Zwischen Buffet und Bolus: Kindergeburtstage und andere Feste feiern mit Typ-1-Diabetes

3 Minuten

Zwischen Buffet und Bolus: Kindergeburtstage und andere Feste feiern mit Typ-1-Diabetes | Foto: Claudia Paulussen – stock.adobe.com
Foto: Claudia Paulussen – stock.adobe.com
Zwischen Buffet und Bolus: Kindergeburtstage und andere Feste feiern mit Typ-1-Diabetes

Kindergeburtstage und andere Feste sind für die Kleinen oft das Größte. Doch wie wirkt sich das Feiern auf das Diabetes-Management aus? Wir zeigen, wie es mit Typ-1-Diabetes leichter gelingt, auch dabei die Glukosewerte im Blick zu behalten und als Elternteil den Ablauf entspannt zu gestalten.

Wer ein Fest veranstaltet, kann die Rahmenbedingungen aktiv gestalten und so dazu beitragen, dass nicht den ganzen Tag nur gegessen wird. Hilfreich sind bewusst festgelegte Zeiten für die Mahlzeiten, beispielsweise eine ausgewogene warme oder kalte Mahlzeit am Mittag und Muffins oder Kuchen am Nachmittag. Muffins bieten sich besonders gut an, da sie bereits vorportioniert sind. Durch Verwendung hochwertiger Zutaten wie Vollkornmehl, Nüsse und Früchte lässt sich das süße Gebäck etwas gesünder gestalten.

Das Mittagessen kann z. B. herzhafte Snacks und Rohkost beinhalten, um die Glukoswerte zu stabilisieren. Wie grundsätzlich empfohlen, sollte bei der GetränkeAuswahl auf zuckerfreie Getränke wie Wasser, ungesüßte Tees oder aromatisiertes Wasser (mit Gurke, Zitrus-Scheiben, Minze, Beeren-Obst usw.) zurückgegriffen werden, da diese keinen Einfluss auf den Blutzucker haben.

Als Gast vorausschauend planen

Als eingeladener Gast gestaltet sich die Situation oft deutlich anspruchsvoller. Hier liegt der Schlüssel vor allem in einer guten Vorbereitung und klaren Absprachen. Ein Gespräch mit den Gastgebern kann im Vorfeld Unsicherheiten beseitigen. Eventuell gibt es einen Ablauf-Plan, genaue Essenszeiten oder ein Buffet. Optimal wäre es, wenn bewusste Zeiten für Mahlzeiten eingeplant werden. Möglicherweise lässt sich vorab erfahren, welche Snacks und Mahlzeiten serviert werden. So kann man den jeweiligen Kohlenhydrat-Gehalt besser einschätzen.

Zudem ist es wichtig, sicherzustellen, dass während der Feier eine kontinuierliche Insulin-Versorgung und eine genaue Messung der Glukosewerte gewährleistet sind. Hierfür ist es ratsam, Ersatzmaterial dabeizuhaben, falls Glukose-Sensor oder Bestandteile des Pumpensystems ausfallen. So muss die Feierlichkeit nicht vorzeitig beendet werden. Zudem sollte das Kind möglichst nicht hungrig zu der Party gehen, da dies zu unkontrolliertem Essverhalten führen kann.

Feste meistern und genießen: So gelingt’s

  1. sich gut vorbereiten (Absprache mit Gastgeber oder eigene Gestaltung)
  2. Diabetes-Technologie gezielt einsetzen
  3. Erfahrung gewinnen
  4. höhere Glukosewerte akzeptieren

Bei jüngeren Kindern sollte ein Elternteil oder eine andere Begleitperson bei den Festen dabei sein. Kinder, die schon längere Zeit die Schule besuchen und dort die Eingabe der Kohlenhydrate oder die Behandlung einer Unterzuckerung selbstständig und gewissenhaft durchführen, können bei guter Planung und in Absprache mit den Gastgeber-Eltern die Feierlichkeit allein besuchen. Die Eltern sollten jedoch jederzeit erreichbar und bei Bedarf schnell am Veranstaltungsort sein, falls ein Problem auftritt, z. B. wenn die Kanüle verstopft ist oder abfällt oder die Glukosewerte stärker schwanken.

Jugendliche handhaben ihr Diabetes-Management in der Regel sehr selbstständig. Eine Feier können sie bei gewissenhaftem Verhalten selbstverständlich allein besuchen. Jugendliche ab 16 Jahren sollten eine Schulung für den Umgang mit Alkohol bei Typ-1-Diabetes wahrnehmen. Solche Schulungen bieten in der Regel die behandelnden Kinderdiabetologinnen und Kinderdiabetologen an.

AID-Systeme richtig einstellen

Systeme zur automatisierten Insulin-Dosierung (AID) können bei häufigeren oder fettreichen Mahlzeiten sehr hilfreich sein. Sie bieten verschiedene Einstellungen an, wie einen verlängerten Bolus oder eine Snack-Funktion. Dabei wird ein Teil der Insulindosis für die Kohlenhydrate zeitverzögert abgegeben oder der Algorithmus steuert selbstständig, ob eine Insulin-Abgabe nötig ist.

Wird viel getobt, z. B. beim Trampolin-Springen oder Spielen an der frischen Luft, empfiehlt es sich bei AID-Systemen, den Modus für eine abgeschwächte Insulin-Abgabe (z. B. Sport-Modus) frühzeitig einzuschalten, um Unterzuckerungen zu vermeiden. Der Name für diesen Modus variiert je nach Insulinpumpen-Hersteller. Das behandelnde Diabetes-Team steht für eine Beratung gern zur Verfügung.

Es muss nicht perfekt sein

Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes sollen trotz ihrer Erkrankung möglichst wenige Einschränkungen in ihrem Alltag erleben. Deshalb geht es bei besonderen Anlässen nicht darum, perfekte Glukosewerte zu erzielen, sondern jungen Menschen ein Stück Normalität zu ermöglichen.


Im Klinikum Dritter Orden München-Nymphenburg werden Kinder und Jugendliche mit Diabetes interdisziplinär behandelt und individuell betreut. Für den Diabetes-Anker schreibt das Team regelmäßig Beiträge.

Im Klinikum Dritter Orden München-Nymphenburg werden Kinder und Jugendliche mit Diabetes inter­disziplinär behandelt und individuell betreut. Für den Diabetes-Anker schreibt das Team regelmäßig Beiträge.


von Katharina Mahr

Katharina Mahr ist Diätassistentin und Diabetesberaterin DDG. Sie ist tätig am Klinikum Dritter Orden München-Nymphenburg in der Sektion für Kinderendokrinologie und Kinderdiabetologie.

Erschienen in: Diabetes-Anker, 2026; 75 (7) Seite 44-45

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Ähnliche Beiträge

Diabetes-Anker-Podcast: 25 Jahre „Diabetes-Kids“ – im Gespräch mit Michael Bertsch
Aus persönlicher Not wurde eine große Community: Als Michael Bertschs Tochter mit anderthalb Jahren Typ-1-Diabetes bekam, fehlten brauchbare Infos für Familien. Heute, 25 Jahre später, erreicht „Diabetes-Kids" jährlich hunderte Betroffene – mit Events, Beratung und Vernetzung. In dieser Podcast-Folge gibt er einen Einblick.
Diabetes-Anker-Podcast: 25 Jahre „Diabetes-Kids“ – im Gespräch mit Michael Bertsch | Foto: MedTriX / privat

2 Minuten

Kinder mit AID: Technik, Vertrauen und das ganz normale Familienleben
AID-Systeme haben das Familienleben grundlegend verändert. Sie stabilisieren Glukosewerte und schaffen Sicherheit, erfordern aber auch Wissen, Vertrauen und klare Abläufe in Schule, Freizeit und Beruf für Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes.
Kinder mit AID: Technik, Vertrauen und das ganz normale Familienleben | Foto: DimaBerlin – stock.adobe.com

3 Minuten

Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
Zur Community
  • thomas55 postete ein Update vor 1 Woche, 6 Tagen

    Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 2 Wochen

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße

  • lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 4 Wochen

    Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
    Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/

    Wer ist am Start?

    ( 4 von 6 )
    66.67%
    ( 1 von 6 )
    16.67%
    ( 1 von 6 )
    16.67%