- Eltern und Kind
Webbasierte Hilfen zu psychologischen Themen: Was können die Angebote leisten?
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Seit einigen Jahren werden webbasierte Programme und Beratungen zu verschiedenen psychologischen Themen („e-mental health“), aber auch zu Erziehungsfragen angeboten. Welche Arten von Angeboten gibt es und wer sind die Anbieter? Und sind diese Programme wirklich hilfreich?
Viele der webbasierten Angebote orientieren sich an Konzepten, die zuvor erfolgreich als regelmäßige persönliche Treffen zwischen Klient und Therapeut und als Übungsveranstaltungen in Kleingruppen durchgeführt wurden. Andere setzen die Grundgedanken einer kognitiven Verhaltenstherapie als guided self-help (geleitete Selbsthilfe) als webbasiertes Angebot um.
In den letzten Monaten haben diese Angebote in Folge der Kontaktbeschränkungen durch die Covid-19-Pandemie zusätzliches Interesse gefunden, weil sie jederzeit und von jedem Ort aus sicher genutzt werden können. Besonders für Personen mit psychischen Problemen oder auch für sehr belastete Eltern, die aufgrund von Zeitmangel oder Scham bisher keine Hilfe gesucht haben, eröffnen Online-Angebote neue Möglichkeiten.
Welche Themen gibt es?
Nahezu alle gesetzlichen und viele private Krankenkassen bieten ihren Mitgliedern Online-Programme und Coachings zur Unterstützung eines gesunden Lebensstils an, z. B. Stressreduktion, Rückengesundheit, Fitness, Rauchstopp oder Gewichtsreduktion. Die seelische Gesundheit wird in Programmen zu den Themen Depression, Angst, Burn-out, gestörtes Essverhalten, Meditation und Achtsamkeit, Work-Life-Balance oder Entspannungstechniken bearbeitet. Aber auch eher seltene Probleme wie Prokrastination („Aufschieberitis“) oder die Überwindung von Prüfungsangst werden in Coaching-Programmen angegangen.
Besonders interessant ist ein ADHS-Elterntrainer, der nicht nur für Eltern betroffener Kinder hilfreich ist. Er vermittelt allen Eltern gute Tipps, wie der Alltag mit Kindern positiv und konfliktarm gestaltet werden kann. Für Kinder mit und ohne Diabetes werden altersgemäße Programme zur besseren Stressbewältigung, aber auch zum Fitness-Training zuhause auf den Websites der Krankenkassen angeboten.
Speziell für Eltern mit einem chronisch kranken Kind wurde von der Ulmer Onlineklinik das Programm BEcKI! (Beratung für Eltern eines chronisch kranken Kindes im Internet) entwickelt, das Eltern z. B. mit einem Kind mit Diabetes bei der Bewältigung des Alltags unterstützen soll. Nach einer schriftlichen Eingangsbefragung zu den Herausforderungen des Alltags wird jede teilnehmende Familie von einem Berater kontaktiert und maßgeschneidert beraten.
Weiterführende Links
In den folgenden 8 bis 12 Wochen des Programms bearbeiten die Eltern jeweils wöchentlich eine Schreibaufgabe und erhalten dazu persönliche Rückmeldungen und Tipps von ihrem Berater. Aktuell werden die Ergebnisse des Programms mit dem Ziel ausgewertet, dass eine Krankenkasse auch dieses Coaching für Eltern unterstützt.
Bundesweite Organisationen zum Schutz und zur Förderung der Kindergesundheit, z. B. das Nationale Zentrum Frühe Hilfe, die Caritas oder die Bundeskonferenz Erziehungsberatung, bieten kostenlos Einzelberatungen, Gruppenchats zu vorgegebenen Themen und webbasierte Elterntrainings zu Erziehungsfragen an. Dort können sich Eltern und auch Jugendliche online beraten lassen.
Die Themen für Eltern reichen von der Geburt über die Schulzeit bis zur Pubertät ihrer Kinder. Jugendliche ab 12 Jahren können ihre Sorgen und Nöte mit Eltern, Lehrern und Freunden oder mit sich selbst mitteilen. Professionell ausgebildete Beraterinnen und Berater helfen bei der Suche nach Lösungen oder vermitteln kompetente Ansprechpartner in der Region.
Weiterhin gibt es viele Erziehungsberatungsstellen und professionelle Anbieter, z. B. „Triple P“ oder andere etablierte Konzepte, die kostenpflichtige Online-Kurse für Eltern zu positiven Erziehungsstrategien anbieten. Die Programme sind wissenschaftlich überprüft und haben ihre Wirksamkeit in Studien belegt.
Wie sind die Angebote aufgebaut?
Online bedeutet zunächst nur, dass man sich bei der Beratung nicht persönlich gegenübersitzt, sondern das Internet als Medium nutzt. Wie in der Abbildung 1 dargestellt, wird unterschieden, ob das Internet in erster Linie zur Informationsvermittlung oder zur Kommunikation genutzt wird. Einige Online-Programme (oft von Krankenkassen) stellen Informationen, z. B. zum Thema Stressbewältigung, zur Verfügung und bieten zusätzliche Videos mit verschiedenen Entspannungstechniken an. Es gibt dabei jedoch keinen Kontakt zu Beratern und wird deshalb als „ungeleitete Selbsthilfe“ bezeichnet.
Außerdem gibt es Programme und Therapiekonzepte, bei denen es zu regelmäßigen therapeutischen Kontakten kommt. Sie werden als „geleitete Selbsthilfe“ (guided-self-help) bezeichnet, bei der ein professioneller Berater die Nutzer begleitet und berät. Diese gut strukturierten Programme bieten Strategien, Tipps und konkrete Übungen, die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen und Nutzern helfen, seelischen Beschwerden vorzubeugen oder sie zu reduzieren. Ein erfolgreiches Training bei leichter oder moderater Depression besteht z. B. aus acht Lektionen, die von den Nutzern wöchentlich durchgeführt werden.

Wenn die begleitenden Therapeuten feststellen, dass diese Form der Beratung nicht ausreicht, vermitteln sie auch Kontakte zu Behandlern vor Ort oder nahegelegenen Kliniken. Die Kombination aus Online-Kontakten und persönlichen Treffen (Face-to-Face) mit einem Berater oder Therapeuten wird auch als blended care bezeichnet. Diese Kombination hat sich bereits in Ländern, wie den Niederlanden, Schweden oder Großbritannien, in der Regelversorgung bewährt. Sie ist erwiesenermaßen wirksam und stellt somit eine wichtige Ergänzung zu bisherigen Therapieformen dar.
Schließlich bieten seit Beginn der COVID-19-Pandemie viele approbierte Psychotherapeuten webbasierte Video-Sprechstunden an, um ihre Klienten und sich vor einer Infektion zu schützen. Der Aufbau und die Inhalte der psychotherapeutischen Sitzungen bleiben dabei gegenüber dem Gespräch in der Praxis möglichst unverändert. Im weitesten Sinne gehören dazu auch die individuellen Einzelberatungen und Gruppenchats der Familienberatungsstellen, die von erfahrenen Fachleuten moderiert werden.
Wie erfolgreich sind die Programme?
Die Programme sind keine Selbstläufer – sie alle setzen darauf, dass die Nutzer bereit sind, sich mit der eigenen Situation auseinanderzusetzen. Die Angebote helfen durch Informationen, die Schwierigkeiten und deren Auslöser besser zu verstehen. Dies ist die Grundlage für eine Veränderung des Verhaltens und Erlebens Schritt für Schritt.
Außerdem werden die oft hinderlichen negativen Gedanken, z. B. in schwierigen Situationen der Kindererziehung, hinterfragt und durch hilfreiche Ideen ersetzt. Die Schreibaufgaben vieler Programme helfen dabei, sich intensiver mit den eigenen Gedanken, Gefühlen und Verhaltensweisen auseinanderzusetzen. Die Rückmeldungen durch die Therapeuten unterstützen die Veränderung im Erleben und Verhalten.
Eltern mit besonderen Erziehungsaufgaben lernen, das Denken und Erleben ihrer Kinder besser zu verstehen und positiv, liebevoll aber auch konsequent den Alltag z. B. mit einer chronischen Krankheit zu gestalten.
Inzwischen gibt es in der internationalen Literatur viele Daten, die die Wirksamkeit von geleiteten Online-Programmen, z. B. bei Depression, Angst, hoher Stressbewältigung oder auch bei Typ-2-Diabetes belegen. So gibt es inzwischen auch mehrere systematische Übersichtsarbeiten zum Vergleich zwischen internetbasierter und persönlich durchgeführter Verhaltenstherapie bei Angststörungen und Depressionen.
Wer übernimmt die Kosten?
Für geleitete Programme zeigten sich mittlere bis große Effekte, die mit Effekten von „face-to-face“-Psychotherapien vergleichbar sind. Es zeigte sich dabei auch, dass die Selbsthilfeprogramme, die von erfahrenen Therapeuten unterstützt werden, wirksamer sind als die ohne therapeutische Begleitung.
Für einige der oben aufgeführten Elterntrainings liegen vergleichbar positive Daten vor, die eine Reduktion von Konflikten in der Familie und Erziehungsstress belegen. Voraussetzung für alle Erfolge ist jedoch, dass die Programme vollständig bearbeitet und nicht abgebrochen werden. Hohe Abbruchraten wurden besonders bei Programmen für Jugendliche und junge Erwachsene beobachtet.
Die Programme, die von den Krankenkassen angeboten werden, sind in der Regel für die Mitglieder kostenlos. Aber auch für nachweislich wirksame Programme anderer Anbieter kann eine finanzielle Förderung bei der Krankenkasse beantragt werden. Die webbasierten Angebote der Erziehungsberatungsstellen sind in der Regel kostenlos. Für professionell geleitete Elterntrainingsprogramme wird teilweise eine Kursgebühr erhoben.
Sind die persönlichen Daten sicher?
Gerade, wenn es um sehr persönliche Daten zum seelischen oder körperlichen Befinden geht, muss die Schweigepflicht streng eingehalten und der EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) gefolgt werden. Die qualifizierten Programme der Krankenkassen und Beratungsstellen für Familien behandeln persönliche Angaben strikt vertraulich. Das Team, das die Programme z. B. für eine Krankenkasse betreut, darf keine personenbezogenen Daten an die Kasse weiterleiten. Achten Sie bei der Entscheidung für ein webbasiertes Programm auf die Angaben zum Datenschutz.
Vor- und Nachteile abwägen
Gerade in Zeit der sozialen Distanz während der Covid-19-Pandemie wurde vielen Menschen deutlich, wie wichtig ihnen persönliche Nähe und direkter Austausch mit anderen Menschen ist. Dies entfällt bei webbasierten Angeboten mehr oder weniger. Von der Kombination aus persönlichem und Online-Kontakt profitieren Ratsuchende und Berater besonders. In den Face-to-Face-Sitzungen ist eine ausführliche Beschäftigung mit den individuellen Anliegen einer Person möglich, die zu einer vertrauensvollen Beziehung führt.
Auf der anderen Seite erlauben die neuen Medien eine bessere Integration der neuen Informationen und Verhaltensweisen in den Alltag. Nutzer werden motiviert, sich aktiv zu beteiligen und die selbstgesteckten Ziele zu erreichen. Die Programme können ohne lange Wartezeiten gestartet werden, Fahrtzeiten zu Gruppensitzungen entfallen, es muss keine Betreuung für Kinder organisiert werden, und auch Menschen aus sonst schlecht versorgten Gegenden können Angebote nutzen.
Und vielleicht wird dadurch die Schwelle so gesenkt, dass sich mehr Familien trauen, frühzeitig nach Rat zu suchen, wenn das ganz normale Leben mit einem chronisch kranken Kind sie überfordert.
Prof. Dr. Karin Lange ist Diplom-Psychologin und Fachpsychologin Diabetes DDG. Sie war bis 2023 Leiterin der Forschungs- & Lehreinheit Medizinische Psychologie an der Medizinischen Hochschule Hannover. Sie entwickelte diabetologische Schulungsprogramme, schreibt Leitlinien und schult Behandelnde.
Erschienen in: Diabetes-Eltern-Journal, 2020; 12 (3) Seite 14-16
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kety22 postete ein Update vor 1 Woche, 1 Tag
Hallo zusammen, ich bin eine Dia-Mama und wollte fragen, was isst ihr abends oder kocht abends für eure Dia-Kids, damit der Wert nicht so hoch steigt und dann nachts nicht in die Unterzuckerung fällt? Oder habt ihr generell irgendwelche Tipps gegen nächtliche Unterzuckerung?
- moira antwortete vor 4 Tagen, 9 Stunden
Hallo!
Ich habe für mich festgestellt, dass Proteine am Anfang vom Abendessen helfen (Käse, Ei…) dann steigt der Blutzucker beim Essen nicht so schnell. Außerdem geht der Zucker später noch etwas hoch wegen den Proteinen. Das hilft etwas gegen Unterzucker.
Allerdings habe ich kaum noch Unterzucker seit ich meine Insulinpumpe habe.
Vielleicht hilft das etwas – viel Glück
katrin-kraatz schrieb einen neuen Beitrag vor 2 Wochen, 1 Tag
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Hallo kann mir jemand einen Tipp geben wie ich On Pot Gerichte mit Reis besser schätzen kann.
- katrin-kraatz antwortete vor 2 Wochen
Hallo mr,
Dein Problem, die Kohlenhydrate wie Reis in einem One-Pot-Gericht richtig einzuschätzen, vor allem wenn es für mehrere Personen gekocht ist oder Du es im Restaurant bestellst, kennen sicher viele – ich auch. Einfacher ist es, wenn Du nur für Dich kochst. Ich wiege tatsächlich, trotz mehr als 50 Jahren Diabetes, in diesem Fall vorher Reis, Nudeln oder was auch immer vorher ab. Dann weiß ich genau, wie viel es ist.
Ansonsten heißt es: Augenmaß! Gut ist, immer wieder mal eine bestimmte Menge Reis abzuwiegen und zu kochen (mache ich so). Dann sieht man die Menge und bekommt ein besseres Gefühl für die Menge beim Schätzen. Natürlich verteilt sich gerade Reis sehr gut zwischen den anderen Zutaten, aber ob es “viel” oder “wenig” ist, kann man meist erkennen.
Sinnvoll finde ich außerdem (und nicht nur ich), gerade bei eher schwierig einzuschätzenden Kohlenhydratmengen die Insulindosis eher zu gering anzusetzen und lieber später höhere Werte zu korrigieren oder – falls ein AID-System im Einsatz ist – dieses seinen Job machen zu lassen. Denn eine Hypo direkt nach dem Essen finde ich deutlich weniger angenehm.
Eine Patentlösung gibt es also nicht. Vielleicht helfen Dir die Tipps trotzdem etwas?




