Pubertät: Wenn Eltern schwierig werden …

3 Minuten

© Christian Mentzel
Community-Beitrag
Pubertät: Wenn Eltern schwierig werden …

Die Pubertät kann sehr anstrengend sein, sowohl für die betroffenen Jugendlichen selbst als auch für deren Eltern. Ist dann noch ein ein Diabetes mit an Bord, macht dies die Gesamtsituation nicht gerade einfacher. Dies weiß auch Lucas Vater Michael Denkinger zu berichten…

Die Zeiten, in denen die Fußballschuhe in Lucas Sporttasche diametral zum Blutzuckermessgerät lagen, sind noch gar nicht so lange her. Die disziplinierte Regelmäßigkeit, mit der unser Sohn seinen Schulranzen einräumte, war ebenfalls beeindruckend.

Die Diabetes-Diagnose im Mai 2008 mit einem bis heute unfassbaren Schockwert von mehr als 900 mg/dl (50 mmol/l) hatte an diesem Tages- und Wochenrhythmus einen großen Anteil – Luca hatte bereits als Kind schnell erkannt, dass strukturelle Ordnung in Kopf und Tasche beim Diabetes-Management sehr helfen könnten.

Diabetes-Management passt sich pubertären Stimmungsschwankungen an

2017 sieht das ein bisschen anders aus. Völlig verloren gegangen ist Lucas Bereitschaft, die eigene Gesundheit gut zu managen, zwar nicht – sie passt sich jedoch aktuell sehr den Stimmungsschwankungen des pubertierenden Jugendlichen an. Die Dialoge, die sich daraus ergeben, hören sich alle in etwa so an:

“Hast du nach dem Essen nochmals gemessen, Luca?”
“Ja.”
“Wie ist dein Wert?”
“Ich glaube 380.” (Das sind 21,1 mmol/l.)
“Was heißt, ich glaube?”
“Weiß nicht, muss nachsehen.”
“Ja, sieh bitte mal nach.”
“Ja, 380”
“Das ist hoch, hast du korrigiert?”
“Nein, noch nicht, mache ich aber gleich – und Papa, übrigens: deine Fragerei nervt.”

“Pubertät ist, wenn die Eltern schwierig werden”, lautet ein Buchtitel, der in sieben Wörtern zusammenfasst, wer nach einem wie oben beschriebenen Eltern-Kind-Gespräch meist als Verlierer aus der Unterhaltung hervorgeht. Ein bisschen Verständnis für die Situation unseres Sohnes und die eigene Gesprächsführung ist dennoch angebracht: Wer eine Unterhaltung mit seinem Kind nur noch auf den Begriffen Messen, Essen und Spritzen aufbaut, darf sich über eine abwehrende bis aggressive Grundstimmung nicht wundern.

Hormone wirbeln auch Insulinempfindlichkeit und -bedarf durcheinander

Denn: Die hormonellen Veränderungen in der Pubertät wirbeln nicht nur den Stoffwechsel, sondern zwangsläufig auch die Insulinempfindlichkeit und den Insulinbedarf gehörig durcheinander. Weil Adrenalin als Hormon zugleich die Freisetzung von Zucker aus der Leber fördert und Fettreserven abbaut, geht mit dieser Stress-Situation häufig eben auch eine Erhöhung des Blutzuckerspiegels einher.

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Ein mittelmäßiger bis schlechter HbA1c-Wert ist demzufolge nicht zwangsläufig der “Schlamperei” des Jugendlichen beim Diabetes-Management geschuldet. Dies sollten sich Eltern, aber auch Diabetesberater und -ärzte, immer wieder ins Gedächtnis rufen. Praxis- und realitätsnahe Lösungsansätze sind hier eher gefragt als reflexartig erhobene Zeigefinger mit Blick auf den im Lehrbuch oder in PR-Aktionen vorgegebenen “idealen” HbA1c-Wert.

Diabetes-Management: nicht für Eltern oder Ärzte, sondern fürs eigene Wohl

An einer Optimierung des Diabetes-Managements muss jedoch auch Luca mitwirken: Zunächst muss dem 14-Jährigen rasch wieder klar werden, dass er mit einem halbherzigen Dia-betes-Management nicht seinen Ärzten oder Eltern schadet, sondern nachhaltig seiner eigenen Gesundheit. Darüber hinaus sollte er wieder verstärkt damit beginnen, kritisch zu hinterfragen und Veränderungen anzustoßen, wenn er es für sinnvoll hält.

Dass er sich derzeit schon darüber erkundet, welcher Facharzt ihn noch vor oder nach seiner Volljährigkeit betreuen und weiter voranbringen könnte, ist schon einmal ein guter Ansatz. Dass er sich sehr kritisch mit den Texten auseinandersetzt, die sein Vater über ihn seit Jahren schreibt, ebenfalls.


von Michael Denkinger
Michael Denkinger (47) lebt mit seiner Familie in Memmingen und hat drei Kinder: Luca (14 Jahre), Angelina (16) und Timo (9). Er ist Inhaber der PR-Agentur Denkinger Kommunikation.

Diskutieren Sie mit!
Einfach auf www.diabetes-online.de/kommentare Lucas Welt kommentieren, eigene Erfahrungen schildern, mitreden …

Erschienen in: Diabetes-Eltern-Journal, 2017; 10 (4) Seite 30

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  • Hallo,
    das neueste update für iOS ist inzwischen das 26.4.2. ich nutze den Dexcom g7 und die Freigabe von Dexcom ist derzeit bei 26.3.1.
    Wer sein Smartohone für online banking nutzt, muss bestätigen, dass updates regelmäßig gemacht werden. Ich finde es eine Zumutung, dass die Technik von Dexcom uns da immer so hinhält. Gibt es eine offizielle Stelle, die da mal intervenieren kann?

    • Hallo hexle,
      ich finde die Update-Empfehlungen von Dexcom auch etwas unbefriedigend.
      Allerdings steht auf der Kompatibilitäts-Seite auch:
      Zitat: “Sie können diese App auf jedem Betriebssystem verwenden, das die Mindestanforderungen erfüllt. Dexcom empfiehlt jedoch …”

      Eine “offizielle Stelle” bei Dexcom ist mir nicht bekannt, vom generellen Kundenservice mal abgesehen.

      Bei ernsthaften, tatsächlichen Funktionsstörungen gäbe es noch die Möglichkeit, eine Meldung beim BfArM zu eröffnen.

      Beste Grüße

    • PS Ich wollte noch ergänzen: Eine aktuelle ernsthafte Funktionsstörung sehe ich hier nicht gegeben.

    • Sicherheits-Updates der Betriebssysteme haben immer absolute Priorität. Dexcom und Abbott sind definitv sehr langsam mit den Tests und Freigaben. Beim G7 hat Dexcom etwas an Geschwindigkeit gewonnen, aber für G6 ist noch nicht einmal Android 16 getestet, das seit einem Jahr verfügbar ist. An Medizinprodukt-Freigaben liegt das nicht und besonders seriös und professionell ist es auch nicht. Neue Smartphones kann man nur mit aktueller OS-Version kaufen und wenn die nicht freigegeben ist, kann man theoretisch gar kein Smartphone sicher für Sensor oder AID-System verwenden. So war z. B. iOS 26 lange Zeit nicht auf den Listen, aber iPhones nur mit iOS 26 erhältlich. Die Listen verlieren damit zeitweise ihren eigentlichen Nutzen. Intervenieren können Anwender/Kunden mit Beschwerden bei den Hotlines.

    • @ole-t1: Danke Ole für deine Rückmeldung.

    • @schorschlinger: Danke für deine Rückmeldung. Beschwerden bringen einen da leider auch nicht weiter….

  • uho1 postete ein Update vor 1 Woche, 4 Tagen

    Hat jemand bereits Erfahrungen mit der Medtrum Pumpe und dem dazugehörigen Sensor?

  • diahexe postete ein Update vor 2 Wochen, 5 Tagen

    Hallo, ich habe mal eine Frage. Was macht ihr mit euren “Altgeräten”? Bei mir haben sich diverse Pumpen, BZ Messgerät, Transmitter usw angesammelt. Die Krankenkasse möchte sie nicht zurück, wegwerfen wäre zu schade. Kennt jemand eine Organisation, die diese Geräte annimmt?

    • Liebe diahexe,
      Du könntest dazu mal bei „Insulin zum Leben“ nachfragen. Das ist ein gemeinnütziger Verein, der vornehmlich Insulin, das hierzulande nicht mehr benötigt oder verwendet wird, in Weltregionen schickt, in denen großer Bedarf dafür herrscht. Soweit mir bekannt ist, nehmen die auch viele Diabetes-Hilfsmittel an. Hier findest Du die Website: https://www.insulin-zum-leben.de/
      Viele Grüße
      Gregor aus der Diabetes-Anker-Redaktion

    • diahexe antwortete vor 2 Wochen

      @gregor-hess: Vielen lieben Dank. Ich hatte schon beim Roten Kreuz nachgefragt, die wollten allerdings die BZ Messgeräte nicht, angeblich wären sie zu alt (5 Jahre), obwohl es die Geräte genauso noch gibt und sie einwandfrei funktionieren.

    • crismo antwortete vor 6 Tagen

      @gregor-hess: das ist ein sehr guter Hinweis. Ich war schon persönlich bei der Gründerin des Vereins und habe Insulin abgegeben. Diese Frau macht wirklich einen tollen Job und bringt das Insulin regelmäßig nach Afrika. Sie nimmt Insulin, Pens, Pennadeln, Lanzetten, Blutzuckerteststreifen usw…

      Kann es nur empfehlen!!!

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