- Eltern und Kind
Sichere und genaue Blutzuckermessung
3 Minuten

Wer Diabetes hat oder ein Kind mit Diabetes betreut, muss den Blutzucker sicher und korrekt messen können – auch wenn die kontinuierliche Glukosemessung (CGM) und Flash Glucose Monitoring (FGM) den Alltag von vielen schon immens erleichtern. Sarah Biester erklärt die wichtigsten Schritte beim Messen.
Den Stoffwechsel mit einem kontinuierlichen Messsystem zu beurteilen oder einen Glukosewert zu scannen, gehört für immer mehr Menschen mit Typ-1-Diabetes zum Alltag. Trotzdem benötigen alle Systeme zu bestimmten Zeiten oder bei unglaubhaften oder unklaren Werten eine Blutzuckerbestimmung – deshalb ist es wichtig, das Messen des Blutzuckers sicher zu beherrschen.
- Händewaschen: Nahrungsmittelreste und Verunreinigungen werden entfernt; Händewaschen mit warmem Wasser fördert außerdem die Durchblutung, wodurch es nach der Punktion leichter ist, einen Blutstropfen zu gewinnen. Hände danach gut abtrocknen, damit Wasserreste keine Verdünnung des Blutes verursachen.
- Neue Lanzette in das Lanzettengerät stecken, Teststreifen entnehmen und in die Einführöffnung des Messgerätes stecken; darauf achten, dass der Teststreifen möglichst nicht in dem Bereich berührt wird, wo das Blut eingesogen wird.
- Punktion an der seitlichen Fingerbeere; um die “Fühle-Finger” Daumen und Zeigefinger zu schonen, werden dafür Mittel-, Ring- und kleiner Finger empfohlen.
- Fingerbeere leicht drücken, bis sich ein Blutstropfen bildet. Wenn man keine Möglichkeit zum Händewaschen hatte, kann der erste Tropfen mit einem Papiertuch entfernt werden. Dann erneut einen Tropfen aus der Fingerbeere herausdrücken, um einen “sauberen” Blutstropfen für die Messung zu gewinnen.
- Den Testreifen so lange an den Tropfen halten, bis der Streifen ausreichend gefüllt ist und die Messung beginnt.
- Nach wenigen Sekunden kann das Ergebnis abgelesen werden.
- Teststreifen und Lanzette entfernen und sicher entsorgen.
Das Blutzuckerselbstmanagement ist neben der Insulin- und Ernährungsbehandlung ein wichtiger Bestandteil in der Therapie des Typ-1-Diabetes. Insulindosierungen und weitere Therapieentscheidungen werden aufgrund der gemessenen Blutzuckerwerte getroffen.
Wozu den Blutzucker selbst kontrollieren?
Wie ist die derzeitige Stoffwechsellage? Wie viel Insulin wird für die nächste Mahlzeit benötigt? Kann mein Kind seine Aktivität starten und befindet es sich in einem normalen Blutzuckerbereich, oder benötigt es zusätzliche Kohlenhydrate vor dem Sport oder der Nacht? Wenn ein zu hoher Blutzuckerwert gemessen wird, kann eine Insulinkorrekturgabe notwendig sein. Diese vielen Überlegungen und Behandlungen finden mehrmals täglich statt, wenn ein Blutzuckerwert bestimmt wird. Die getroffenen Therapieentscheidungen sollten deshalb auf Basis einer sicheren und verlässlichen Messung beruhen.
Um diese Voraussetzung zu erfüllen, ist die Blutzuckerselbstkontrolle ein fester Bestandteil in der Schulung. Alle Familien sollten über die praktische Durchführung einer korrekten Messung informiert und angeleitet werden. Die korrekte Durchführung wird dabei Schritt für Schritt erklärt, geübt und kann durch die regelmäßige Durchführung zur Routine werden und so ein verlässliches Ergebnis erzielen, um dann das Insulin zu berechnen und Stoffwechselsituationen einzuschätzen.
Welches Messgerät für mich?
Die Auswahl des Messgerätes findet gemeinsam mit dem Kind oder Jugendlichen und der Familie statt. Dabei wird die individuelle Insulintherapie, das Alter des Patienten und die Alltagsbedürfnisse in die Entscheidung einbezogen: Messgeräte, die den Wert direkt in eine Insulinpumpe übertragen, schützen vor “Zahlendrehern” und sparen Zeit, da keine manuelle Eingabe zur Bolusberechnung notwendig ist. Bei einer Therapie mit Pen oder Spritze kann ein Messgerät hilfreich sein, das eine Tagebuchfunktion hat oder ebenfalls programmierbare Bolusrechner-Möglichkeiten.
Weitere Details wie Batterie oder Akku, Lichtfunktion für den Teststreifen, integrierte Streifentrommel, einzeln verpackte Teststreifen oder die Kombinierbarkeit mit einem Smartphone, so dass die Werte automatisch an weitere Personen übertragen werden, müssen in der Schulung erklärt werden, um das passende System zu finden. Manche Geräte können außer dem Blutzucker auch Keton im Blut messen.
Schulung ist wichtig
Danach erfolgt die Einweisung in das persönliche Gerät mit dem richtigen Lanzettengerät. Die wichtigsten Grundeinstellungen sind vorprogrammiert und eine Messung ist schnell durchzuführen. Die zusätzlichen technischen Details werden erklärt und die individuelle Einstellung des Gerätes besprochen und programmiert. Weitere allgemeine Informationen über das Messverhalten bei verschiedenen Temperaturen, Luftfeuchtigkeit und Haltbarkeit der Teststreifen sind ebenfalls wichtig, um einen korrekten Blutzuckerwert zu ermitteln oder Fehlerquellen aufzudecken.
So muss z. B. die Dose mit den Teststreifen immer gleich wieder verschlossen werden, um die Streifen vor der Luftfeuchtigkeit zu schützen, auch dürfen Geräte und Streifen im Winter nicht zu kalt werden und müssen deshalb unter der Kleidung getragen werden.
Der richtige Messzeitpunkt
Wann eine Blutzuckerbestimmung erfolgen sollte, hängt vom individuellen Alltag ab. Empfehlenswert sind Messungen vor einer Insulindosierung, vor körperlicher Aktivität, vor dem Schlafengehen, vor Autofahrten (wenn man selbst der Fahrer ist) und bei Unwohlsein, um eine Stoffwechselschwankung frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Zusätzliche Messungen können Klarheit und Sicherheit schaffen, z. B. wenn Mahlzeiten geschätzt werden mussten, die noch unbekannt waren, bei einem veränderten Tag- oder Nachtrhythmus oder bei Krankheiten, die die Insulinwirkung verändern.
Wenn das Kind oder der Jugendliche ein kontinuierliches Glukosemesssystem trägt, müssen ebenfalls Blutzuckerwerte bestimmt werden. Zum einen sind sie notwendig, um die Geräte in bestimmten Zeitabständen zu kalibrieren. Zum anderen weisen die Hersteller bei machen Geräten darauf hin, dass die gemessene Gewebsglukose nicht zur Berechnung von Insulin verwendet werden soll. Die Messhäufigkeit kann trotzdem sinken, weil die Stoffwechseleinstellung stabiler werden kann und weniger Unter- und Überzuckerungen auftreten können.
Beim Flash Glucose Monitoring kann der gescannte Wert zu Therapieentscheidungen benutzt werden, jedoch wird auch hier eine Blutzuckermessung empfohlen, wenn der Wert nicht glaubhaft erscheint oder das Befinden zum gescannten Wert nicht passt.
Sarah Biester
Diabetesberaterin, Kinder- und Jugendkrankenhaus, “Auf der Bult”, Hannover
E-Mail: onset@hka.de
Erschienen in: Diabetes-Eltern-Journal, 2017; 10 (1) Seite 14-15
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thomas55 postete ein Update vor 3 Wochen, 1 Tag
Hallo Philipa,
beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
Viel Erfolg
Thomasphilipa postete ein Update vor 3 Wochen, 2 Tagen
Hallo zusammen,
Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 1 Monat, 1 Woche
Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/Wer ist am Start?
Virtuelles Diabetes-Anker Community-MeetUp im Juli – Diabetes-Anker
Wir freuen uns auf das nächste Community-MeetUp am 15. Juli! 1x im Monat treffen wir uns und tauschen uns rund um das Thema Diabetes aus. Die ganze Community ist herzlich eingeladen. […]






Hallo philipa,
Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
Beste Grüße