Neues Buch: Von Familien lernen

2 Minuten

Neues Buch: Von Familien lernen

Was ändert sich, wenn ein Familienmitglied Diabetes bekommt? Antje Thiel hat 15 Familien und Paare besucht und genau danach gefragt. Daraus ist ein Buch entstanden: „In guten wie in schlechten Werten“. Was die Journalistin während der Recherche besonders beeindruckt hat, verrät sie uns im Interview.

Welcher Familie ist es besonders gut gelungen, den Diabetes in den Alltag zu integrieren?
Antje Thiel: Oh, das gelingt wirklich vielen gut! Ein Beispiel: Bei Familie K. mit ihren fünf Kindern ist der Jüngste an Typ-1-Diabetes erkrankt. Die älteren Geschwister übernehmen Mitverantwortung, können Kohlenhydrate und Insulinmengen berechnen und passen auf ihren kleinen Bruder auf, wenn die Eltern mal nicht daheim sind. Die Familie hält ganz toll zusammen. Der Diabetes scheint auch eher unaufgeregt und selbstverständlich mitzulaufen. Nicht dass Typ-1-Diabetes eine einfache Aufgabe wäre – aber ich denke, dass es für die betroffenen Kinder toll ist, wenn sie möglichst normal aufwachsen können.

Konntest Du selbst einen Tipp mitnehmen, wie das Leben mit Diabetes noch positiver gestaltet werden kann?
Antje Thiel: Manche Familien und Paare haben mir hinterher gesagt, dass sie vor unseren Gesprächen noch nie so intensiv darüber geredet hatten, was der Diabetes für ihre Beziehung oder ihr Familienleben bedeutet. Das hat mir noch einmal deutlich vor Augen geführt, wie wichtig Kommunikation ist. Nicht nur über organisatorische Fragen rund um den Diabetes, sondern auch über Ängste, Sorgen, Erwartungen und Hoffnungen, die der Diabetes mit sich bringt. Schließlich können andere nicht immer ahnen, was in uns vorgeht.

Im Kirchheim-Shop:

In guten wie in schlechten Werten

Was ändert sich, wenn ein Familienmitglied Diabetes bekommt? Wie beeinflusst der Diabetes auch den Partner/die Partnerin? Antje Thiel – selbst Typ-1-Diabetikerin – hat in ganz Deutschland betroffene Familien und Paare besucht. Entstanden ist ein Mutmach-Buch mit 15 Porträts, ehrlich und authentisch.
Antje Thiel; 1. Auflage 2018; 176 Seiten, broschiert; 19,90 €
zum Kirchheim-Shop

Ein Kind bekommt Diabetes. Wie sollte die Familie am besten aufgefangen und betreut werden?
Antje Thiel: Ich halte es für sehr wichtig, dass beide Elternteile geschult werden, damit sie beide für ihr Kind sorgen können. Auch die Geschwister dürfen nicht vergessen werden. Toll ist es, wenn Familien sich nicht nur mit den Profis in der Diabetesambulanz, sondern auch mit anderen betroffenen Familien austauschen können. Es entlastet ungemein, wenn man sieht, dass andere vor ähnlichen Herausforderungen stehen – oder dass sie für manche Probleme vielleicht eine Lösung haben, auf die man selbst nicht gekommen wäre.

Von welchen Hilfen könnten Familien, in denen ein Kind mit Diabetes lebt, besonders profitieren?
Antje Thiel: Kinder mit Typ-1-Diabetes sollten ganz selbstverständlich eine Kita oder eine Schule besuchen können. Dafür brauchen sie je nach Einzelfall Unterstützung. Pädagogische Fachkräfte sollten ermutigt werden, Kinder mit Diabetes zu unterstützen, ohne bei Fehlern Angst vor Haftungsansprüchen haben zu müssen. Denn Fehler passieren auch, wenn ein Kind zu Hause von den Eltern versorgt wird. Ehrlich gesagt hätte ich es vor meinen Recherchen kaum für möglich gehalten, wie viele Steine manchen Eltern heute noch in den Weg gelegt werden.


Interview: Nicole Finkenauer
Kirchheim-Verlag, Kaiserstraße 41, 55116 Mainz,
Tel.: (0 61 31) 9 60 70 0, Fax: (0 61 31) 9 60 70 90,
E-Mail: redaktion@diabetes-journal.de

Erschienen in: Diabetes-Eltern-Journal, 2018; 10 (3) Seite 5

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Ähnliche Beiträge

Diabetisches Fußsyndrom: Füße bei Diabetes auf Dauer gesund erhalten
Kalte Füße, trockene Haut, kleine schlecht heilende Wunden an den Füßen – auf diese Warnsignale sollten Menschen mit Diabetes achten, damit kein diabetisches Fußsyndrom entsteht. Denn geschädigte Nerven und verengte Gefäße können gefährliche Folgen haben. Doch es gibt Möglichkeiten, dem vorzubeugen und die Füße gesund zu halten.
Diabetisches Fußsyndrom: Füße bei Diabetes auf Dauer gesund erhalten | Foto: bilanol – stock.adobe.com

3 Minuten

Rezept für Gratinierte Sommer-Früchte
Sommer auf dem Grill: Aprikosen und Nektarinen werden mit Zitronensaft und Rosmarin aromatisiert, mit Camembert überbacken und in nur 20 Minuten servierfertig. Mit Nährwerten pro Portion eignet sich das Dessert auch für die diabetesbewusste Küche.
Rezept für Gratinierte Sommer-Früchte | Foto: MedTriX / Bernhard und Gabi Kölsch

2 Minuten

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
  • Hallo zusammen,
    ich möchte im Herbst auf eine Patchpump umsteigen, daher würde mich interessieren, ob jemand mit der Nano touchcare Erfahrungen machen konnte. Lieben Dank für Rückmeldungen im Voraus!

    • Hey, ja ich nutze aktuell das Medtrum Nano System also CGM + Patchpumpe. Zuvor hatte ich das Omnipod Dash (war schon sehr gut) aber das Medtrum System ist eine ganz andere Welt (im positiven) der Automodus läuft und hält die Werte größtenteils stabil. Auch die Auto Bolus Abgabe (nur auswählen Frühstück, mittag, Abendessen oder snack) Damit brauchst du bei bis bis zu 90g Kolenhydrate nicht mehr den Bolusrechner verwenden, kannst du aber bei Bedarf trotzdem jederzeit. Es hat mein Leben verändert, auch dass du wenn du möchtest eine Schnittstelle (smartphone eine App für Cgm+Pumpe) funktioniert einwandfrei. Das einzige wo man aufpassen muss, man sollte den Sensor gelegentlich kalibrieren. Der Dexcom g7 war ohne kalibrieren etwas genauer, aber die Vorteile vom Medtrum überwiegen. Ich kann’s nur empfehlen. Viel Erfolg beim Einstieg! Melde dich gerne falls du noch konkrete Fragen hast. Erfahrung in der Praxis hab icb schon einige Monate hinter mir.

    • @calvin240: Super, dass du geantwortet hast. Ich hatte vor einiger Zeit die gleiche Frage. Auch ich werde diese Pumpe ab Herbst nutzen. Bin aber absoluter Pumpenneuling. Darf ich dich bei Bedarf anschreiben? Viele Grüße aus der schönen Rhön!

    • @uho1: klar kannst du gerne machen. Wenn du Allgemein Pumpenneuling bist (jeder hat andere Anforderungen) aber aus meiner Sicht ist eine Patchpumpe also auch das Medtrum Nano die innovativste Behandlungsmöglichkeit.
      Liebe Grüße

  • Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂

    Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/

  • tako111 postete ein Update vor 3 Wochen, 4 Tagen

    Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.

    Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.

Verbände