„Beluga“: Mon Amour

4 Minuten

© belugalovesyou.com
„Beluga“: Mon Amour

Das Echt essen-Gasthaus im März: Das elegante Maastrichter Restaurant serviert Raffiniertes in liebenswürdiger Atmosphäre zu gastfreundlichen Preisen.

Vorbei an alten Kirchen und herausgeputzten Schlösschen fährt der Zug von Aachen in einer guten Stunde nach Maastricht. Die quirlige Universitätsstadt ganz im Süden Hollands glänzt links von der breiten Maas mit einem verwinkelten mittelalterlichen Kern, wo romanische und gotische Gotteshäuser auf Besucher warten. Empfehlenswert eine ehemalige Dominikanerkirche: Hier empfängt die schönste Buchhandlung der Niederlande ihre Leser.

Die Messe ist gelesen: Kirche zu Buchhandlung

Restaurant: Das „Beluga loves you“ liegt auf der rechten Seite direkt am Fluss. Der ungewöhnliche Name erklärt sich daraus, dass sich Inhaber und Koch Hans van Wolde vor einigen Jahren entschlossen hat, die damaligen hohen Preise seines Restaurants zu kappen, was die Gäste lieben werden. Das Konzept ist aufgegangen, das Beluga ist ein gut besuchtes, außergewöhnlich elegantes Restaurant mit kommunikativen runden Tischen, echter Musik, einem szenigen Barbereich für den Aperitif. Dass sich hier sofort loungige Wohlfühlatmosphäre einstellt, liegt an Hans von Wolde, der die Gäste mit kräftigem Handschlag persönlich begrüßt. Es liegt aber auch am äußerst angenehmen männlichen Service, der korrekt krawattet in chicen Sneakern selbstbewusst zu Diensten bereitsteht.

Alles so schön rund hier: Loungiges Beluga

„Goede middag“ sagen wir zur Begrüßung, was als angenehme Referenz an das Gastland gewürdigt wird. Aber dann fragt auch schon auf Deutsch „Nouri“, unser charmanter Kellner mit tunesischen Wurzeln, ob er uns das Restaurant zeigen darf. Gerne, alles ist sehr offen, eine Lichtinstallation fasziniert, in der Küche findet sich der „Chefs Table“, es gibt aber auch einige weitere Plätze mit direktem Blick auf die Köche – und im Sommer lockt gar eine kleine Terrasse. Ein Zwei-Sterne-Haus, das jeden Gedanken an einen steifen Gourmettempel locker verscheucht, und das auch mittags von einer fröhlichen, leger gekleideten Gästeschar fast ausgebucht ist.

Wenn die Bete mit der Gurke: Gaumenschmeichler

Essen: Sicher, das Essen kann bei dem Aufwand nicht billig sein. Aber für das Gebotene ist es seinen Preis allemal wert. Genau 100 Euro kostet mittags das viergängige Menü, einschließlich einer famosen Weinbegleitung mit vier ordentlich eingeschenkten Gläsern, plus Cava und reichlich Mineralwasser. Begeisternd vorneweg ein Gaumenschmaus mit Gurke und Roter Bete. Es folgt ein Glas mit einem Gericht, das in verschiedenen Variationen seit über zehn Jahren serviert wird: „Hit me“. Wird der tomatige Cracker eingedellt, verbirgt sich darunter eine Melange aus intensivem Käseschaum, geeister Tomate sowie eine richtig gute Tomate, nix holländische Wasserware – und das Ende Februar.

Wirklich ein Hit: Tomate küsst Käseschaum

Schwebend satt statt Völle gefühlt Fein der erste Gang, ein um eine Auster gewickelter „Rollmops“ von sehr gutem Thunfisch, reizvoll kontrastiert von dezenter Orangensauce. Wohl schmeckend die gedämpfte Seezunge mit in Essig eingelegtem Kürbis – und alles angerichtet in einer federnd leichten Zitrussauce von hoher geschmacklicher Intensität. Fast winzig die Portion. Nur: Über alle Gänge hinweg ergibt sich am Ende des Mahls ein Gefühl des schwebenden Sattseins.

Hervorragend dazu ein südfranzösischer Viognier, der vom Sommelier wie alle Weine mit einer Leidenschaft offeriert wird, als handele es sich um die größten Tropfen der Welt. Aber ist schon recht, für den Preis ist das alles in Ordnung, vor allem, wenn ich daran denke, wie knausrig im Londoner „native“ die Weinbegleitung war.

Kleine Portion, großer Geschmack: Gestoomde zeetong

Zukunftsweisend: Die Waren sind keine abgefahrenen Edelprodukte, sondern kommen größtenteils aus dem Holländischen. So auch im Hauptgang aus dem nahen Limburgischen Margraten das Kalbfleisch, das seinen Auftritt als Bäckchen, Filet, Ossobucco und sogar als seltenes Bries hat. Selbstverständlich sind alle Teile perfekt zubereitet und von einer gallert-kräftigen Sauce ins einträchtige Benehmen gesetzt.

Schon alles? Ach was, der holländische Zampano brilliert noch mit einem warmen Käseküchlein, zart umhüllt von Apfel-Rosmarin-Jus und gekrönt von einem Büffelmilch-Blauschimmelkäse aus der Lombardei, kongenial begleitet von feinem, süßen Wein vom Neusiedlersee. Beruhigend: Der Kuchen aus Holland, der Käse aus Italien, der Wein aus Österreich. Wenigstens kulinarisch vertragen sich die Europäer noch auf das Angenehmste.

Wo Europa noch miteinander kann: Warme kaascake

Sicher, das alles sind Gerichte, die auf diesem Level in der Spitzenküche Standard sind. Was das „Beluga“ trotzdem zu etwas ganz Besonderem macht, sagt mein

Fazit: Eine loungige Location, eine federleichte Spitzenküche und ein animierender Service bei moderaten Preisen zaubern ein liebenswertes Sehnsuchtsziel.

„Beluga loves you“


Adresse: Plein 1992-12, 6221 JP Maastricht

Öffnungszeiten: Auf der Website lässt es sich bequem reservieren, allerdings nur auf holländisch. Geöffnet ist außer Sonntag und Montag mittags ab 12 und abends ab 19 Uhr.

Kontakt: www.belugalovesyou.com

Tipp: Mitten in Maastrichts Altstadt wird im kultigen „Witloof“ eine deftige belgische Küche mit Fritten, Muscheln und über 250 Biersorten serviert.

Es lebe das Leben: Altstadt von Maastricht



ECHT ESSEN
heißt der Blog, in dem ich seit zehn Jahren jeden Monat mindestens ein Gasthaus vorstelle. Wichtiges Auswahlkriterium: Herkunft der Produkte.



von Hans Lauber
E-Mail: aktiv@lauber-methode.de

Internet: www.lauber-methode.de

zurück zur „Echt essen“-Übersicht

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Ähnliche Beiträge

L’Imprimerie: Vive la France

Das Echt essen-Gasthaus im April: Eine unverfälschte französische Landküche bietet die ehemalige Druckerei im gutbürgerlichen Kölner Stadtteil Bayenthal. Ein Restaurant, das polarisiert

4 Minuten

Izmir: „Fischeparadies“

Echt essen im November: Die Vier-Millionen-Metropole begeistert mit frischen Fischen, mediterraner Küche, interessanten Weingütern – und eleganten Katzen

6 Minuten

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist das neue Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage

Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community

Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen

Community-Feed

  • moira postete ein Update vor 1 Woche, 2 Tagen

    Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄

  • bloodychaos postete ein Update vor 2 Wochen, 2 Tagen

    Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.

    • ole-t1 antwortete vor 2 Wochen

      Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.

      Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:

      Freestyle Libre 3 bzw. 3+
      Dexcom G7
      Dexcom G6 (noch)
      Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
      Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
      Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
      Accu-Chek Smartguide CGM
      Medtrum Touchcare Nano CGM

      Ich würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
      Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.

  • thomas55 postete ein Update vor 3 Wochen

    Hallo,
    ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
    Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
    Thomas55

Verbände