Das Leben im Zentrum für jugendliche Diabetiker – Teil #3

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Das Leben im Zentrum für jugendliche Diabetiker – Teil #3

Die Wohngruppen sind alle nach berühmten Schriftstellern benannt: Astrid Lindgren, Mark Twain, Jules Vernes, Wilhelm Busch und Erich Kästner.

Jede Gruppe ist gleich aufgebaut. Es gibt ein großes Wohnzimmer, eine eigene Küche, getrennte Badezimmer für Jungs und Mädchen, einen Aufenthaltsraum für die Betreuer und natürlich die Zimmer der Bewohner.

Wohnen im Doppelzimmer

Die Zimmer sind klein und beim Einzug möbliert. Man darf aber seine eigenen kleinen Möbel, einen Teppich oder das, was sonst noch unbedingt dabei sein muss, mitbringen.

Die meisten wohnen in Einzelzimmern, es gibt aber auch einige wenige Doppelzimmer in den Wohngruppen. In so eins bin auch ich zuerst eingezogen.Zentrum

Tagesablauf:

Alle, die unter 16 Jahre alt sind, werden in der Woche jeden Morgen von den Betreuern geweckt – die anderen sind selbst dafür verantwortlich, pünktlich aufzustehen.

Gemeinsames Frühstück – am Wochenende Pflicht

Der Frühstückstisch im Gemeinschaftsraum ist morgens eigentlich immer schon fertig gedeckt. Da viele zu unterschiedlichen Zeiten aufstehen, frühstücken meistens nur kleine Gruppen spontan zusammen. Es wird trotzdem Wert darauf gelegt, dass jeder etwas isst, bevor er aus dem Haus geht.

In der Woche gibt es morgens immer mal ein anderes Brot und Müsli. Am Wochenende dann auch Brötchen. Dann war übrigens für alle Bewohner der Wohngruppe ein gemeinsames Frühstück Pflicht.

Berechnen der BEs mit Diabetesberaterin oder Diätassistentin

Bevor gegessen wird, muss natürlich gemessen werden. Diejenigen, die Hilfe beim Berechnen der BEs brauchen, bekommen die natürlich auch – seit Neuestem ist morgens häufig eine Diabetesberaterin oder Diätassistentin aus dem Zentrum beim Frühstück dabei, um beim Schätzen, Abwiegen und Berechnen zu helfen.

Zu meiner Zeit war auch die Kontrolle des Spritzens immer individuell. Einige mussten den Betreuern ihre Insulindosis begründen, andere durften einfach spritzen, nachdem sie die errechnete Menge zur Absegnung genannt hatten.

Frisches Essen aus der Gemeinschaftsküche

Nach der Schule gibt es natürlich auch in der Wohngruppe Mittagessen. In der großen Gemeinschaftsküche des Zentrums bereitet der Koch jeden Tag das Essen frisch zu. Dabei wird auch auf jede Unverträglichkeit oder Vorliebe Rücksicht genommen. Ob Glutenunverträglichkeit, Laktoseintoleranz oder Vegetarier – auf jeden wird beim Essen geachtet.

Zeit für Hausaufgaben und Ruhe

Nach dem Essen muss jeder Bewohner einige Stunden Ruhezeit auf seinem Zimmer einhalten. Während dieser Zeit sollen z.B. auch die Hausaufgaben gemacht werden.

Nach dieser Zeit werden jeden Tag die Blutzuckertagebücher kontrolliert. Nur wenn die Werte, BEs und Insulinmengen vom Vortag lückenlos eingetragen sind und man auch das abendliche Messen nicht vergessen hat, darf man nach der Ruhezeit die Wohngruppe bis 17.30 Uhr verlassen.

Zeit für Freizeit – außer, das Zimmer sieht aus wie ein Saustall

Bei hohen Werten nach dem Mittagessen werden zusätzlich noch Ketone gemessen – war die Messung negativ, steht der Freizeit nichts im Weg…

…außer natürlich, das Zimmer sieht aus wie ein Saustall. Aufräumen und Saubermachen ist ebenso Pflicht wie der wöchentliche Tischdienst, also das Tischdecken für das Abendessen.

Apropros Pflichten: Am Wochenende müssen alle Bewohner die Wohngruppe gemeinschaftlich auf Vordermann bringen. In der Woche wird alles (außer den Zimmern) von einer Fachkraft gereinigt.

Vor dem Abendessen geht es ins Labor

Kurz vor dem Abendessen muss jeder Bewohner täglich zum „Labor“. Entweder findet das in der Wohngruppe selbst statt, oder aber man muss in das richtige Labor im Hauptgebäude des Zentrums gehen. Dort werden mit dem Laborgerät der Blutzucker gemessen und die Urinketone bestimmt – jeden Abend.

Ist der Wert gut, darf man sofort mit den anderen essen, sobald auch sie fertig mit dem Labor sind. Bei hohen Werten wird direkt gespritzt und eine halbe Stunde vor dem Essen gewartet. Auch abends gibt es Brot. Jeder darf ca. 4 Scheiben essen – und auch hier gibt es wie beim Frühstück Unterstützung von den Betreuern.

Die freie Zeit kann frei gestaltet werden

Anschließend gibt es noch einmal Freizeit. Je nach Alter gilt das Jugendschutzgesetz. 16-Jährige dürfen also bis 22 Uhr draußen bleiben – müssen dann aber natürlich auch sofort ins Bett. Fernsehen ist natürlich auch erlaubt – die Fernbedienung gibt es beim jeweiligen Betreuer.

Es ist immer jemand da

Auch nachts werden die Bewohner nicht allein gelassen. Es ist immer eine Nachtschwester da, die im Betreuerzimmer schläft und jederzeit geweckt werden kann. Zwischendurch dreht die Nachtschwester ihre Runden und schaut, ob auch wirklich alle da sind, wo sie sein sollten, und ob es ihnen gut geht.

Übrigens ist wirklich 24 Stunden täglich mindestens ein Betreuer pro Wohngruppe anwesend – also auch, falls jemand krank ist oder keine Schule hat, ist derjenige nicht allein.

 

Lest auch Teil #1 (DIE RETTUNG VOR DEM „SELBSTMORD DIE RETTUNG VOR DEM „SELBSTMORD AUF RATEN”AUF RATEN“) und Teil #2 (DIE ERSTE BEGEGNUNG) der Reihe aus dem Zentrum für jugendliche Diabetiker.

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  • moira postete ein Update vor 2 Wochen, 1 Tag

    Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄

  • bloodychaos postete ein Update vor 3 Wochen, 1 Tag

    Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.

    • Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.

      Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:

      Freestyle Libre 3 bzw. 3+
      Dexcom G7
      Dexcom G6 (noch)
      Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
      Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
      Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
      Accu-Chek Smartguide CGM
      Medtrum Touchcare Nano CGM

      Ich würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
      Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.

  • thomas55 postete ein Update vor 3 Wochen, 6 Tagen

    Hallo,
    ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
    Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
    Thomas55

    • Hi Thomas 🙂
      Ja genau für Bestandskunden bekommt man den Simplera leider nicht. Ich habe / hatte jetzt 8 Jahre lang die Pumpen von Medtronic. Aktuell hab ich die 780g noch bis Ende März, dann Wechsel ich zur Ypsopumpe.
      Ich war eigentlich immer zufrieden mit der Pumpe und den Sensoren. Doch seit gefühlt einem Jahr sind die Guardian 4 Sensoren so schlecht geworden. Ich war dauerhaft damit beschäftigt, einen Sensor nach dem anderen zu reklamieren. Die Sensoren hielten bei mir nur max. 4-5 Tage. Danach war Schluss. Verschiedene Setzstellen wurden getestet, auch der Transmitter wurde getauscht. Aber es half alles nichts.

      Jetzt werde ich wechseln. Den Simplera wollte ich dann einfach nicht noch länger abwarten. Denn Bestandskunden hatten da leider das nachsehen. Schade Medtronic!!!

    • @crismo: Ich habe mich nun auch für die Ypsopump entschieden. Ich wollte von medtronic Angebote für die 780 und den Simplera haben für die Krankenkasse zur Übernahme der Kosten. Ausserdem wollte ich eine Zusicherung haben, dass ich den Simplera überhaupt bekomme. Nach einer Woche kam das Angebot für die 780 per Post, von einem Angebot für den Simplera kein Wort. Ich bin privat versichert und muss an medtronic zahlen und dann eine Erstattung von der Krankenkasse beantragen. Weil der Simplera mehr als das Doppelte vom Libre kostet, wollte ich das der Krankenkasse vorher offenlegen. Dann habe ich eine Mail an medtronic geschrieben, nach 2 Wochen keine Reaktion. Dann habe ich mich für die Ypsopump entschieden. Das Angebot kam am nächsten Tag per Mail. Das ist für mich Service! Jetzt warte ich auf Zustimmung der Krankenkasse und dann Tschüss medtronic. Schade, ich finde die Pumpen (seit 12 Jahren genutzt) gut.

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