Adrenalin – ein Phantom schießt quer

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© Christian Mentzel
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Adrenalin – ein Phantom schießt quer

In der Pubertät wird vermehrt Adrenalin ausgeschüttet, was zu einer Erhöhung des Blutzuckerspiegels führen kann. Bei Luca tritt dies vor allem nach dem Fußballtraining ein. Welche Lösung er und seine Familie dafür gefunden haben, berichtet sein Vater Michael Denkinger in seiner Kolumne.

Steigerung der Herzfrequenz, Anstieg des Blutdrucks – die verstärkte Ausschüttung von Adrenalin während der Pubertät ist die normalste Sache der Welt. Weil Adrenalin als Hormon auch die Freisetzung von Zucker aus der Leber fördert und Fettreserven abbaut, geht mit dieser ausgeprägten Stress-Situation, zu der Erkrankungen mit Fieber oder eine hohe körperliche Belastung zählen, häufig eine Erhöhung des Blutzuckerspiegels einher.

Wie sehr das Lucas Diabetesmanagement derzeit beeinträchtigt, ist enorm. Vor allem nach dem Fußballtraining bereitet uns das “Phantom” Adrenalin viel Kopfzerbrechen.

Adrenalinschübe sorgen für hohe Werte

Wie reagieren, wenn das Messgerät vor dem Fußballtraining gegen 18 Uhr einen Blutzuckerwert von 150 mg/dl (8,3 mmol/l) anzeigt und das Pendel zwei Stunden später regelmäßig bei 450 mg/dl (25 mmol/l) oder höher ausschlägt? Ein weiterer Adrenalinschub kommt bei Luca oft dazu, wenn wir ihn nach dem Training fragen, ob der viel zu hohe Wert womöglich zustande kam, weil Luca während oder nach dem Training etwas gegessen oder etwas Zuckerhaltiges getrunken hat.

Zwar kommt es auch bei Luca vor, dass er sich ab und zu unbemerkt eine Hand voll Süßigkeiten einverleibt. Was die erhöhten Blutzuckerwerte unmittelbar nach dem Training angeht, so war dafür in den vergangenen Wochen aber ausschließlich das Stresshormon Adrenalin verantwortlich.

Große Herausforderung mit großem Konfliktpotenzial

Einen derart hohen Blutzuckerwert zu fortgeschrittener Stunde nach intensiver körperlichen Belastung zu korrigieren, ist eine sehr große Herausforderung und birgt großes Konfliktpotenzial. Vor allem, wenn Luca nach dem Training riesengroßen Hunger hat. Luca: “Zwei Wurstsemmeln und ein Joghurt macht sechs Broteinheiten. Den viel zu hohen Wert korrigiere ich zudem regulär wie immer.” Mama: “Ich schlage vor, du spritzt das Essen normal und korrigierst minimal – denke daran, dass der Sport häufig nachwirkt.” Luca: “Nein, ich korrigiere heute voll, weil mir der Wert viel zu hoch ist.”

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Die Diskussion geht am nächsten Morgen meist in die Verlängerung – dann muss sich eine Seite für die falsche Prognose rechtfertigen. Manchmal geht es dabei lustig zu, manchmal sehr ernst. Etwa nach der Nacht, als Luca schweißgebadet aufwachte und das Messgerät 40 mg/dl (2,2 mmol/l) anzeigte – nachdem er Traubenzucker und die halbe Flasche eines zuckerhaltigen Getränks zu sich genommen hatte! Der Blutzuckerwert war im Lauf der Nacht stark gesunken, weil Luca mutmaßlich zu viel korrigiert hatte.

Fingerspitzengefühl, Erfahrungswerte und Kreativität sind gefragt

Dass wenig oder kein Insulin zu spritzen nicht per se die Ideallösung ist, zeigte sich am nächsten Tag, als Luca bei identischem Tagesverlauf, demselben Abendbrot und ähnlichen Werten wie am Vortag mit einem Wert von mehr als 300 mg/dl (16,7 mmol/l) zum Frühstück kam. Luca war darüber verärgert, weil wir ihm die Korrektur mit Augenmaß vorgegeben hatten.

Konstruktive Debatten wie diese sind aus meiner Sicht sehr wichtig, denn nur so wird die große Bedeutung der richtigen Insulinzufuhr nach starker Adrenalinausschüttung und/oder intensiver sportlicher Betätigung deutlich.

Hier sind neben medizinischer Lehre vor allem Fingerspitzengefühl, Erfahrungswerte und Kreativität gefragt: Eine große Portion Fleisch mit Tomaten- und Gurkensalat direkt nach dem Training findet Luca großartig, macht ihn satt und hat den angenehmen Nebeneffekt, dass er für das kohlenhydratarme Essen womöglich gar nicht spritzen und somit nur einen erhöhten Blutzuckerwert korrigieren muss.


von Michael Denkinger
Michael Denkinger (46) lebt mit seiner Familie in Memmingen und hat drei Kinder. Er ist Inhaber der PR-Agentur Denkinger Kommunikation.

Erschienen in: Diabetes-Eltern-Journal, 2016; 9 (4) Seite 34

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  • moira postete ein Update vor 1 Woche, 4 Tagen

    Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄

  • bloodychaos postete ein Update vor 2 Wochen, 5 Tagen

    Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.

    • Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.

      Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:

      Freestyle Libre 3 bzw. 3+
      Dexcom G7
      Dexcom G6 (noch)
      Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
      Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
      Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
      Accu-Chek Smartguide CGM
      Medtrum Touchcare Nano CGM

      Ich würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
      Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.

  • thomas55 postete ein Update vor 3 Wochen, 2 Tagen

    Hallo,
    ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
    Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
    Thomas55

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