- Eltern und Kind
Fr1da, Fr1dolin, Freder1k: Studien zur Früherkennung von Typ-1-Diabetes
2 Minuten
Fr1da, Fr1dolin, Freder1k – diese neuen Reihenuntersuchungen zur Früherkennung von Typ-1-Diabetes in Bayern, Niedersachsen und Sachsen haben eines gemeinsam: Sie sollen Kinder erkennen, bei denen ein hohes Erkrankungsrisiko oder bereits ein asymptomatisches Frühstadium der Autoimmunerkrankung vorliegt. Was gibt es Neues bei Fr1da? Ein Interview mit Professor Anette-Gabriele Ziegler.
Diabetes-Anker (DA): Wie viele Familien haben sich bisher an der bayrischen Fr1da-Studie beteiligt?
Prof. Dr. Anette-Gabriele Ziegler: Es haben bisher über 70 000 Kinder an Fr1da teilgenommen. Bei weniger als einem Prozent der Kinder wurde ein frühes Stadium des Typ-1-Diabetes festgestellt.
DA: Wie haben Eltern und Kinder auf die Nachricht reagiert? Wie geht es ihnen heute?
Prof. Ziegler: Natürlich rechnet niemand mit einer solchen Diagnose, das ist also sicher im ersten Moment ein Schock. Wir konnten allerdings klar nachweisen, dass die psychische Belastung wesentlich geringer ist als bei der bisher vorherrschenden Diagnosesituation nach teilweise schwerwiegenden Symptomen. Hier hat sich unser Konzept ganz klar bewährt: Die frühe Diagnose mindert Ängste und Unsicherheiten. Und: Man kann sicher sagen, dass sich unsere Hoffnung, Ketoazidosen bei der Manifestation durch die frühe Diagnose zu vermeiden, erfüllt hat.
DA: Wie werden die Eltern und Kinder unterstützt?
Prof. Ziegler: Wir beraten und schulen die Familien ausführlich mit eigens dafür entwickelten Schulungsmaterialien. Für jedes Kind wird ein individueller Vorsorgeplan erstellt. Mit regelmäßigen Stoffwechselkontrollen stellen wir sicher, dass das Kind optimal versorgt ist und bei Manifestation der Krankheit sofort gut behandelt wird. Dazu arbeiten wir sehr eng mit vielen pädiatrischen Diabeteszentren und Diabetespraxen für Kinder und Jugendliche in ganz Bayern zusammen.
DA: Seit einiger Zeit gibt es auch die Fr1da-Interventionsstudie, an der Kinder teilnehmen können, bei denen bereits mehrere Diabetes-Autoantikörper nachweisbar sind. Sie erhalten zwölf Monate lang täglich eine kleine Dosis Insulinpulver oder ein Plazebo. So soll das Immunsystem zu einer schützenden, regulatorischen Antwort angeregt werden. Welche Grundlagen hat diese Behandlung?
Prof. Ziegler: Es gab bereits andere Studien mit oral verabreichtem Insulin, wo sich zumindest bei einem Teil der Behandelten die Manifestation von Typ-1-Diabetes deutlich verzögert hat. Wir nutzen aber eine deutlich höhere Dosis. Von dieser Dosis konnten wir zeigen, dass sie tatsächlich zu einer regulatorischen Immunantwort führt, die diesen schützenden Charakter hat. Es gibt außerdem sehr positive Ergebnisse aus der Allergieforschung, die diesen Ansatz stützen.
DA: Inzwischen gibt es neben Fr1da weitere Studien dieser Art – und die europäische POInT-Studie. Wie unterscheiden sich die Studien und welche Idee steht hinter der POInT-Studie, die “eine Welt ohne Typ-1-Diabetes” zum Ziel hat?
Prof. Ziegler: Bei Fr1dolin wird in Niedersachsen genau die gleiche Untersuchung durchgeführt wie bei Fr1da, zusätzlich aber noch ein Test auf Familiäre Hypercholesterinämie (deutlich erhöhte Blutfettwerte).
Mit Freder1k bieten wir allen Eltern in Bayern, Niedersachsen und Sachsen an, ihre Neugeborenen auf ein erhöhtes Risiko für Typ-1-Diabetes zu testen. Für Babys, deren Eltern oder Geschwister bereits an Typ-1-Diabetes erkrankt sind, ist diese Untersuchung unabhängig vom Wohnort in ganz Deutschland möglich.
Der Hintergrund ist, dass die fehlgeleitete Immunreaktion bei Typ-1-Diabetes sehr häufig schon im ersten Lebensjahr beginnt, und dass dies gleichzeitig eine Phase ist, wo das Immunsystem anhand ganz vieler Reize lernt, “gut” von “schlecht” zu unterscheiden. Wir bieten deshalb Kindern mit stark erhöhtem Risiko für Typ-1-Diabetes die Teilnahme an der POInT-Studie an: Sie erhalten bis zum dritten Geburtstag Insulinpulver oder Plazebo. Das Ziel ist, die fehlgesteuerte Immunreaktion und damit Typ-1-Diabetes zu verhindern – und damit letztlich eine Welt ohne Typ-1-Diabetes.
Links zu den Studien
- www.typ1diabetes-frueherkennung.de
- www.fr1dolin.de/startseite
- www.gppad.org (POInT, unter “Studien”)
Erschienen in: Diabetes-Eltern-Journal, 2018; 11 (2) Seite 28
Diabetes-Anker-Newsletter
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Ähnliche Beiträge
- Behandlung
Mit Diabetes gut vorbereitet ins Krankenhaus: Was muss mit, was vorab geklärt werden?
5 Minuten
- Soziales und Recht
Diabetes-Selbsthilfe warnt und fordert Maßnahmen: Wie Zucker Körper, Gehirn und Psyche zugleich belastet
3 Minuten
Keine Kommentare
Diabetes-Anker-Newsletter
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Über uns
Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist das neue Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.
Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?
Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.
Werde Teil unserer Community
Community-Feed
-
vio1978 postete ein Update vor 23 Stunden, 28 Minuten
Habe wieder Freestyle Libre Sensor, weil ich damit besser zurecht kam als mit dem Dexcom G 6. ist es abzusehen, ob und wann Libre mit d. Omnipod-Pumpe kompatibel ist?🍀
-
renrew postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes-Technik vor 1 Woche
gibt es Tips oder Ratschläge dieser Pumpe betreffend?
-
moira antwortete vor 4 Tagen, 15 Stunden
Das kommt sehr darauf an – in welchem Bereich?
-
-
renrew postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes-Technik vor 1 Woche
Hallo..bin neuer Ypso Pumpenträger..seid 3 Monaten dabei..
