Gute Vorbereitung und Planung: Mit Diabetes und Nanni auf dem Bayerischen Jakobsweg

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Gute Vorbereitung und Planung: Mit Diabetes und Nanni auf dem Bayerischen Jakobsweg | Foto: privat
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Gute Vorbereitung und Planung: Mit Diabetes und Nanni auf dem Bayerischen Jakobsweg

Kati Hoefer aus Gauting bei Starnberg lebt mit Typ-1-Diabetes seit 1980. Mit ihm, ihrer Insulinpumpe, ihrem CGM-System und Hündin Nanni machte sich die im Bereich Finanzbuchhaltung Selbstständige auf den Jakobsweg-Teilabschnitt in Bayern. Dank guter Vorbereitung und Planung waren ihren Erfahrungen rundum positiv, wie sie hier berichtet.

Der Jakobsweg ist seit einigen Jahren in aller Munde, vor allem seitdem einige Prominente sich in Büchern oder Filmen verewigt haben. Was aber viele nicht wissen: Es gibt nicht nur den „klassischen“ Jakobsweg in Frankreich und Spanien nach Santiago de Compostela, sondern überall in Europa gibt es Jakobswege – natürlich auch in Bayern.

Der Oberbayerische Jakobsweg verläuft fast vor meiner Haustür von München bis zum Bodensee. Da ich gern zusammen mit meiner fünfjährigen Mischlings-Hündin „Nanni“, einem Tierschutzhund aus Italien, wandere, plante ich eine 7-Tages-Tour auf dem Jakobsweg von meinem Zuhause in der Nähe von München bis nach Marktoberdorf, wo ich Freunde habe.

Strecke planen, Quartiere suchen

Die Vorbereitung war schon sehr spannend: Etappenlänge festlegen – wie weit und wie lange kann und will ich am Tag laufen? Eine Wander-App half mir bei der Streckenplanung. So kann man schon vorher gut erkennen, wie lang die Strecke ist und auf welchen Wegen die Route verläuft.

Ich wollte natürlich nicht viel auf Straßen oder entlang von viel befahrenen Hauptstraßen laufen, sondern möglichst durch Wälder und Wiesen auf schönen Wanderwegen. Der Jakobsweg ist zwar an vielen Stellen gekennzeichnet, aber mit der Wander-App ist die Strecke in jedem Fall leicht zu finden und man verläuft sich nicht. Dann mussten Quartiere angefragt werden – für nur eine Übernachtung mit Hund nicht immer so einfach.

Auf den Jakobswegen gibt es viele Pilgerherbergen, also einfache und günstige Unterkünfte mit größeren Schlafsälen. Dort darf man aber in der Regel nicht mit Hund übernachten. Gruppen-Unterkünfte für zum Teil bis zu 20 Personen in Stockbetten sind auch nicht so meine bevorzugte Art zum Übernachten. Also schaute ich nach Gasthöfen oder Hotels, die auf meiner Route lagen.

Gute Vorbereitung und Planung: Mit Diabetes und Nanni auf dem Bayerischen Jakobsweg | Hündin Nanni wanderte eifrig zusammen mit Katrin Hoefer den Jakobsweg entlang. | Foto: privat
Gute Vorbereitung und Planung: Mit Diabetes und Nanni auf dem Bayerischen Jakobsweg | Von Herrsching ging es mit dem Dampfer über den Ammersee nach Diessen. | Fotos: privat

Hündin Nanni wanderte eifrig zusammen mit Katrin Hoefer den Jakobsweg entlang. Von Herrsching ging es mit dem Dampfer über den Ammersee nach Diessen. | Fotos: privat

Diabetes braucht viel Platz im Rucksack

Eine große Herausforderung bei der Vorbereitung war die Kalkulation des Gepäcks. Wenn man mit Rucksack reist und alles selbst tragen muss, wird man bescheiden. Für mich selbst benötigte ich nicht viel, aber elementar war natürlich das Diabetes-Equipment. Ich habe die Insulinpumpe YpsoPump in Verbindung mit dem Dexcom-G6-Sensor fürs kontinuierliche Glukose-Messen (CGM) und der Handy-App „mylife CamAPS FX“.

Allein das Diabetes-Zubehör nahm schon viel Stauraum im Rucksack ein. Für die Pumpe benötigte ich Insulin-Ampullen, Katheter, Adapter, Batterien. Außerdem nötig waren Blutzucker-Sensoren, Ersatz-Messgerät und Teststreifen, Insulinpens und -spritzen, falls die Pumpe ausfallen sollte, Not-Kohlenhydrate usw. Auch sonstige Medikamente und Verbandsmaterial sollten dabei sein, falls es Blasen an den Füßen oder andere Verletzungen geben sollte.

Der Hund benötigte natürlich auch einiges: eine Decke, Näpfe, Futter usw. Das Probe-Packen des Tourenrucksacks ergab ein Gewicht von knapp 10 Kilogramm. Eigentlich zu schwer, aber ich konnte nichts mehr von der Liste streichen.

Als Termin für die Wanderung hatte ich mich für Mai entschieden, da ich auf schönes Wetter hoffen konnte, es aber noch nicht zu warm werden würde. Trotzdem musste ich auf jedes Wetter vorbereitet sein und auch Regen-Kleidung dabeihaben. Und dann ging es los!

„Aufsammeln“ im Notfall gesichert

Ich war tatsächlich etwas aufgeregt. Würde ich die etwa 100 Kilometer bis Marktoberdorf schaffen? Würde der Hund brav mitlaufen? Machte mein durch Arthrose geschädigtes Knie mit? Funktionierten Insulinpumpe und Sensor stabil und würde ich mit akzeptablen Glukosewerten rechnen können?

Aber die Bedenken waren schnell beiseitegeräumt. Familie und Freunde waren involviert und würden mich jederzeit bei Problemen, welcher Art auch immer, „aufsammeln“.

Herrliche Landschaften entlang des Weges: hier ein Blick auf den Lech | Foto: privat
Herrliche Landschaften entlang des Weges: hier ein Blick auf die Würm | Foto: privat

Herrliche Landschaften entlang des Weges: hier ein Blick auf den Lech und die Würm. | Fotos: privat

Weniger Insulin – Glukosewert im Rahmen

Bei schönstem Sonnenschein startete ich zur ersten Etappe von Stockdorf nach Starnberg-Neusöcking, immer am Flüsschen „Würm“ entlang. Die Etappenlänge von 17 Kilometern war gut gewählt und wir wanderten fröhlich durch noch bekanntes Terrain. Meine erste Übernachtung war bei sehr lieben Freunden, die mich fürstlich bewirteten.

Die Glukosewerte waren stets im Rahmen zwischen 140 und 200 mg/dl (7,8 und 11,1 mmol/l). Da es doch mehr körperliche Anstrengung war als an einem normalen Tag im Büro, hatte ich den Algorithmus im Ease-off-Modus laufen, was sich für die gesamte Tour bewährte, denn dadurch wurde weniger Insulin abgegeben.

Früher war es schwieriger beim Wandern

Ich kann mich noch gut an frühere Zeiten erinnern, als ich noch mehrmals am Tag spritzen musste. Damals waren längere Wanderungen immer eine Herausforderung. Wenn man das Insulin reduzierte, wanderte man oft über mehrere Stunden mit zu hohen Blutzucker-Werten.

Das war für die Leistungsfähigkeit nicht unbedingt förderlich. Bei mir persönlich führen zu hohe Werte ab etwa 250 mg/dl (13,9 mmol/l) meistens auch zu Kopfschmerzen und schlechter Laune. Das andere Extrem damals waren ständige Unterzuckerungen und man musste permanent dem Blutzucker „hinterheressen“. Macht auch keinen Spaß!

Die moderne Diabetes-Therapie ist ein Segen. Ich bin sehr dankbar für die heutigen Hilfsmittel wie Insulinpumpe und Glukose-Sensoren.

Keine Blasen, prima Werte!

Am zweiten Tag ging es über das berühmte Kloster Andechs bis nach Herrsching am Ammersee. Am Kloster Andechs kehrte ich zu einer Mittagspause ein und gönnte mir eine zünftige Brotzeit und ein Radler. Auf den Genuss eines Andechser Starkbiers verzichtete ich – Bier macht schwere Beine und ich hatte ja auch noch ein Stück zu laufen.

Diese längste Etappe mit 20 Kilometern war dann doch anstrengend. Mein Hund und ich waren ziemlich erschöpft am Abend. Zum Glück wurde ich auch dort großartig von Freunden empfangen und erhielt Kost und Logis. Die dritte Etappe startete in Herrsching mit einer wunderschönen Dampferfahrt quer über den Ammersee nach Diessen und ging von dort bis zum Kloster Wessobrunn. An diesem Tag hatten wir Begleitung von meiner Freundin Laura und ihrem Hund. Nach zwei Tagen allein auf der Strecke war die nette Gesellschaft großartig.

Fazit nach drei Tagen: Super! Keine Blasen an den Füßen, Glukosewerte laufen prima und es macht richtig viel Spaß. Wenn der Glukosewert zu niedrig wurde, konnte ich schnell mit Saft oder Müsli-Riegeln gegensteuern.

Auch der bayerische Teil des Jakobswegs ist mit Plaketten gekennzeichnet. | Foto: privat
Am Ammersee gab es bei schönem Wetter einen tollen Ausblick. | Foto: privat

Auch der bayerische Teil des Jakobswegs ist mit Plaketten gekennzeichnet. Am Ammersee gab es bei schönem Wetter einen tollen Ausblick. | Fotos: privat

Weitgehend ohne Unterzuckerungen durchgekommen

Ich bin mit einer Diabetesdauer von 45 Jahren ja sozusagen ein „Diabetiker-Dinosaurier“. In meiner Kindheit gab es noch keine Insulinpumpen oder -pens. Zum Blutzuckermessen ging man einmal im Monat zum Hausarzt. Das ist heute unvorstellbar.

Umso dankbarer bin ich für die jetzigen Hilfsmittel. Die Glukose-Sensoren ermöglichen wirklich einfach und komfortabel das Überwachen der Werte und durch die Trendpfeile kann man rechtzeitig gegensteuern. Somit ließen sich auch bei meiner Wandertour Unterzuckerungen (Hypoglykämien) weitestgehend verhindern. Den Zielwert hatte ich für die Tage sicherheitshalber etwas erhöht, von sonst 110 auf 140 mg/dl (6,1 auf 7,8 mmol/l).

Spektakuläre Ausblicke, tolle Natur

Ab jetzt übernachtete ich in Gasthöfen und war quasi auf mich allein gestellt. Aber auch dort wurde ich überall herzlich empfangen. Alle hatten ein Herz für Pilgerer bzw. Wanderer. Die vierte Etappe von Wessobrunn nach Peitung entsprach nicht ganz dem Jakobsweg, dort hatte ich ein Stück abgekürzt, da ich ja auch noch berufstätig bin und nur begrenzt Zeit hatte.

Aber ab Peiting ging es wieder auf dem Original-Jakobsweg weiter. Diese fünfte Etappe von Peiting nach Burggen war landschaftlich spektakulär, mit tollen Ausblicken auf die Alpen und den Lech. Auch der Hund freute sich über die Erfrischung am Lech-Strand.

Ich war ein ums andere Mal beeindruckt, wie wunderschön das Bayerische Oberland ist. Man kennt so wenig von der eigenen Heimat und das Wandern entschleunigt ganz wunderbar und macht einem die Schönheit der Natur wieder bewusst. Dann ging es auf den Auerberg. Auf dieser Etappe hatte ich einige Höhenmeter zu bewältigen. Gerade bergauf merkte ich den schweren Rucksack dann doch.

Der Gasthof auf dem Auerberg war ein wunderbares Etappenziel und Übernachtungs-Quartier. Was für ein magischer Ort! Der Gasthof und die Wallfahrtskirche St. Georg liegen auf 1055 Metern Höhe und der grandiose Rundum-Blick war atemberaubend.

Bei der Wandertour ging es durch viel Natur – mit Blick auf das Alpen-Panorama bei Burggen. | Foto: privat
Bei der Wandertour ging es durch viel Natur – mit Blick auf das Kloster Andechs. | Foto: privat

Bei der Wandertour ging es durch viel Natur – mit Blick auf das Alpen-Panorama bei Burggen und rund um das Kloster Andechs. | Fotos: privat

Das Ziel erreicht!

Und dann ging es schon zur siebten und letzten Etappe nach Marktoberdorf. Es war schon ein erhebendes Gefühl, als ich das Ortsschild passierte. Ich hatte es tatsächlich durchgezogen und geschafft und auch Hündin Nanni war fleißig mitgewandert. Petrus war mir wohlgesonnen: Wir hatten wunderbares Wetter auf der gesamten Tour, nur am letzten Tag gab es einen kleinen Schauer. Was für ein Erlebnis!

Gelungene Pilgertour

Die gesamte Strecke war wunderschön zum Wandern, ich hatte tolle Momente und Begegnungen. Meine Planung hatte prima funktioniert und die Etappenlängen von 15 bis 20 Kilometer pro Tag waren genau richtig. Auch Diabetes und Glukoseverlauf waren durchaus zufriedenstellend. Inzwischen war ich richtig im Wander-Flow und hätte noch ewig weiterlaufen können.

Wer weiß, vielleicht plane ich für nächstes Jahr noch den zweiten Teil der Strecke von Marktoberdorf bis zum Bodensee. Ein großer Dank gilt all meinen Freunden und Helfern, die mich auf der Tour unterstützt haben. Schön war’s!


von Katrin Hoefer

Katrin Hoefer kommt aus Gauting bei Starnberg und lebt seit 1980 mit Typ-1-Diabetes. Im Diabetes-Anker hat sie einen Erfahrungsbericht über ihre Wanderung auf dem deutschen Teil des Jakobswegs veröffentlicht, die sie zusammen mit ihrer Hündin Nanni bewältigt hat.

Erschienen in: Diabetes-Anker, 2026; 75 (5) Seite 54-57

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