- Eltern und Kind
Weitere Autoimmunerkrankung: Zöliakie oft Begleiter des Typ-1-Diabetes
4 Minuten
Eine Zöliakie, also eine Unverträglichkeit von Gluten, tritt häufig zusammen mit einem Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen auf. Wichtig sind deshalb ein regelmäßiges Screening und eine glutenfreie Ernährung.
In nahezu jedem Supermarkt oder Bioladen findet man inzwischen eine spezielle Abteilung mit Lebensmitteln ohne Gluten. Sinnvoll sind solche Lebensmittel für Menschen, die das Klebereiweiß Gluten bzw. seine Unterfraktion Gliadin nicht vertragen. Diese Unverträglichkeit ist – wie der Typ-1-Diabetes – eine Autoimmunkrankheit. Bekannt ist sie als Zöliakie und wird bei Erwachsenen auch als einheimische Sprue bezeichnet.
Menschen mit Typ-1-Diabetes erkranken häufiger an einer Zöliakie als Menschen ohne Typ-1-Diabetes. Ursache des häufig gemeinsamen Auftretens der beiden Autoimmun-Erkrankungen sind nahe beieinander liegende Risikogene für Typ-1-Diabetes und Zöliakie. Gluten findet sich in den Getreiden Weizen, Dinkel, Roggen und Gerste und Produkten daraus. In Mais, Reis, Wildreis, Hirse, Quinoa und Amaranth findet sich das Klebereiweiß nicht.
Hafer eigentlich glutenfrei
Eine Besonderheit stellt Hafer dar: Eigentlich ist er von Natur aus glutenfrei. Aber im Anbau – er wächst oft in Nachbarschaft von anderen Getreidefeldern – und in der Lieferkette kommt es oft zu Verunreinigungen durch glutenhaltige Getreidesorten. Deshalb heißt es hier, genau hinzuschauen. Denn wird der Hafer sorgfältig ausgewählt, kann er glutenfrei angeboten werden. Dies wird auf den Packungen extra angegeben, auch das Symbol der gekreuzten Ähre weist das Produkt als glutenfrei aus.
Besondere Sorgfalt beim Kochen
Was bedeutet dies für die Ernährung eines Kindes mit Zöliakie? Wichtig ist auf jeden Fall eine gute Ernährungsberatung, denn wer auf mineral- und ballaststoffreiche Lebensmittel wie die gängigen Getreide verzichten muss, braucht Alternativen, um dem Körper all das trotzdem zur Verfügung zu stellen. Die Deutsche Zöliakie Gesellschaft (DZG) weist außerdem darauf hin, dass auch die Lagerung sowie die Vor- und Zubereitung der Speisen von besonderer Bedeutung sind. Tipp der DZG: „Grundsätzlich gilt: Je weniger glutenhaltige Produkte im Haushalt verwendet werden, desto geringer ist das Kontaminationsrisiko.“
Lebensmittel mit und ohne Gluten (Auswahl)
mit Gluten
- Weizen, Roggen, Dinkel, Gerste, handelsüblicher Hafer, Grünkern, Einkorn, Emmer, Urkorn, Durum, Kamut und alle daraus hergestellten Produkte
- paniertes Gemüse
- panierte Fleisch- und Fischerzeugnisse, Surimi,
- Brathering, Semmelwurst, Fleischzubereitungen mit pflanzlichem Eiweiß (Weizen)
- Milchprodukte mit Getreidezusätzen
- Getreidekaffee, Malzkaffee, Bier, Malzbier
möglicherweise mit Gluten
- Hirsebrot, Buchweizenbrot, Sojanudeln, „glutenfreies“ Gebäck vom Bäcker
- Fertiggerichte, gebundene Suppen und Soßen
- Trockenfrüchte, Gemüse- und Obstkonserven mit Zusätzen
- Wurstwaren, gewürzte und/oder eingelegte Fisch- und Fleischwaren
- Light-Produkte, Frischkäse-Erzeugnisse, Kochkäse, Käse mit Gewürz- und Kräuterzusätzen, Analogkäse, Pudding, Desserts
- aromatisierte Tees, Getränkepulver, isotonische Getränke
- Gewürz-Zubereitungen, Gewürzsalz, Suppenwürze, Würzmischungen, Würzsoßen, Currypulver,
- Sojasoße, Ketchup, Malzessig
- Öle mit Gewürz- und Kräuterzusätzen
- Pommes frites, Kartoffelpüree, Kroketten, Kartoffelpuffer, Kartoffelchips
ohne Gluten
- Amaranth, Hirse, Mais, Quinoa, Reis und Wildreis, Soja
- Buchweizen und Hafer als spezielles Produkt mit der Aufschrift „glutenfrei“
- unverarbeitetes Obst und Gemüse
- frische, unpanierte, ungewürzte Fisch- und Fleischstücke
- Eier, Natur-Tofu, Käse, Milch, Milchprodukte
- Mineralwasser, Kaffee, Tee, Frucht- und Gemüsesäfte ohne Zusätze
- reine Gewürze, frische und tiefgekühlte Kräuter
- Senf, Essig ohne Zusätze
- Butter, Margarine, Pflanzenöle
- Kartoffeln „natur“
Dünndarmzellen werden zerstört
Warum ist es so wichtig, streng auf eine Ernährung ohne Gluten zu achten, wenn eine Zöliakie vorliegt? Gluten bindet an bestimmte Strukturen der Oberflächen von Zellen. Dies führt bei Menschen mit einer Gluten-Unverträglichkeit zu einer Immunreaktion, bei der Antikörper gebildet werden, die eine Entzündung im Darm auslösen. Dadurch werden Schleimhautzellen des Dünndarms zerstört und die Zotten („Falten“) des Dünndarms, in denen die Nährstoffe aufgenommen werden, gehen zugrunde.
Sehr unterschiedliche Symptome
Bekommt der Körper nicht mehr ausreichend Nährstoffe, macht sich das bemerkbar. Durchfälle, Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Blähungen und Verstopfung sind die Symptome, die wahrscheinlich viele direkt mit einer Zöliakie verbinden. Aber auch eine verlangsamte Gewichtszunahme oder Gewichtsverlust können bei betroffenen Kindern auftreten, das Wachstum und die Pubertät können verzögert sein. Erschöpfung, Störungen der Konzentration und schlechte Laune können ebenfalls Zeichen sein wie auch eine Blutarmut, brüchigere Knochen, Anfälligkeit für Infekte, Haarausfall und Muskelschwäche. Bei Jugendlichen treten eher die vom Darm unabhängigen Symptome auf, sodass die Diagnose oft erst spät gestellt wird. Beginnen die Kinder, sich glutenfrei zu ernähren, bauen sich die Darmzotten wieder auf und die Symptome verschwinden.
Diagnose durch Bluttest und Spiegelung
Das Screening auf eine Zöliakie kann bei Kindern mit Typ-1-Diabetes durch regelmäßige Blutuntersuchungen stattfinden, um nach für die Zöliakie spezifischen Antikörpern zu suchen. Ist eine erhöhte Menge an Antikörpern festgestellt, wird in der Regel der Dünndarm untersucht mit einer Spiegelung in Vollnarkose. Dabei werden auch Proben entnommen, die auf Entzündungen untersucht werden.
Wann Typ-1-Diabetes und Zöliakie gemeinsam auftreten
Die Zöliakie kann in jedem Alter auftreten. Aber es gibt zwei Häufigkeitsgipfel: zwischen dem ersten und achten Lebensjahr und im Alter von 20 bis 50 Jahren. In einer aktuellen Publikation wurde dargestellt, wie häufig nach der Diagnose eines Typ-1-Diabetes auch eine Zöliakie auftritt. Dazu wurde aus der Kohorte der schwedischen Studie „Better Diabetes Diagnosis“, die seit dem Jahr 2005 läuft und mehr als 90 Prozent aller Kinder und Jugendlichen mit Diabetes umfasst, bei den 5295 Kindern und Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes der zeitliche Zusammenhang zwischen Auftreten des Diabetes und der Zöliakie untersucht.
Dabei zeigten sich folgende Ergebnisse:
- 9,8 Prozent der Kinder und Jugendlichen hatten eine Zöliakie.
- Die Zöliakie wurde mehrheitlich vor oder bei der Diagnose des Typ-1-Diabetes diagnostiziert.
- Risikofaktoren waren junges Alter bei Diabetes-Diagnose, das Vorliegen des Rezeptors HLA DQ2 auf der Oberfläche von Zellen und die Zeit nach der Diabetes-Diagnose: je kürzer die Zeit nach der Diagnose, desto häufiger das Auftreten einer Zöliakie.
- Geschlecht und das Vorliegen von Diabetes-spezifischen Autoantikörpern stellten keine Risikofaktoren dar.
Screening auf Zöliakie
Für die Autorinnen und Autoren der in der Zeitschrift „Diabetes Care“ publizierten Studie gilt für das Screening auf Zöliakie aufgrund der Ergebnisse:
- alle Kinder bei Diagnose des Typ-1-Diabetes,
- Kinder, die bei Diagnose des Typ-1-Diabetes null bis fünf Jahre alt sind, zwei Jahre nach der Diabetes-Diagnose,
- Kinder, die bei Diagnose des Typ-1-Diabetes null bis zehn Jahre alt sind, fünf Jahre nach der Diabetes-Diagnose,
- alle Kinder mit Typ-1-Diabetes, bevor sie in die Betreuung durch die Erwachsenen-Diabetologie wechseln.
Angebote der Deutschen Zöliakie Gesellschaft
Die Deutsche Zöliakie Gesellschaft (DZG) unterstützt Menschen mit Zöliakie mit Informationsmaterial und Schulungen. Sie bietet auch Hilfen für eine glutenfreie Ernährung an, im Alltag und auch in Kita und Schule. Rezept-Ideen und Veranstaltungen finden sich auch im Angebot. Mitglied zu werden lohnt sich deshalb.
Auf www.dzg-online.de gibt es weitere Informationen und eine Beitritts-Erklärung.
Erschienen in: Diabetes-Anker, 2024; 72 (11) Seite 44-46
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lelolali postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Für alle Höhen und Tiefen vor 3 Tagen, 15 Stunden
Hallo, ich bin noch ganz neu hier. Ich war heute beim T1day und bin dadurch auf den DiabetesAnker aufmerksam geworden. Ich bin Ende 20 und komme aus Berlin und bin auf der Suche nach anderen Menschen mit Typ 1 Diabetes (ungefähr in meinem Alter) zum Austauschen und Quatschen. Vielleicht hat ja jemand Interesse 🙂
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jasminj postete ein Update vor 3 Tagen, 23 Stunden
Hi,
Ich bin Jasmin und gerade auf dem t1day 🙂 hab seit 23 Jahren Diabetes, aktuell mit Ypsopump und G7. Bin entweder in Hamburg oder Berlin anzutreffen und freue mich auf Kontakte und Austausch!-
lelolali antwortete vor 3 Tagen, 15 Stunden
Hey Jasmin, ich war heute auch auf dem T1day, vielleicht hast du Lust auf Austausch 🙂
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jasminj antwortete vor 3 Tagen, 15 Stunden
@lelolali: Ich würde mich über Austausch und Kontakte sehr freuen. Gerne hier oder anders online und ansonsten bin ich aktuell alle ein bis zwei Wochen in Berlin – also ggf. auch gerne persönlich?
Wie hat Dir der Tag gefallen? -
lelolali antwortete vor 3 Tagen, 14 Stunden
@jasminj: Ja sehr gerne! Ich kann dir hier leider keine private Nachricht schreiben (werde auf die Startseite weitergeleitet) , funktioniert dies bei dir? 🙂
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jasminj antwortete vor 3 Tagen, 13 Stunden
@lelolali: funktioniert bei mir leider auch nicht. Ich wollte es mir morgen nochmal über die Webabsicht anschauen, vllt geht es da 🙂
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gregor-hess antwortete vor 2 Tagen, 19 Stunden
@jasminj & @lelolali: Leider funktionieren die DM aktuell tatsächlich nicht, sorry! Wir kümmern uns schnellstmöglich darum!
LG Gregor aus der Redaktion -
gregor-hess antwortete vor 2 Tagen, 5 Stunden
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jasminj antwortete vor 2 Tagen, 4 Stunden
@gregor-hess: vielen lieben Dank! Hab es direkt ausprobiert und es sieht gut aus 🙂
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galu postete ein Update vor 1 Woche
hallo,
ich bin d«Deutsche und lebe seit ca.40jahren in Portugal… meine Tochter, deutsch portugiesin, nun 27 ist seit ihrem 11.Lebensjahr Typ1.
Nachdem ich, gleich nach der Diagnose, eine Selbsgthilfegruppe – die jungen Diabetiker der Algarve, gegruendet habe – finden wir nun so einige Beschraenkungen, was Selbsthilfe und relevante Info betrifft….meine Frage an die Gruppe:
Kann mir jemand , irgendwo in Deutschland eine gute Diabetes Kur oder Kuren mit Hauptgewicht auf Diabetes empfehlen?
Wir werden eh alles privat organsieren und bezahlen muessen – also sind eh nicht auf Krankenkassenangebote angewiesen (falls es diese ueberhaupt (wo?) geben sollte)
Irgendwo in Deutschland (vielleicht nicht zuweit weg von internationalen Flughaefen, da wir ja immer aus Portugal kommen muessen.
Hat vielleicht jemand eine Idee? vielen dank im Voraus-
connyhumboldt antwortete vor 1 Woche
Hallo! Die beste Klinik für Diabetes ist in Bad Mergentheim! Ich hoffe Euch damit geholfen zu haben! Die Gesetzlichen Krankenkassen schicken die bei ihnen versicherten Diabetiker alle dahin! Privat geht aber auch? Liebe Grüße aus dem kalten Deutschland!
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Hey, ich bin Lara und 23 Jahre alt. Ich komme zwar nicht aus Berlin, aber bin im Mai wieder dort. Freue mich trotzdem immer über Austausch, auch wenn es digital ist. Liebe Grüße
@laratyp1life: Hallo, über digitalen Austausch freue ich mich natürlich auch 🙂