Kampagne „Macht Dampf – Für gutes Essen in Kita und Schule”

4 Minuten

© © Gerhard Seybert - Fotolia.com
Kampagne „Macht Dampf – Für gutes Essen in Kita und Schule”

Ein Bundesminister ruft die Qualitätsoffensive „Macht Dampf – Für gutes Essen in Kita und Schule” ins Leben. Klingt erst mal gut, oder? Doch gut gemeint ist nicht immer gut gemacht. Wieso? Das verrät Ihnen Nicole Finkenauer-Ganz.

Bundesernährungsminister Christian Schmidt hat Ende Januar die Qualitätsoffensive „Macht Dampf – Für gutes Essen in Kita und Schule” gestartet. Die Kampagne soll Eltern dabei unterstützen, sich in diesem Bereich zu engagieren und so letztendlich das Essen in Kitas und Schulen zu verbessern – indem zum Beispiel die Standards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) eingeführt werden. Wie Eltern sich engagieren können, erfahren sie auf einem Internetportal und über eine Broschüre, außerdem gibt es eine Plakataktion, um auf das Thema aufmerksam zu machen.

Zum Start der Qualitätsoffensive erklärte Bundesernährungsminister Christian Schmidt in einer Pressemitteilung:

„Unsere Kinder brauchen eine gesunde Ernährung für ihre Entwicklung und den Lernerfolg. Für das Mittagessen sind dabei immer öfter Kitas und Schulen gefragt: Die Zahl der Kinder, die mittags in der Kita verpflegt werden, hat sich in den letzten 10 Jahren nahezu verdoppelt. Das Mittagessen in Kitas und Schulen muss lecker, ausgewogen und hochwertig sein.

Dabei ist mir wichtig, dass sich alle Kinder nach den gleichen hohen Standards ernähren können. Dennoch kennen derzeit weniger als die Hälfte aller Kitas den Qualitätsstandard der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Gutes Essen in Kita und Schule darf jedoch keine Glückssache sein, sondern muss zur Selbstverständlichkeit werden. Mit der größten Qualitätsoffensive für gesunde Ernährung in Kitas und Schulen, die es in Deutschland je gab, gebe ich daher den Anstoß dafür, die Standards der DGE flächendeckend in Kitas und Schulen zu etablieren.

Dabei will ich auch die Eltern mitnehmen und sensibilisieren. Mein Appell: „Macht Dampf! – Für gutes Essen in Kita und Schule“. Auch wir Eltern müssen uns damit auseinandersetzen, was unsere Kinder in den Kantinen zu essen bekommen. Meine Offensive bietet daher konkrete Handlungsempfehlungen für Eltern, um für mehr Qualität beim Essen in Kita und Schule zu sorgen. Darüber hinaus fordere ich, dass das kleine Einmaleins der Ernährung im Unterricht verankert wird – am besten als eigenes Schulfach. Denn Ernährungsbildung in der Theorie und gute Verpflegung in der Praxis gehören zusammen.“


Hintergrund

Von welcher Situation geht das Bundesministerium für Ernährung aus?

  • Studien zeigen: Die Qualität des Essens in Kitas und Schulen ist zwar auf einem guten Weg, aber es besteht Verbesserungsbedarf.
  • Der DGE-Qualitätsstandard (DGE: Deutsche Gesellschaft für Ernährung) für die Kita- und Schulverpflegung hat sich noch nicht flächendeckend durchgesetzt. Im Durchschnitt wird zu häufig Fleisch serviert und zu wenig Gemüse und Fisch.
  • Schülerinnen und Schüler sind nur mittelmäßig zufrieden mit der Qualität des Essens.
  • Gerade in den Kitas fehlt es oft an fachlicher Unterstützung und Personal oder der nötigen Ausstattung, um eine ausgewogene Ernährung gemäß des Standards bereitzustellen.

Was will das Ministerium mit der Kampagne „Macht Dampf! – Für gutes Essen in Kita und Schule“ erreichen?

  • Eltern sollen sich mit der Ernährung ihrer Kinder auseinandersetzen. Die Kampagne informiert, warum gutes Essen für die Kinder und Jugendlichen sowohl zu Hause als auch in Kita und Schule so wichtig ist und erklärt den DGE-Qualitätsstandard bzw. was eine ausgewogene Verpflegung ausmacht.
  • Eltern sollen Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt werden, wie sie sich für die Verbesserung des Schul- und Kitaessens einsetzen können und bietet Servicematerialien, Tipps und nachahmenswerte Beispiele aus der Praxis.

Was wird im Rahmen von „Macht Dampf!“ angeboten?

  • Auf dem Webportal www.macht-dampf.de können sich Eltern über das Thema gesundes Essen in Kitas und Schulen informieren. Die Webseite bietet z. B. Musteranschreiben und Checklisten, die Möglichkeit, Fragen an Ernährungsexperten zu stellen, Beispiele für eine gelungene Verpflegung an Kitas und Schulen und Rezepte für gesunde Pausenbrote und Snacks.
  • Es gibt eine Elternbroschüre, Poster und Postkarten.
  • Ansprechpartner für Schulleitungen, Schulträger, Caterer, Lehrer und Eltern sind die 16 „Vernetzungsstellen Kita- und Schulverpflegung“.
Kommentar zur Kampagne

Prima Idee aus dem Bundesernährungsministerium: Eltern sollen sich dafür stark machen, dass das Essen in Schulen und Kitas besser wird. Dafür wurde die Qualitätsoffensive „Macht Dampf! – Für gutes Essen in Kita und Schule“ gestartet. Auf den ersten Blick eine gute Sache. Aber: Wie so oft ist gut gemeint nicht gut gemacht.

Warum sollen die Eltern in dieser Sache aktiv werden, die auf dem Internetportal www.macht-dampf.de hinterlegten Musterbriefe verschicken, sich gar mit der Schulleitung und Caterern zusammensetzen und dafür sorgen, dass die Qualitätsstandards der DGE eingeführt werden? Ist das jetzt Aufgabe der Eltern? Ich meine: nein! Woher sollen Eltern überhaupt wissen, ob das Essen in der Schule gut oder schlecht ist? Am Speiseplan kann man das nicht unbedingt erkennen, und auch nicht daran, dass es den Kindern mal schmeckt und mal nicht.

Da man ja – obwohl immer alle beteuern, wie sehr ihnen das Wohl der Kinder am Herzen liegt – nicht unbedingt davon ausgehen kann, dass immer alles einwandfrei läuft, muss das eben kontrolliert werden. (Ich denke an den Skandal 2013, als bei 11.000 Kinder in Ostdeutschland durch den Noro-Virus eine Magen-Darm-Krankheit ausbrach. Aufgenommen hatten sie die Erreger über Erdbeeren, die vom Caterer angeboten worden waren.) Und das ist nicht Aufgabe der Eltern.

Gesundes Essen ist sehr, sehr wichtig – das zeigt uns allein die Zahl der übergewichtigen Kinder, die, wenn es blöd läuft, auch zu Diabetikern werden können. Es muss also allgemeingültige (hohe!) Standards für das in Kitas und Schule angebotene Essen geben, und es muss jemanden geben, der das sorgfältig kontrolliert. Eine Initiative anzustoßen, die versucht, das Problem auf die Eltern abzuwälzen – und dafür auch noch Geld auszugeben – ist für mich ungenießbar.

Was über diese Eltern-Kampagne hinaus noch geschehen soll, darüber schweigt sich Minister Schmidt aus. Dabei hat er das Problem erkannt, denn er verbreitet über die Pressemitteilung: „Und vor allem in Kitas fehlt es oft an fachlicher Unterstützung und Personal oder der notwendigen Ausstattung, um eine ausgewogene Ernährung gemäß des Standards anbieten zu können.“ Wie daran etwas geändert werden soll und wie dabei zum Beispiel die Vernetzungsstellen Schulverpflegung in den Bundesländern aktiv werden können – darüber verliert er kein Wort.

Nicole Finkenauer-Ganz, Redaktion „Diabetes-Eltern-Journal“


Quelle: Pressemitteilung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft | nfg

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Ähnliche Beiträge

Bericht vom t1day 2026: Technik, Menschen, Emotionen

Der t1day hatte am vergangenen Sonntag wieder nach Berlin gelockt. Auch 2026 waren viele dem Ruf gefolgt und nutzten den Tag für neues Wissen, gute Gespräche und intensiven Austausch. Welche Themen im Fokus standen, erfahrt ihr im Bericht von Diabetes-Anker-Chefredakteurin Dr. Katrin Kraatz.
Bericht vom t1day 2026: Technik, Menschen, Emotionen | Foto: K. Kraatz/MedTriX

5 Minuten

Menschen mit psychischen Erkrankungen erhalten häufig eine schlechtere Diabetes-Versorgung

Menschen mit psychischen Erkrankungen erhalten seltener eine leitliniengerechte Diabetes-Versorgung. Eine neue Metaanalyse zeigt deutliche Versorgungsunterschiede mit möglichen Folgen für Therapieerfolg und Lebenserwartung.
Menschen mit psychischen Erkrankungen erhalten schlechtere Diabetes-Versorgung | Foto: Orapun – stock.adobe.com

2 Minuten

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist das neue Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage

Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community

Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen

Community-Feed

  • Hallo, ich bin noch ganz neu hier. Ich war heute beim T1day und bin dadurch auf den DiabetesAnker aufmerksam geworden. Ich bin Ende 20 und komme aus Berlin und bin auf der Suche nach anderen Menschen mit Typ 1 Diabetes (ungefähr in meinem Alter) zum Austauschen und Quatschen. Vielleicht hat ja jemand Interesse 🙂

  • jasminj postete ein Update vor 2 Tagen, 14 Stunden

    Hi,
    Ich bin Jasmin und gerade auf dem t1day 🙂 hab seit 23 Jahren Diabetes, aktuell mit Ypsopump und G7. Bin entweder in Hamburg oder Berlin anzutreffen und freue mich auf Kontakte und Austausch!

  • galu postete ein Update vor 6 Tagen, 11 Stunden

    hallo,
    ich bin d«Deutsche und lebe seit ca.40jahren in Portugal… meine Tochter, deutsch portugiesin, nun 27 ist seit ihrem 11.Lebensjahr Typ1.
    Nachdem ich, gleich nach der Diagnose, eine Selbsgthilfegruppe – die jungen Diabetiker der Algarve, gegruendet habe – finden wir nun so einige Beschraenkungen, was Selbsthilfe und relevante Info betrifft….meine Frage an die Gruppe:
    Kann mir jemand , irgendwo in Deutschland eine gute Diabetes Kur oder Kuren mit Hauptgewicht auf Diabetes empfehlen?
    Wir werden eh alles privat organsieren und bezahlen muessen – also sind eh nicht auf Krankenkassenangebote angewiesen (falls es diese ueberhaupt (wo?) geben sollte)
    Irgendwo in Deutschland (vielleicht nicht zuweit weg von internationalen Flughaefen, da wir ja immer aus Portugal kommen muessen.
    Hat vielleicht jemand eine Idee? vielen dank im Voraus

    • Hallo! Die beste Klinik für Diabetes ist in Bad Mergentheim! Ich hoffe Euch damit geholfen zu haben! Die Gesetzlichen Krankenkassen schicken die bei ihnen versicherten Diabetiker alle dahin! Privat geht aber auch? Liebe Grüße aus dem kalten Deutschland!

Verbände