- Eltern und Kind
Im Zentrum: Altonaer Kinderkrankenhaus und MVZ
3 Minuten
Von intensiver Begleitung nach der Diagnose über erlebnisorientierte Schulungen und den Übergang ins Erwachsenenalter bis zur kontinuierlichen ambulanten Betreuung: Das Diabeteszentrum am Altonaer Kinderkrankenhaus mit dem Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) steht für eine ganzheitliche und fürsorgliche Unterstützung von Kindern, Jugendlichen und ihren Familien.
“Die erste Injektion oder das Setzen des ersten Katheters sind bedeutende Momente, an die sich Familien oft noch lange erinnern”, sagt Dr. Ulrike Menzel. Sie ist Oberärztin am Altonaer Kinderkrankenhaus (AKK) und leitet seit 2010 das dortige Diabeteszentrum. Hier sorgt ein Team aus Ärztinnen und Ärzten, Diabetesberaterinnen, einem Psychologen, Ernährungsexperten, Sozialarbeitern und weiterem Fachpersonal dafür, dass Kinder und Jugendliche sowie deren Eltern lernen, den Diabetes kompetent und eigenverantwortlich im Alltag zu behandeln. Sie sollen auch mit der chronischen Erkrankung altersgerecht aufwachsen und sich gut fühlen.
“Ohne dieses Team könnten wir unsere Patienten nicht so gut betreuen”, sagt Ulrike Menzel. Ca. 650 Patienten versorgt das Team ambulant in Dauerbehandlung. Das AKK ist zusammen mit dem MVZ am selben Standort eines der größten Diabeteszentren für Kinder und Jugendliche in Deutschland.
Herausforderung Neu-Diagnose
Ein bis zwei Kinder bzw. Jugendliche, bei denen ein Diabetes neu festgestellt wird, werden hier pro Woche stationär behandelt. Im Schnitt sind es 80 Neu-Diagnosen pro Jahr. Tendenz steigend. Vor allem, stellen Menzel und ihr Team fest, werden die Kinder immer jünger. “Kleinere Kinder haben viel größere Blutzuckerschwankungen. Dann kommen auch bei den Familien stärkere Sorgen auf. Insgesamt ist die Betreuung aufwendiger”, sagt sie.
In den ersten Tagen sei eine besonders enge Begleitung der Familien mit vielen Gesprächen notwendig. Die Diagnose sei für die meisten ein Schock und am Anfang stehe oft die Schuldfrage: Habe ich etwas falsch gemacht? “Daran müssen wir zuerst arbeiten. Die Familien haben nichts falsch gemacht”, sagt Menzel. Wenn die Kinder nach der Aufnahme wieder aktiver werden und die Eltern merken, dass die Insulin-Therapie wirkt, kommen sie langsam zur Ruhe, berichtet sie. “Bei der Aufnahme fangen die Kinder oft schon an zu weinen, wenn man sie nur ansieht. Wenn sich das alles stabilisiert, können wir richtig mit dem Schulungsprogramm beginnen.”
Technik spiele eine zentrale Rolle. AID-Systeme erleichterten es den Familien, bedeuteten aber auch Herausforderungen bei der Schulung. Wie schnell gerade die Kleinen akzeptieren, dass sie fortan eine Insulinpumpe tragen müssen, fasziniert Ulrike Menzel immer wieder. Grundschulkinder hätten manchmal Probleme mit dem Messen und Spritzen. Schwerer falle es oft Teenagern, die Therapie durchzuführen, wenn ihnen bewusst werde, dass sie nun mit einer chronischen Erkrankung leben und sich dadurch anders fühlen.
“Wenn die Diagnose zu einer bereits schwierigen Lebenssituation durch Migration, Flucht oder schwierigen Familienverhältnissen kommt, ist es teilweise sehr heftig für die Jugendlichen”, sagt Menzel. Für solche Fälle gibt es im Zentrum psychologische und sozialpädagogische Ansprechpartner.
Besondere Schulungen für jedes Alter
Neben Manifestationen und akuten Stoffwechselentgleisungen besteht der Alltag aus Einzel- und Gruppenschulungen. Einzelschulungen finden auf der peripheren Station statt, Gruppenschulungen auf einer separaten Schulungsstation. Kinder und Jugendliche leben hier über eine Woche in ihren jeweiligen Altersgruppen zusammen: Sie übernachten in Zweibettzimmern, haben theoretischen Unterricht, kochen und essen gemeinsam in der großen Wohnküche, gehen bowlen, klettern oder Eis essen. Sie üben die alltäglichen und besonderen Situationen im Leben mit dem Diabetes.
In speziellen Transitionsschulungen werden junge Erwachsene ab 17 Jahren beim Übergang ins Erwachsenenleben unterstützt. Ein Highlight ist die Segelfreizeit. “Manche warten lange darauf, bis sie 16 Jahre alt sind und endlich teilnehmen können.” Bei den Schulungen und Aktivitäten gehe es immer auch um gemeinsame Erlebnisse und das Gefühl, nicht allein mit dem Diabetes zu sein. “Das motiviert die Kinder und Jugendlichen und hilft ihnen. Es entstehen auch intensive Freundschaften”, berichtet Ulrike Menzel. Auch die Eltern haben in tagesklinischen Kleinkindschulungen die Gelegenheit, sich auszutauschen.
Beratung braucht mehr finanziellen Spielraum
Mindestens einmal im Quartal kommen die Familien in die Ambulanz. “Wir haben einige Familien, denen es schwerfällt, die wir häufiger sehen müssen”, sagt Menzel. Immer wieder stünde das Team im Konflikt zwischen medizinischem Anspruch und finanzieller Wirklichkeit. “Man bekommt oft schneller ein MRT als ein Arztgespräch. Das ist schade”, sagt sie. Es sei bewiesen, dass häufigere Kontakte zum Diabetesteam den Betroffenen helfen.
Ulrike Menzel hofft darauf, dass die Gesundheitsreform der Beratung den Stellenwert einräumt, den sie verdient, damit Diabetesteams die Familien künftig noch besser unterstützen können.
Kontakt
Erschienen in: Diabetes-Eltern-Journal, 2024; 12 (2) Seite 28-29
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lelolali postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Für alle Höhen und Tiefen vor 18 Stunden, 33 Minuten
Hallo, ich bin noch ganz neu hier. Ich war heute beim T1day und bin dadurch auf den DiabetesAnker aufmerksam geworden. Ich bin Ende 20 und komme aus Berlin und bin auf der Suche nach anderen Menschen mit Typ 1 Diabetes (ungefähr in meinem Alter) zum Austauschen und Quatschen. Vielleicht hat ja jemand Interesse 🙂
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jasminj postete ein Update vor 1 Tag, 2 Stunden
Hi,
Ich bin Jasmin und gerade auf dem t1day 🙂 hab seit 23 Jahren Diabetes, aktuell mit Ypsopump und G7. Bin entweder in Hamburg oder Berlin anzutreffen und freue mich auf Kontakte und Austausch!-
lelolali antwortete vor 18 Stunden, 42 Minuten
Hey Jasmin, ich war heute auch auf dem T1day, vielleicht hast du Lust auf Austausch 🙂
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jasminj antwortete vor 18 Stunden, 19 Minuten
@lelolali: Ich würde mich über Austausch und Kontakte sehr freuen. Gerne hier oder anders online und ansonsten bin ich aktuell alle ein bis zwei Wochen in Berlin – also ggf. auch gerne persönlich?
Wie hat Dir der Tag gefallen? -
lelolali antwortete vor 17 Stunden, 12 Minuten
@jasminj: Ja sehr gerne! Ich kann dir hier leider keine private Nachricht schreiben (werde auf die Startseite weitergeleitet) , funktioniert dies bei dir? 🙂
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jasminj antwortete vor 16 Stunden, 18 Minuten
@lelolali: funktioniert bei mir leider auch nicht. Ich wollte es mir morgen nochmal über die Webabsicht anschauen, vllt geht es da 🙂
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galu postete ein Update vor 4 Tagen, 23 Stunden
hallo,
ich bin d«Deutsche und lebe seit ca.40jahren in Portugal… meine Tochter, deutsch portugiesin, nun 27 ist seit ihrem 11.Lebensjahr Typ1.
Nachdem ich, gleich nach der Diagnose, eine Selbsgthilfegruppe – die jungen Diabetiker der Algarve, gegruendet habe – finden wir nun so einige Beschraenkungen, was Selbsthilfe und relevante Info betrifft….meine Frage an die Gruppe:
Kann mir jemand , irgendwo in Deutschland eine gute Diabetes Kur oder Kuren mit Hauptgewicht auf Diabetes empfehlen?
Wir werden eh alles privat organsieren und bezahlen muessen – also sind eh nicht auf Krankenkassenangebote angewiesen (falls es diese ueberhaupt (wo?) geben sollte)
Irgendwo in Deutschland (vielleicht nicht zuweit weg von internationalen Flughaefen, da wir ja immer aus Portugal kommen muessen.
Hat vielleicht jemand eine Idee? vielen dank im Voraus-
connyhumboldt antwortete vor 4 Tagen, 21 Stunden
Hallo! Die beste Klinik für Diabetes ist in Bad Mergentheim! Ich hoffe Euch damit geholfen zu haben! Die Gesetzlichen Krankenkassen schicken die bei ihnen versicherten Diabetiker alle dahin! Privat geht aber auch? Liebe Grüße aus dem kalten Deutschland!
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