Dr. Ralph Ziegler im Interview: Die Praxis Mondstraße in Münster

3 Minuten

© Praxis Dr. med. Ralph Ziegler und Kollegen
Dr. Ralph Ziegler im Interview: Die Praxis Mondstraße in Münster

Bisher haben wir in dieser Rubrik fast nur Kinderkliniken mit einem Diabetesschwerpunkt vorgestellt – die Praxis Mondstraße in Münster mit dem Diabetologen Dr. Ralph Ziegler steht für das ambulante Erfolgsmodell der Versorgung von jungen Menschen mit Diabetes. Im Gespräch mit Chefredakteurin Prof. Karin Lange erzählt er, was für ihn die ambulate Versorgung ausmacht.

Im Interview: Dr. Ralph Ziegler

Praxis Dr. med. Ralph Ziegler und Kollegen
Diabetologische Schwerpunktpraxis für Kinder und Jugendliche
Mondstr. 148, 48155 Münster
Tel.: +49 251 31061
rz@ziegler-muenster.de
www.ziegler-muenster.de

Diabetes-Eltern-Journal (DEJ): Wie ist die Praxis entstanden?

Dr. Ralph Ziegler: Die Praxis Mondstraße in Münster: Die Kinderarztpraxis wurde 1993 gegründet und behandelte vom ersten Tag an Kinder und Jugendliche mit Diabetes. Schnell wurden wir Diabetologische Schwerpunktpraxis für Kinder und Jugendliche, was eigentlich nach den KV-Regeln gar nicht vorgesehen war. Heute betreuen wir ca. 340 Familien. Im Durchschnitt sehen wir die Patienten sechs bis acht Mal pro Jahr.

DEJ: Wer gehört zum Diabetesteam?

Dr. Ziegler: Die Praxis Mondstraße in MünsterWir sind ein elfköpfiges Praxisteam aus zwei Ärzten, vier Diabetesberaterinnen (eine Oecotrophologin,eine Ernährungsberaterin), drei MFAs, einer Auszubildenden und einer Sekretärin und kooperieren mit einer Psychologin.

DEJ: Wie geht moderne Therapie in der Ambulanz?

Dr. Ziegler: Hervorragend! Wir sind technologisch gut aufgestellt, bei der Cloud-Lösung hilft uns ein externer IT-Spezialist. Weil wir alle Diabetes-Daten digital zur Verfügung haben, können wir gemeinsam mit den Familien “die Werte” ansehen, besprechen, und die nächsten Schritte planen.

DEJ: Was sind Ihre aktuellen Schwerpunkte?

Dr. Ziegler: Der Einsatz und die Umstellung auf AID-Systeme wo immer möglich. Zur Zeit haben bereits etwa 120 Kinder und Jugendliche ein solches System, je nach Alter und Anforderung/Präferenz nach Auswahl von allen Möglichkeiten auf dem Markt. Ein “Nein” der Kostenträger akzeptieren wir nicht, und wir haben am Ende eine Bewilligungsquote von 100%.

DEJ: Und wenn ein Kind doch stationär aufgenommen werden muss?

Dr. Ziegler: Wir haben die besondere Situation, dass ich seit über 17 Jahren als externer Oberarzt in der Kinderklinik am St.Franziskus-Hospital in Münster tätig bin. So werden die Kinder und Jugendliche mit ihren Familien vom ersten Tag an vom gleichen Team betreut und geschult. Und auch falls es zu einem Notfall kommt, bleibt die Behandlung in den gleichen Händen. Das war lange einzigartig in Deutschland.

DEJ: Was sind für Sie die Vorteile der ambulanten Versorgung?

Dr. Ziegler: Kurze Wege, Schulung, Betreuung und Versorgung aus einer Hand von Anfang an, in einem langjährig erfahrenen Team mit viel Erfahrung in der Diabetologie. Und wir kennen und betreuen unsere Familien oft seit Jahren.

DEJ: Welche besonderen Hürden gibt es in der Kinder- und Jugenddiabetologie?

Dr. Ziegler: Zeit und manchmal Raum! Da helfen uns Video-Sprechstunden und -Schulungen die seit 2020 fester Bestandteil unserer Versorgung sind.

DEJ: Aus Ihrer Sicht als Koordinator der neuen Leitlinien für Diabetes bei Kindern und Jugendlichen: Die Diabetestherapie der Zukunft ist…

Dr. Ziegler: Digitalisiert und technisiert! Insulinpumpe mit CGM sowie AID-Systeme sollen Standard werden. Auch digitale Insulinpens sind eine große Hilfe. Moderne, noch schnellere Insuline müssen genutzt werden, und wir sollten offen sein für neue medikamentöse Behandlungsformen. Studien für Kinder und Jugendliche mit Diabetes müssen früher und schneller durchgeführt werden, auch wenn es für die Unternehmen nicht unbedingt wirtschaftlich ist. Für unsere Forderungen und Empfehlungen in Leitlinien benötigen wir eindeutige Daten aus guten, wissenschaftlichen Studien.

DEJ: Herzlichen Dank für Ihre Antworten


Interview: Prof. Dr. Karin Lange

Avatar von karin-lange

Erschienen in: Diabetes-Eltern-Journal, 2022; 13 (4) Seite 27

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Ähnliche Beiträge

Diabetes-Anker-Podcast | Sonderfolge zum Thomas-Fuchsberger-Preis 2026: Im Gespräch mit Alexander „Sandy“ Kikelj
Für sein Engagement rund um DIY-Closed-Loop-Systeme wurde Alexander „Sandy“ Kikelj mit dem diesjährigen Thomas-Fuchsberger-Preis ausgezeichnet. Im Diabetes-Anker-Podcast erzählt der Betreiber des YouTube-Kanals „Sandy’s Diabetes Loop“, wie er die Technik für Laien verständlich macht und was ihn dazu motiviert hat.
Diabetes-Anker-Podcast | Sonderfolge zum Thomas-Fuchsberger-Preis 2026: Im Gespräch mit Alexander „Sandy“ Kikelj | Foto: Dirk Deckbar / diabetesDE / MedTriX

2 Minuten

Versorgung mit DMP auf dem Prüfstand: 628 Seiten und der entscheidende Vergleich fehlt
KI-generiertes Bild einer Person, die mit einer Lupe einen umfangreichen Bericht mit Diagrammen prüft. Auf dem Laptop sind weitere Grafiken zu sehen; in einem Notizbuch steht: „Vergleichsgruppe nicht vorhanden?“.

3 Minuten

Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
Zur Community
  • kety22 postete ein Update vor 1 Woche, 1 Tag

    Hallo zusammen, ich bin eine Dia-Mama und wollte fragen, was isst ihr abends oder kocht abends für eure Dia-Kids, damit der Wert nicht so hoch steigt und dann nachts nicht in die Unterzuckerung fällt? Oder habt ihr generell irgendwelche Tipps gegen nächtliche Unterzuckerung?

    • Hallo!
      Ich habe für mich festgestellt, dass Proteine am Anfang vom Abendessen helfen (Käse, Ei…) dann steigt der Blutzucker beim Essen nicht so schnell. Außerdem geht der Zucker später noch etwas hoch wegen den Proteinen. Das hilft etwas gegen Unterzucker.
      Allerdings habe ich kaum noch Unterzucker seit ich meine Insulinpumpe habe.
      Vielleicht hilft das etwas – viel Glück

  • katrin-kraatz schrieb einen neuen Beitrag vor 2 Wochen, 1 Tag

    Diabetes-Anker-Podcast | Extra: Gürtelrose bei Diabetes – Risiken, Symptome und Vorbeugung im Überblick In dieser Podcast-Sonderfolge geht es um Gürtelrose bei Diabetes. Dr. Katrin Kraatz spricht mit Diabetologe Dr. Dietrich Tews über Risiken, Symptome u …

  • mr postete ein Update vor 2 Wochen, 5 Tagen

    Hallo kann mir jemand einen Tipp geben wie ich On Pot Gerichte mit Reis besser schätzen kann.

    • Hallo mr,

      Dein Problem, die Kohlenhydrate wie Reis in einem One-Pot-Gericht richtig einzuschätzen, vor allem wenn es für mehrere Personen gekocht ist oder Du es im Restaurant bestellst, kennen sicher viele – ich auch. Einfacher ist es, wenn Du nur für Dich kochst. Ich wiege tatsächlich, trotz mehr als 50 Jahren Diabetes, in diesem Fall vorher Reis, Nudeln oder was auch immer vorher ab. Dann weiß ich genau, wie viel es ist.

      Ansonsten heißt es: Augenmaß! Gut ist, immer wieder mal eine bestimmte Menge Reis abzuwiegen und zu kochen (mache ich so). Dann sieht man die Menge und bekommt ein besseres Gefühl für die Menge beim Schätzen. Natürlich verteilt sich gerade Reis sehr gut zwischen den anderen Zutaten, aber ob es “viel” oder “wenig” ist, kann man meist erkennen.

      Sinnvoll finde ich außerdem (und nicht nur ich), gerade bei eher schwierig einzuschätzenden Kohlenhydratmengen die Insulindosis eher zu gering anzusetzen und lieber später höhere Werte zu korrigieren oder – falls ein AID-System im Einsatz ist – dieses seinen Job machen zu lassen. Denn eine Hypo direkt nach dem Essen finde ich deutlich weniger angenehm.

      Eine Patentlösung gibt es also nicht. Vielleicht helfen Dir die Tipps trotzdem etwas?