- Eltern und Kind
Probleme in der Schule durch Diabetes-Technologie – was piept denn da?
3 Minuten

Wenn CGM-Sensoren oder Insulinpumpen im Unterricht Alarm schlagen, fühlen sich Kinder mit Diabetes oft bloßgestellt. Missverständnisse mit Lehrkräften oder Mitschülern sind die Folge. Aufklärungsgespräche schaffen Sicherheit und verhindern Konflikte.
Marlon brütet gerade über seiner Mathe-Arbeit. Plötzlich piept es aus seiner Schultasche. Mist, der Sensor! Er holt sein Smartphone heraus und checkt den Alarm: 67 mg/dl (3,7 mmol/l), leicht sinkend. Gerade als er seinen Traubenzucker nehmen will, spricht ihn der beaufsichtigende Vertretungslehrer etwas ruppig an: „Hey, so geht das nicht!“
Der Lehrer schimpft und droht mit Konsequenzen. Mit viel Mühe und der Hilfe seiner Klassenkameradinnen und -kameraden, die wissen, dass er Diabetes hat, kann Marlon den Lehrer davon überzeugen, dass alles seine Richtigkeit hat. Trotzdem bleibt ein ungutes Gefühl und die Konzentration ist erst einmal hinüber.
Alarme schützen, auch im Schulalltag
Viele Kinder mit Diabetes kennen solche Situationen. Gerade zu Beginn eines Schuljahrs, wenn man neu in der Schule ist oder neue Lehrkräfte hat, häufen sich entsprechende Berichte betroffener Familien. Mitschülerinnen und Mitschüler oder Lehrkräfte fühlen sich durch Alarme von Systemen zur kontinuierlichen Glukose-Messung (CGM) gestört oder man wird schräg angeschaut, wenn man in die Sporthalle ein Trinkpäckchen mitbringt. Die verschärften Handy-Regeln in vielen Bundesländern greifen auch auf dem Schulhof. Oft werden Kinder mit Diabetes in der Pause angesprochen und gefragt, warum sie ein Smartphone dabeihaben. Einige berichten von Anfeindungen durch andere Kinder oder Gesprächsterminen bei der Schulleitung.
Auch wenn man nichts für die Erkrankung kann, fühlt man sich in solchen Situationen bloßgestellt. Um das zu vermeiden, stellen manche Kinder mit Diabetes ihre Alarme stumm oder ignorieren sie, womit sie sich einem erhöhten Risiko für schwere Stoffwechsel-Entgleisungen aussetzen. Das darf nicht die Lösung sein! Schwankungen der Glukosewerte sind alltäglich und die Alarme sind ein hervorragender Schutz.
Besser ist es, von vornherein aktiv das Gespräch mit den Mitarbeitenden der Schule zu suchen. Dies sollte mit den Eltern zusammen erfolgen. Oft kennen Lehrkräfte die Diagnose Diabetes mellitus bereits, sind jedoch nicht immer mit den aktuellen Technologien wie CGM-Sensoren, Systemen zur automatisierten Insulin-Dosierung (AID) und Follower-Apps vertraut. In einem Gespräch zwischen der Familie und der Schule sollte klargestellt werden, was Diabetes für die Kinder bedeutet, dass die Insulinzufuhr lebensnotwendig ist und deshalb auch die dazugehörigen technischen Hilfsmittel zwingend benötigt werden. Das behandelnde Diabetes-Team kann unterstützen, indem zum Beispiel eine ärztliche Bescheinigung für die Schul-Akte ausgestellt wird.
Weiterführende Informationen:
➤ Broschüre „Kinder mit Diabetes in der Schule“
Aufklärungsgespräch schafft Sicherheit
Ein aufklärendes Gespräch empfiehlt sich vor allem zu Beginn eines neuen Schuljahrs, in jedem Fall aber, wenn der Diabetes gerade neu festgestellt wurde. Bei dieser Gelegenheit sollte man die Chance nutzen, die Fragen der Lehrkräfte zu beantworten. Gerade akute Komplikationen wie Unterzuckerungen sind oft angstbehaftet. Ein Aufklärungsgespräch in einer ruhigen Atmosphäre und mit ausreichend Zeit kann hier wahre Wunder wirken – erst recht, wenn das betroffene Kind anwesend ist. So kann die Lehrkraft auf direktem Weg sehen, welche Geräte getragen werden und dass es sich um ein „ganz normales“ Kind handelt. Das Diabetes-Team kann bei der Strukturierung des Gesprächs im Vorfeld unterstützend zur Seite stehen.
In den meisten Fällen lassen sich gute Lösungen und Kompromisse finden. So kann zum Beispiel bei Klassenarbeiten der CGM-Empfänger oder das Smartphone auf dem Lehrerpult deponiert werden. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass die Werte einsehbar sind, ohne sich dem möglichen Vorwurf des Schummelns auszusetzen. CGM-Alarme können für die Schulzeit etwas weitläufiger eingestellt werden als zu Hause, um die Häufigkeit der Alarme zu verringern. Vor allem sollte besprochen werden, wie während der Unterrichtszeit der Kontakt zwischen Kind und Eltern hergestellt werden kann, falls es mit der Therapie Probleme gibt.
Problemen in der Schule vorbeugen
- Aufklärungsgespräch am besten zu Beginn des Schuljahrs bzw. der Diabetes-Diagnose mit Lehrkräften, Eltern und betroffenem Kind führen
- Unterstützung durch Diabetes-Team nutzen, z. B. bei der Gesprächsplanung und durch ärztliche Bescheinigung für die Schul-Akte
- Abläufe klären, z. B. für Umgang mit Alarmen, Kontaktaufnahme zu den Eltern bei Problemen, und für technische Probleme vorsorgen (Ersatz-Zubehör, Insulin, Blutzuckermessgerät auf Vorrat legen)
Follower-Apps und Telefonate
Gerade im Grundschulalter verfolgen Eltern oft die Glukosewerte ihrer Kinder per Follower-Funktion. Hier ist es unumgänglich, mit den Lehrkräften festzulegen, wie die Eltern ihr Kind bei der Diabetestherapie in der Schule unterstützen können. Anrufe mitten im Unterricht sind verständlicherweise unerwünscht. Mögliche Kompromisse sind das Verlagern von Gesprächen vor die Klassenzimmertür oder ein Telefonat direkt mit der Lehrkraft. Eine praktikable Lösung ist auch das Unterbinden elterlicher Anrufe im Schulbetrieb. Stattdessen können sich die Kinder bei ihren Eltern melden, wenn sie ein Problem nicht selbst lösen können. Denn viele Kinder können durch die Technologie den Alltag relativ früh selbstständig managen.
Ebenfalls sollte für technische Probleme vorgesorgt werden, indem als Ersatz ein Infusionsset, ein Sensor, eine Ampulle Insulin und ein zusätzliches Blutzuckermessgerät in der Schule liegen. So kann verhindert werden, dass ein Kind mit Diabetes wegen eines Pumpen- oder Sensor-Ausfalls frühzeitig den Schultag beenden muss. Schließlich sind das erfolgreiche Absolvieren der Schulzeit und die Teilhabe am schulischen und gesellschaftlichen Leben klare (Behandlungs-)Ziele für alle Kinder und Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes.

Für Beiträge in der Rubrik Eltern und Kind kooperiert der Diabetes-Anker u.a. mit der Deutschen Gesellschaft für pädiatrische und adoleszente Endokrinologie und Diabetologie (DGPAED). Der Verband setzt sich dafür ein, die Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit Diabetes und anderen Stoffwechselerkrankungen zu erhalten und zu verbessern.
von André Kluge
Erschienen in: Diabetes-Anker, 2025; 73 (X) Seite 46-47
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kety22 postete ein Update vor 1 Woche, 1 Tag
Hallo zusammen, ich bin eine Dia-Mama und wollte fragen, was isst ihr abends oder kocht abends für eure Dia-Kids, damit der Wert nicht so hoch steigt und dann nachts nicht in die Unterzuckerung fällt? Oder habt ihr generell irgendwelche Tipps gegen nächtliche Unterzuckerung?
- moira antwortete vor 4 Tagen, 9 Stunden
Hallo!
Ich habe für mich festgestellt, dass Proteine am Anfang vom Abendessen helfen (Käse, Ei…) dann steigt der Blutzucker beim Essen nicht so schnell. Außerdem geht der Zucker später noch etwas hoch wegen den Proteinen. Das hilft etwas gegen Unterzucker.
Allerdings habe ich kaum noch Unterzucker seit ich meine Insulinpumpe habe.
Vielleicht hilft das etwas – viel Glück
katrin-kraatz schrieb einen neuen Beitrag vor 2 Wochen, 1 Tag
Diabetes-Anker-Podcast | Extra: Gürtelrose bei Diabetes – Risiken, Symptome und Vorbeugung im Überblick
In dieser Podcast-Sonderfolge geht es um Gürtelrose bei Diabetes. Dr. Katrin Kraatz spricht mit Diabetologe Dr. Dietrich Tews über Risiken, Symptome u …mr postete ein Update vor 2 Wochen, 5 Tagen
Hallo kann mir jemand einen Tipp geben wie ich On Pot Gerichte mit Reis besser schätzen kann.
- katrin-kraatz antwortete vor 2 Wochen
Hallo mr,
Dein Problem, die Kohlenhydrate wie Reis in einem One-Pot-Gericht richtig einzuschätzen, vor allem wenn es für mehrere Personen gekocht ist oder Du es im Restaurant bestellst, kennen sicher viele – ich auch. Einfacher ist es, wenn Du nur für Dich kochst. Ich wiege tatsächlich, trotz mehr als 50 Jahren Diabetes, in diesem Fall vorher Reis, Nudeln oder was auch immer vorher ab. Dann weiß ich genau, wie viel es ist.
Ansonsten heißt es: Augenmaß! Gut ist, immer wieder mal eine bestimmte Menge Reis abzuwiegen und zu kochen (mache ich so). Dann sieht man die Menge und bekommt ein besseres Gefühl für die Menge beim Schätzen. Natürlich verteilt sich gerade Reis sehr gut zwischen den anderen Zutaten, aber ob es “viel” oder “wenig” ist, kann man meist erkennen.
Sinnvoll finde ich außerdem (und nicht nur ich), gerade bei eher schwierig einzuschätzenden Kohlenhydratmengen die Insulindosis eher zu gering anzusetzen und lieber später höhere Werte zu korrigieren oder – falls ein AID-System im Einsatz ist – dieses seinen Job machen zu lassen. Denn eine Hypo direkt nach dem Essen finde ich deutlich weniger angenehm.
Eine Patentlösung gibt es also nicht. Vielleicht helfen Dir die Tipps trotzdem etwas?



