Diabetische Ketoazidose – Teil 1: Schwere Stoffwechselentgleisung verstehen, erkennen, verhindern

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Diabetische Ketoazidose – Teil 1: Schwere Stoffwechselentgleisung verstehen, erkennen, verhindern | Foto: oxie99 - stock.adobe.com (generiert mit KI)
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Diabetische Ketoazidose – Teil 1: Schwere Stoffwechselentgleisung verstehen, erkennen, verhindern

Im Alltag vieler Betroffener mit Diabetes sowie deren Familien wird meist viel Wert auf das Verhindern von Unterzuckerungen gelegt. Das Risiko einer diabetische Ketoazidose (DKA) wird oft unterschätzt, obwohl diese die gefährlichere Komplikation darstellt. Hier erfahren Sie, wie man die schwere Stoffwechselentgleisung erkennen und verhindern kann.

Die diabetische Ketoazidose (DKA) ist eine akute Entgleisung des Stoffwechsels. Sie ist bei Kindern und Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes die wichtigste und potenziell gefährlichste Komplikation. Oft führt sie je nach Ausprägung zu einem Krankenhaus-Aufenthalt, manchmal ist sogar eine intensivmedizinische Behandlung notwendig.

  • Medizinisch wird die DKA anhand von mehreren Faktoren definiert:
  • erhöhte Glukosewerte, meist deutlich über 300 mg/dl bzw. 16,7 mmol/l,
  • erhöhte Ketonwerte im Blut (über 1,5 mmol/l, „Ketose“),
  • Übersäuerung („Azidose“) im Blut (pH-Wert unter 7,3).

Wie eine Ketoazidose entsteht

Der entscheidende Grund für das Entstehen einer diabetischen Ketoazidose ist ein Insulin-Mangel. Es gibt einige Situationen im Alltag, die zu diesem Zustand führen können. Zunächst sind mögliche mechanische Probleme bei Insulinpumpen zu nennen. Wenn ein Infusions-Set verstopft oder die Kanüle herausgerutscht ist, bemerkt man dies unter Umständen nicht sofort. Vor allem nachts oder beim Spielen und Toben tagsüber fällt es zunächst nicht auf. Nach wenigen Stunden zeigt sich im Körper aber bereits der Mangel an Insulin, da aus der Insulinpumpe kein Nachschub mehr ankommt.

Notfall Ketoazidose

  1. Eine Ketoazidose ist gefährlicher als eine Unterzuckerung.
  2. Ursache ist ein starker Insulin-Mangel.
  3. Spätestens daran denkensollten Eltern bei hohen Glukosewerten und Bauchschmerzen.

Insulin-Resistenz

Ein weiterer Grund ist die Insulin-Resistenz. Diese entsteht durch langfristig erhöhte Glukosewerte, zum Beispiel als Folge einer Erkrankung mit Fieber und erhöhtem Insulinbedarf. Auch wenn man mehrfach die Insulingaben zum Essen vergisst oder erhöhte Werte nicht korrigiert, bleiben sie über lange Zeit hoch. Ein häufiger Grund für unzureichende Korrekturen ist zum Beispiel, dass die automatisierte Dosis-Anpassung der Insulinpumpe nicht funktioniert, weil der Sensor nicht getragen wird oder Alarme nicht wahrgenommen oder ernst genommen werden. Darum ist ein regelmäßiger Check des Automodus (meist optisch auf dem Display deutlich erkennbar) vor der Schule und vor dem Schlafengehen ein sehr guter Schutz.

Durch die dauerhaft erhöhten Glukosewerte kommt es zu einer Art „Verstopfung“ der Insulin-Rezeptoren an den Muskelzellen. Das Insulin kann schlechter wirken. Somit steigt – trotz Insulingaben – der Glukosewert noch weiter, da die normale Insulindosis nicht mehr ausreicht. Durch den weiter steigenden Wert nimmt auch die Insulin-Resistenz weiter zu. Es entwickelt sich eine Art „Spirale“, die trotz des eigentlich sehr vielen Insulins nach und nach zu Anzeichen wie bei einem Insulin-Mangel führt.

Wie sich ein Insulin-Mangel auswirkt

Die Zellen benötigen ständig Zucker (Glukose) als Energie-Lieferant. Glukose kann aber in den meisten Fällen nur mit Hilfe von Insulin in die Zellen gelangen. Wenn das Insulin nicht vorhanden ist oder nicht mehr richtig wirkt, fehlt die Glukose in den Zellen. Der Zucker-Mangel in den Zellen bewirkt eine Ausschüttung des Hormons Glukagon. Dieses Hormon ist ein Signal an die Speicher des Körpers, dass die Zellen Glukose benötigen. Es bewirkt, dass mehr Glukose aus den Energie-Speichern des Körpers, vor allem aus der Leber, freigesetzt wird.

Somit steigt der Glukosewert im Blut noch weiter an. In den Zellen kommt die freigesetzte Glukose aber weiterhin nicht an. Hier entsteht wieder ein Kreislauf, der dazu führt, dass immer mehr Glukose aus der Leber ins Blut freigesetzt wird. Der Blut- oder Gewebezucker-Wert steigt also immer höher, selbst wenn man nichts isst.

Ketonkörper entstehen bei Zucker-Mangel

Wenn die Muskelzellen dauerhaft „hungern“, weil keine Glukose ankommt, schalten sie auf den „Notfall-Modus“ um. Sie verbrennen als Ersatz-Energielieferanten freie Fettsäuren aus dem Blut. So können sie weiterhin Energie gewinnen. Allerdings bleiben beim Verbrennen dieser Fettsäuren Reste übrig. Diese Abfall-Produkte der Fettverbrennung heißen Ketonkörper. Sie sammeln sich zunächst im Blut an. Eine geringe Ketonkörper-Menge im Blut bemerkt man anfangs oft nicht.

Mit zunehmender Menge an Ketonkörpern beginnt aber der pH-Wert im Blut zu sinken. Das Blut wird sauer. Dies bemerkt man zum einen an den typischen Anzeichen für einen hohen Glukosewert. Hinzu kommen aber Symptome, die ähnlich sind wie bei einer Magen-Darm-Infektion oder einer Vergiftung. Betroffene Kinder und Jugendliche klagen über Bauchschmerzen und Übelkeit, müssen sich eventuell mehrfach übergeben.

Außerdem riecht ihr Atem wegen der Ketone wie Äpfel oder Nagellack. Beim Fortschreiten der Ketoazidose kann die Atmung sehr tief und angestrengt werden. Sie wird nach seinem Erstbeschreiber Kußmaul-Atmung genannt und ist ein Zeichen für dringenden Handlungsbedarf.

Rechtzeitig kontrollieren und handeln

Spätestens bei den ersten dieser Anzeichen sollten Eltern aufmerksam sein und das Blut auf Ketone überprüfen. Im Zweifelsfall ist bei Symptomen eines Magen-Darm-Infekts immer auch zunächst von einer entstehenden Ketoazidose auszugehen – nach dem Motto: „Immer erst das Gefährlichere ausschließen!“

Sollte eine beginnende Ketoazidose nicht rechtzeitig erkannt und behandelt werden, besteht das Risiko, dass es dem Kind so schlecht geht, dass es stationär ins Krankenhaus aufgenommen werden muss. Je nach Ausprägung der Symptome und bei einem bereits deutlich abgesunkenen pH-Wert im Blut ist sogar vorsichtshalber die Aufnahme auf eine Intensivstation notwendig.

Eine schwere Ketoazidose kann lebensgefährlich sein. Allerdings entwickelt sie sich in aller Regel langsam, sodass die Betroffenen bzw. die Eltern eigentlich genügend Zeit haben, die Komplikation bereits im Entstehen rechtzeitig zu erkennen – und entsprechend zu reagieren.

In welchen Situationen und wie die Ketonkörper überprüft werden sollten und wie man bei einer beginnenden Ketoazidose handeln sollte, das wird in der nächsten Ausgabe des Diabetes-Ankers (Juli 2026) ausführlich behandelt.


Für Beiträge in der Rubrik Eltern und Kind kooperiert der Diabetes-Anker u.a. mit der Deutschen Gesellschaft für pädiatrische und adoleszente Endokrinologie und Diabetologie (DGPAED). Der Verband setzt sich dafür ein, die Ver­sorgung von Kindern und Jugend­lichen mit Diabetes und anderen Stoffwechseler­krankungen zu erhalten und zu verbessern.


von André Kluge

André Kluge ist Diabetesberater DDG. Er ist tätig im Kinderkrankenhaus der Kliniken der Stadt Köln und im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für pädiatrische und adoleszente Endokrinologie und Diabetologie (DGPAED).

Erschienen in: Diabetes-Anker, 2026; 75 (6) Seite 46-47

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  • thomas55 postete ein Update vor 1 Woche

    Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 1 Woche

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße

  • lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 3 Wochen, 1 Tag

    Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
    Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/

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