- Eltern und Kind
Kinderknochen stark machen
4 Minuten

Der menschliche Körper besteht aus über 200 Knochen, die unterschiedlich groß und lang sind. Die Knochen haben zwei sehr wichtige Aufgaben: Das Skelett stützt den Körper und zudem schützen die Knochen die Organe. Was Insulin und dauerhaft zu hohe Werte mit dem Knochenauf- und -abbau zu tun haben, erklärt Dr. Louisa van den Boom.
Knochen ist nicht etwa tot und starr, nein, Knochen ist ein sehr lebendiges Gewebe. Im Knochen finden ständig Auf – und Abbauprozesse statt. Etwa, wenn der Knochen bricht oder auch während der Wachstumsphase von Kindern und Jugendlichen. Eigentlich baut sich der Knochen dauernd um: auf und wieder ab und an anderer Stelle wieder auf und wieder ab. Dies wird auch Remodeling genannt. Nur so kann er den täglichen Anforderungen an Stabilität und Festigkeit gerecht werden.
Remodeling durch Osteoblasten und Osteoklasten
Dafür sind zwei Zelltypen im Knochen hauptverantwortlich: die Osteoblasten für den Knochenaufbau und die Osteoklasten für den Knochenabbau (Osteo: griechisch für Knochen). Gesteuert werden diese Auf- und Abbauprozesse durch ganz viele Faktoren: Hormone, Ernährung, Vitamine/Mineralien und Bewegung.
Im Knochen erfolgt ein reger Umbau. Die Osteoklasten bauen alte Knochensubstanz ab, die Osteoblasten (Aufbau-Zellen) sorgen für den Neuaufbau von Knochensubstanz.
Vitamin D zum Beispiel fördert die Kalziumaufnahme aus dem Darm und die Kalziumeinlagerung in den Knochen. Kalzium und Phosphat sorgen für die Festigkeit des Knochens und machen ihn hart und stabil. Bis zu einem gewissen Grad ist Knochen übrigens biegsam; für die Elastizität sorgt das Eiweiß Kollagen.
Im Kindesalter und in der Jugendzeit überwiegt der Knochenaufbau. Bis zum Alter von 25 Jahren ist die höchste Knochenmasse (Peak Bone Mass) erreicht. Danach halten sich Knochenaufbau und -abbau die Waage. Gerät dieses fein aufeinander abgestimmte System durcheinander, kann es zu einem vermehrten Knochenabbau kommen (Osteoporose oder Knochenschwund), und die Knochenmasse nimmt ab – damit steigt das Risiko für Knochenbrüche.
Was hat das mit Diabetes zu tun?
Ganz viel! Wie oben beschrieben sind viele Hormone für den Knochenaufbau mit verantwortlich. Zum Beispiel hat körpereigenes Insulin einen stimulierenden Einfluss auf die Osteoblasten. Auch über weitere Botenstoffe, die vermehrt gebildet werden, wenn die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) Insulin ins Blut abgibt, werden die Osteoblasten angeregt, Knochensubstanz aufzubauen. Dieser Stimulus erfolgt nur durch körpereigenes Insulin. Das gespritzte Insulin hat nicht diese positive Wirkung auf die Osteoblasten und damit auf den Knochenaufbau.
Weniger Vitamin D im Blut
Zudem weiß man, dass Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes einen niedrigeren Vitamin D-Spiegel im Blut haben als stoffwechselgesunde Kinder. Ein niedriger Vitamin D-Spiegel kann dazu führen, dass weniger Kalzium in den Knochen eingelagert wird und der Knochen nicht so fest wird. Hohe Blutzuckerspiegel (Hyperglykämie) schaden den Osteoblasten und verhindern einen guten Knochenaufbau, d. h. je häufiger und länger der Blutzucker schlecht eingestellt ist, umso schlechter funktioniert die Knochenbildung.
Langfristig hohe Blutzuckerwerte (hohe HbA1c-Werte) führen zur vermehrten Bildung von Advanced Glycated Endproducts (AGEs), d. h. zu Proteinen, die durch Zuckermoleküle verändert sind. Diese stören die geordnete Kollagenvernetzung im Knochen und führen zu einer schwachen Knochenstruktur. Darüber hinaus kommt es durch dauerhaft zu hohe Werte zu einem vermehrten Abbau von Knochensubtanz, was zu einem Knochenmasseverlust führt und damit zu einer erhöhten Knochenbrüchigkeit.
Die Knochen stark machen
Der Knochenstoffwechsel ist also ein fein aufeinander abgestimmtes System, an dem viele Faktoren beteiligt sind und das leicht aus den Fugen geraten kann, wenn wir ihm keine Beachtung schenken. Wie können wir dem entgegenwirken? Der Fokus liegt auf der Vorbeugung (Prophylaxe). Ist der Knochen einmal brüchig oder die Struktur nicht fest und stabil, fangen die Probleme an und der Knochen bricht ganz leicht. Dann dauert es sehr lange, bis neue Substanz aufgebaut worden ist. Wehret den Anfängen und macht die Knochen stark!
Eine gesunde Ernährung mit Vitaminen und Mineralien ist ein wichtiger Grundpfeiler. Eine kalziumreiche Ernährung mit Käse, Joghurt und anderen Milchprodukten ist sehr knochenfreundlich. Essentielle Aminosäuren (kann der Körper nicht selbst herstellen, enthalten z. B. in Fleisch, Eiern und Milchprodukten) sind für einen gesunden Knochen sehr wichtig und werden zum Knochenaufbau unbedingt benötigt. Ein niedriger Vitamin D-Spiegel sollte mit Tabletten ausgeglichen werden. Gerade im Winter, wenn es draußen so gut wie gar nicht hell wird, kann der menschliche Körper selbst nur wenig Vitamin D bilden.
Die Knochendichte messen?
Eine generelle Empfehlung, die Knochendichte bei Kindern mit Typ-1-Diabetes messen zu lassen, gibt es nicht, da die Untersuchung mit einer Strahlenbelastung (durch Röntgenstrahlung) verbunden ist und das Ergebnis nichts an der grundsätzlichen Empfehlung zu einer knochengesunden Lebensweise ändern würde. Wichtig zu wissen ist, dass die Knochendichte noch nichts über die Knochenqualität und den Knochenstoffwechsel aussagt und in diesem Fall noch weitere Untersuchungen erforderlich sind.
An erster Stelle steht daher die Vorbeugung und damit die Stoffwechseleinstellung. Ein möglichst normnahes HbA1c ohne viele Hypoglykämien und mit relativ stabilen Glukoseverläufen ist eine Grundvoraussetzung für eine gesunde Knochenentwicklung. Auch der positive Einfluss von Bewegung/Sport sollte nicht unterschätzt werden. Kinder/Jugendliche müssen dafür keinen Leistungssport betreiben. Auch moderate Bewegung im Rahmen des alltäglichen Spielens ist förderlich für den Knochenaufbau und wirkt sich positiv auf die Knochengesundheit von Kindern/Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes aus.
Die gute Nachricht ist also: Wir können etwas tun, um die Knochen von Kindern und Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes gesund zu halten und einer vermehrten Knochenbrüchigkeit vorzubeugen.
von Dr. med. Louisa van den Boom
Oberärztin der Allgemeinen Kinderheilkunde, Diabetologie,
Clementine Kinderhospital Frankfurt,
E-Mail: l.vandenboom@ckhf.de
Erschienen in: Diabetes-Eltern-Journal, 2018; 10 (3) Seite 12-13
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thomas55 postete ein Update vor 1 Woche, 1 Tag
Hallo Philipa,
beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
Viel Erfolg
Thomasphilipa postete ein Update vor 1 Woche, 2 Tagen
Hallo zusammen,
Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 3 Wochen, 2 Tagen
Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/Wer ist am Start?
Virtuelles Diabetes-Anker Community-MeetUp im Juli – Diabetes-Anker
Wir freuen uns auf das nächste Community-MeetUp am 15. Juli! 1x im Monat treffen wir uns und tauschen uns rund um das Thema Diabetes aus. Die ganze Community ist herzlich eingeladen. […]






Hallo philipa,
Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
Beste Grüße