- Soziales und Recht
Bürokratie und Sparmaßnahmen: Selbsthilfe-Verbände brauchen dringend verlässliche Absicherung!
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Sparmaßnahmen, eine überbordende Bürokratie und Budget-Deckelungen in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) setzen unser Gesundheitssystem zunehmend unter Druck. Dabei fängt die organisierte Selbsthilfe mehr und mehr auf, was die medizinische Regelversorgung nicht mehr leistet. Damit sie diese Mammut-Aufgabe weiter bewältigen kann, braucht sie endlich eine verlässliche Absicherung.
Fachärztliche Versorgung ist für Menschen mit Diabetes unersetzlich. Aber sie endet an der Praxistür. Danach folgt für viele Betroffene die eigentliche Herausforderung: Unsicherheiten bei Ernährung und Medikation, das Ringen um eine konsequente Therapie, das Gefühl der Isolation mit einer Krankheit, die andere von außen nicht sehen. Studien belegen, dass zwei Drittel der Menschen mit Typ-2-Diabetes ihre Medikamente innerhalb eines Jahres eigenmächtig absetzen oder verändern, ohne vorher mit dem Arzt zu sprechen. Die Folgen reichen von steigenden Blutzuckerwerten bis hin zu vermeidbaren Krankenhaus-Aufenthalten.
Genau hier kommt die Selbsthilfe ins Spiel. In Gruppen, die von Betroffenen für Betroffene geleitet werden, entsteht praktisches Wissen auf Augenhöhe: echter Erfahrungsaustausch, emotionale Unterstützung, konkrete Hilfe für den Alltag. Das stärkt das eigenverantwortliche Krankheits-Management, verbessert die Therapietreue und wirkt langfristig vorbeugend gegen gefährliche Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt, Nierenversagen oder Augenschäden. Selbsthilfe verhindert nachweislich Therapie-Abbrüche, spart unnötige Krankenhaus-Aufenthalte ein und entlastet das Gesundheitssystem auf eine Weise, die kaum eine andere Maßnahme so effizient und günstig erreicht.
Steigende Kosten: Infrastruktur bedroht
Sparmaßnahmen in der gesetzlichen Krankenversicherung bringen Selbsthilfe-Strukturen aber an den Rand der Existenz. Krankenkassen sind verpflichtet, die Selbsthilfe zu fördern (§ 20h SGB V). Im Jahr 2025 betrug der gesetzliche Orientierungswert 1,36 Euro pro Versichertem, was bundesweit einem Gesamtvolumen von gut 101 Millionen Euro entspricht.
Das klingt zunächst nach viel, gemessen an den Gesamtausgaben ist es aber ernüchternd wenig. Der Betrag wird zwar jährlich fortgeschrieben, bildet die tatsächlichen Kostensteigerungen und wachsenden Anforderungen der Selbsthilfe aber nicht ausreichend ab. Steigende Ausgaben für Räume, Materialien, Aufwandsentschädigungen, Datenschutz, Digitalisierung und Nachweise setzen die Infrastruktur der Verbände zunehmend unter Druck.
Gruppenleitung im Ehrenamt: erdrückende Bürokratie
Bürokratische Anforderungen, die alles erdrücken, binden erhebliche Ressourcen in den lokalen Selbsthilfegruppen. Statt sich auf den lebenswichtigen Austausch konzentrieren zu können, schlagen sich ehrenamtliche Gruppenleiterinnen und -leiter mit Förderanträgen, Verwendungs-Nachweisen und den Anforderungen der Datenschutz-Grundverordnung herum. Diese wertvolle Zeit fehlt am Ende für die eigentliche Kernaufgabe: die persönliche Beratung und Begleitung von Betroffenen.
Auf einem Blick: Forderungen der Diabetes-Selbsthilfe
- Realitätsnahe Fortschreibung der Förderung (§ 20h SGB V): Die Selbsthilfe-Förderung der Krankenkassen muss die tatsächlichen Kosten und Anforderungen der Selbsthilfe besser abbilden. Nur so entsteht Planungssicherheit für Verbände, Gruppen und Kontaktstellen.
- Vereinfachte Antragsverfahren: Das Beantragen von Fördermitteln muss über alle Krankenkassen hinweg vereinheitlicht und deutlich leichter handhabbar werden.
- Verwaltungskosten ermöglichen: Fördermittel müssen auch für professionelle Verwaltungsunterstützung eingesetzt werden dürfen, damit sich Ehrenamtliche auf ihre eigentliche Aufgabe konzentrieren können.
- Barriereärmere Digitalisierung: Alle digitalen Gesundheits-Angebote – von der elektronischen Patientenakte bis zu DiGAs – müssen auch für ältere und weniger Technik-versierte Nutzer zugänglich gestaltet sein.
Digitale Angebote: Ausgrenzung statt Erleichterung
Immer mehr Gesundheitsleistungen werden digital: Die elektronische Patientenakte, digitale Gesundheits-Anwendungen (DiGAs) und weitere Gesundheits-Apps setzen voraus, dass die Nutzerinnen und Nutzer kompetent mit moderner Technik umgehen können und über geeignete Geräte verfügen. Für ältere oder sozial benachteiligte Menschen mit Diabetes kann das zur echten Ausgrenzung werden. Wer mit einer solchen Anwendung nicht zurechtkommt, verliert damit den Zugang zu Angeboten, auf die er angewiesen wäre.
Aktive Mitgestaltung für eine bessere Versorgung
Die Politik steht in der Pflicht, die Selbsthilfe endlich als unverzichtbaren Partner bei der Gestaltung des Gesundheitssystems anzuerkennen. Eine verlässliche Finanzierung, Barriere-Armut und das Senken bürokratischer Hürden sind keine Gefälligkeiten. Sie sind die Voraussetzung dafür, dass die Erfahrung und das Wissen von Millionen Betroffenen genau dort ankommen, wo sie gebraucht werden: in den Entscheidungen, die ihre Versorgung verbessern.
gemeinsame Positionen der organisierten Selbsthilfe und Patientenvertretung im Diabetes-Anker

Erschienen in: Diabetes-Anker, 2026; 75 (8/9) Seite 58-59
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lena-schmidt postete ein Update vor 3 Wochen, 6 Tagen
Am Mittwoch um 19 Uhr findet das nächste Community-MeetUp via Teams statt. Alle sind herzlich eingeladen! Alle Infos findet ihr hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-august-2026/
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thomas55 postete ein Update vor 1 Monat, 3 Wochen
Hallo Philipa,
beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
Viel Erfolg
Thomasphilipa postete ein Update vor 1 Monat, 3 Wochen
Hallo zusammen,
Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?- ole-t1 antwortete vor 1 Monat, 3 Wochen
Hallo philipa,
Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
Beste Grüße




