Mit Diabetes gut vorbereitet ins Krankenhaus: Was muss mit, was vorab geklärt werden?

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Mit Diabetes gut vorbereitet ins Krankenhaus: Was muss mit, was vorab geklärt werden? | Foto: Halfpoint - stock.adobe.com
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Mit Diabetes gut vorbereitet ins Krankenhaus: Was muss mit, was vorab geklärt werden?

Wie schnell kann es passieren, dass man ins Krankenhaus muss, auch ohne dass der Diabetes der Grund ist. Damit während des Aufenthalts dort möglichst alles gut abläuft, ist es sinnvoll, ein paar Dinge zu wissen. Nicht immer hat man die Wahl, in welches Krankenhaus man kommt. Und nicht immer kann man selbst noch aktiv handeln. Bei geplanten Aufenthalten im Krankenhaus kann man aber manches im Vorfeld abklären.

Das Jahr 2024 sollte eigentlich die Grundlagen für eine bessere, pragmatische Krankenhaus-Finanzierung schaffen – das Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz (KHVVG) im Jahr 2025 umgesetzt werden. Von Seiten der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) wurde immer wieder gefordert, die Menschen mit Diabetes dabei nicht zu vergessen. Bereits vorhandene Strukturen wie Diabetes-Schwerpunktpraxen, aber auch Kliniken mit einer Diabetes-Qualifikation sollten eher gestärkt statt abgeschafft werden.

Ein Zeichen dafür, wie wenig der Diabetes seitens der Politik berücksichtigt wird, ist der Bundes-Klinik-Atlas vom Bundesministerium für Gesundheit von 2024: Es gibt Themen wie Herz, Gefäße, Lunge, Krebs usw., was wichtig ist, aber die wichtigste Stoffwechsel-Erkrankung, der Diabetes, ist nicht genannt. Woran sollten sich Menschen mit Diabetes also orientieren?

Das Fallbeispiel: Gute Zusammenarbeit im Krankenhaus

Johannes K., 57 Jahre alt, seit 40 Jahren Typ-2-Diabetes, hatte schon seit seiner Kindheit mit seinem Übergewicht zu kämpfen: Aktuell sind es 147 kg – mal mehr, mal etwas weniger. Der HbA1c-Wert liegt schon Jahre zwischen 8 und 9 %, die selten gemessenen Blutzuckerwerte nüchtern meist bei 150 bis 170 mg/dl (8,3 bis 9,4 mmol/l). Nach den Mahlzeiten misst er nicht.

Wegen einer offenen Wunde (Geschwür) am Ballen der rechten Fußsohle ist er seit etwa sechs Wochen bei seinem Hausarzt in Behandlung. Zu einem Spezialisten wollte er nicht gehen, denn Schmerzen hatte er nicht. Mit Fieber und Schüttelfrost wurde er schließlich ins örtliche Krankenhaus eingeliefert. Ein dort arbeitender Diabetologe sah sich seinen Fuß gemeinsam mit einem Chirurgen an. Johannes K. hatte Glück, es war noch etwas zu retten.

Eine Vakuum-Behandlung lokal und eine gleichzeitige Umstellung auf eine Therapie mit Insulin retteten ihm den Fuß. Eine Behandlung mit passenden Antibiotika-Infusionen und eine Therapie zum Verhindern von Blutgerinnseln (Thrombosen) ergänzten die gute interdisziplinäre Zusammenarbeit der beteiligten Ärzte.

Ein Merkmal einer möglichst guten Versorgung von Menschen mit Diabetes während eines Klinik-Aufenthalts stellt die Versorgung mit geschultem Personal auf allen Ebenen dar. Ein entsprechendes Qualitäts-Management sorgt auf Dauer für eine gleichbleibend gute Versorgung von Menschen mit Diabetes. Anerkannte, für Menschen mit Diabetes geeignete Kliniken können anhand einer Liste gezielt ausgesucht werden (siehe folgenden Kasten). Neben Empfehlungen bereits in der Klinik behandelter Patienten mit Diabetes stellt dies aktuell die geeignetste Maßnahme dar, die „für mich am besten geeignete Klinik“ zu finden – neben der Empfehlung des behandelnden Diabetes-Teams.

Studien der letzten Jahrzehnte belegen eindeutig, dass ein optimaler Glukoseverlauf während eines stationären Krankenhaus-Aufenthalts und oft auch noch danach entscheidend ist für den Erfolg der Behandlung. Erkenntnisse während der COVID-19-Pandemie haben diese Ergebnisse bestätigt und noch viele weitere Daten geliefert, die eine optimale Glukose-Situation, aber auch weitere Maßnahmen als unabdingbar sehen wie, einer Thrombose vorzubeugen bei stark übergewichtigen (adipösen) Menschen mit Diabetes. Um dies zu gewährleisten, braucht es aber eben qualifizierte Behandelnde.

Was im Krankenhaus geschieht

Muss man ins Krankenhaus, beginnt der Stress oft schon bei dem Gedanken daran. Außerdem ist man plötzlich von anderen häufig völlig abhängig. Gerade für Menschen mit Diabetes, die ihre Krankheit oft schon über Jahrzehnte selbstständig managen, kann das ein Problem sein. Nicht selten wird einem die Insulintherapie aus den Händen genommen, eine Insulinpumpen-Behandlung nicht fortgesetzt. Der Stress treibt oft Hormone wie Adrenalin, Glukagon usw. ins Blut und führt so zu einem hohen Blut- bzw. Gewebezuckerwert. Normnahe Glukosewerte zu erreichen, ist dann nur mit geeigneten Sofortmaßnahmen möglich.

Die Blut- bzw. Gewebezuckerwerte sollten während des stationären Aufenthalts regelmäßig kontrolliert werden – blutig oder mit einem Sensor fürs kontinuierliche Glukosemessen, wenn dieser vorhanden ist. Je weniger stabil der Glukoseverlauf ist, desto häufiger sollten die Werte gemessen werden.

Die Zielwerte im Krankenhaus

Ein Blutzucker zwischen 140 und 180 mg/dl bzw. 7,8 und 10,0 mmol/l gilt als Ziel auf der Intensivstation. Außerhalb der Intensivstation sollten die für den jeweiligen Patienten bzw. die jeweilige Patientin vereinbarten Zielwerte angestrebt werden. Die jahrzehntelang im Krankenhaus akzeptierten hohen Blutzuckerwerte über 200 mg/dl bzw. 11,1 mmol/l führen zu negativen Folgen, wie sich herausgestellt hat. Aber auch zu strenge, also zu niedrige Werte, bergen ein Risiko: häufigere Unterzuckerungen.

Tab. 1: Blutzucker-Zielwerte bei einem stationären Aufenthalt*

zu niedrigZielwertzu hoch
unter 110 mg/dl bzw. 6,1 mmol/l
  • 140 – 180 mg/dl bzw. 7,8 – 10,0 mmol/l; bei stabiler Stoffwechsellage ohne Neigung zu Unterzuckerungen müssen niedrigere Werte nicht korrigiert werden
  • wenn keine Gefahr für Unterzuckerungen besteht: 110 – 140 mg/dl bzw. 6,1 – 7,8 mmol/l
über 180 mg/dl bzw. 10,0 mmol/l

*laut Deutscher Diabetes Gesellschaft (DDG, 2024)

Blutzuckersenkende Tabletten und Spritzen im Krankenhaus

Blutzuckersenkende Tabletten (orale Antidiabetika) können bei einem Aufenthalt ohne Operation, ohne Änderung der Ernährung und ohne Gabe von Kontrastmitteln meist weitergenommen werden.

Ansonsten gilt sinnvollerweise, in Absprache mit dem behandelnden Diabetes-Team:
Metformin sollte etwa 48 Stunden vor einer geplanten Operation abgesetzt werden.
Glitazone (nur noch selten eingesetzt) sowie Glinide sollten das letzte Mal am Vorabend eingenommen werden.
Sulfonylharnstoffe (z. B. Glimepirid) wirken sehr lange (etwa 40 Stunden) und müssen rechtzeitig abgesetzt werden.

SGLT-2-Hemmer wurden ursprünglich zur Behandlung des Typ-2-Diabetes zugelassen. Mittlerweile werden sie aber auch bei Herz- und Nieren-Erkrankungen regelmäßig verordnet, sodass auch diese Patienten damit behandelt werden. SGLT-2-Hemmer können eine Bildung von Ketonkörpern bewirken und damit eine Ketoazidose, also eine Übersäuerung des Körpers, auslösen – und das bei normalen Blutzuckerwerten, was das Erkennen der Ketoazidose erschwert. Dies spielt insbesondere bei chirurgischen Eingriffen, aber auch im Rahmen von entzündlichen Erkrankungen eine Rolle.

Bezüglich des Diabetes sollten unbedingt folgende Dinge ins Krankenhaus mitgenommen werden:

  1. Gesundheits-Pass Diabetes, in dem u. a. der letzte HbA1c-Wert und der Blutdruck stehen
  2. Berichte über mögliche Folgeerkrankungen wie an den Augen (Retinopathie), an den Nerven (Neuropathie), an den Nieren (Nephropathie)
  3. aktueller Medikamenten-Plan mit allen Medikamenten für den Diabetes und alle anderen Erkrankungen
  4. ein Vorrat der verwendeten Medikamente und, wenn verwendet, Sensoren, Blutzucker-Messgerät mit Teststreifen, Zubehör für die Insulinpumpe usw.

In Studien konnte gezeigt werden, dass Patienten, die vor einem chirurgischen Eingriff SGLT-2-Hemmer eingenommen hatten, nach der Operation ein leicht bis deutlich erhöhtes Risiko für Ketoazidosen bei normalen Blutzuckerwerten aufwiesen. Auf der anderen Seite hatten sie ein geringeres Risiko für eine akute Nierenschwäche und eine niedrigere Sterblichkeit in den ersten 30 Tagen nach der Operation.

Bei schweren Infektionen und akuten schweren Erkrankungen oder längeren Fastenperioden sollten laut Experten SGLT-2-Hemmer ähnlich wie Metformin unbedingt pausiert werden – vor allem vor Operationen. Bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, vor allem mit Herzschwäche (Herz-Insuffizienz), aber auch bei einer chronischen Einschränkung der Nierenfunktion sollte die Therapie mit einem SGLT-2-Hemmer aufgrund ihrer Vorteile nicht beendet werden. Insofern sollte die Einnahme bzw. das Absetzen unbedingt vorher mit dem behandelnden Arzt bzw. Anästhesisten besprochen werden.

GLP-1-Rezeptor-Agonisten sollten nicht abgesetzt werden, es sei denn, es bestehen Magen-Darm-Beschwerden.

Insulintherapie

Die Insulintherapie muss bei Menschen mit Typ-1-Diabetes unverändert fortgesetzt werden – angepasst an die „Stress-Situation“. Wahrscheinlich wird dadurch eher mehr Insulin erforderlich. Wenn irgend möglich, sollte das eigene Insulin-Schema weiter verwendet werden. Eine intensivierte konventionelle Insulintherapie (ICT) ist gegenüber einer konventionellen Insulintherapie mit Mischinsulin, wenn möglich, immer vorzuziehen. Dies gilt bei Typ-1-Diabetes und bei Typ-2-Diabetes, wenn eine Insulintherapie erforderlich ist. Nur selten ist bei Typ-2-Diabetes auch eine supplementäre Insulintherapie (SIT) mit Insulin ausschließlich zu den Mahlzeiten ausreichend.

Wichtig: Steht eine Operation am nächsten Tag an, darf am Vorabend der Operation das lang wirksame Insulin nicht weggelassen werden. Sonst sind massiv erhöhte Blutzuckerwerte am folgenden Morgen zum Zeitpunkt der Operation zu erwarten. Bei Menschen, die eine Insulinpumpe nutzen, sollte die Therapie im Krankenhaus unbedingt vorher abgesprochen und wenn möglich eigenständig fortgesetzt werden.

Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes kann es notwendig werden, bei ansteigenden Blutzuckerwerten im Rahmen der Stress-Situation und wegen des häufig notwendigen Absetzens aller oralen Antidiabetika eine Insulintherapie entsprechend den aktuellen Blutzuckerwerten durchzuführen. Während der Operation, insbesondere bei größeren Operationen, wird üblicherweise das Insulin über eine Infusions-Pumpe (Perfusor), also kontinuierlich, zugeführt.

Zusammenfassung

Eine Behandlung im Krankenhaus stellt für viele Menschen eine extreme Stress-Situation dar. Menschen mit Diabetes sind aber zusätzlichen Risiken ausgesetzt, weil die Blutzuckerwerte entgleisen können. Jeder Betroffene sollte sich vor einem geplanten Krankenhaus-Aufenthalt Informationen über die Qualität der personellen Ausstattung und das Vorhandensein einer interdisziplinären Kooperation erkundigen. Informationen der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) sind dabei sehr nützlich.


von Dr. med. Gerhard-W. Schmeisl

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Erschienen in: Diabetes-Anker, 2025; 75 (1-2) Seite 36-39

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  • thomas55 postete ein Update vor 1 Woche

    Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 1 Woche, 1 Tag

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße

  • lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 3 Wochen, 1 Tag

    Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
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