Ketonmessung: Wie? Wann? Warum?

4 Minuten

© copyright
Ketonmessung: Wie? Wann? Warum?

Wer weiß, was bei hohen Blutzuckerwerten und gleichzeitig nachweisbaren Ketonkörpern zu tun ist, kann einer Stoffwechselentgleisung (Ketoazidose) in der Regel vorbeugen.

Hallo Schwester Kerstin, mein Blutzucker ist 450 mg/dl (25 mmol/l). Ich habe schon zweimal Insulin gebolt, aber er geht nicht runter. Was muss ich denn jetzt machen?”, so die Stimme der 12-jährigen Marie am Telefon. “Hast Du schon Azeton gemessen?” “Azeton messen? Was bedeutet das? Wie mache ich das?” “Du hast doch diese Teststreifen für den Urin. Davon nimmst Du einen und hältst ihn in Deinen Urin! Dann zeigt er an, ob Du Azeton im Urin hast.” – “Ach so, das meinst Du, ja das habe ich doch schon längst gemacht, färbt sich nur hellrosa an …”.

Wichtige Rolle bei hohen Blutzuckerwerten

So, oder so ähnlich laufen nicht wenige Gespräche ab, die wir in der Kinderdiabetologie telefonisch führen. Im Rahmen der 24-Stunden-Bereitschaft des Diabeteszentrums melden sich die Eltern von Kindern mit Typ-1-Diabetes oder die Patienten selbst regelmäßig, wenn sie Probleme mit ihren Blutzuckerwerten haben.

Das Wort Ketonmessung spielt insbesondere bei hohen Blutzuckerwerten eine wichtige Rolle. Obwohl die Ketonmessung und die Prävention der Ketoazidose eine Schulungseinheit im Rahmen der Manifestationsschulung bilden, wissen nicht immer alle Patienten etwas damit anzufangen.

Was sind Ketonkörper?

Ketonkörper entstehen beim Abbau von Fettzellen. Fettzellen werden zu den sogenannten Ketosäuren abgebaut. Diese Ketosäuren sammeln sich im Blut und können das Blut ansäuern. Da diese Säuren im Blut überflüssig sind, werden sie anschließend mit dem Urin in Form von Azeton ausgeschieden.

Typische Beschwerden
Typisch für eine beginnende ketoazidotische Stoffwechselentgleisung bei Menschen mit Typ-1-Diabetes sind:
  • Müdigkeit
  • Appetitlosigkeit
  • Erbrechen

Wann werden Ketonkörper gebildet?

Wenn der Körper nicht genügend Glukose aus dem Blut in die Fett- und Muskelzellen aufnehmen kann, wechseln die Zellen in den Hungerstoffwechsel, d. h., sie suchen sich andere Energielieferanten. Eine mögliche Energiequelle ist das Fettgewebe. Durch den Abbau von Fett entsteht einerseits Energie, andererseits entstehen die oben bereits erwähnten Ketosäuren.

Es gibt zwei Ursachen, warum der Körper in den Hungerzustand wechselt:

1. Insulinmangel

Der Mangel an Insulin führt dazu, dass die Glukose nicht mehr in die Zellen aufgenommen werden kann. Die Zellen “hungern”, es werden Ketosäuren gebildet und im Urin in Form von Azeton ausgeschieden. Der Nachweis von Azeton weist also auf eine schlechte Stoffwechseleinstellung hin. Der Blutzucker ist hoch.

2. Glukosemangel

Wird zu wenig Nahrung aufgenommen, gelangt zu wenig oder keine Glukose mehr aus dem Darm ins Blut und damit auch nicht in die Zellen. Auch jetzt “hungern” die Zellen. Bei Menschen ohne Diabetes wird im Hungerzustand also ebenfalls Azeton ausgeschieden. Deren Blutzucker ist niedrig.

Was passiert, wenn zu viel Keton im Blut ist?

Die Ketonkörper sind saure Substanzen, sie säuern das Blut an. Der Körper versucht, die entstehenden Säuren loszuwerden und scheidet sie in Form von Azeton aus. Bei anhaltendem Insulinmangel entstehen jedoch mehr Ketonkörper als ausgeschieden werden können. Dadurch wird das Blut zunehmend saurer, das wiederum führt zu Unwohlsein, Übelkeit und später zu Erbrechen und Bauchschmerzen.

In diesem Fall sind also Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen nicht Zeichen eines Magen-Darm-Infektes, sondern eines Insulinmangels, der schnellstmöglich eventuell sogar in einer Klinik behandelt werden muss. Man nennt diesen Zustand auch diabetische Ketoazidose.


Nächste Seite: Wie Ketoazidosen verhindert werden können sowie wie und wann Keton und Azeton gemessen werden sollten.

Was kann ich dagegen tun?

Wenn der Blutzucker zu hoch ist und gleichzeitig Azeton im Urin gemessen wird, sollte schnellstmöglich reagiert werden.

Es muss dringend versucht werden, durch zusätzliche Insulingaben den Blutzucker zu senken, und es sollte Kontakt mit dem Diabeteszentrum aufgenommen werden. Im Rahmen der Schulungen sollte mit den Eltern und Kindern ein konkretes Schema besprochen werden, um die Entwicklung einer Ketoazidose zu verhindern.

Wie werden Keton und Azeton gemessen?

Es gibt zwei Möglichkeiten, um Ketonkörper zu bestimmen:

1. Im Urin

Diese Methode ist sehr einfach: Teststreifen, die zur Messung von Azeton im Urin geeignet sind, werden einfach in den Urin gehalten. Nach 30 Sekunden kann das Ergebnis abgelesen werden: Der Streifen färbt sich von hellrosa über dunkelrosa bis dunkelviolett. Anhand der Skala auf der Dose kann die Konzentration abgeschätzt werden.

2. Im Blut

Es gibt Teststreifen, die, wie bei der Blutzuckermessung, in einem Blutstropfen aus der Fingerkuppe die Ketonkonzentration bestimmen können.

Wann sollten Urin oder Blut auf Ketonkörper untersucht werden?

Eine regelmäßige Messung von Azeton im Urin oder Keton im Blut ist nicht notwendig. Es sollte jedoch immer eine nicht abgelaufene Packung Teststreifen zur Messung von Azeton im Urin zu Hause vorrätig sein, um in Situationen, in denen es dem Kind nicht gut geht oder der Stoffwechsel aus einem anderen Grund durcheinander geraten ist, messen zu können. Zu solchen Situationen gehören beispielsweise Übelkeit, Erbrechen, Fieber oder andere Krankheiten sowie hohe Blutzuckerwerte (z. B. > 250 mg/dl oder > 14 mmol/l).

Die Messung von Keton im Blut ist insbesondere bei kleinen Kindern, die noch Windeln tragen, hilfreich. Da bei einer Insulinpumpentherapie die Blutzuckerwerte sehr rasch ansteigen können, wenn diese einmal ausfällt, wird auch diesen Kindern die Ketonmessung im Blut empfohlen.

Fazit

Azetonnachweis im Urin oder Ketonnachweis im Blut bei gleichzeitig erhöhten Blutzuckerwerten sind Warnzeichen für eine drohende Stoffwechselentgleisung!

Bei Blutzuckerwerten > 250 mg/dl (> 14 mmol/l) sollte Azeton im Urin oder Keton im Blut gemessen werden.

Allen Kindern mit einer Insulinpumpentherapie und Kindern, die Windeln tragen, wird die Ketonmessung im Blut empfohlen, da sie einfacher und sofort umzusetzen ist.


von Dr. med. Nicolin Datz
Oberärztin Pädiatrie III, Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin, “Auf der Bult” Hannover, E-Mail: datz@hka.de

Kontakt:
Kirchheim-Verlag, Kaiserstra0e 41, 55116 Mainz, Tel.: (06131) 9 60 70 0,
Fax: (06131) 9 60 70 90, E-Mail: redaktion@diabetes-journal.de

Erschienen in: Diabetes-Eltern-Journal, 2013; 6 (4) Seite 18-19

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Ähnliche Beiträge

Intelligente Einlegesohle: Sensortechnik soll Füße bei Diabetes schützen

Ein neu entwickelter Prototyp für eine mit Sensortechnik versehene Einlegesohle soll dafür sorgen, dass Fehlbelastungen am Fuß frühzeitig erkannt werden. Die Entwicklung eines Maschinenbau-Studenten der Hochschule Osnabrück könnte somit zukünftig ein kostengünstiges und alltagstaugliches Instrument darstellen, um Menschen mit Diabetes vor einem Diabetischen Fußsyndrom zu schützen.
Intelligente Einlegesohle: Sensortechnik soll Füße bei Diabetes schützen | Foto: Justine Prüne / Hochschule Osnabrück

2 Minuten

Die Kunst des Krieges: Kenne den Diabetes und dich selbst!

Ein 2.500 Jahre altes Zitat aus dem Buch „Die Kunst des Krieges“ und der Diabetes: Was hat das miteinander zu tun? Daniel Kaul erklärt, warum das Kennen des „Feindes“ und seiner selbst über Erfolg oder Scheitern in der Diabetes-Therapie entscheiden kann.
Die Kunst des Krieges: Kenne den Diabetes und dich selbst! | Foto: Yazid Nasuha - stock.adobe.com

9 Minuten

Community-Beitrag

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist das neue Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage

Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community

Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen

Community-Feed

  • moira postete ein Update vor 2 Wochen, 4 Tagen

    Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄

  • bloodychaos postete ein Update vor 3 Wochen, 5 Tagen

    Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.

    • Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.

      Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:

      Freestyle Libre 3 bzw. 3+
      Dexcom G7
      Dexcom G6 (noch)
      Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
      Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
      Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
      Accu-Chek Smartguide CGM
      Medtrum Touchcare Nano CGM

      Ich würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
      Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.

  • thomas55 postete ein Update vor 1 Monat

    Hallo,
    ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
    Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
    Thomas55

    • Hi Thomas 🙂
      Ja genau für Bestandskunden bekommt man den Simplera leider nicht. Ich habe / hatte jetzt 8 Jahre lang die Pumpen von Medtronic. Aktuell hab ich die 780g noch bis Ende März, dann Wechsel ich zur Ypsopumpe.
      Ich war eigentlich immer zufrieden mit der Pumpe und den Sensoren. Doch seit gefühlt einem Jahr sind die Guardian 4 Sensoren so schlecht geworden. Ich war dauerhaft damit beschäftigt, einen Sensor nach dem anderen zu reklamieren. Die Sensoren hielten bei mir nur max. 4-5 Tage. Danach war Schluss. Verschiedene Setzstellen wurden getestet, auch der Transmitter wurde getauscht. Aber es half alles nichts.

      Jetzt werde ich wechseln. Den Simplera wollte ich dann einfach nicht noch länger abwarten. Denn Bestandskunden hatten da leider das nachsehen. Schade Medtronic!!!

    • @crismo: Ich habe mich nun auch für die Ypsopump entschieden. Ich wollte von medtronic Angebote für die 780 und den Simplera haben für die Krankenkasse zur Übernahme der Kosten. Ausserdem wollte ich eine Zusicherung haben, dass ich den Simplera überhaupt bekomme. Nach einer Woche kam das Angebot für die 780 per Post, von einem Angebot für den Simplera kein Wort. Ich bin privat versichert und muss an medtronic zahlen und dann eine Erstattung von der Krankenkasse beantragen. Weil der Simplera mehr als das Doppelte vom Libre kostet, wollte ich das der Krankenkasse vorher offenlegen. Dann habe ich eine Mail an medtronic geschrieben, nach 2 Wochen keine Reaktion. Dann habe ich mich für die Ypsopump entschieden. Das Angebot kam am nächsten Tag per Mail. Das ist für mich Service! Jetzt warte ich auf Zustimmung der Krankenkasse und dann Tschüss medtronic. Schade, ich finde die Pumpen (seit 12 Jahren genutzt) gut.

Verbände