DDG bekräftigt Forderung nach Verbot

2 Minuten

DDG bekräftigt Forderung nach Verbot

Auf der Basis neuer Studienergebnisse, die den Zusammenhang von an Kinder gerichtete TV-Spots für hochkalorische Lebensmittel und dem Risiko für Übergewicht belegen, bekräftigt die Deutsche Diabetes Gesellschaft ihre Forderungen nach einem Verbot solcher Werbung.

Eine große europäische Langzeitstudie hat den Beweis erbracht, dass Fernsehwerbung bei Kindern den Konsum von zucker- und fettreichen Lebensmitteln erhöht und damit Übergewicht fördert. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) sieht in dem Ergebnis der I.Family Study ihre Forderung bestätigt, wonach an Kinder gerichtete TV-Spots für hochkalorische, übergewichtsfördernde Lebensmittel verboten werden sollten.

DDG: derartige Werbung unterminiert die Bemühungen gesundheitsbewusster Eltern

„Es gibt kein einziges vernünftiges Argument, das Werbung für ungesunde Dickmacher rechtfertigen könnte, die sich an Kinder und Jugendliche richtet“, betont Professor Dr. med. Baptist Gallwitz, Präsident der DDG. Denn nach wie vor sind deutlich zu viele Kinder in Deutschland übergewichtig. Die Quote liegt bei 15 Prozent, wie das Robert Koch Institut ermittelte. „Beim Kampf gegen das Übergewicht kommt dem Umfeld eine Schlüsselrolle zu, dazu zählen vor allem auch die Eltern, die positiv Einfluss nehmen können“, so Gallwitz.

Werbung konterkariere diese Bemühungen jedoch. Sie bewirkt beispielsweise, dass Kinder ihre Eltern unter Druck setzen, ungesunde Dickmacher zu kaufen. „Verantwortungsbewusste Erziehungsberechtigte sehen sich dann einer Kaskade an ermüdenden Abwehrkämpfen ausgesetzt“, betont Dr. Dietrich Garlichs, Geschäftsführer der DDG. „Das braucht kein Mensch.“

„Kommerziell motivierte, staatlich geduldete Verantwortungslosigkeit“

Dass Werbung tatsächlich ein großes Wirkpotenzial entfaltet, belegt die I.Family Study, die 10.000 Kinder aus acht europäischen Ländern untersuchte: Der Nachwuchs greift nachweislich häufiger zu überzuckerten Softdrinks und hochkalorischen Speisen, nachdem TV-Spots geschaut wurden – sogar, wenn die Eltern von solchen Produkten abraten.

Direkte Folge dieses Konsumverhaltens ist Übergewicht, das wiederum chronische Erkrankungen wie Diabetes, Herzkreislauf-Leiden, Krebs und Atemwegskrankheiten fördert. „Kindermarketing für ungesunde Dickmacher ist aus unserer Sicht kommerziell motivierte, staatlich geduldete Verantwortungslosigkeit, die zu großem persönlichen Leid und hohen gesellschaftlichen Folgekosten führt“, so Garlichs. „Daher setzen wir uns für ein Verbot ein.“

DDG fordert zudem eine Lebensmittelbesteuerung, die an der Gesundheit orientiert ist

Auch der Koordinator der I.Family Study, Professor Dr. Wolfgang Ahrens vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS) in Bremen, erhebt die Forderung nach einer Reglementierung für an Kinder gerichtete Werbung für Dickmacher. Freiwillige Selbstverpflichtungen seitens der Industrie hätten nicht funktioniert, stellt Ahrens fest. Appelle an ein gesundes Verhalten und an gesundes Essen hätten ebenfalls nichts bewirkt.

Neben Werbeeinschränkungen empfiehlt der Bremer Wissenschaftler zudem Maßnahmen, die den Zugang zu gesunden Lebensmitteln verbessern. „Auch dieser Forderung können wir uns nur anschließen“, so Garlichs. Die DDG setzt sich für eine Umstrukturierung der Mehrwertsteuer bei Lebensmitteln ein: Gesunde Produkte sollten steuerlich entlastet, ungesunde Nahrungsmittel hingegen belastet werden.


Quelle: Pressemitteilung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG)

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Ähnliche Beiträge

Annika Ziercke im Interview: Keine Angst, sich mit Typ-2-Diabetes öffentlich zu zeigen
Viele Menschen mit Typ-2-Diabetes trauen sich aus Angst vor Vorurteilen nicht, sich öffentlich zu zeigen – nicht so Annika Ziercke.
Annika Ziercke im Interview: Keine Angst, sich mit Typ-2-Diabetes öffentlich zu zeigen | Foto: Jennifer Sanchez / MedTriX

13 Minuten

Weltweit erster dualer Glukose-Keton-Sensor: „Libre Duo“-Systeme von Abbott erhalten CE-Kennzeichnung
Abbott hat die CE-Kennzeichnung für die weltweit erste duale Glukose-Keton-Sensor-Technologie erhalten. Die „Libre Duo“-Systeme messen kontinuierlich die Glukose- und Keton-Werte in einem Sensor – zur Früherkennung einer diabetischen Ketoazidose, die potentiell lebensbedrohlich ist.
Weltweit erster dualer Glukose-Keton-Sensor: „Libre Duo“-Systeme von Abbott erhalten CE-Kennzeichnung | Foto: Abbott

4 Minuten

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
  • Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂

    Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/

  • tako111 postete ein Update vor 6 Tagen, 3 Stunden

    Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.

    Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.

  • moira postete ein Update vor 2 Wochen, 2 Tagen

    Hallo! Ich fahre in den Ferien nach Paris und möchte gerne auf den Eiffelturm steigen. Mein Mann macht sich deshalb große Sorgen, weil die Treppe schon sehr lang ist.
    War jemand schon mal dort und hat den einen oder anderen Tipp?

Verbände