Serie „HAUT-Sache Typ-1-Diabetes“ – Teil 1: Diabetes-Technologie kann die Haut verändern

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Serie „HAUT-Sache Typ-1-Diabetes“ – Teil 1: Diabetes-Technologie kann die Haut verändern | Foto: New Africa – stock.adobe.com
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Serie „HAUT-Sache Typ-1-Diabetes“ – Teil 1: Diabetes-Technologie kann die Haut verändern

Bei der Anwendung von Diabetes-Technologie können verschiedene Hautveränderungen auftreten. Ziel ist, diese richtig zu erkennen, zu behandeln und zu verhindern. In der Serie „HAUT-Sache Typ-1-Diabetes“ informieren wir über die häufigsten Veränderungen der Haut, die im Rahmen der Diabetestherapie auftreten können, und den Umgang damit.

Die Diabetes-Technologie hat zu einem deutlich erleichterten Alltag und entscheidenden Therapie-Verbesserungen bei Menschen mit Typ-1-Diabetes beigetragen. Seit mehr als 30 Jahren werden bei Menschen mit Typ-1-Diabetes Insulinpumpen genutzt. Sensoren zum kontinuierlichen Glukose-Messen (CGM) sind seit über zehn Jahren im Einsatz.

In Deutschland nutzten 2023 über 90 Prozent aller Heranwachsenden mit Typ-1-Diabetes einen Sensor und etwa drei Viertel eine Insulinpumpe. Bei Erwachsenen sind die Zahlen (noch) etwas geringer.

Serie „HAUT-Sache Typ-1-Diabetes“

In dieser Beitragsreihe informieren wir über die häufigsten Veränderungen der Haut, die im Rahmen der Diabetestherapie auftreten können, und den Umgang damit. In den kommenden zwei Ausgaben wird zum einen das Vorbeugen der oben beschriebenen Hautveränderungen behandelt und zum anderen, was zu tun ist, wenn Hautveränderungen aufgetreten sind.

Studien zu Hautreaktionen auf Diabetes-Technologie

Im Verlauf der letzten zehn Jahre zeigten sich aber zunehmend Hautreaktionen an den Legestellen von Katheter, Pod (Insulinpumpe ohne Schlauch) oder Sensor. Verschiedene Arbeitsgruppen haben Studien veranlasst und durchgeführt, die Aufschluss darüber geben, wie häufig diese Veränderungen sind.

In diesen Studien wurde gezeigt, dass teilweise zwischen 30 und 90 Prozent der Nutzenden Hautauffälligkeiten aufwiesen. Diese bereiten den Betroffenen oft große Probleme im Alltag und können sogar dazu führen, dass die Pumpen- oder Sensor-Nutzung abgebrochen werden muss.

Umgang mit Hautveränderungen

  1. Hautveränderungen sind ein häufiges Problem bei Typ-1-Diabetes.
  2. Gute Hautpflege kann vor Problemen schützen.
  3. Bei ausgeprägten Problemen immer das Diabetes-Team verständigen.

Hautveränderungen beim Einsatz von Sensor, Katheter oder Pod

Durch die Insulintherapie kann es zu vielerlei Hautveränderungen kommen. Häufig kann man Lipohypertrophien beobachten (Abbildung 1). Dies sind Verhärtungen an der Haut durch zu häufige Insulin-Injektionen in die gleiche Hautstelle. Nutzt man diese verdickten und verhärteten Stellen, wirkt das Insulin nicht bzw. verzögert.

Injektions- und Katheter-Stellen sollten daher unbedingt regelmäßig gewechselt werden. Seltener ist das „Wegschmelzen“ des Unterhautfettgewebes, die Lipoatrophie (Abbildung 2), als Reaktion auf Zusatzstoffe des Insulins. Eine solche Veränderung muss dringend mit dem behandelnden Diabetes-Team besprochen werden.

Serie „HAUT-Sache Typ-1-Diabetes“ – Teil 1: Diabetes-Technologie kann die Haut verändern | Abb. 1: Lipohypertrophie | Foto: UKSH
Abb. 1: Lipohypertrophie | Foto: UKSH
Serie „HAUT-Sache Typ-1-Diabetes“ – Teil 1: Diabetes-Technologie kann die Haut verändern | Abb. 2: Lipoatrophie | Foto: UKSH
Abb. 2: Lipoatrophie | Foto: UKSH

Ekzeme – entzündliche Hautreaktionen

Deutlich störender für Kinder und Jugendliche als Lipohypertrophien sind Ekzeme. Hierbei handelt es sich um entzündliche Hautreaktionen, die verschiedene Auslöser haben können. Zwischen 10 und 20 Prozent der Menschen mit Diabetes zeigen solche Hautveränderungen. Oft sind diese Ekzeme eine Reaktion auf das Pflaster von Pumpe oder Sensor.

Man unterscheidet irritative Kontaktekzeme von allergischen Kontaktekzemen:

Irritative Kontaktekzeme (Abbildung 3) sind durch äußere Reize wie das Abdecken der Haut mit Pflastern bedingt. Das Ekzem kann bereits nach wenigen Stunden Tragedauer auftreten und zeichnet sich dadurch aus, dass es mal da ist, mal nicht. Neben Rötung und Schmerzen kann es auch trockene und schuppende Anteile geben.

Das allergische Kontaktekzem (Abbildung 4) tritt viel seltener auf. Es muss erst eine Sensibilisierung stattfinden. Das heißt, dass das Ekzem erst nach wiederholtem Kontakt mit einem Allergen auftritt. Die Reaktionen sind häufig viel stärker ausgeprägt als beim irritativen Kontaktekzem. Neben starker Rötung, Schuppung und Nässen können auch Bläschen entstehen.

Der Juckreiz ist meist kaum aushaltbar, sodass die Geräte früher entfernt werden müssen. Ist die Hautbarriere nicht intakt, wie beispielsweise beim Atopischen Ekzem (Neurodermitis) oder der Xerosis cutis (von altgriechisch: xēros – trocken, dürr und derma – Haut; also sehr trockene Haut), ist das Risiko für die Entwicklung eines Kontaktekzems erhöht.

Serie „HAUT-Sache Typ-1-Diabetes“ – Teil 1: Diabetes-Technologie kann die Haut verändern | Abb. 3: Irritativ-toxisches Kontaktekzem | Foto: UKSH
Abb. 3: Irritativ-toxisches Kontaktekzem | Foto: UKSH
Serie „HAUT-Sache Typ-1-Diabetes“ – Teil 1: Diabetes-Technologie kann die Haut verändern | Abb. 4: Allergisches Kontaktekzem | Foto: UKSH
Abb. 4: Allergisches Kontaktekzem | Foto: UKSH

Weitere mögliche Hautprobleme

Manche Menschen neigen zu „Reibeisenhaut“ (Abbildung 5) oder Keratosis pilaris (von lateinisch: keratosis – schuppige Haut, Verhornung und pilaris – Haar). In einer Studie wurde diese Hautveränderung bei über einem Drittel der Teilnehmenden beobachtet. Die Haut, vor allem an den Oberarmen, fühlt sich dann sehr rau an.

Trockene Haut und „Reibeisenhaut“ erhöhen das Risiko für Hautveränderungen unter Diabetestherapie um das Zwei- bis Fünffache. Es ist daher ratsam, die Haut gut zu pflegen, zum Beispiel mit Peelings und Lotionen (Pflegetipps im kommenden Diabetes-Anker 4/2026). Ein Frühsymptom für Hautveränderungen ist der Juckreiz. Er tritt häufig in Kombination mit trockener oder geröteter Haut auf.

Wenn es zu einer bakteriellen Entzündung an einer Wunde oder Einstichstelle kommt, kann dort ein Abszess (Abbildung 6) entstehen. Bei einem Abszess sammelt sich Eiter an und er muss gegebenenfalls eröffnet und entleert werden.

Serie „HAUT-Sache Typ-1-Diabetes“ – Teil 1: Diabetes-Technologie kann die Haut verändern | Abb. 5: Reibeisenhaut | Foto: UKSH
Abb. 5: Reibeisenhaut | Foto: UKSH
Serie „HAUT-Sache Typ-1-Diabetes“ – Teil 1: Diabetes-Technologie kann die Haut verändern | Abb. 6: Abszess an Katheter-Einstichstelle | Foto: UKSH
Abb. 6: Abszess an Katheter-Einstichstelle | Foto: UKSH

Anzeichen dafür sind eine Rötung an der Einstichstelle mit Vorwölbung, Überwärmung, Schmerzen und vielleicht eine gelbe Pustel in der Mitte der Rötung. Abszesse sind zum Glück nur selten, müssen bei Auftreten aber schnell und konsequent behandelt werden.

Serie „HAUT-Sache Typ-1-Diabetes“

Im zweiten Teil der Serie „HAUT-Sache Typ-1-Diabetes“ (Ausgabe April 2026) informiert der Diabetes-Anker darüber, wie die Haut richtig gepflegt und geschützt werden kann. In der Ausgabe Mai 2026 erscheint der dritte und letzte Teil. Darin wird erklärt, was zu tun ist, wenn Haut-Veränderungen aufgetreten sind.


Für Beiträge in der Rubrik Eltern und Kind kooperiert der Diabetes-Anker u.a. mit der Deutschen Gesellschaft für pädiatrische und adoleszente Endokrinologie und Diabetologie (DGPAED). Der Verband setzt sich dafür ein, die Ver­sorgung von Kindern und Jugend­lichen mit Diabetes und anderen Stoffwechseler­krankungen zu erhalten und zu verbessern.


von Dr. Jessica Bokelmann, Dr. Mareike Niemeyer und Kathrin Genzel

Avatar von jessica-bokelmann

Erschienen in: Diabetes-Anker, 2026; 75 (3) Seite 46-47

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  • diahexe postete ein Update vor 2 Tagen, 15 Stunden

    Hallo, ich habe mal eine Frage. Was macht ihr mit euren “Altgeräten”? Bei mir haben sich diverse Pumpen, BZ Messgerät, Transmitter usw angesammelt. Die Krankenkasse möchte sie nicht zurück, wegwerfen wäre zu schade. Kennt jemand eine Organisation, die diese Geräte annimmt?

  • ckmmueller postete ein Update vor 6 Tagen, 2 Stunden

    Ich habe ein Riesenproblem mit den Sensoren Guardian 4 von Medtronic. Es klappt nicht. Transmitter neu, aber auch das hilft nicht. Fast jeder Sensor braucht 2 Stunden, normale Wartezeit, dann beginnt er zu aktualisieren …. Nix passiert, außer das mein BZ unkontrolliert ansteigt. Vorletzte Woche über 400, letzte Woche hatte ich BZ 510 – ein Wert, den ich über 25 Jahre nicht mehr hatte. Ich bin sehr verzweifelt, weil es mit CGM von Medtronic nicht funktioniert. Gerade warte ich mal wieder darauf, dass der neue Sensor arbeitet. Heute habe ich mich über ChatGPT über andere Pumpen und Sensoren informiert. Tandem und Dexcom 7 soll gut sein und die Wartezeit des Sensors braucht nur 30 minuten. Kennt sich jemand damit aus? Hat ähnliche Probleme mit Medtronic wie ich? Dank für Antworten / Infos

    • Hallo, ich habe ein ähnliches Problem gehabt. Samstags neuen Sensor gesetzt, hat nach 2 Stunden aktualisiert, lief dann ein paar Stunden, wieder aktualisiert und dann aufgefordert den Sensor zu wechseln. Bis Montag hatte ich dann 4!Sensoren verbraucht. Habe dann einen neuen Transmitter geben lassen und eine völlig neue Einstichstelle gewählt. Danach ging es. Mein neustes Problem ist, dass sich meine Pumpe und mein Smartphone dauernd entkoppelt und sich dann stundenlang nicht mehr koppeln lassen. Manchmal muss ich dann die App neu laden bis es wieder funktioniert.

  • anseaticids postete ein Update vor 2 Wochen

    Wenn eine Diabetesdiagnose in eine Familie kommt, steht oft erst einmal alles Kopf.

    Besonders für Kinder bedeutet sie eine enorme Veränderung und für Eltern die tägliche Sorge: „Wird mein Kind in der Kita oder Schule gut begleitet? Ist es sicher? Kann es trotz Diabetes unbeschwert Kind sein?“

    Genau aus diesen Fragen heraus ist Hanseatic Kids entstanden: ein Herzensprojekt, das Kindern mit Diabetes im Alltag Sicherheit gibt und Familien entlastet.

    Wir möchten dafür sorgen, dass kein Kind aufgrund seines Diabetes auf Ausflüge, Spielzeiten oder Schulaktivitäten verzichten muss. Unsere Begleiterinnen und Begleiter sind speziell geschult und unterstützen
    individuell: beim Blutzuckermanagement, in Notfallsituationen, im Unterricht oder auf dem Pausenhof.

    So können Kinder lernen, wachsen und
    selbstständig werden und Eltern wissen, dass ihr Kind gut aufgehoben ist.
    Unsere Mission ist einfach:

    ✔ Kindern Sicherheit geben
    ✔ Familien den Alltag erleichtern
    ✔ Kita- und Schulteams entlasten
    ✔ und vor allem: jedes Kind dabei unterstützen, frei und unbeschwert aufzuwachsen, trotz Diabetes.

    Gerade in den ersten Wochen nach der Diagnose oder wenn Unsicherheiten bestehen, sind wir an der Seite der Familien. Gemeinsam mit Eltern, Lehrkräften und Fachpersonal schaffen wir ein Umfeld, in dem Kinder sich wohlfühlen und ohne Angst lernen können.

    Dieses Projekt ist für uns mehr als Arbeit, es ist eine Herzensangelegenheit. Jedes Kind hat das Recht auf Teilhabe, Freude und Freiheit. Wir möchten dazu beitragen, dass dies Wirklichkeit wird.

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