- Eltern und Kind
Mehr Kompetenz für Eltern von Kindern mit Typ-1-Diabetes
3 Minuten
Ab Mai 2015 ist das neue Schulungsprogramm DELFIN (Das Elternprogramm für Familien von Kindern mit Diabetes) erhältlich. Im Mittelpunkt der sechs DELFIN-Kurseinheiten steht die praktische Erarbeitung von Lösungsansätzen für typische Familienkonflikte rund um den Diabetes bei Kindern. Entwickelt haben das neue Programm Dr. Heike Saßmann und Prof. Dr. Karin Lange, Hannover. Jetzt sind die Materialien mit Unterstützung der BERLIN-CHEMIE AG fertiggestellt: Patientenbuch, Trainerleitfaden und Charts für die Elternschulung können im Kirchheim-Verlag bestellt werden.
Mütter und Väter von Kindern mit Typ-1-Diabetes müssen eine Doppelrolle ausfüllen, denn sie sind sowohl Eltern als auch Therapeuten ihrer Kinder. Die Therapie stellt weitreichende Anforderungen an alle Familienmitglieder und führt zu häufig wiederkehrenden Konflikten. Diese können sich zum Beispiel um die Einhaltung von Verhaltensregeln oder die Verweigerung der Medikamente drehen, aber auch allgemeine Erziehungsziele oder eine mögliche Benachteiligung gesunder Geschwister betreffen. „Sowohl in der stationären als auch in der ambulanten Versorgung begegnen uns diese Probleme tagtäglich“, berichtet Dr. med. Joaquina Mirza, Oberärztin der Station für chronisch kranke Kinder und Jugendliche am Kinderkrankenhaus Köln, über ihre Erfahrungen. „Immer wieder erzählen uns Eltern diabeteskranker Kinder von Schwierigkeiten zu Hause. So gibt es beispielsweise häufig Probleme, das Spritzen von Insulin durchsetzen zu können.“
Ressource Familie stärken
Das neue Schulungsprogramm DELFIN soll Eltern von Kindern zwischen zwei und zehn Jahren darin unterstützen, sich und ihre Kinder nicht vom Diabetes beherrschen zu lassen, sondern ihn Schritt für Schritt selbst zu beherrschen. „Die Schwerpunkte des DELFIN-Trainings sind der Aufbau einer liebevollen Eltern-Kind-Beziehung, der Umgang mit diabetesspezifischen Konflikten und die Unterstützung eineraltersangemessenen Selbstständigkeitserziehung – speziell auch in der Diabetestherapie“, erläutert Saßmann.
In sechs Kurseinheiten werden grundlegende pädagogische Kenntnisse sowie Erziehungs- und Kommunikationsstrategien vermittelt, die sich im Alltag positiv auf das Familienleben auswirken können. Während der Gruppensitzungen mit bis zu sechs Elternpaaren bzw. Angehörigen stehen die besonderen Herausforderungen bei Diabetes, wie richtiges Essverhalten, korrekte und regelmäßige Blutzuckermessung oder Katheterwechsel, im Fokus. Aber auch typische Familienkonflikte wie Eifersucht zwischen Geschwistern werden thematisiert. Konkrete Lösungswege für den Familienalltag werden in der Gruppe untereinander und mit Trainern entwickelt und zwischen den Kurseinheiten getestet. In einem abschließenden individuellen Telefonkontakt erhalten Eltern weiteren Rückhalt für die praktische Umsetzung der neu erworbenen Kompetenzen und Verhaltensweisen.
Erste positive Evaluationsergebnisse
Die Effektivität des strukturierten Schulungsprogramms wurde in einer Evaluations-Pilotstudie untersucht [1]. „Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Schulung zu einer verbesserten Kompetenz der Eltern im Umgang mit Problemen führt. Auch Marker des familiären Stresses konnten reduziert werden“, sagte Saßmann. Die erlernten Strategien seien hilfreich, um Spannungen innerhalb des Familienalltags abzubauen. Zudem war ein leichter Einfluss der Schulung auf die metabolische Einstellung der Kinder zu erkennen: In der DELFIN-Gruppe blieb der HbA1c-Wert drei Monate nach der Intervention stabil (prä 7,2 %; post 7,1%; ns), während er in der Kontrollgruppe leicht anstieg (prä 7,1 %; post 7,3 %; p ≤ 0,005). „Wir planen eine Multicenter-Studie, um zu überprüfen, ob sich diese ersten positiven Evaluationsergebnisse in einem größeren Kollektiv bestätigen lassen“, berichtete Lange.
Erleichterung fürden Familienalltag
Unterstützt durch die BERLIN-CHEMIE AG wurden bereits die ersten „Train the Trainer“-Seminare durchgeführt. „DELFIN vermittelt pädagogische Inhalte mit viel Gefühl. Es werden konkrete Beispiele und Maßnahmen besprochen und wir können eng bei den Problemen der Familien bleiben, ohne sie mit zu viel Theorieabzuschrecken“, so Mirza über das Programm. „Die Eltern werden einfach in ihrer Lebensrealität im Alltag angesprochen. Und uns Therapeuten hilft es, ihnen zusätzlich zur medizinischen Unterstützung Sicherheit und Kompetenz mit nach Hause geben zu können.“
Patientenbuch, Trainerleitfaden und Charts für Vorträge stehen ab Mai 2015 zur Verfügung und können beim Kirchheim-Verlag bestellt werden. Nach „HyPOS“ (Hypoglykämie – Positives Selbstmanagement, Unterzuckerungen besser wahrnehmen, vermeiden und bewältigen), „PRIMAS“ (Ein Schulungs- und Behandlungsprogramm für ein selbstbestimmtes Leben mit Typ-1-Diabetes), „SGS“ (Strukturierte Geriatrische Schulung) und dem sich gerade in Entwicklung befindenden Schulungs- und Behandlungsprogramm für die Insulinpumpentherapie ist „DELFIN“ ein weiteres Schulungskonzept für Menschen mit Diabetes und ihre Angehörigen, welches die BERLIN-CHEMIE AG unterstützt.
Bestellnummern ISBN:
DELFIN-Elternhandbuch 978-3-87409-573-0
DELFIN Trainerleitfaden 978-3-87409-574-7
Quelle: Berlin-Chemie
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moira postete ein Update vor 3 Tagen, 1 Stunde
Meine Tochter ist ein großer Fan der Buchreihe Woodwalkers. In einem Band kommt wohl ein Woodwalker mit Diabetes typ 1 vor. Fand ich cool. Es wird Blutzucker gemessen und ein Unterzucker behandelt.
(Wen es interessiert Band 2.3) -
moira postete ein Update vor 3 Wochen, 2 Tagen
Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄
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bloodychaos postete ein Update vor 1 Monat
Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.
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ole-t1 antwortete vor 4 Wochen
Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.
Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:
Freestyle Libre 3 bzw. 3+
Dexcom G7
Dexcom G6 (noch)
Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
Accu-Chek Smartguide CGM
Medtrum Touchcare Nano CGMIch würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.
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