Ausflüge mit Diabetes

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Ausflüge mit Diabetes

Wer während eines Ausflugs den ganzen Tag in Bewegung ist, muss abschätzen können, wie sein Körper darauf reagiert. Dr. Datz erklärt die Grundlagen – und empfiehlt, eigene Erfahrungen zu sammeln. Helfen kann auch das Diabetesteam.

Besondere Herausforderung

Kinder mit Diabetes sollen einen ebenso aktiven Alltag haben und an Freizeitaktivitäten wie z. B. Tagesausflügen mit der Schule, Wanderungen, Radtouren etc. teilnehmen wie andere Kinder. Für viele Eltern sind solche Unternehmungen aber eine besondere Herausforderung. Sie haben Angst, dass es aufgrund der erhöhten körperlichen Belastung zu Unterzuckerungen kommt.

Dies führt zum Teil dazu, dass das Kind nur nach äußerst aufwendiger Vorbereitung oder gar nicht mit zum Tagesausflug darf oder nur in Begleitung eines Elternteils teilnehmen kann. Werden ein paar Regeln beachtet, ist dies alles aber gar nicht so schwierig!

Was ist das Problem?

Körperliche Aktivität

Tagesausflüge mit erhöhter körperlicher Aktivität sind ähnlich zu bewerten wie sportliche Aktivitäten.

Um Energie zu gewinnen, braucht der Körper Glukose. Die Glukose stammt einerseits aus den Kohlenhydraten direkt aus der Nahrung, andererseits aus den Glykogenvorräten der Muskeln und der Leber. Sobald sich ein Kind bewegt, verbraucht es mehr Glukose als in Ruhe. Der Blutzuckerspiegel sinkt also ab.

Bei Kindern ohne Diabetes führt ein abfallender Blutzuckerspiegel zu einer Kette von Reaktionen, um den Blutzucker zu stabilisieren:

  1. Die Freisetzung von Insulin aus der Bauchspeicheldrüse wird vermindert.
  2. Sinkt der Insulinspiegel im Blut, wird nicht mehr so viel Glukose in die Zellen aufgenommen und gleichzeitig mehr Glukose in der Leber produziert und an das Blut abgegeben.
  3. Glukose wird aus den Glykogenspeichern der Leber und der Muskeln freigesetzt.

Insgesamt stabilisiert sich so der Blutzucker, ohne dass Gefahr für eine Hypoglykämie besteht.

Bei Kindern mit Diabetes liegt das Problem darin, dass die Insulinmenge sich nicht reduzieren lässt, wenn der Blutzuckerspiegel abfällt, da das zuvor verabreichte Insulin entsprechend seiner Menge über einen bestimmten Zeitraum wirkt.

Durch das noch vorhandene Insulin werden folgende Prozesse aufrechterhalten:

  1. Die Glukoseproduktion in der Leber wird gehemmt, so dass aus der Leber keine zusätzliche Glukose freigesetzt werden kann.
  2. Die Fettzellen nehmen Glukose auf.
  3. Die Muskeln sind aufgrund der Bewegung sehr insulinempfindlich und nehmen vermehrt Glukose auf

Es wird vermehrt Glukose verbraucht, und der Blutzuckerspiegel fällt stark ab. Da die Wirkung des Insulins nicht gestoppt werden kann, droht eine Unterzuckerung.

Bewegt sich das Kind nun über mehrere Stunden – z. B. bei einer Radtour – besteht ein noch höheres Risiko für Unterzuckerungen. Man muss also vor der körperlichen Aktivität daran denken, die Kohlenhydrate und die Insulinmenge anzupassen, um eine Unterzuckerung zu verhindern.

Kinder auf Tagesausflüge vorbereiten

Es gibt zwei Möglichkeiten, Unterzuckerungen bei körperlicher Belastung vorzubeugen:

  1. durch die zusätzliche Aufnahme von Kohlenhydraten
  2. durch eine Reduktion des Insulins

Bei kurzzeitigen Aktivitäten kann es bereits ausreichen, ein bis zwei zusätzliche Kohlenhydrateinheiten zu sich zu nehmen.

Bei länger anhaltenden Aktivitäten, also z. B. Tagesausflügen, Radtouren, Skifahren, ist die körperliche Belastung so stark und lang anhaltend, dass zusätzliche Kohlenhydrate nicht ausreichend sind. Es ist in diesen Fällen notwendig, das zu diesem Zeitpunkt wirkende Insulin zu reduzieren:

Insulinreduktion bei Tagesausflügen – Richtwerte
  • Bei ganztägiger Veranstaltung: Reduktion der Insulindosis morgens, mittags und zur Nacht um 30 – 50 Prozent.
  • Bei nachmittäglicher Veranstaltung: Reduktion der Insulindosis mittags und zur Nacht um 30 – 50 Prozent.
  • Ob Basal- oder Mahlzeiteninsulin reduziert werden müssen, hängt von der Belastung ab. Bei ganztägiger Belastung sollte beides reduziert werden, bei stundenweiser Belastung das Insulin, das am stärksten wirkt. Stimmen Sie mit dem Diabetesteam ab, um wie viel das Basalinsulin zunächst genau gesenkt werden sollte.

Konkrete Insulinangaben sind schwierig, da jeder Körper unterschiedlich auf Belastung reagiert. Durch Beobachtung muss die individuelle Dosis selbst herausgefunden werden und sollte im Einzelnen mit dem Arzt abgesprochen werden. Bei ganztägigen Veranstaltungen kann es z. B sein, dass das Basalinsulin um 20 bis 50 Prozent reduziert werden muss und zusätzlich auch weniger Essensinsulin notwendig ist.

Selbstständig auf Unterzuckerungen achten und messen

Ganz wichtig ist auch, dass die Kinder selbstständig auf ihre Unterzuckerungssymptome achten und ihren Blutzucker häufiger messen! Unterzuckerungssymptome wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Schwäche sind von Erschöpfungszeichen nach körperlicher Belastung nicht unbedingt zu unterscheiden – daher sind die Blutzuckermessungen sehr wichtig!

Zu bedenken ist auch, dass Kinder mit Diabetes auch mehrere Stunden nach der Radtour oder der Wanderung zu niedrigen Blutzuckerwerten neigen können. Dies liegt daran, dass die Muskelzellen nach körperlicher Belastung weiterhin sehr insulinempfindlich sind und verstärkt Glukose aufnehmen, um die Glykogenspeicher wieder aufzufüllen.

Dieser Vorgang kann mehrere Stunden anhalten und zu verzögert auftretenden Hypoglykämien z. B. in der folgenden Nacht führen. Deshalb sollte an solchen Tagen auch die Basalinsulinmenge zur Nacht um ca. 30 – 50 Prozent reduziert und der Blutzucker gegen 22 Uhr noch einmal gemessen werden.

Ausflugssituationen “trainieren”

Je häufiger man besondere Situationen mit ganztägiger Belastung “trainiert”, desto sicherer wird die Familie im Umgang damit. Deshalb sollten Wanderungen und Radtouren keinesfalls vermieden werden, sondern sogar regelmäßig auf dem Programm stehen!

Alles klar? Auf der letzten Seite gibt es noch ein Merkblatt zum Ausschneiden! Und nun viel Spaß beim nächsten Ausflug!

Fazit

Ausflüge mit viel Bewegung müssen für Eltern und Kind kein Stress sein. Bevor das Kind z. B. mit der Schulklasse auf Tour geht, kann die Familie auf eigenen Ausflügen die Reaktionen auf viel Bewegung beobachten und so lernen, Kohlenhydrataufnahme und Insulinmenge anzupassen. Wichtig sind häufige Blutzuckermessungen während der Ausflüge.


von Dr. med. Nicolin Datz
Oberärztin Pädiatrie III, Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin, Krankenhaus “Auf der Bult”, Hannover

Kontakt:
E-Mail: datz@hka.da

Erschienen in: Diabetes-Eltern-Journal, 2013; 6 (1) Seite 24-25

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  • Hallo zusammen,
    ich möchte im Herbst auf eine Patchpump umsteigen, daher würde mich interessieren, ob jemand mit der Nano touchcare Erfahrungen machen konnte. Lieben Dank für Rückmeldungen im Voraus!

    • Hey, ja ich nutze aktuell das Medtrum Nano System also CGM + Patchpumpe. Zuvor hatte ich das Omnipod Dash (war schon sehr gut) aber das Medtrum System ist eine ganz andere Welt (im positiven) der Automodus läuft und hält die Werte größtenteils stabil. Auch die Auto Bolus Abgabe (nur auswählen Frühstück, mittag, Abendessen oder snack) Damit brauchst du bei bis bis zu 90g Kolenhydrate nicht mehr den Bolusrechner verwenden, kannst du aber bei Bedarf trotzdem jederzeit. Es hat mein Leben verändert, auch dass du wenn du möchtest eine Schnittstelle (smartphone eine App für Cgm+Pumpe) funktioniert einwandfrei. Das einzige wo man aufpassen muss, man sollte den Sensor gelegentlich kalibrieren. Der Dexcom g7 war ohne kalibrieren etwas genauer, aber die Vorteile vom Medtrum überwiegen. Ich kann’s nur empfehlen. Viel Erfolg beim Einstieg! Melde dich gerne falls du noch konkrete Fragen hast. Erfahrung in der Praxis hab icb schon einige Monate hinter mir.

    • @calvin240: Super, dass du geantwortet hast. Ich hatte vor einiger Zeit die gleiche Frage. Auch ich werde diese Pumpe ab Herbst nutzen. Bin aber absoluter Pumpenneuling. Darf ich dich bei Bedarf anschreiben? Viele Grüße aus der schönen Rhön!

    • @uho1: klar kannst du gerne machen. Wenn du Allgemein Pumpenneuling bist (jeder hat andere Anforderungen) aber aus meiner Sicht ist eine Patchpumpe also auch das Medtrum Nano die innovativste Behandlungsmöglichkeit.
      Liebe Grüße

  • Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂

    Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/

  • tako111 postete ein Update vor 3 Wochen, 2 Tagen

    Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.

    Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.

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