- Ernährung
Chrononutrition: Mit Blick auf die innere Uhr beim Essen zu besseren Glukosewerten
3 Minuten

Wer an Typ-2-Diabetes erkrankt ist oder ein erhöhtes Risiko hat, kann nicht nur mit der Wahl der Lebensmittel etwas bewirken, sondern auch mit dem Blick auf die innere Uhr beim Essen. Studien zeigen: Kürzere Zeitfenster und weniger Kohlenhydrate am Abend führen zu besseren Blutfett- und Glukosewerten. PD Dr. Olga Ramich forscht zum Thema Chrononutrition und hat mit uns über ihre Ergebnisse gesprochen.
PD Dr. Olga Ramich
Darauf zu achten, wann und was man tagsüber isst, kann dabei helfen, das Auftreten eines Diabetes zu verzögern oder sogar zu verhindern. Wer beim Essen die Tageszeiten im Blick behält, steuert damit zudem mit großer Wahrscheinlichkeit sein Körpergewicht.
PD Dr. Olga Ramich vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) forscht zur Chrononutrition (ein Forschungsgebiet, das untersucht, wie Ernährung und innere Uhr zusammenwirken) und erhielt anlässlich der 58. Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für Diabetesforschung (EASD) in Stockholm den vom Unternehmen Servier gestifteten Morgagni-Preis.

Menschen mit Typ-2-Diabetes wird oftmals empfohlen, mehrere kleine Mahlzeiten im Tagesverlauf einzunehmen. Neue wissenschaftliche Studien zeigen, dass auch das Verkürzen der täglichen Essenszeiten auf ein Zeitfenster unter 10 Stunden die Blutglukosewerte verbessern und den Cholesterinspiegel senken kann. Außerdem hilft Intervallfasten dabei, das Körpergewicht besser unter Kontrolle zu halten.
„Wir haben erst vor Kurzem eine Studie dazu abgeschlossen, in der wir die Effekte von früheren und späteren Essenszeiten verglichen haben“, berichtet PD Dr. Olga Ramich. „Jede Phase hat nur zwei Wochen gedauert, und trotzdem konnten wir schon eine deutliche Auswirkung auf den Stoffwechsel der Teilnehmerinnen feststellen.“ Wer ein Zeitfenster für das Intervallfasten auswählt, das gut zum eigenen Alltag passt, profitiert davon also normalerweise sehr rasch und sogar, ohne an der Auswahl der Lebensmittel etwas grundsätzlich zu verändern. Menschen mit Diabetes, die mit Insulin behandelt werden, und Senioren sollten jedoch zunächst mit ihrem Arzt besprechen, ob sie Intervallfasten ausüben können.
Verzicht auf Kohlenhydrate am Abend
Laut Dr. Olga Ramich können die Menschen mit erhöhtem Diabetesrisiko auch von einer Anpassung der Zusammenstellung ihrer Ernährung profitieren. In einer ihrer Studien führte der Verzicht auf große Kohlenhydrat-reiche Mahlzeiten am Abend bei den Teilnehmenden im gesamten Tagesverlauf zu niedrigeren Blutzuckerwerten. Wer es trotz eines erhöhten Diabetesrisikos schafft, die Werte möglichst oft im Normbereich zu halten, kann zudem wahrscheinlich auch das Auftreten der Erkrankung verzögern.
„Unsere innere Uhr reguliert viele Stoffwechselprozesse in unserem Körper, was unter anderem dazu führt, dass unsere Glukosetoleranz abends schlechter ist als morgens, zumindest bei Menschen, die noch nicht an Diabetes erkrankt sind“, erklärt die Ernährungsforscherin. Die Redewendung „Morgens wie ein König und abends wie ein Bettler“ ist für Menschen mit Diabetes also eine wissenschaftlich begründbare Handlungsempfehlung. „Menschen mit Diabetes sollten auf jeden Fall auf ihre Essenszeiten achten“, betont Ramich.
Mediterrane Kost ist vorteilhaft
Als Allheilmittel sollte eine Anpassung der Essenszeiten gleichwohl nicht gesehen werden. „Es ist trotzdem auch wichtig, was man isst und wie viel man isst“, stellt die Forscherin klar. “Die drei Faktoren wirken in Kombination.” Wer aufgrund von Schichtarbeit regelmäßig spät essen muss, sollte besonders auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung achten, um diesen Nachteil auszugleichen, lautet die Empfehlung der Expertin. „Mehr Gemüse und Obst, mehr Ballaststoffe, vielleicht nach der Arbeit lieber einen großen Teller Salat als Nudeln“, so Ramich.
Als vorbildlich gilt in diesem Zusammenhang die mediterrane Kost, die in Südeuropa verbreitet ist. „Dort nehmen die Menschen viele gesunde pflanzliche Öle, Nüsse, Gemüse und Fisch zu sich und essen durchschnittlich weniger Kohlenhydrate und Fleisch“, erläutert die Forscherin. „Die gesunde Zusammenstellung der Ernährung kompensiert vermutlich auch die negativen Effekte der in Südeuropa oft späteren Essenszeiten.“
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2023; 72 (2) Seite 34-35
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Ähnliche Beiträge
- Behandlung

3 Minuten
- Behandlung

14 Minuten
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.
über deinen Diabetes?
Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.
kety22 postete ein Update vor 1 Woche
Hallo zusammen, ich bin eine Dia-Mama und wollte fragen, was isst ihr abends oder kocht abends für eure Dia-Kids, damit der Wert nicht so hoch steigt und dann nachts nicht in die Unterzuckerung fällt? Oder habt ihr generell irgendwelche Tipps gegen nächtliche Unterzuckerung?
- moira antwortete vor 3 Tagen, 18 Stunden
Hallo!
Ich habe für mich festgestellt, dass Proteine am Anfang vom Abendessen helfen (Käse, Ei…) dann steigt der Blutzucker beim Essen nicht so schnell. Außerdem geht der Zucker später noch etwas hoch wegen den Proteinen. Das hilft etwas gegen Unterzucker.
Allerdings habe ich kaum noch Unterzucker seit ich meine Insulinpumpe habe.
Vielleicht hilft das etwas – viel Glück
katrin-kraatz schrieb einen neuen Beitrag vor 2 Wochen
Diabetes-Anker-Podcast | Extra: Gürtelrose bei Diabetes – Risiken, Symptome und Vorbeugung im Überblick
In dieser Podcast-Sonderfolge geht es um Gürtelrose bei Diabetes. Dr. Katrin Kraatz spricht mit Diabetologe Dr. Dietrich Tews über Risiken, Symptome u …mr postete ein Update vor 2 Wochen, 4 Tagen
Hallo kann mir jemand einen Tipp geben wie ich On Pot Gerichte mit Reis besser schätzen kann.
- katrin-kraatz antwortete vor 1 Woche, 6 Tagen
Hallo mr,
Dein Problem, die Kohlenhydrate wie Reis in einem One-Pot-Gericht richtig einzuschätzen, vor allem wenn es für mehrere Personen gekocht ist oder Du es im Restaurant bestellst, kennen sicher viele – ich auch. Einfacher ist es, wenn Du nur für Dich kochst. Ich wiege tatsächlich, trotz mehr als 50 Jahren Diabetes, in diesem Fall vorher Reis, Nudeln oder was auch immer vorher ab. Dann weiß ich genau, wie viel es ist.
Ansonsten heißt es: Augenmaß! Gut ist, immer wieder mal eine bestimmte Menge Reis abzuwiegen und zu kochen (mache ich so). Dann sieht man die Menge und bekommt ein besseres Gefühl für die Menge beim Schätzen. Natürlich verteilt sich gerade Reis sehr gut zwischen den anderen Zutaten, aber ob es “viel” oder “wenig” ist, kann man meist erkennen.
Sinnvoll finde ich außerdem (und nicht nur ich), gerade bei eher schwierig einzuschätzenden Kohlenhydratmengen die Insulindosis eher zu gering anzusetzen und lieber später höhere Werte zu korrigieren oder – falls ein AID-System im Einsatz ist – dieses seinen Job machen zu lassen. Denn eine Hypo direkt nach dem Essen finde ich deutlich weniger angenehm.
Eine Patentlösung gibt es also nicht. Vielleicht helfen Dir die Tipps trotzdem etwas?



