexe postete ein Update vor 3 Wochen, 1 Tag

    Hallo, ich habe mal eine Frage. Was macht ihr mit euren “Altgeräten”? Bei mir haben sich diverse Pumpen, BZ Messgerät, Transmitter usw angesammelt. Die Krankenkasse möchte sie nicht zurück, wegwerfen wäre zu schade. Kennt jemand eine Organisation, die diese Geräte annimmt?

    • Liebe diahexe,
      Du könntest dazu mal bei „Insulin zum Leben“ nachfragen. Das ist ein gemeinnütziger Verein, der vornehmlich Insulin, das hierzulande nicht mehr benötigt oder verwendet wird, in Weltregionen schickt, in denen großer Bedarf dafür herrscht. Soweit mir bekannt ist, nehmen die auch viele Diabetes-Hilfsmittel an. Hier findest Du die Website: https://www.insulin-zum-leben.de/
      Viele Grüße
      Gregor aus der Diabetes-Anker-Redaktion

    • @gregor-hess: Vielen lieben Dank. Ich hatte schon beim Roten Kreuz nachgefragt, die wollten allerdings die BZ Messgeräte nicht, angeblich wären sie zu alt (5 Jahre), obwohl es die Geräte genauso noch gibt und sie einwandfrei funktionieren.

    • @gregor-hess: das ist ein sehr guter Hinweis. Ich war schon persönlich bei der Gründerin des Vereins und habe Insulin abgegeben. Diese Frau macht wirklich einen tollen Job und bringt das Insulin regelmäßig nach Afrika. Sie nimmt Insulin, Pens, Pennadeln, Lanzetten, Blutzuckerteststreifen usw…

      Kann es nur empfehlen!!!

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