Die Nerven schützen

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Die Nerven schützen

Teil 3 unserer Serie über Folgeerkrankungen: Dieses Mal geht es um die diabetische Neuropathie, eine Schädigung des Nervensystems durch den Diabetes. Gut zu wissen: Die Neuropathie tritt meist erst nach sehr langer Diabetesdauer auf; bei Kindern kommt sie selten vor.

Folgeschäden am Nervensystem durch den Diabetes (diabetische Neuropathie) gehören zu den Veränderungen an den kleinen Blutgefäßen (Mikroangiopathien, siehe DEJ 3/2017 u. 4/2017). Eine Neuropathie tritt erst nach sehr langer Diabetesdauer auf – meist sehr viel später als die Retinopathie (Schädigung der Augen) und die Nephropathie (Schädigung der Nieren).

Bei Kindern und Jugendlichen mit Diabetes kommt die Neuropathie nur vereinzelt vor, deshalb werden auch Vorsorgeuntersuchungen erst nach einer fortgeschrittenen Diabetesdauer bzw. im Jugendalter durchgeführt.

Die Nervenbahnen des Körpers bestehen aus langen und dünnen Zellen, die nach jahrelanger Diabetesdauer geschädigt werden können. Durch lang anhaltend hohe Blutzuckerwerte kann es auch in den Blutgefäßen, die die Nerven versorgen, zu Veränderungen kommen, die zu einer verminderten Versorgung der Nervenzellen mit Sauerstoff führen.

Muss es zu Nervenschädigungen kommen?

Ob es zu Nervenschädigungen kommt, ist wie bei allen anderen Komplikationen von der Güte der Stoffwechseleinstellung über mehrere Jahre abhängig. Mit einer guten Einstellung und dem Erreichen des empfohlenen HbA1c-Zieles von unter 7,5 Prozent bei Kindern und Jugendlichen ist die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten einer Neuropathie geringer. Auch der Einfluss von Alkohol und Nikotin spielt bei der Entwicklung der Neuropathie eine wichtige Rolle.

Bei der diabetischen Neuropathie sind häufig erst die Beine und im weiteren Verlauf auch die Arme betroffen. Die Betroffenen klagen über Kribbeln, Brennen, Ameisenlaufen, Schmerz- und Temperaturmissempfindungen.

Durch eine verminderte Blutversorgung in den kleinsten Blutgefäßen, z. B. am Fuß, kommt es zu einer verringerten Funktion der dortigen Nervenbahnen und somit z. B. zu einer verminderten Wahrnehmung von Schmerzen. Kleinere Wunden werden dadurch nicht gespürt, und der Fuß wird in der gewohnten Weise weiter belastet. Die Wunde wird größer, die Heilung verzögert sich durch die ständige Reizung und es können sich fortschreitende Entzündungen entwickeln.

Kinder haben gesunde Füße, so dass diese Altersgruppe nicht besonders gefährdet ist. Kinder mit Diabetes dürfen auch am Strand barfuß laufen. Für Menschen mit langer Diabetesdauer und im fortgeschrittenen Alter ist es jedoch wichtig, auf besondere Fußpflege zu achten und die Füße regelmäßig auf Wunden zu untersuchen. Treten Missempfindungen auf, sollten Sportarten mit erhöhtem Verletzungsrisiko (Druckstellen, Blasen) an den Füßen (Joggen, Fußball) möglichst vermieden werden. Kinder und Jugendliche können diese jedoch auch mit Diabetes unbedenklich durchführen.

Diagnostik der Neuropathie

Wichtig zur Identifikation einer Neuropathie ist die Erhebung der vom Patienten geschilderten Symptome und im Anschluss die körperliche Untersuchung. Zur Einteilung des Schweregrades gibt es Scores (Punktwerte), die der Arzt am Patienten durch gezielte Untersuchungsmethoden erhebt. Im Einzelnen sind das: Temperaturempfinden, Schmerzempfinden, Reflex an der Achillessehne und Vibrationsempfinden. Außerdem werden die Fußpulse getastet und der Fuß auf Verletzungen und Wunden sowie Sensibilität untersucht.

Untersucht wird mit einer Stimmgabel, einem Reflexhammer sowie einem Monofilament (steifer Kunststofffaden) und einem Tip Therm. Durch Aufsetzen einer Stimmgabel auf den Fußknöchel wird das Vibrationsempfinden gemessen. Der Reflexhammer dient zur Untersuchung der Muskeleigenreflexe (Achilles- und Patellarsehnenreflex). Das Monofilament wird zur Bestimmung des Druckempfindens angewandt. Das Temperaturempfinden wird mittels eines Tip Therms geprüft (siehe Abbildungen).

Therapiemöglichkeiten

Die Therapiemöglichkeiten bei diabetischer Neuropathie sind sehr begrenzt. Eine langfristige Verbesserung ist nur durch eine Verbesserung der Stoffwechsellage möglich. Normalisierung des Blutdruckes, Fußpflege, Prophylaxe von Fußverletzungen und Krankengymnastik sind weitere mögliche Maßnahmen zur Reduktion der Symptome. Bei starken Schmerzen können schmerzlindernde Medikamente eingesetzt werden.

Wichtig: frühzeitige Diagnose

Die Untersuchungen dienen auch der Vorsorge – mit ihnen kann eine Neuropathie frühzeitig erkannt werden. Sie werden bei langfristig schlechter Stoffwechselleinstellung oder aber ab dem 11. Lebensjahr, bzw. einer Diabetesdauer von 5 Jahren empfohlen.

Das Wichtigste in Kürze
  • Die diabetische Neuropathie ist eine Komplikation des Diabetes mellitus, die nach sehr langer Diabetesdauer auftreten kann.
  • Durch eine Veränderung an den kleinen Gefäße kommt es zu einer Minderversorgung der Nervenzellen, die zu Missempfindungen, Schmerzen und Temperaturempfindungsstörungen führen.
  • Bei Kindern und Jugendlichen tritt diese Folgeerkrankung sehr selten auf.
  • Eine Therapie der diabetischen Neuropathie ist schwierig und nur symptomorientiert möglich. Daher ist eine gute Stoffwechseleinstellung zur Prävention der Entwicklung einer diabetischen Neuropathie wichtig.

von Dr. med. Nicolin Datz, Hannover
Oberärztin Pädiatrie III, Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin, Krankenhaus „Auf der Bult“

Kontakt:
Janusz-Korczak-Allee 12, 30173 Hannover, E-Mail: datz@hka.de

Erschienen in: Diabetes-Eltern-Journal, 2018; 11 (1) Seite 22-23

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  • uho1 postete ein Update vor 3 Tagen, 13 Stunden

    @calvin240
    Ich hätte eine Frage zum
    Bestellablauf und deinen Erfahrungen mit Medtrum. Könnte ich dich auch „privat“ anschreiben? Wenn du vielleicht meine Freundschaftsanfrage annimmst? Gruß Ute

  • Bin neu hier. Typ2. Meine Werte verschlechtern sich obwohl ich nicht anders esse und mehr Bewegung eingebaut habe. Denke Stress ist hier das Hauptthema. Pflegebedürftige Mutter und Sohn steht im Stastsexsmen. Habe seit Jahren auch Depressionen und Panikattacken. Bin verzweifelt.

    • Liebe @123novesia, willkommen in unserer Community. Es tut mir sehr leid zu lesen, wie viel gerade auf deinen Schultern liegt. Die Sorge um deine Mutter, der Stress rund um das Staats­examen deines Sohnes und dazu Depressionen und Panikattacken. Dass dich das erschöpft und verzweifelt macht, ist sehr verständlich.
      Bitte mach dir keine Vorwürfe: Verschlechterte Werte bedeuten nicht automatisch, dass du etwas falsch machst. Stress und psychische Belastungen können den Blutzucker beeinflussen. Trotzdem wäre es wichtig, die Veränderungen zeitnah mit deiner Diabetespraxis oder deiner Hausärztin/deinem Hausarzt zu besprechen, damit auch andere Ursachen ausgeschlossen und die Behandlung gegebenenfalls angepasst werden kann.
      Du musst das alles nicht allein tragen. Vielleicht gibt es für deine Mutter Unterstützung durch Angehörige, einen Pflegestützpunkt oder einen ambulanten Dienst. Und auch für dich wäre jetzt Unterstützung wichtig – durch deine behandelnde Praxis oder eine psychotherapeutische/psychiatrische Anlaufstelle. Auch hier findest du vielleicht noch Halt und Unterstützung aus unserer Community. Alles Gute und pass auf dich auf. Liebe Grüße Lena

  • jseiffert postete ein Update vor 1 Woche, 5 Tagen

    Hallo zusammen,
    heute findet unser nächstes Community-MeetUp via Teams statt.
    Alle Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-september-26
    Wir freuen uns auf Euch! 🙂