Unterzuckerungen erkennen, behandeln, vermeiden

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Unterzuckerungen erkennen, behandeln, vermeiden

Jedes Kind und jeder Jugendliche mit Typ-1-Diabetes erlebt Unterzuckerungen. Alle Eltern, die ein Kind mit Typ-1-Diabetes haben, können von Situationen berichten, in denen Unterzuckerungen aufgetreten sind. Wie lassen sich Unterzuckerungen erkennen, behandeln, vermeiden?

Durch alle Information, die Eltern und Kinder in Schulungen und Beratungen erhalten – z. B über die Insulinwirkung, über Bewegung/Sport und darüber, wie sich die Zusammensetzung der Mahlzeiten auswirkt – soll erreicht werden, dass die Glukosewerte im Zielbereich zwischen 70 und 180 mg/dl (3,9 - 10 mmol/l) bleiben und Unter- oder Überzuckerungen gar nicht oder kaum auftreten. Das Ziel ist es, weniger als eine Stunde am Tag im Bereich einer Unter- oder Überzuckerung zu verbringen.

Wann ist es eine Unterzuckerung?

Es gibt keine einheitliche Definition, wann man von einer Unterzuckerung spricht. Vielmehr ist entscheidend, wann das Kind anfängt, sich schlecht zu fühlen. Generell werden Werte unter 70 mg/dl (3,9 mmol/l) bei Menschen mit einer Insulintherapie als Unterzuckerung angesehen.

Allerdings wird dieser Bereich neuerdings nur als Aufmerksamkeitsbereich gesehen, d. h. man muss sich Gedanken machen, in welche Richtung der Wert sich entwickeln wird (Sinken, Steigen, Trendpfeile, aktives Insulin). Unter 54 mg/dl (2,5 mmol/l) wird definitiv von einer relevanten Unterzuckerung ausgegangen, d. h. es wird nicht genügend Glukose ins Gehirn transportiert. Ohne Diabetes treten Werte unter 70 regelhaft in Nüchternphasen auf.

Obwohl Eltern von Kindern mit Typ-1-Diabetes und Jugendliche versuchen, alle Faktoren zu bedenken, um einen stabilen Glukoseverlauf zu erhalten, gibt es trotzdem immer wieder Situationen mit zu niedrigen Glukosewerten.

Hypo-Symptome

Haben Kinder und Jugendliche eine Unterzuckerung, fühlen sie sich meist nicht wohl, ihr Alltag wird eingeschränkt. Deshalb ist eine Schulung zum Thema wichtig. Zu Beginn sollte besprochen werden, wie sich eine Unterzuckerung anfühlt. Anzeichen können Gesichtsblässe, zitternde Hände, Heißhunger, plötzliches Schwitzen, Müdigkeit und Wesensveränderungen (z. B. Aggressivität, Albernheit, Weinerlichkeit) sein. Diese Signale treten nie alle gemeinsam auf und können sich auch im Laufe der Zeit verändern.

Je jünger Kinder sind, desto unspezifischer sind die Anzeichen. Manchmal werden die Kinder sehr anhänglich oder müde. Sie suchen plötzlich nach Essen oder gehen zum Kühlschrank. Dies genau zu beobachten, ist wichtig, damit man auch unabhängig von Alarmen eines CGM-Systems Unterzuckerungen erkennt.

Bei einem Hinweis auf eine Unterzuckerung sollte der Glukosewert geprüft und zügig eine Behandlung eingeleitet werden. Zugleich sollte versucht werden, zu erfragen, wie sich das Kind/der Jugendliche fühlt. So kann das individuelle Warnzeichen benannt und bewusst gemacht werden. Tipp: Auf einem Körperschemabild soll das Kind ankreuzen, wo es eine Hypo spürt.

Behandlung einer Unterzuckerung

Bei einer Unterzuckerung am besten geeignet ist Traubenzucker/Dextrose. Er wirkt schnell und kann als Plättchen, Bonbon oder Flüssigkeit/Gel gegeben werden. Traubenzucker kann als „Medizin bei niedrigen Glukosewerten“ verstanden werden (das wird leider z. B. in der Apotheke immer wieder untergraben) und Insulin als Medizin, um hohe Werte zu vermeiden.

Welche Menge Traubenzucker die richtige ist, hängt vom Körpergewicht, aktiver Insulinwirkung und dem Glukoseverlauf ab. Eine internationale Leitlinie empfiehlt 0,3 g Dextrose pro kg Körpergewicht. Bei einem Kind von 20 kg wären es 6 g schnelle Kohlenhydrate. (ca. 1 Plättchen oder 2 runde Bonbons Traubenzucker).

Unterzuckerungen: Anzeigen, Ursachen, Gegenmaßnahmen


Anzeichen
  • Blässe
  • Zittern
  • Schwitzen
  • Müdigkeit
  • Hunger
  • Wesensveränderung wie Aggressivität, Albernheit, Weinerlichkeit

Ursachen

  • Bewegung/Sport
  • Verschätzen bei der Berechnung des Kohlenhydratgehalts
  • Alkohol
  • Stress, der zur Unterbrechung der Verdauung führt

Behandlung

  • schnellwirkender Zucker, z. B. Traubenzucker als Plättchen, Bonbon oder flüssig
  • 0,3 g Glukose pro kg Körpergewicht; Beispiel: 20 kg Körpergewicht x 0,3 = 6 g Traubenzucker. Das entspricht 1 Plättchen oder
    2 Bonbons Traubenzucker

Wichtig ist, dass Kinder bei einer Unterzuckerung nicht wahllos Süßigkeiten, Saft oder gezuckerte Getränke zu sich nehmen: Durch das Signal des Heißhungers können sie häufig nicht rechtzeitig aufhören, sondern essen oder trinken so lange weiter, bis das Gefühl der Unterzuckerung vorbei ist. So nehmen sie häufig zu viele Kohlenhydrate auf, so dass es zu einer Überzuckerung kommt, die wiederum mit Insulin korrigiert werden muss.

Nachdem die schnellen Kohlenhydrate eingenommen wurden, sollte nach ca. 10 - 15 Minuten der Glukosewert kontrolliert werden. So lange das Kind bei Bewusstsein ist und schlucken kann, ist eine orale Behandlung möglich. Ist das Bewusstsein bereits eingeschränkt und der Glukosewert entsprechend niedrig, sollte darauf verzichtet und ggf. die Glukagon-Notfallspritze oder Glukagon-Nasenspray ( siehe S. 8) eingesetzt und ein Notarzt verständigt werden.

Unterzuckerungen vermeiden

Um Unterzuckerungen zu vermeiden, ist es wichtig, die Ursachen zu kennen. Vermehrte Bewegung und Sport führen zu einem erhöhten Glukoseverbrauch durch die Muskeltätigkeit. Die Insulintherapie kann bei geplantem Sport reduziert werden (Mahlzeiteninsulin oder Basalinsulin/Basalrate verändern und bereits vor der geplanten Bewegung verabreichen). Auch wenn die Menge an Kohlenhydraten nicht richtig eingeschätzt wurde („verschätzen“), kann es zu einem Ungleichgewicht zwischen Insulin und Kohlenhydraten kommen.

Ein dritter Grund für niedrige Glukosewerte ist der Konsum von Alkohol. Durch den Abbau des Alkohols in der Leber wird keine oder nur wenig Glukose für den Körper bereitgestellt. Dies kann besonders während des Schlafs zu Unterzuckerungen führen und unbemerkt bleiben. Eine gesonderte Schulung dazu sollte jeder Jugendliche frühzeitig erhalten.

Trägt das Kind eine Insulinpumpe mit gekoppeltem Sensor und kommt es trotz ausgelöster Schutzfunktion zu einer Unterzuckerung, sollte die Insulinabgabe nach der Hypoglykämiebehandlung fortgesetzt werden. Würde man warten, bis die Pumpe die Insulingabe entsprechend der Sensorwerte wieder automatisch startet, könnten die Glukosewerte wegen der zusätzlichen Kohlenhydrate zu hoch ansteigen.

Glukosesensoren haben zu einer neuen Sicht auf Unterzuckerungen geführt: Werte unter 70mg/dl kann entspannter entgegengesehen werden. Entscheidend ist nun die Zusammenschau zwischen Wert und Befinden. Ziel ist es, lebenseinschränkende Zustände zu vermeiden. Der Wert, in Zusammenschau mit den Trendpfeilen, gibt eine Hilfestellung, ob und wie viele Kohlenhydrate notwendig sind. Oft kann die KH-Menge deutlich geringer ausfallen als in der Zeit vor Einsatz von Sensoren.


Autorin:

Sarah Biester
Diabetesberaterin
Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin „Auf der Bult“
Janusz-Korczak-Allee 12
30173 Hannover

Erschienen in: Diabetes-Eltern-Journal, 2020; 12 (1) Seite 12-13

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  • kety22 postete ein Update vor 1 Woche, 3 Tagen

    Hallo zusammen, ich bin eine Dia-Mama und wollte fragen, was isst ihr abends oder kocht abends für eure Dia-Kids, damit der Wert nicht so hoch steigt und dann nachts nicht in die Unterzuckerung fällt? Oder habt ihr generell irgendwelche Tipps gegen nächtliche Unterzuckerung?

    • Hallo!
      Ich habe für mich festgestellt, dass Proteine am Anfang vom Abendessen helfen (Käse, Ei…) dann steigt der Blutzucker beim Essen nicht so schnell. Außerdem geht der Zucker später noch etwas hoch wegen den Proteinen. Das hilft etwas gegen Unterzucker.
      Allerdings habe ich kaum noch Unterzucker seit ich meine Insulinpumpe habe.
      Vielleicht hilft das etwas – viel Glück

  • katrin-kraatz schrieb einen neuen Beitrag vor 2 Wochen, 2 Tagen

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