Serie „Sportlich leben mit Typ-1-Diabetes“ – Teil 1: Was passiert bei Sport in unserem Körper?

3 Minuten

Serie „Sportlich leben mit Typ-1-Diabetes“ – Teil 1: Was passiert bei Sport in unserem Körper? | Foto: famveldman – stock.adobe.com
Foto: famveldman – stock.adobe.com
Serie „Sportlich leben mit Typ-1-Diabetes“ – Teil 1: Was passiert bei Sport in unserem Körper?

Viele Menschen mit Typ-1-Diabetes kennen das: Bei manchen Sport-Arten sinkt der Blutzucker schnell, bei anderen steigt er zunächst sogar an. Nach dem Training treten häufiger niedrige Blutzuckerwerte auf, weil das Insulin oft noch stärker wirkt als sonst. Warum ist das so und was genau geschieht beim Sport im Körper?

Bei Bewegung oder sportlicher Aktivität muss der Körper plötzlich deutlich mehr Energie-Träger zur Verfügung stellen, damit die Muskeln und das Herz-Kreislauf-System erfolgreich arbeiten können. Für die Energie-Gewinnung stehen Glukose aus dem Blut und den Glukose-Speichern in Muskeln und Leber sowie Fette (Lipide) aus den Fett-Speichern zur Verfügung. Die Energie-Reserven werden nicht gleichzeitig, sondern nacheinander angesteuert.

Muskeln können Glukose auch ohne zusätzliches Insulin aufnehmen

Während leichter sowie moderater Bewegung können Muskeln Glukose direkt aus dem Blut aufnehmen, auch wenn kein zusätzliches Insulin vorhanden ist. Wenn Glukose aus dem Blut in unsere Muskel-Zellen aufgenommen wird, sinken die Blutzuckerwerte. Bei fehlender Gegenregulation kann es sogar zu Hypoglykämien (Unterzuckerungen) kommen. Das ist z.B. typisch beim Joggen, Radfahren, Schwimmen, zügigem Spazieren oder bei Ausdauersport.

Intensive Belastung: Stresshormone führen zu Glukose-Freisetzung aus der Leber

Neben der muskulären Belastung kann Bewegung im Körper eine Art Stress-Reaktion auslösen. Es kommt zur vermehrten Ausschüttung von Stresshormonen, wie Adrenalin und Kortisol. Das ist v. a. der Fall bei Aufregung oder sehr intensiven Belastungen wie Sprints, Intervall-Läufen oder Wettkampf-Situationen.

Die ausgeschütteten Stresshormone sorgen dafür, dass unsere Leber zusätzlich Glukose aus den Glukose-Speichern freigibt und den Muskeln über die Blutbahn als Energie-Quelle bereitstellt. Der Blutzucker steigt. Bei fehlender Gegenregulation kann es zu ausgeprägten Hyperglykämien (erhöhte Blutzuckerwerte) kommen.

Nicht nur während der Bewegung oder sportlichen Aktivität ändert sich unsere Stoffwechsellage, sondern auch mehrere Stunden nach dem Sport kann es zu veränderten Blutzuckerwerten kommen.

Faktoren, die beim Sport auf den Blutzucker wirken

Ob der Blutzucker bei körperlicher Aktivität sinkt oder steigt, hängt ab von:

  • der Intensität des Sports
  • der Dauer der Belastung
  • der vorhandenen Insulin-Menge
  • der individuellen Reaktion des Körpers

Warum Insulin nach dem Sport stärker wirkt

Nach dem Training reagiert unser Körper noch empfindlicher auf Insulin. Das bedeutet: Die gleiche Insulin-Menge kann stärker wirken als sonst. Dafür gibt es mehrere Gründe:

  • Die Muskeln haben ihre Glukose-Speicher geleert und wollen sie wieder auffüllen.
  • Der Körper ist darauf eingestellt, Glukose besonders gut zu verwerten.
  • Muskel-Zellen reagieren sensibler auf Insulin.

Das heißt, nach dem Sport ist der Blutzucker tendenziell niedriger, das Risiko für Unterzuckerungen steigt.

Da die Glukose-Speicher nicht sofort wieder aufgefüllt sind, die Hormone Zeit brauchen, um sich wieder zu normalisieren, präsentiert sich die Stoffwechsellage in unserem Körper noch weit über den Sport hinaus verändert. Das kann sogar mehrere Stunden nach dem Sport passieren, besonders in der Nacht nach intensivem Training.

Serie „Sportlich leben mit Typ-1-Diabetes“ – Teil 1: Was passiert bei Sport in unserem Körper? | Grafik zeigt die Auswirkungen unterschiedlicher Aktivitäten auf die Körperfunktionen
Grafik: Othmar Moser

Warum regelmäßiger Sport den Blutzucker stabilisieren kann

Wer regelmäßig trainiert, hilft seinem Körper, besser mit Glukose umzugehen. Langfristig kann Bewegung

  • die Muskeln stärken,
  • die Glukose-Aufnahme der Muskeln verbessern,
  • die Insulin-Empfindlichkeit erhöhen,
  • den Blutzucker stabiler machen.

Viele Menschen mit Typ-1-Diabetes berichten deshalb, dass regelmäßiger Sport die Blutzuckerwerte im Alltag stabilisiert.

Fazit

Zusammenfassend haben Bewegung und Sport auf mehrere Arten einen großen Einfluss auf unsere Blutzuckerwerte. Unsere Muskeln nutzen Glukose als Haupt-Energie-Quelle, der Blutzucker sinkt. Durch Stresshormone kann es zu einer vermehrten Glukose-Freisetzung aus der Leber kommen, der Blutzucker steigt.

Insulin wirkt während und nach der Bewegung stärker. Sowohl Muskeln als auch Leber passen ihre Energie-Speicher an die Belastung an. Wer versteht, warum der Körper so reagiert, kann Blutzucker-Veränderungen besser einordnen und Bewegung sicher in den Alltag integrieren.

In der nächsten Ausgabe des Diabetes-Ankers geht es um Tipps und Tricks für Menschen mit Typ-1-Diabetes, um mit körperlicher Belastung umzugehen – egal mit welcher Art der Insulintherapie.

Serie „Sportlich leben mit Typ-1-Diabetes“

In der nächsten Ausgabe des Diabetes-Ankers geht es um Tipps und Tricks für Menschen mit Typ-1-Diabetes, um mit körperlicher Belastung umzugehen – egal mit welcher Art der Insulintherapie.


Im Klinikum Dritter Orden München-Nymphenburg werden Kinder und Jugendliche mit Diabetes interdisziplinär behandelt und individuell betreut. Für den Diabetes-Anker schreibt das Team regelmäßig Beiträge.

Im Klinikum Dritter Orden München-Nymphenburg werden Kinder und Jugendliche mit Diabetes inter­disziplinär behandelt und individuell betreut. Für den Diabetes-Anker schreibt das Team regelmäßig Beiträge.


von Sarah Obst

Avatar von sarah-obst

Erschienen in: Diabetes-Anker, 2026; 75 (5) Seite 44-45

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Ähnliche Beiträge

Rezept: Überbackener Spargel
Rezept: Überbackener Spargel | Foto: MedTriX / Bernhard und Gabi Kölsch

2 Minuten

Rezept für Hirse-Risotto mit Thunfisch
Hirse statt Reis: Dieses Rezept für Risotto kombiniert das ballaststoffreiche Getreide mit Kohlrabi, Aubergine, Erbsen und Thunfisch zu einer sättigenden Mahlzeit – fertig in rund 30 Minuten und mit 42 Gramm Eiweiß pro Portion.
Rezept für Hirse-Risotto mit Thunfisch | Foto: MedTriX / Bernhard und Gabi Kölsch

2 Minuten

Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
Verbände